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kirche und auf'm Rathhause an die hiesige Armen ausgetheilt worden 391 Gulden“ Diese Aufstellung gibt uns etwas Auf⸗ schluß über die damaligen Zustände. Viel mehr als heute zogen vor 200 und noch vor 100 Jahren die Handwerksgesellen zu
Fuß durch das Land, zu Fuß, weil sie kein Geld für die Post und das Marktschiff hat⸗ ten. Wir kennen ja aus alten Bildern das Aussehen dieser Wandernden. Als der spä⸗ tere Direktor der Friedberger Blindenanstalt
Johann Peter Schäfer im Jahre 1831 als Schneidergeselle auf die Wanderschaft ging. da geschah es, wie er später berichtete, in folgender Aufmachung:„Mittags Uhr wanderte ich fort mit einem wohlgefüllten
Felleisen auf dem Rücken, einem mit schwar⸗
zem Wachstuch überzogenen Zylinderhut auf dem Kopf, eine Schnapsflasche, die mir ein Nachbar, der schon in der Fremde gewesen, gefüllt hatte, an der Seite, Schuhe und Ga⸗ maschen an den Füßen und einen festen Knotenstock in der Hand, das Wanderbuch in der Tasche— so verließ ich die Heimat. An Geld' trug ich nicht schwer, ich hatte ganze fünf Gulden bei mir.“ Auf manchem alten Bilde sieht man, wie Handwerksbur⸗ schen„fechtend“ hinter dem Postwagen oder hinter der Chaise einherlaufen. Aber auch arme Studenten, die zu Fuß nach ihrer Heimat wanderten, ließen sich beschenken. Ob es mit den getauften Juden immer seine Richtigkeit hatte, wird wohl zu be⸗ zweifeln sein, es ist nicht ausgeschlossen, daß auch solche als getaufte Juden auftraten, die christlich-germanischen Familien ent⸗ sprossen waren, und denen es nur um das Reisegeld zu tun war. Daß Brandbeschä⸗ digte als Gaben Heischende auftraten, ist daraus zu erklären, daß es damals noch keine Brandversicherung in unserem Sinne gab. Noch vor 40 Jahren zogen in Hessen Brandbeschädigte, die nicht versichert ge⸗
wesen waren, sowie solche, denen ein Stück
Vieh zugrunde gegangen war, mit obrig⸗ keitlicher
ver, die die Mildtätigkeit ihrer Mitchristen in Anspruch nahmen waren oft um ihres Glaubens willen vertrieben oder auf andern Art stellenlos geworden. Ein trauriges Ka⸗ pitel bilden die abgedankten Militärpersonen. Wenn sie invalid geworden waren, so waren sie der Not und dem Hunger preisgegeben. Ein altes Volkslied sagt:„Komm, häng den Schnappsack um, du bist Soldat gewest“, und der Invalide mit dem Leier⸗ kasten war früher eine oft gesehene Erschei⸗ nung.
Im Jahre 1727 wurden hier auch 26 Kol⸗ lektanten„für türckische Gefangene“ unter⸗ stützt. Jahrhundertelang hat man in West⸗ europa für solche gesammelt, die sich in türkischer Gefangenschaft befanden und die man loskaufen wollte. Aber sicher ist auch
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Bescheinigung durch Stadt und Land. Gewiß auch hier ist manche Unlauter⸗ feit mitunterlaufen. Die Pfarrer und Leh⸗
Bruder,
hier viel Betrügerei mit im Spiele gewesen. Es wird im 18. Jahrhundert gewesen sein, da reiste ein Mann durch Holland, um Geld zu sammeln, mit dem 8700 Christen, die sich angeblich in türkischer Gefangenschaft befanden, losgekauft werden sollten. An vielen Orten glückte ihm auch sein Unter⸗ nehmen. Allmählich kam man ihm aber auf die Spur, er war ein Betrüger, der das gesammelte Geld mit schlechten Leuten ver⸗ geudete, und in Herzogenbusch wurde er an den Galgen gehängt. b
Rendant Adolf Bieler(1791— 188%.
1(Schluß.) Jetzt wurde der Halbkreis enger und enger, schon durchfurchten feindliche Kugeln dieses Chaos aller Waffengattungen. Da brachte die äußerste Not, wie immer, auch uns die rasche Rettung, auf eine schauderhafte, ent⸗ setzliche Weise. Plötzlich, der Verzweiflung nahe, drangen wir, in eine dichte Masse geschart, nahe am Ufer mit gefälltem Ba⸗ jonett und unwiderstehlicher Gewalt vor⸗ wärts, mit Löwenmut jedes sich uns ent⸗ gegenstemmende Hindernis werfend, und nur auf diese heroische Weise war es möglich. über manche Leichname schreitend, die Brücke zu erreichen. Hier war nun freilich Platz genug, und wir gingen, die schadhaften Stel⸗ len meidend, unversehrt hinüber, um am jenseitigen Ufer angelangt, alsbald links im Walde dem feindlichen Feuer entgegenzu⸗ eilen.
Gegen Abend setzten wir unseren Marsch durch die Wälder und über Knüppeldämme weiter fort, die Russen mit Wittgenstein hinter uns lassend.
c. Der Sauerkrautorden.
Außer anderen Eigentümlichkeiten besaß der Kommandeur des 2. Bataillons des Leibregiments die Eigenschaft, ein großer Konfusionsrat zu sein. Erwähntes Bataillon hatte gegen Ende unseres Aufenthaltes in Moskau vor dem Kaiser Napoleon eine Revue zu passieren. Ein Sergeant Abel war in neuester Zeit täglich und stündlich bei dem Bataillonschef mit Einmachen von Sauer⸗ kraut und überhaupt nach Kräften für die Versorgung desselben bemüht und beschäftigt gewesen. Als nun der Kaiser einige Braven bezeichnet haben wollte, kam der Chef so sehr in Verlegenheit, daß er nicht imstande war, einige Fassung über sich zu gewinnen und stotternd den ihm im Gedächtnisse und seiner Menage gegenwärtigen Sergeanten Abel nannte. Hierauf erfolgte die Erteilung des Ordens der Ehrenlegion. Ueber dieses un⸗ schickliche Benehmen des Majors wurde über⸗ all tadelnd geurteilt, und die So daten nann⸗ ten die Auszeichnung Abels, eines sonst un⸗
bescholtenen älteren Unteroffiziers, den Sauerkrautorden, und zwar von Rechts wegen.
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