Ausgabe 
6.11.1921
 
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die deutschen Länder, aus denen sehr viele, die sich der Musik gewidmet haben, hervor- gehen. Vor dem Kriege konnte man fast von allen deutschen Militärmusikern die sächsische oder thüringische Mundart ver⸗ nehmen. Johann Christoph Bieler war Or⸗ ganist und Kantor an der Stadtkirche, als solcher führte er den TitelMusikdirektor. Er starb schon im Alter von 48 Jahren und zwar im Jahre 1751 und wurde am 10. Mai zu Grabe getragen. Im Sterbeprotokoll wird ergewesener Vorsänger an hiesiger Stadt⸗ kirch auch director musices genannt. Vorsänger ist ein deutscher Ausdruck für Kantor.. Für uns kommt hier in Betracht sein Sohn, der auch Johann Christoph hieß und gleichfalls Musikdirektor war. Auch er starb früh, nämlich 51 Jahre altan einer auszehrenden Krankheit und wurde am 8. Dezember 1782 begraben. Er muß also im Jahre 1731 geboren sein, ein Taufein⸗ trag findet sich in unseren Registern nicht, mithin muß sein Vater zwischen 1731 und 1736 hierher gekommen sein. Johann Chri⸗ stoph, der Sohn, heiratet 1757 Amalie Friederike Krach, die Tochter des damals

schon verstorbenen GasthaltersZum wei⸗ ßen Roß, Martin Paul Krach. Diesem

Paare wurde am 8. August 1760 ein Sohn, Georg Christoph, getauft, der zuerst Prä⸗ ceptor(Lehrer) in Hermannstein, dann Mu⸗

siklehrer in Gießen war. Er verheiratete

sich am 22.. 1788 mit Johannetta Margaretha Lampus, der Tochter des Wald försters Heinrich Konrad Lampus und starb am 30. Januar 1829. Auch er war ohne

Zweifel ein angesehener Mann: denn auch

ihm wurde das PrädikatHerr zuteil, und die Paten seiner Kinder sind durchweg angesehene Leute. Georg Christoph Bieler und seine Ehegattin Margaretha Johan- netta geb. Lampus, sind die Eltern des Rendanten Adolf Bieler.

2. Der Lebenslauf Adolf Bielers. Unter acht Kindern war dieser das dritte Kind. Getauft wurde er am 27. Februar 1791, den Geburtstag wird man wohl auf den 24. Februar zu legen haben, wenn⸗ gleich er selbst seinen Tauftag auch als einen Geburtstag angesehen hat. Seine Taufpaten waren Sophie Wilhelmine Chri⸗ stiane Schulz, Tochter des Superintendenten Schulz, Marianne Friederike Jakobine Langsdorf, Tochter des Archivrates Langs⸗ dorf, Friedrich Ludwig Adolf Grolmann, Sohn des Geheimen Regierungsrates Grol⸗ mann und Advokat Karl Hofmann aus Rö⸗ delheim. Er besuchte das hiesige Päda gogium(Gymnasium) bis zur Prima, ver⸗ ließ aber schon mit 17 Jahren diese An- stalt, weil er seinen Hang zur Soldaten laufbahn nicht mehr länger bezwingen konnte. Schon im Jahre 1809, als Frank- reich und Oesterreich miteinander im

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Kampfe standen, war er schon nahe daran, von der Schulbank wegzulaufen und der Trommel zu folgen. Adolf Bieler schlug die Offizierslaufbahn ein. Damals aber dauerte es, obwohl es eine kriegerische Zeit war, sehr lange, bis ein junger Mann wirklich Offizier wurde. So wurde der am 9. April 1810 als Kadett in das Großherzoglich Hessische Leib regiment Eingetretene erst am 1. April 1815 Leutnant. Es war eine unerfreuliche Zeit, in der Adolf Bieler Soldat wurde, es war die Zeit, in der Napoleons Hand schwer auf Deutschland lag und das Großherzogtum Hessen als Rheinbundstaat dem französischen Kaiser Heeresfolge leisten mußte. Bieler, der nach einem Vierteljahre Kadett-Korporal geworden war, marschierte als Kadett-Fou⸗ rier 1811 mit seinem Truppenteil aus, der Marsch ging nach Osten. Daraus geht her⸗ vor, daß Napoleon schon 1811 den Feldzug gegen Rußland geplant hatte. Im Nachlasse Bielers findet sich ein kleines Notizheft, das genau die einzelnen Etappen des Marsches verzeichnet, ohne Zweifel sind diese Notizen auf dem Marsche niedergeschrieben worden; denn die Schrift ist ungleichmäßig, kurze Be merkungen über Land und Leute und über einzelne Erlebnisse sowie Kartenskizzen sind eingestreut. Hiernach marschierte das Regi- ment am 21. Mai 1811 von Gießen ab und gelangte an demselben Tage nach Goßfelden bei Marburg. Ueber Kassel, Duderstadt, Elbingerode, Halberstadt, Mag⸗ deburg, Stettin, Alt-Damm ging es nach Stettin, wo das Bataillon, dem Bieler angehörte, den Winter zubrachte. Unterwegs trat der junge Soldat, seiner Neigung und der Tradition des Eltern- hauses folgend, gern mit Männern, die die Musik ausübten, in Verbindung. Von seinem Aufenthalt in Danzig schreibt er:Ueber haupt hatte ich viel Vergnügen hier... Eines Abends war ich invitiert vom Musi⸗ kus Ziegler in das Konzert, wo ich den be⸗ rühmten Violinisten Kirsch kennen lernte und Variationen von ihm komponiert aufs vortrefflichste spielen hörte. f

Am 22. April wurde der Weitermarsch nach der Frischen Nehrung angetreten, in Kowno wurde Bieler Bataillonsschreiber. Vom 18. September bis zum 16. Oktober lag das Bataillon dicht bei Moskau. Am 17. November kam es zur Schlacht bei Gsas⸗ noi, wo Bieler seinen schwerverwundeten. Hauptmann Raabe vom Schlachtfeld weg schaffte. Auf dem Rückzuge machte er den Uebergang über die Beresina mit, seine Schilderung dieses grauenvollen Erlebnisses soll im vierten Teile dieser Veröffentlichung wiedergegeben werden. Am Silvestertag 1812 kam er nach Königsberg. Krank und erschöpft erreichte er Gotha, wo er vom 4. bis zum 22. Februar 1813 im Lazarett oder, wie man damals sagte, im Hospital lag. In seinem Nachlasse befindet sich noch dasAb⸗ gangsbillet aus dem Hospital zu Gotha.