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Ueber die Veranlassung seines Weggangs von Gießen sagt der Prediger nur folgendes: Ob ich wol nicht ungemeint gewesen, mein Leben in diesem meinem Vaterlandt zu enden und mich bey meine vier allhie ruhende Kindlein begraben zu lassen, so hats doch durch sonderbare Regierung Gottes auff dißmal gestalter Sachen nach nicht seyn wöllen.

An Widerspruch scheint es Finck in Gießen nicht gefehlt zu haben; denn er teilt folgen⸗ des mit:Danke demnach Gott dem All⸗ mechtigen, der mir seine Gabe reichlich ver⸗ liehen, mir in meinem Lehr- und Predigt⸗ ampt trewlich beygestanden, mich auch wider den Teuffel und alle meine Feinde, sie seyen heimlich oder öffentlich gewesen, gantz vetterlich(väterlich) beschirmt hat... Ich danck auch allen meinen Feinden und Miß⸗ günstigen; denn die haben mich offtmahl über das Betbüchlein gejaget und manchen schönen Trostspruch zu verstehen gelehret, verzeihe ihnen auch von Hertzen alles, was sie an mir verübet haben... Und muß bekennen, daß ich weder kleinem noch gro⸗ ßem, weder Gelehrten noch Ungelehrten, weder Studenten noch Bürgersleuten ge⸗ schonet habe, was ich aber offtmals für Danck darüber verdienet, das weyß Gott am besten, wie man mich bißweilen durchgezogen, belogen, bald dieses, bald jenes getadelt, ist mir zwar bewußt, achte es aber nicht einen Pfifferling. ü

Kaspar Finck ist am 19. Oktober 1578 in Gießen getauft worden, ist also ungefähr am 16. Oktober des genannten Jahres ge⸗ boren, sein Vater wird in unserem Tauf⸗ buche als Balzer(Balthasar) Finck be⸗ zeichnet. Es scheint, daß auf Finck sich das Wort bezogen habe, daß der Prophet in seinem Vaterland nichts gilt, weil man ihn, wie er sagt, in Gießen so oftdurchgezogen hat. Es war nur gut, daß der Mann ein hartes Fell hatte und das Durchhecheln nichteinen Pfifferling achtete. H. B.

35. Die wirtschaftliche Lage der Stadt Gießen und der benachbarten Orte nach dem Siebenjährigen Kriege.

Es ist bekannt, daß die Stadt Gießen und das benachbarte Gebiet während des Sieben⸗ jährigen Krieges längere Zeit von den Fran⸗ zosen besetzt waren und hierunter mancher⸗ lei zu leiden hatten. Als der Krieg zu Ende war, lag hier das wirtschaftliche Leben recht darnieder, Stadt- und Landgemeinden waren mit ziemlichen Schulden belastet, und die Geschäfte gingen schlecht. Damals es war im Jahre 1767 wollte die Regierung in Darmstadt wissen, wie es in dieser Hin⸗ sicht hier stände, und der Fürstliche Regie⸗ rungsrat von Klipstein in Gießen erstattete einen längeren Bericht, der sich heute im Staatsarchiv zu Darmstadt befindet. Aus diesem interessanten Schriftstück sei das Fol⸗ gende wiedergegeben:

Stadt und Oberamt Gießen mit dem Hüttenberg hatten fruchtbaren Ackerhoden. Einige Gemeinden, so Garbenteich, Allen⸗ dorf, Heuchelheim und Steinbach, hatten Mangel an Holz, einigen Gemeinden des Hüttenberges fehlten die Wiesen, deshalb trieben sie auch weniger Viehzucht und hatten Mangel an Dung. Im Oberamte Gießen wurden zumeist Korn, Gerste und Weizen angebaut, der Hafer reichte nicht aus. Die Schaf- und Schweinezucht war bedeutend, es wurde eine ansehnliche Qualität Wolle gewonnen, auch wurden Oelfrüchte erzielt. Die Bewohner des Oberamtes bauten viel Flachs an, den sie selbst spannen, zu Tuch verarbeiteten und auf die Märkte brachten. Viel von dem gewonnenen Garn wurde auch nach den Fabriken in Bielefeld und in den Niederlanden gebracht. Erheblich war der Anbau von Gemüse, Kohl, Kraut, gelben und weißen Rüben, Kartoffeln und Dick⸗ wurz. Nach außen wurde viel Obst verkauft.

In der Nähe von Gießen wurdeordinä⸗ rer und türkischer⸗ Tabak angepflanzt, dieser wurde an die Gießener Tabakspinner verkauft, die ihnohngepeizt undin Stangen gesponnen weiterverkaufen. Da⸗ von nährten sich in Gießen ungefähr 14

Familien. Der Tabakbau war einträglich,

der Zentner wurde mit 1014 Gulden bezahlt. Zwischen den Tabakpflanzen zog man Kraut, da das den Tabak vor Un⸗ geziefer schützte. In Gießen bestand die Schatzmannsche Fabrik.

Der Döngesberg enthielt Eisensteine, an der Bieber gewann man Kalksteine. Zu Gießen, Großen-Linden und Pohl⸗Göns wurde Ziegelerde gegraben, diese wurde an die Töpfereien zu Butzbach und an die Stadtziegelhütte zu Gießen geliefert. Die Ziegelhütte zu Großen-Linden war im Kriege zerstört worden. Jede Gemeinde hatte so viele Steinbrüche als sie brauchte. Der Wald bei Annerod, genannt derFirne⸗ wald, war durch den Krieg völlig ruiniert worden.

Klipstein machte in seinem Berichte auch Vorschläge, wie man die Steuerkraft des Be⸗ zirkes heben könne. Vor allem solle man sich die Hebung der Universität zu Gießen. angelegen sein lassen. Man solle tüchtige Professoren berufen, die Ferien verkürzen, damit die Landeskinder hier studierten und nicht nach auswärts gingen. Es sei auf einen Zuwachs von 100 Studenten zu rechnen, jeder von diesen verbrauche durchschnittlich 300 Gulden in der Stadt, davon hätten Wirte, Kaufleute(Cramer) und Hand⸗ werker Vorteil. Man solle, um dem Müßig⸗ gang zu steuern, mehr Hausindustrie ein⸗ führen. Da hier viel Flachs gezogen werde, so solle man an der Lahn eine Bleiche an⸗ legen, die den Bielefelder und holländischen Bleichen ähnlich wäre. Die Leintuchmanu⸗ faktur in Gießen sei zu heben. Die Kaufleute sollten sich zusammentun und Kapital zu⸗

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