Ausgabe 
20.11.1921
 
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onntagsgruß

Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen

Fr. 7 Gießen, 26 Sonnt. n. Trinitatis, den 20. Nopbr. 1921

Jo. Jahrg.

Totensonntag.

1. Mose 45, 24. Also ließ Joseph seine Brü der von sich, und sie zogen hin, und er sprach zu ihnen: Zanket nicht auf dem Wege!

Vor einigen Jahren hat der Verlags- buchhändler Wilhelm Langewiesche seine Hei⸗ mat und seine Jugend beschrieben. In dieser Selbstbiographie teilt er eine Inschrift mit, die sich auf einem Familiengrabe seiner Hei⸗ matstadt es ist die Industriestadt Rheydt in der Rheinprovinz findet. Diese In- schrift lautet:

Daß wir, eins dem andern, kürzten unser 5 Leben, Haben wir uns längst vergeben, Unser aller Mutter nach Geschrei und Hassen Hat uns Frieden finden lassen, Drin wir nun Selig ruhn, Durch die Grabeswände Fanden sich die Hände.

Unter dem Steine, auf dem diese so merkwürdige und ergreifende Inschrift steht, ruhen sieben Geschwister. Sie hatten jahre⸗ lang Streit miteinander und führten gegen⸗ einander Prozesse; als sie gestorben waren, wurden sie nebeneinander bestattet, die Erde, sunser aller Mutter, nahm sie auf. Erst, als sie im Grabe lagen, hielten sie Frieden miteinander. In der Stadt nannte und nennt man ihr Grab das Grab der sieben Bösen.

Was auf diesem Grabe steht, gibt uns allen am Totensonntage zu denken. Jeder 1 Mensch hat den Wunsch, im ewigen

eben wieder mit denen vereinigt zu werden, mit denen er hier auf Erden durch Bande der Liebe verbunden war. Wie kann der diese Hoffnung haben, der mit den Seinen stets in Zank und Streit lebt? Darum mahnt uns der Tag, da wir unserer Ent⸗ schlafenen gedenken, daß wir mit denen Frie⸗ den halten sollen, die uns nahestehen. Joseph ermahnte seine Brüder, als sie von ihm weg in ihre Heimat zogen: Zanket nicht auf dem Wege! Das ist eine Mahnung auch für den Erdenweg. Gerade in unseren Tagen werden die Menschen durch soviel Haß und Streit voneinander getrennt, soviel Bitterkeit macht sich allenthalben geltend. Sollten die Streit süchtigen und Rechthaberischen nicht öfter einmal daran denken, daß die Stunde kommt, da sie neben denen, die sie befehdeten, still

in einer Reihe ruhen? Friedrich Rückert hat gesagt:

Zu deinem Bruder sprich: Ist Tod uns nicht gemein? Komm, Todesbruder, komm und laß uns Freunde sein!

Und Jakobus schreibt das schöne Wort: Die Frucht aber der Gerechtigkeit wird ge⸗ säet im Frieden denen, die den Frieden halten. H. B.

Evangelisch⸗kirchliche Jugendpflege

in Gießen.

Da über die verschiedenen Organisationen unserer Kirchengemeinde, die sich die Pflege der heranwachsenden Jugend zum Ziele setzen, augenscheinlich noch ziemliche Unkennt⸗ nis besteht, so seien hier über diesen Zweig unserer Gemeindearbeit einige Mitteilungen gegeben. g

A. Vereinigung zur Pflege der männlichen Jugend.

1. Wartburg verein. Dieser im Jahre 1887 von Pfarrer Dr. Naumann begründete Verein, der ursprünglich den NamenEvangelischer Männer- und Jüng⸗ lingsverein trug, sammelt junge Männer aus unseren vier Kirchengemeinden, um ihnen Anregung, Unterhaltung und Beleh⸗ rung zu geben. Er besitzt in der Kleinkinder⸗ bewahranstalt in der Diezstraße ein eigenes Heim mit einer Bibliothek. Seit dem Jahre 1910 hat die evangelische Kirchengemeinde Gießen einen Jugendhelfer angestellt, der sich namentlich im Wartburgverein betätigt und außerdem Sekretär des ersten Pfarrers ist. Jeden Abend hat der Wartburgverein eine andere Veranstaltung(Turn-, Spiel⸗, Unterhaltungs-, Vortrags⸗ und Musik⸗ abende), außerdem findet wöchentlich eine biblische Diskussionsstunde statt. Oefters ver⸗ anstaltet der Verein Familienabende, im Sommer auch größere Ausflüge., Gemein⸗ samer Kirchgang findet statt, ältere Mit⸗ glieder und eine Helferabteilung helfen bei der Arbeit. Ein Vorstand und ein Beirat regeln die Angelegenheiten. An jedem Sonntag ist das Heim nachmittags ge öffnet, auch werden am Sonntagnachmittag gemeinsame Spaziergänge gemacht.

2. Vereinigung der konfirmier⸗ ten männlichen Jugend der

Matthäusgemeinde. Zusammenkunft alle 14 Tage am Montag, abends um 8 Uhr, im Matthäussaal,

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