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fänger oder Absender sich im Lager selbst befinden oder auf einem Arbeitskommando leben. Wenn man bedeunlt, daß zum hiesigen
Lager zeitweise über 20000 Gefangene ge⸗
hörten, so mag man sich ein Bild von der ungeheuren Arbeitslast machen, die bewältigt
werden mußte; denn jeder Brief und jedes Paket war auf seinen Inhalt zu prüfen. Ich entsinne mich, daß in manchen Mo⸗ naten mehr als 400000 Briefe und Post⸗ karten, und 120— 150 000 Pakete zu prüfen
waren. Diese Gesamtarbeit mußte mit einem
Personal von rund 290 Köpfen geleistet werden, die sich auf die Brief-, Geld- und Paketabteilung verteilten. Bei letzterer waren außerdem täglich etwa 300 Gefangene mit
mechanischen Arbeiten beschäftigt, bei den anderen Abteilungen entsprechend weniger. Bei der Briefabteilung lag 40—50 Dolmetschern, seit der Einführung des Hilfsdienstgesetzes beiderlei Geschlechtes, die Prüfung der ein⸗
und ausgehenden Briese und Postkarten ob.
Während die Zahl der ausgehenden Sen⸗ dungen festgelegt war, indem jeder
Briefen usw.
kannten frei, beliebig oft zu schreiben. In⸗
folgedessen war die Anzahl der eingehenden Sendungen stets erheblich höher als die der ausgehenden. Jeder Brief mußte geprüft,
also gelesen werden, bei achtstündiger Ar-
beitszeit eine äußerst anstrengende Tätig⸗
keit, da eine mangelhafte Prüfung die schwersten Folgen haben konnte. Galt es
doch, durch die Aufmerksamkeit der Dol⸗ metscher zu verhindern, daß militärisch oder
wirtschaftlich wichtige Nachrichten durch Kriegsgefangenenbriefe in die feindlichen Länder gelangten, andererseits derartige
Mitteilungen in eingehenden Briesen zweck⸗ dienlich zu verwerten. Und es waren zu⸗ weilen äußerst wichtige und interessante
Nachrichten, die es in den Briefen zu lesen
gab. Gesammelt und kritisch ge ichtet muß⸗ ten sie stets ein ziemlich getreues Spiegelbild der Verhältnisse im Auslande geben. Nach erfolgter Prüfung wurden die eingegange— nen Briefsachen sortiert nach Kompagnien zund Arbeitskommandos und ausgegeben, bzw. den Arbeitskommandos zweimal wöchentlich zugesandt.
Die ausgehenden Sendungen unterlagen einer Liegefrist von 10 Tagen, d. h. sie durften frühestens am 11. Tage, nachdem sie geschrieben waren, das Lager verlassen. Der Grund ist einleuchtend. Es sollte da⸗ durch erreicht werden, daß wichtige Nach— richten, die für die Heimat bestimmt waren, veralteten und dadurch an Wert einbüßten, falls sie etwa aus irgend einem Grunde der Aufmerksamkeit des prüfenden Dol⸗
metschers entgangen sein könnten. Natürlich wurde immer wieder der Versuch gemacht,
den etwa
auch Zivilpersonen
Ge⸗ fangene monatlich 2 Briefe und 4 Postlarten schreiben durfte, war für den Empfang von keine Norm vorgeschrieben; es stand also den Angehörigen und Be⸗
N
die Zeusur unwirksam zu machen, indem man sich verabredeter Zeichen oder Ausdrücke bediente, die an sich harmlos erschienen, aber in bestimmtem Zusammenhang gebraucht, der Nachrichtenvermittlung dienen sollten. Es mußte also der prüfende Dolmetscher möglichst findiger sein als der Schreiber, und es war manchmal erstaunlich, was für Mittel ausgesonnen wurden, um den Prüfer zu täuschen. Am erfindungsreichsten waren auch hier entschieden die Franzosen. Diese bedienten sich auch sehr oft der sog. Geheim schrift, d. h. sie schrieben vielfach mit un sichtbarer Tinte. Entweder füllten sie mit solcher Geheimschrift die freigelassenen Teile des Briefbogens, das Innere des Um⸗ schlags, oder sie schrieben mit Geheimschrift
zwischen die Zeilen des mit Blei oder richtiger Tinte geschriebenen Briefes. Als Geheimtinte kommen vielerlei Säfte in
Betracht, z. B. Speichel, Zwiebelsaft, Stärke löfung, Reiswasser, Milch, Zuckerwasser, Eisenchloridlösung und viele andere. Nur bei sehr genauer Prüfung mit dem Auge iße das Vorhandensein solcher Gebeimechrist zuweilen zu erkennen, in den meisten Fällen überhaupt nicht. Wohl aber erscheint die Schrift viel fach schon bei einfachem Erwärmen am Ofen, am sichersten allerdings infolge chemi scher Einwirkung. Je nach der verwendeten Tinte und den zur Sichtbarmachung be Uutzten Chemikalien kann eine solche Geheim schrift wundervoll blau, rot oder oft braun entwickelt und gelesen werden. Man kann sie dann wieder bleichen, also verschwinden lassen, und der Empfänger des Briefes, der Geheimschrift vermutet, kann sie trotz— dem wieder hervorrufen. Eine solche che mische Prüfung der Briefe ist also von hoher Bedeutung, durch sie können gefährliche An— schläge, Spionage- und Sabotagepläne unter Umständen aufgedeckt und vereitelt werden. Natürlich erfordert ihre Anwendung viel Zeit und besondere Einrichtungen, soll sie planmäßig durchgeführt werden.—
Zu der Postprüfungsstelle gehörte eine Geldabteilung, von einem Bankbeam⸗ ten geleitet. Jahrelang hat sich Herr Dietz von der hiesigen Bank für Handel und Industrie dieser äußerst verantwortungs— vollen und vielseitigen Aufgabe gewidmet. Täglich trafen hunderte von Geldsendungen ein. Die Postanweisungen mußten natürlich genau in ein Hauptbuch eingetragen werden, jeder Gefangene besaß eine besondere Konto— karte, auf der er den erhaltenen Betrag oder eine von ihm gewünschte Teilsumme quit— tierte.(Schluß folgt.)
Uleine Mitteilungen. Deutsche Mädchen meidet die Schweiz! Täglich lockt die Valuta ein halbes Hundert stelleusu der deutscher Mädchen nach der Schweiz Pinüber. Nicht immer sind es die besten Elemente. Das hat zu solchem Ueberangebot geführt, daß
auch


