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Mittags hieß es, wir müßten wohl heute noch vor, da die Oesterreicher zurückgingen. Endlich um 5 Uhr kam Befehl, bis Total⸗ mad vorzurücken, wo wir Biwak bezogen. Die Kanoniere kamen im Ort unter, wir Offiziere in einem erhöht über dem Dorfe liegenden Jagdschloß eines ungarischen Oberleutnants. Es ist schön eingerichtet und mit interessanten Jagdstücken geziert. Hier haben auch schon russische Offiziere gewohnt, als die Oesterreicher bis Homona zurück⸗ geworfen worden waren, Endlich sind wir wieder einmal in einem hübschen Hause und werden die Nacht auf eisernen Bettstellen mit Matratzen schlafen.

3. April 15. Es ist herrliches Früh⸗ lingswetter. Ich sitze am Berghang über unserem Biwakplatz, wo aus Stämmen und Zweigen Ställe errichtet werden. Auf der anderen Seite des breiten Baches, durch den eben mehrere Autos eines höheren Stabes mit Eleganz durchgefahren sind, um das Schlößchen zu erreichen, liegt das Dorf, überragt von dem hellen Jagdschloß, das sich schön von dem dunklen Wald der hin⸗ teren Höhe abhebt. Mir zu Füßen herrscht reges Treiben auf den Biwakbplätzen und auf der Straße, auf der andauernd zahl⸗ reiche Verwundete zu Fuß und in Wagen von der Front zurückkommen, während

deutsche und österreichische bzw. ungarische Truppen und Kolonnen nach vorn mar⸗ schieren. Bei letzteren sieht man häufig we⸗

nige Tage alte Füllen neben den Wagen herspringen.

Abends. Am Nachmittag mußten wir noch bis Homonarokito marschieren. Die Pferde müssen wieder vor dem Dorf im Freien bleiben. Es bleibt für die Nacht eine Wache dort; alle übrigen Mannschaften sind im Ort untergebracht. Wir wohnen bei einer freundlichen kinderreichen Familie. Das Haus enthält nur einen Raum, die Wohn⸗ küche. Diese ist sauber und hübsch eingerichtet und weist zwei große Betten auf, in denen allmählich die Kinder verschwinden, und unter denen Meerschweinchen und Hühner hausen. Der Mann legt sich die Nacht auf die Ofenbank. In einer Ecke steht ein großer Tisch, von Bänken umgeben, darüber viele Heiligenbilder und bunte Teller. In einer großen Truhe liegen die besseren Kleider. Die am Tag getragenen werden für die Nacht auf eine Stange über das Bett ge⸗ hängt. Messer, Gabeln und Löffel stecken in einer Leiste unter dem Deckenbalken. An Geschirr ist nur das Notwendigste vorhan⸗ den. Jetzt kommt der Tisch aus der Ecke weg. und unser Strohlager wird dort aus⸗ gebreitet.

4. April 15.(Ostersonntag. Unsere Hausleute, mit denen die Verständigung leider sehr schwierig ist, sind schon in aller Frühe aufgestanden. Gestern hatten sie in mit buntem, kunstvoll geschnittenem Papier ausgelegten Körben buntgefärbte Ostereier,

Kuchen, eine eigenartige Mehlspeise usw. zurechtgestellt. Das brachten sie heute früh zur Kirche. Später war in dem ehrwürdigen Dorfkirchlein Gottesdienst, darnach knieten die Frauen mit den Osterspeisen außerhalb der Kirche dahinter die Kinder und Män⸗ ner. Der Geistliche, in reich gesticktem Or⸗ nat, ging durch die Reihen der Andächtigen und weihte die Osterspeisen, die dann zu Hause verzehrt wurden. Auch wir bekamen davon von unseren freundlichen Leuten. Später versammelte sich die Jugend, männ⸗ liche und weibliche, in ihrer schönen, bunten Tracht auf den Wiesen und Hängen und führte unter etwas monotonen. Gesängen allerhand Tänze auf, die meist in einer wilden Raserei ihr Ende fanden. Ueber allem lacht die Frühlingssonne, aber von der nicht fernen Front dröhnt starker Ka⸗ nonendonner herüber.

Wir sollen noch einige Tage hier bleiben.

5. Avril 15. Unerwartet erhielt ich heute früh um Uhr den Befehl, bald⸗ möglichst die Abteilung vorzuführen, Ma⸗ jor Wangemann sei vorausgeritten, um Stellung auszusuchen. Nach einer Stunde traten die Batterien an und gingen zwischen Vilag und Virava, die 5. Batterie unten im Tal, die 4. und 6. auf der Höhe rechts davon, die unter feindlichem Infanteriefeuer lag, in Stellung. Es wurde tüchtig Muni⸗ tion heraufgeschafft, wobei der Fahrer Brand meiner Batterie durch einen Infanterieschuß in den Oberschenkel verwundet wurde. Die Batterien waren noch nicht ganz fertig ein⸗ gerichtet, als die Russen in unserer rechten Flanke angriffen. Zwei Geschütze der 6. und eines meiner Batterie wurden schnell so weit vorgebracht, daß sie dorthin schießen konnten. Ein großer Teil der Oesterreicher lief über, die anderen gingen zurück. Nun feuerten unsere Geschütze in die in dichten Haufen vorgehenden Russen und die Ueber⸗ läufer hinein, brachten die Russen zum Stehen und veranlaßten die österreichische Infanterie, ihrerseits wieder vorzugehen. Sie warf die Russen, die durch das Artillerie- feuer starke Verluste hatten, bis auf den Höhenkamm der Gusina zurück, wo sich nun die beiderseitigen Schützenlinien gegenüber⸗ liegen. f

Für die Nacht haben wir bei den Ge⸗ schützen unser Zelt aufschlagen lassen. Die Russen werden wohl angreifen. Wenn die

nur wenige, hundert Meter hinter ihrer Schwarmlinie. Wenn die Russen durchbre⸗ chen, sind unsere Batterien verloren.

6. April 15. Die Nacht im Zelt war recht kalt, aber ich schlief leidlich gut. Es schoß hin und wieder, aber es erfolgte kein ernstlicher Angriff. In der Frühe wurde festgestellt, daß die Russen ihre Stellung auf der Gusina geräumt haben. Wir waren gestern gerade zur rechten Zeit gekommen,

Oesterreicher nur standhalten. Wir liegen

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