Ausgabe 
15.5.1921
 
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besten Können und meinem veinsten Wollen heraus?*

Es ist die Zeit gekommen, da Gottes Geist im Feuer auf die Erde fliegt. Kommet, lasset euch fassen von seiner Glut! Auf, ihr alle, werdet Menschen, die sich taufen lassen mit Feuer und heiligem Geist?

Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 30. Der Gießener Bub aus dem vorigen Jahrhundert und was mit ihm zusammenhängt. Von Louis Frech. (Fortsetzung.) Eines Tages bot sich ein anderer Zeitver⸗

treib. Ein vorbeifahrender Wagen hatte einen Brocken Lette verloren. Im Hand⸗

umdrehen entwickelte sich eine Art Kreuzer Feldkonditorei, deren Tisch die Mauer bil dete. Allerhand Figuren, namentlich Bretzeln und Mertesmänner, wurden ge knetet, und da man dabei auch an das Backen dachte, kam einer auf die Idee, einen Backofen zu formen, der aber wegen Materialmangel nur sehr bescheiden ausfiel. Was aber dem eigentlichen Ofen an Größe abging, wurde durch die Länge des Schorn steins ersetzt. Natürlich mußte nun auch Feuer in das Bauwerk gemacht werden.

Damit es möglichst viel Rauch gab, wurde

zunächst glimmender Zunder in das Häus⸗ chen geschoben und tüchtio nachgeblasen. Die ganze Gesellschaft war voll Freude über den rauchenden Schornstein, und jeder hatte nun natürlich den Wunsch, einen solchen Ofen zu besitzen. Aber das Baumaterial reichte nicht aus, und so reifte der Entschluß heran, auf einen Samstagmittag, an wel chem die größeren Jungen schulfrei hatten, im Felde Lette zu holen. Mit der Erlaubnis der Mutter der Vater wurde wohlweis lich nicht gefragt und éinem Stück Brot ausgerüstet, zog die Karawane durch den bereits erwähnten Junkers Garten das war ein Weg, welcher durch Gärten nach der damals im Bau begriffenenNeuen Anlage, jetzt Südanlage, führte und an dessen Stelle die Plockstraße getreten ist nach der heutigen Bleichstraße zu, die zu dieser Zeit nur ein bescheidener Feldweg ohne Häuser war und auf dessen linker Seite, da wo jetzt das Adamische Eckhaus an der Südanlage steht, sich ein Zimmer platz mit einem niedrigen, langgestreckten Häuschen befand. Dieses lief mit der nach⸗ maligen Südanlage parallel, stand etwa einen Meter tiefer, wie das Niveau derselben und wurde von vorn und hinten von Obst⸗ bäumen überragt. Außerdem befand sich im Vordergrund ein Ziehbrunnen; alles in allem ein Idyll. In diesem Häuschen. wohnte die aus der Gießener Scharfrichter- familie entstammende Frau Bast und ihre verwitwete Tochter mit ihren Kindern. Der ersteren gehörte die Bleiche, welche sich,

mehrere Morgen groß, von dem erwähnten Wege ab, bis hinunter an die Wieseck zog, also da, wo jetzt das Besitztum der Firma Wallenfels& Sauer sich befindet. Dorthin lenkten wir unsere Schritte; denn der Ort, wo der Lette geholt werden sollte, lag mitten im Felde an der Stelle, auf welcher in späteren Jahren die Firma Heyligenstagedt

Comp. ihre Maschinenfabriken errichtet hat. Wir mußten den Weg der Bleiche entlang, genau wie jetzt die Bleichstraße läuft, einschlagen; denn zwischen der Neuen⸗ weger und der Seltersweger Brücke gab es damals nur noch einen Uebergang über die Wieseck, und dieser war ein Steg, über welchen unser Weg führte. Man mac be⸗ rückhichtigen, daß in den 60er Jahren zwi⸗

über dieselbe hinaus, bis zum Schiffenberger Weg und dem Riegelpfad fast keine Häuser standen und das ganze Terrain mit Gärten und Aeckern übersät war. Die Neue(etzt Süd⸗) Anlage ist 186365 und die Lud⸗ wigstraße in den 70er Jahren entstanden. Brücken waren daher noch nicht nötig.

Die ganze Gesellschaft, wohl ein Dutzend Buben, zog über den etwa einen Meter breiten, nur auf der einen Seite mit einem Geländer versehenen Steg, durch die Wiesen und Felder der Stephansmark, über die

nach dem hinteren Riegelpfad. Die Ober⸗ hessische Bahn sperrte diesen damals noch nicht von der Stadt ab Wir konnte daher direkt auf unser Ziel,die Litgkaut, zusteuern. Diese war eine kleine Wüstung mit Wassertümpeln, welche von zahlreichen Fröschen, Salamandern, Käfern und sonsti⸗ gem Getier bevölkert waren. Hier angekom⸗ men, wurde zunächst das mitgenommene Brot vertilgt, dann holten die größeren Jungen vom Rande der Wasserlachen das weiche Material heraus, während die klei⸗ neren die herumliegenden trockenen Brocke zertraten und auf einen Haufen trugen. Hierauf fing das allgemeine Mischen und. Kneten an, wobei sich die Gesellschaft zum Teil dermaßen zurichtete, daß das Wieder- sehen bei der Mutter allerhand erwarten ließ. Als schließlich jedem sein Klumpen zugeteilt und eine Säuberung, soweit sich dies ermöglichen ließ, vorgenommen worden war, wurde der Heimweg, diesmal nach dem Schiffenberger Weg zu, angetreten. Am Klingel-(Bruch-)Bach machten die älteren Jungen noch einmal den Versuch, den jün⸗ geren die Kleider und Schuhe zu säubern, aber mit wenig Erfolg. So zog denn die Karawane ab, durch das enge Gäßchen, welches der Südgrenze des Wenzels-(früher Busch-, später Steins-) Garten entlang zog und den Schiffenberger Weg mit der heutigen Gartenstraße verband. Es mündete an dem breiten eisernen Gartentor dieses, auch noch der gegenwärtigen Generation bekannten ehemaligen Vergnügungsetablissements, an

schen dem Schorgraben und der Wieseck und

jetzt die Ludwig- und Stephanstraße führen,