Ausgabe 
13.2.1921
 
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von den Eltern gezahlten Schulgelder ist eine wohl nicht große, aber rec elmäßig ein⸗ gehende Summe zusammengekommen, und die Vorstände konnten ohne Sorge in die Zukunft sehen. Die ungeheure Preissteige⸗ rung der letzten Jahre hat das alles geändert und die Vorstände vor große Schwierig⸗ keiten gestellt. Wohl sind die seitherigen Einnahmequellen geblieben, aber die Aus⸗ gaben haben sich in besorgniserregender Weise vervielfältigt. So machen die Unter⸗ haltungskosten für das Gebäude in der Diez⸗ straße einen so hohen Betrag aus, daß demgegenüber alle Einnahmequellen ver⸗ sagen. Die dringend nötige Unterhaltung des Daches und der Fußböden kann nicht

mehr länger hinausgeschoben werden. An

Hilfe hat es auch in der letzten Zeit nicht gefehlt Ein aus Gießen stammender Deutsch⸗ Amerikaner, Herr Georg Lampus in Neu⸗ york, hat der Kleinkinderbewahranstalt, ein Gießener Herr hat der Elisabeth-Klein⸗ kinderschule eine namhafte Summe gestiftet. Weitere Hilfe ist nötig. Wir hoffen, daß diejenigen unter unseren Gemeindegliedern, die dazu in der Lage sind, uns diese Hilfe nicht vorenthalten werden.

HGeschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 29

* 8. Gießener Zustände im Zeitalter

des Dreißigjährigen Krieges. (Fortsetzung.) 1650.

Ist erinnert worden, daß die Seniores under der Sonntagspredigt herumb gehen und die circumstantes pueros(die herum⸗ stehenden Knaben) notiren sollen.

Von der Einweisung eines Seniors in sein Amt handelt der Eintrag:Balthasar Kempf ist zum Senioren genommen wor⸗ den und hat an Eidesstatt Handgelöbnis gethan, sein Seniorat kreulich zu führen.

1651.

Wollenwebergesellen lauffen auf die Gassen und treiben des Nachts allerley Muthwillen.Paedagogici haben sich in der Kirch geschlagen und sind gar nicht stille. Derartige Klagen über die Schüler des Pädagogiums(Gymnasiums) gehen durch die Jahrhunderte.Juden halten alle 9 ihren Convent in der Mühl⸗ gassen.

1652.

Daß es in der harten Zeit, die auf den großen deutschen Krieg folgte, auch Leute gab, die noch Sinn für Humor hatten, geht aus einem Eintrage des genannten Jahres hervor. Im Mai wurde protokolliert: Gerlach Bößens Hausfrau soll gesagt

haben, daß sie niemahl in einer predigt gewesen auf die Wercktag,. Soll fürgefordert werden. Zur nächsten Sitzung war diese Frau mit ihrem Mann erschienen, und das Protokoll meldet:Gerlach Bößens Haus⸗

geklagt, daß er anderer Leut Garn zu sich

nehme. Ist zur Buß erinnert worden. Er

aber ist hinausgegangen, lachend und sagend, sein Name bring es mit sich. Ist diese Sach dem Herrn Oberschultheiß an⸗

heimb gegeben worden zur Bestrafung. Die

hier gesperrten Worte sind auch im Original gesperrt. Was mit dem Missetäter, der sich vor dem Konvent über seinen eigenen Namen lustig machte, geschehen ist, können wir nicht ermitteln.

Zum eisernen Bestand auch der Gebilde⸗ ten gehörte um die Mitte des 17. Jahr⸗ hunderts ein sehr solider hanebüchener Aber⸗ glaube, dessen schlimmsten Auswüchse nach dem Dreißigjährigen Kriege in den Hexen⸗ verfolgungen zutage getreten sind. So wurde im Juli 1652 zu Gießen protokolliert: Joh. Hamel ist noch nicht erschienen, soll vorgefordert werden deswegen, daß er Chri⸗ stallseher umb Raht gefragt. Gibt für, Meister Hanß hab ihm denEinschlag gegeben Dieser Eintrag ist nicht ganz klar, unter dem Meister Hanß ist kein anderer zu ver⸗ stehen als der damalige GießenerScharpf⸗ richter.

Auf Sünden, die von den Seniorenkon⸗ venten oft gerügt wurden, beziehen sich die Einträge:Dantzmeisters Hausfraw soll gerufen haben: Der Teufel sole⸗ sie holen undt Gott kein Theil an ihr haben.In Hans Peter Vetzbergers Hauß habe ein Soldat gesagt, daß, wenn er ein Maß Bier trinke, der Sathan ihm das Geld darzu

gebe.Schulmeister von Watzenborn und

seine Hausfrau leben nicht beysammen, weil er alles versauffe. Ist erinnert worden, sich zu ihm zu thun, will es aber nicht thun. Deswegen er nicht mehr Schulmeister seyn soll, weil er selbst den Abscheid begehret und sie nicht mehr will zu ihm. Deswegen es für die Cantzley soll gewiesen werden.

Im Dezember dieses Jahres hat der Kon⸗ vent wieder mit Gerlach Böß zu tun, dem augenscheinlich die Verhandlung vor den Senioren keine schlaflosen Nächte brachten. Es heißt von ihm:Gerlach Böß ist zu Wahrsagern gelauffen, ist fürgefordert wor⸗ den, aber nicht erschienen.

Auch die Juden beschäftigten wiederholt den Konvent.Die Juden halten ihre con- venticula(Zusammenkünfte) nochmahlen.

1653. 8 Die Fuhrleute führen, wie berichtet, aufn Sonntag Wasser zum Brauen.Gottfried Burkards Hausfrau und die Ochsenwirtin haben sich heßlich gescholten, sollen vor⸗ gefordert und zur Einigkeit angewiesen wer⸗ den.Jacob Simon und Philipps Man haben am Sonntag Birn geschüttelt und nach Hauß geführet, sollen vorgefordert und

ihnen ein Straff angesetzet werden.

frau gestehet, daß sie in keine Wochen⸗ predigt komme wegen der aber bessern. Er, Gerlach Böß, wird an⸗

Arbeit, will sich