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nach der Unglücksstätte gehen. Noch in jenen Tagen nahm er mich ganz in sein Haus auf, und wenn er merkte, daß ich nach Feierabend das Haus verlassen wollte, so hielt er mich am Arme fest und sagte:

Martin, bleib hier, die Toten kann man

nicht mehr in das Leben zurückrufen.

Daß ich unter diesen Umständen die Werk⸗ meisterstelle bei der Firma Bembe nicht an⸗ trat, ist begreiflich. Johanna und ich hatten in Gedanken unsere gemeinsame Zukunft auf diese Stelle aufgebaut, ich brachte es nicht fertig, mir allein in Mainz eine Existenz zu gründen. Alles war dahin, was wir er⸗ hofft hatten. Die Möbel, die ich abends mit so frohem Mute angefertigt hatte, die Aus⸗ stattung, die Johanna genäht hatte, alles war dahin. Wenn ich daran dachte, wie meine Braut an jenem letzten Sonntage so froh und ahnungslos mit mir bis zur Haustür gegangen und nun völlig vom Erd⸗ boden verschwunden war, so meinte ich, ich müßte meinen Verstand verlieren.

Den Winter blieb ich noch in Mainz, im Frühjahr bat ich den Meister, mich ziehen zu lassen. Ich ging auf die Wanderschaft, ich wollte vergessen. was ich erlebt hatte. Einige Wochen arbeitete ich in Nürnberg, begab mich dann nach Regensburg. Ich sah die Walhalla und schaute, auf den hohen Treppenstufen vor dem Portal des herr⸗ lichen Gebäudes sitzend, herunter auf die Donauniederung. Weiter ging meine Wan⸗ derung nach München, wo ich den Sommer in einer Möbelfabrik beschäftigt war. Dann zogen mich die Berge an, ich sah Berchtes⸗ gaden und Partenkirchen. Aber wo ich auch ging. Johanna ging immer in meinen trau⸗ rigen Gedanken neben mir her. Mitunter war es mir, als ob es gar nicht wahr sei, daß sie tot sei. Oft wurde ich gefragt, warum ich denn so traurig wäre, schließlich war es mir unerträglich, auf diese Fragen immer wieder Antwort geben zu müssen, ich setzte mich in die Eisenbahn und fuhr nach meiner Heimat. Dort habe ich mein Geschäft ange⸗ fangen. Als ich zweiunddreißig Jahre alt war, habe ich mich hierher nach Tiefenthal verheiratet. Daß ich in meiner Ehe kein Glück gefunden habe, wißt ihr. Meine Frau war geizig und streitsüchtig bis an ihr Ende, meine Kinder sind alle nach Amerika ge⸗ gangen. Ich bin nun ein alter Mann ge⸗ worden und verbringe einsam meine Tage.

Uleine Mitteilungen.

Der Organist Fritz Schink aus Berlin und die Konzertsängerin Fräulein Klara Weber aus Augsburg beabsichtigen gemeinsam mit Mitgliedern des hiesigen Orchestervereins am 30. März in der Stadtkirche ein Kirchen⸗ konzert zu veranstalten. Wer den früheren Konzerten der Genannten beigewohnt hat, wird sich die Teilnahme an der für die Osterwoche geplanten Darbietung nicht ent⸗ gehen lassen. 1

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Der Dichter Max Dauthendey, der wäh⸗ rend des Krieges in der Fremde gestorben ist, hat eine Bibel hinterlassen, auf deren letztem Blatte folgende Zeilen stehen:Max Dauthendey, Tosari(Ostjava, Tongger Ge⸗ birge), Samstag 30. Juni 1917(fünf Mo⸗ mate bin ich nun hier 6000 Fuß hoch). Heute Morgen als ich die 50er und 60erPsalmen Davids gelesen hatte, geschah mir eine Erkenntnis. Ich erkannte, daß es einen per⸗ sönlichen Gott gibt. Drei Wochen vor mei⸗ nem fünfzigsten Geburtstag wurde mir diese Offenbarung, an der ich seit meinem 20. Le⸗ bensjahre, also 30 Jahre lang, nachgegrübelt und gezweifelt und ergründet und durch⸗ gerungen habe. Welche herrliche Zielsicher⸗ heit ist heute in mein Herz, in meinen Geist, in meinen Körper eingezogen! Gott lebt und ist so persönlich, wie alles durch ihn

Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 13. März. Judika.

In der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarrassistent Ramge. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde: Pfarr⸗ asistent Ramge. Abends 6 Uhr: Pfarrer Mahr. Mittwoch den 16. März, abends 6 Uhr: Passionsgottesdienst: Pfarrassistent Ramge. Montag den 14. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männ⸗ lichen Jugend der Matthausgemeinde. Dienstag den 15. März, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissionsverein. Donnerstag den 17. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Mat⸗ thäusgemeinde.

In der Johanneskirche. Samstag den 12. März, nachmittags 2 Uhr: Beichte für die Konfirmanden aus der Johannes⸗ und Militärgemeinde und deren Angehörige. Sonntag den 13. März, vorm., Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Johannes⸗ u. Militärgemeinde: Pfarrer Ausfeld. Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Johannesge⸗ meinde: Pfarrer Ausfeld. Abends 6 Uhr: Pfarrassistent Müller. Montag den 14. März, abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lu⸗ kasgemeinde.

Im Nonfirmandensaal(Liebigstraße 56): Nachmittags 2 Uhr: Taubstummengottes⸗ dienst(Feier des heiligen Abendmahls): Pfarrer Bechtolsheimer.

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Wartburg⸗Verein.

Sonntag den 13. März, nachm. 2 Uhr von der Lahnbrücke: Wanderung Schmelz. Waldhaus. Abends 8 Uhr im Heim, Diez⸗ straße 15: Mitgliederversammlung. Tages⸗ ordnung: Monatsprogramm für April; Lutherfeier und Aufführung eines Luther⸗ festspiels: Reisesparkasse Ausgabe der Ein⸗ trittskarten für den Lichtbilderabend am 20. d. M. Mitglieder Freikarten, deren An⸗ gehörige 50 Pf.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer, Druck und Verlag der Brühl'schen Unsversitäts⸗Buch⸗ und Steindruckere⸗ R. Lange, Gießen.

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