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Willen, weil er den Menschen⸗ den freien Willen gegeben hat, der die unbedingte Vor⸗ aussetzung eines subjektiv sittlichen Handels
sehr hoch gestiegen und strebt nicht nach Verwirklichung des Gebotes: Nächsten als dich selbst!“, sondern sie folgt mehr der Eigenliebe, dem Eigennutz und hat dadurch das furchtbare Elend dieses Krieges heraufbeschworen, an dessen Ende alle Völker erschöpft sein werden. Ich habe aber die Zuversicht, daß diese schwere Prü⸗ fung, zum wenigsten bei unserem deutschen Volk eine sittliche Wiedergeburt und Höher⸗ entwicklung zur Folge haben wird. An⸗ zeichen sind jetzt schon in reichem Maße vor⸗ handen. Nach dem Friedensschluß muß nur dafür gesorgt werden, daß nicht mit dem Aufhören der Not auch die innere Erhebung dahinschwindet. Und daran zu wirken, wird späterhin eine dankenswerte Aufgabe sein im Dienste des Vaterlandes und des deut⸗ schen Volkes.
9 1 Krieg t nauch, wie nötig es schon in 5 5 Kindern die Liebe zum lend zu wecken und bei den Erwachse⸗ nen, namentlich auch den Frauen, sie wach zu erhalten, denn ohne diese Liebe wäre das deutsche Volk, die im Felde stehenden Soldaten und die daheimgebliedenen Frauen, nicht fähig gewesen, bereitwillig dem Vater⸗ land die schweren Opfer zu bringen, die dieser Krieg allen unmittelbar und mittelbar daran Beteiligten auferlegt. Und Du sollst, wenn ich unsere Kinder nicht miterziehen
könnte, ihnen auch diese hingebende Liebe
zum Vaterland als ein Vermächtnis von mir mit ins Leben geben.
Brief vom 20. März 1915. Am letzten Nachmittag in Dembsk saß ich 1 121 in unserem hübschen Zimmer. Der Blick fiel durch die Fenster auf die sonnenbeschienenen, noch leicht beschneiten Felder; man hörte keinen Schuß fallen, es war so friedlich ringsum. Ich las in einem Osterblatt von einem Landsturmmann, der draußen ver⸗ wundet worden ist und sich nun auf der Heimfahrt befindet. Seine Frau und Kinder warten ihn klopfenden Herzens; die Frau crägt das Jüngste, ein Kriegskind, das der Vater noch nicht gesehen, auf dem Arm. Ein Wagen hält vor dem Haus; voll Un⸗ geduld eilen die Kinder hinaus. Aber das ist ja nicht der Vater, ein fremder Soldat ist's, mit einem Vollbart. Enttäuscht kehren sie zur Mutter zurück und teilen ihr dies
mit. Doch sie schließt beglückt ihren Mann mit dem Kriegerbart in die Arme, und nun
erkennen auch die Kinder in dem fremden Soldaten den Vater wieder.— Kannst Du Dir vorstellen, mit welchen Empfindungen ich diese Geschichte gelesen habe? Meine Augen wurden voll Tränen. Wann wird enn dieser beglückende Augenblick beschieden ein ꝰ.
„Liebe deinen
Brief vom 21. März 1915. Sonu⸗ i
tagmorgen. Blauer Himmel, strahlender
Sonnenschein. Wir gingen spazieren nach ist. Bis jetzt ist die Menschheit noch nicht P gingen spazi ch
Szezonow, und es war eine Freude, sich einmal ganz frei und ungefährdet bewegen zu können; auch gar nicht schießen zu hören. Wenn diese angenehme Ruhepause nur kein allzu rasches Ende findet. Gar übel sind doch die Männer daran, die jetzt als Landsturm ohne Waffen ein⸗ gezogen werden und nach kurzer Ausbil⸗ dungszeit ins Feld kommen. Sie kommen größtenteils zur Infanterie, und das Leben im Schützengraben und in engen oft schmutzi⸗ gen Quartieren wird gar manchen recht schwer werden. Und für die Aelteren sind auch die körperlichen Anstrengungen recht unangenehm. Als Offizier genießt man doch manche Bequemlichkeit und Annehmlichkeit gegenüber den Mannscha ten, was einem das Kriegsleben erleichtert. Um keine Un⸗ zufriedenheit zu erregen, beschränke ich diese allerdings, was Essen und Trinken und Unterkunft anlangt, soweit wie möglich. Die Frage, ob der Mann im Felde oder die Frau daheim seelisch mehr leidet, die Du in deinem letzten Brief erwähnst, wird nie entschieden werden können. Die Emp⸗ findungen beider sind verschieden und ebenso die Leiden. Ich muß sagen, die Aussicht auf ein wenn auch schwieriges Leben der Frau, das der Erziehung und der Sorge für die Kinder gewidmet ist, erscheint mir immer⸗ hin erfreul icher, als die Aussicht auf den Tod in jungen Jahren. Vor allem, da man auch nicht weiß, wie er kommt. Es hat nicht jeder, der fällt, das Glück, duech Kopf- oder Herzschuß im Feuer zu bleiben. Und wir denken doch auch dabei nicht nur an uns, sondern auch an das Schicksal unserer Frauen und Kinder. Jeder, der an diesem Kriege unmittelbar oder durch nächste An⸗ gehörige. die im Felde stehen, bet ei igt ist, trägt sein vollgerütteltes Maß von Leid. Nunmehr erfolgte der Abtransport nach den Karpathen. Die Reise dorthin und die folgende Osterfeier habe ich im Sonntags⸗ gruß Jahrgang 1919, Nr. 13) beschrieben. Wie es uns dort in. den Karpathen weiter erging, kann ich ein andermal erzählen.
Bilder aus dem Uriegsgefangenen⸗ lager Gießen. Von Studienrat Prof. Dr. Fritz Schmoll, Hauptmann d. Res. a. D.
(Fortsetzung.)
Noch ein letztes Bild! Die Post im Lager! Da ich mehr als zwei Jahre der sog. 5 prüfungsstelle vorgestanden habe, so bewege ich mich hier auf einem wohlvertrauten Gebiete. Es ist die Zentrale, bei der alle Postsendungen, 7 5 Palete und Geld ein⸗ laufen und von der die Briefe ausgehen. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Emp⸗
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