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sammenlegen, um dann das gesponnene Garn zu den Preisen, wie das die aus⸗ ländischen Kaufleute taten, von den Land⸗ leuten anzukaufen und an inländische Meister
zu geben. Es seien„geschworene Schau⸗
meister“ zu erwählen, die die Stücke be⸗ sichtigten und die guten Waren mit Blei⸗ stiftzeichen versähen. Schon vor 100 Jahren habe man solche Schaumeister gehabt.
In diesem Berichte ist auch die Rede von
Wollenarbeitern, Tuchmachern, Hosenstrickern
und Strumpfwebern, denen man gestatten sollte, auf den Märkten zu verkaufen. Den Handwerkern solle man„Cramerey“ nicht gestatten.
In Gießen wurden damals jährlich sieben Kram⸗ und Viehmärkte abgehalten. Der erste davon fiel auf denselben Tag wie der Hessen⸗ Kasselische Markt zu Ebsdorf und war dar⸗
um wenig besucht. Zu diesen Märkten kamen
Roßkämme und Hornviehhändler; sie wux⸗ den Mittwochs abgehalten, so Mittwochs nach Mariae Heimsuchung, nach Bartholo⸗ mae und nach Michaelis.
Klipstein schlug auch vor, gute Land⸗ straßen zu unterhalten, damit die Zölle ver⸗ mehrt und der Verkehr gehoben werden sollte. Im Bezirke herrsche infolge des Kriegs Armut, viele Untertanen seien durch Fouragierungen, Viehseuchen, Hagelschlag, Mißwachs und Geldleistungen verarmt, doch sei die Verarmung lange nicht so groß wie nach dem Dreißigjährigen Kriege, es gab im ganzen Bezirke keine entvölkerte Ortschaft und keine unbebauten Felder. Groß waren die Kriegsschulden der einzelnen Gemeinden, darum solle man darauf bedacht sein, im Haushalte der Gemeinden Ordnung herzu⸗ stellen und unnütze Ausgaben zu 1
Hdventsgedanken.
Betrachte ich mir in der Abendstille den Sternenhimmel, so scheint er mir stets so besonders viel in der jetzigen Zeit zu sagen, in der Zeit der inneren Vorbereitung auf das Fest der Geburt unseres Heilands. Ich denke dann gern zurück an eine Weihnachts⸗ zeit in Capri, wo ich zum erstenmal den tiefen Eindruck des südlichen Sternenhimmels empfing. Man mußte sich in den Anblick versenken, um zu verstehen, wie das Licht eines Sternes den Weisen aus dem Morgen- lande den Weg zeigen konnte zu der Stätte, der sie mit der ganzen Inbrunst ihrer Herzen zustrebten, um die Erfüllung des Sehnens ihrer Seelen zu finden.
Sie brauchten einer Führung, und eine schönere konnte ihnen nicht zuteil werden. Wenn wir uns doch Zeit und Muße nehmen wollten, um uns in der Abendstille in den Anblick des weiten Firmaments zu versenken, es würde uns helfen, uns aus dem ürdischen Treiben in hellere Sphären zu flüchten, aus der Unrast in die Stille der Ewigkeit. Wir
wissen ja, daß, obwohl Generation auf Gene⸗ ration dahingeht, die Sterne droben ihre Bahnen ziehen, unbeirrt in alle Ewigkeit. Die Menschen aber, welche gelernt haben, zu ihnen aufzublicken in Freud und Leid, wer⸗ den mehr und mehr innerlich gesunden und sich leiten lassen, in dem Wirrsal dieses Lebens ihre Hoffnungen und Endziele nach den himmlischen Wegweisern zu richten.
Sp laßt uns diesem Gottesgeschenk, dem verheißenen Heiland, mit Hoffnung und Stille entgegensehen und mit gläubigem Herzen ihn empfangen mit dem Ruf: Christ, der Retter ist da! Und der Tannenbaum, der draußen in Sturm und Wetter durch— schüttelt, von der Schneelast gebeugt, uns von fernen Höhen nun mit der reinen Bergesluft die Hoffnung des Immer⸗ wieder⸗Aufstehens nach Not und Trübsal bringt, auch er ruft uns zu: Christus, der
Retter, naht! Bereiten wir unsere Herzen, ihn zu empfangen, denn„er ist zum Heil erschienen der allerärmsten Welt“.
Baronin R.
Uleine Mitteilungen.
Nachdem in den letzten Jahren wieder⸗ holt Versuche gemacht worden waren, durch Verhandlungen oder durch Drohungen mit Gewalt der evangelischen Kirche in Posen ihr neues Diakonissenhaus oder das alte Haus, das zu einem großen Altenheime, dem Johannenhause, eingerichtet ist, zu ent⸗ ziehen, hat der Magistrat der Stadt Posen beantragt, das Johannenhaus behufs Er— weiterung des Städtischen Krankenhauses auf drei Jahre zu enteignen; die 115 Bewohner des Johannenhauses, meist alleinstehende alte Damen, die von Diakonissen versorgt werden, sollen auf die Straße gesetzt wer— den— ein merkwürdiges Gegenstück zur Vertreibung der 1000 deutschen Ansiedler und ihrer Familien aus ihren Wohnstätten mitten im Winter!
Der Magistrat begründet seinen Antrag damit, daß das Johannenhaus„nicht stif⸗ tungsgemäß benutzt“ werde; 24 seiner Zimmer sind nämlich von dem Kommando der westlichen Bürgerwehr gewaltsam be— schlagnahmt! Nebenbei bringt der Kreisarzt seit längerer Zeit nach Bedarf Pocken-, Ruhr⸗ oder Typhusstationen in einem Teile des Neuen Diakonissenhauses unter, ein weiterer Teil seines Isolierhauses ist zu Lazarettzwecken beschlagnahmt, so daß dieses große Privatkrankenhaus großenteils von der öffentlichen Krankenpflege beansprucht wird und das Stadtkrankenhaus wirklich ent⸗ lastet, ohne jedoch dafür Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln zu erhalten.
In allen Kulturstaaten unterstützen die Behörden Wohlfahrtsanstalten, wie diese der Posener evang. Kirche; die polnischen Be— hörden schädigen ihre Liebesarbeit, wo sie nur können, trotz der Bestimmungen in


