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d. Der Pudel.
Nachdem es unter vielen Anstrengungen gelungen war, die entkräfteten, abgematteten und erstarrten Soldaten auf die Beine zu bringen, wofür sich der Chef des Hessischen Leibregiments mit schäumendem Munde, unter Toben, Zanken und Fluchen viele
Mühe gab und den kranken Hauptmann Gilbert ausschalt und seinem Schicksale über⸗
lassen wollte, wenn er nicht der Schlacht beiwohne(es handelt sich um die Schlacht von
Grasnoi), ja sogar im Zorne einen arm⸗
seligen Franzosen, der nicht recht auf⸗ und fortkommen konnte, mit seinem Degen durch⸗
bohrte, brachen wir nach einer äußerst kalten und wie gewöhnlich schlaflosen Nacht, nur
mit einigen abgesottenen, noch harten
Roggenkörnern genährt, in aller Frühe am
17. November 1812 von Grasnoi auf, die
Fortsetzung unseres kläglichen Rückzuges er⸗
wartend.
In dieser Voraussetzung sah man sich aber bald sehr getäuscht; denn anstatt die Straße nach Smolensk und Wilna zu ver⸗ folgen, schlugen wir die entgegengesetzte ein
und marschierten in der Richtung zurück, von welcher wir tags zuvor gekommen waren.
Zwar freuten wir uns schon, auf die sich vor uns zeigenden Kosaken ein Treibjagen
anzustellen, indessen sollte sich die Szene
plötzlich ändern. Die Söhne der Wüste, die sich zwischen uns und dem über einen Tage⸗ marsch zurückgebliebenen Korps Ney befan⸗ den, suchten bei unserer Annäherung schnell das Weite, und rechts abschwenkend befanden
wir uns bald an unserem linken Flügel,
neben der französischen jungen Garde und
ihren Geschützen der russischen Streitmacht
gegenüber, die nicht ermangelte, uns mit ihren Feuerschlünden recht lebhaft zu emp⸗ fangen. dem linken Flügel beschossen, standen wir, Gewehr im Arm, fast unbeweglich den ganzen
Tag über im heftigsten Geschützfeuer. Eine
Fahne wurde uns zertrümmert, außer vielen Soldaten blieben elf Offiziere auf dem Plaße, dem Oberst wurden zwei Pferde nacheinander unter dem Leibe getötet.
Durch unsere Untätigkeit hatten wir Muße, die Aufmerksamkeit auf einen Umstand ganz eigener Art hinzuwenden. Der Bataillons⸗ tambour Buchenau hatte einen großen und schönen Pudel. Während jener die Taschen der Gefallenen nach Lebensmitteln durch⸗ suchte, machte dieser die wunderlichsten Ka⸗ priolen. Unermüdlich verfolgte das unschul⸗
dige Tier, keine Gefahr ahnend, eine jede
in seiner Nähe einschlagende Kugel, in der Absicht, sie spielend zu apportieren. Durch die Menge der Kugeln, die mitunter Schnee und Eis aufrissen, vor und hinter ihm auf⸗ schlugen und ihn so in Verlegenheit setzten, wohin er sich zunächst mit Erfolg springend wenden solle, wurde dieses interessante Schau⸗ syiel, im stärksten Kontrast mit dem großen Drama, recht ergötzlich, doch blieb jede An⸗
Von zwei Seiten, von der Front und
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strengung, mit wie großer Körpergewandtheit
auch das Tier eine Kugel zu erhaschen suchte, obgleich manche ihn zu berühren schien, zum Glück für ihn, erfolglos, und gewährte uns dieses harmlose Spiel, trotz der Schrecken des Kampfes einige Erheiterung 5 unserer verzweiflungsvollen, trostlosen Lage.
e. Das Opfer der Treue.
Ein seltenes Beispiel der Hingebung, Treue, Liebe und Aufopferung eines Sol- daten für einen Vorgesetzten ist mir bekannt geworden. Zur Beurteilung der Tat werfen wir einen flüchtigen Blick auf die handelnden Personen. Der Leutnant Sommer vom zweiten Bataillon war ein Mann von etwa 20 Jahren, von Gestalt klein, aber korpulent, mit rundem, blühendem Gesichte, hellblonden Locken und im höchsten Grade mit der Eitelkeit behaftet. In seinem Tun und Lassen ein gewöhnlicher Mensch, stand er mit keinem der Soldaten in näherer Be- ziehung, außer daß er von einem derselben bedient wurde. Dieser Soldat hieß Georg Andreas Gerlach von Fellingshausen bei Gießen und konnte in gleichem Alter sein wie Sommer. Er war von Natur klein und etwas hager, aber dennoch stark und kräftig, hatte dunkles, krauses Haar, eine stumpfe Nase, hervorstehende Stirn und hervorstehendes Kinn. Sein Wesen war heiter und doch be— sonnen, im Dienste war er ohne Tadel.
Als auf dem Schlachtfeld von Grasnoi dem Leutnant Sommer ein Bein zerschmettert wurde, brach er in eine erbärmliche Rede aus, worin er die Umstehenden ermahnte und warnte, ihre Söhne niemals Soldaten wer⸗ den zu lassen und an seinem Geschicke sich ein warnendes Beispiel zu nehmen. Bei der furchtbaren Kälte konnten die Verwundeten nur mit der größten Mühe von dem Schlacht— feld nach dem dreiviertel Stunden entfernten Grasnoi verbracht werden. Hier, in einem gelb angestrichenen Gebäude, rechts im zwei⸗ ten Zimmer des Erdgeschosses— das erste Zimmer war mit verwundeten Franzosen an⸗ gefüllt— wurden die schwer Blessierten auf hartem Boden gebettet. Obgleich Oberarzt Hoffmann alles zur Linderung der Unglück⸗ lichen tat, so war doch weder Trost noch Hoffnung für sie zu exwarten. Hauptmann Raabe war schwer verletzt, Leutnant Som⸗ mer und Leutnant Weidig hatten Beinver letzungen, Leutnant Hallwachs hatte eine zer⸗ schossene Ferse, dem Hauptmann Stumpf war das Schienbein eingeschlagen, Leutnant Stein war am Arm verwundet.
Erzähler dieses hatte mit noch einigen Kameraden wohl dreiviertel Stunden lang bei diesen Schlachtopfern hilfreich verweilt, als sich der Rest der Armee, vom Schlacht- felde kommend, durch Grasnoi zurückzog. Da trat der Oberst in die Stube, nahm eiligst Abschied von den Offizieren und sagte unter anderem:„Meine Herren, wir sind alle verloren.“ Nach seiner Entfernung mach


