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sehr gut. Aus seinen und anderer Leute Aeußerungen merkte ich, daß sie kein rechtes Vertrauen mehr zu ihrem Heere, besonders zur Führung, haben, und ein gutes Ende nur noch von den Deutschen erwarten.

Die Gebirgsbewohner, Slowaken, haben eine eigenartige, aber kleidsame Tracht; sie fahren auf Schlitten, die von großgehörnten Ochsen gezogen werden. In Iglo gab es Mittag-, in Kaschan Abendessen.

3 1. März 15(mein Konfirmationstag,). In der Nacht kamen wir über Myszkolz, heute vormittag durch Homonna. Seit ge stern abend war der Wagen wieder unge⸗ heizt, draußen war es kalt und stürmisch, und wir froren recht. Gern verließen wir deshalb nach 57stündiger Fahrt um 1 Uhr mittags in Koskocz(Karpathen) die Bahn. In ½ Stunde war der Zug entladen. Hier bezogen wir Ortsunterkunft, aber die Unter⸗ kunft ist sehr schlecht. Straßen und Häuser sind noch schmutziger, wie in Russisch-Polen. Wir haben ein leerstehendes Haus zuge wiesen erhalten, in dem es von Schmutz strotzte. Nun ist reinegemacht worden, da geht es. Wir bemerkten aber zu spät, daß in dem Hause vorher ein Seuchenlazarett untergebracht war. Hauptmann Fresenius

wohnt bei einer kinderreichen Familie: ein Säugling. dessen Wiege, ein richtiges

Moseskörblein, mit Stricken an der Decke aufgehängt ist, sorgt für Unterhaltung. Seit gestern abend haben wir nichts mehr zu essen

bekommen. (Fortsetzung folgt.)

Am Martinsturm. Erzählung.

(Fortsetzung.)

Es war ein langandauerndes, furchtbares Rollen und Poltern, ein Beben, ein Zittern, daß ich meinte, alles verginge unter mir und jeden Augenblick müsse das Erdreich bersten. Steine wurden auf das Haus, in dem ich weilte, geschleudert, daß das Dach erkrachte, Steine flogen auf die Straße, vom Gautor wälzte sich eine dicke Staub⸗ und Rauch⸗ wolke hernieder zur Stadt, ich hörte Men⸗ schen in Jammer und Schrecken aufschreien. Wie ich auf die Straße kam, weiß ich heute nicht mehr, habe es auch nie gewußt. Kaum hatte ich einen Fuß vor die Haustreppe gesetzt, da sah ich einen am Kopfe bluten⸗ den Soldaten vom preußischen Infanterie⸗ Regiment Nr. 34 in Richtung nach dem Tiermarkte laufen, und ein Barbier, der aus seinem Laden stürzte, schrie:All⸗ mächtiger Gott, der Martinsturm ist in die Luft geflogen.

Als ich das hörte, war ich einen Augen⸗ blick wie vom Schrecken gelähmt; ich taumelte und mußte mich an eine Hauswand an⸗ lehnen. Dann trieb es mich nach dem Kästrich hin, ich wollte sehen, wie es mit dem Hause stand, in dem Johanna wohnte,

Aber ich kam nur bis zum Gautor. Sol- daten hatten den Zugang zum Kästrich, dessen vorderer Teil in Flammen stand, abge⸗ sperrt. Es herrschte ein unbeschreibliches Getümmel. Preußische Offiziere und Sol daten eilten hin und her, Tote und Ver wundete lagen umher und wurden weg getragen, Frauen sanken ohnmächtig zu⸗ sammen, aufgeregte, schreiende, weinende Menschen liefen durcheinander. Der Platz vor dem Gautor war mit brennenden Trüm⸗

mern angefüllt, ich sah die Gautorwache

unter Führung eines Unteroffiziers an⸗ marschieren. Hilf Himmel! wie sahen die armen Soldaten aus! Der Unteroffizier hatte sein Taschentuch um die Stirn ge schlungen. Ein Mann schwankte hin und her, daß ihn ein Kamerad stützen und ihm das Gewehr tragen mußte, einem dritten floß das Blut über das Gesicht, die Leute sahen aus, als ob sie aus der Schlacht kämen. Vom Stephansturm läutete die Sturmglocke, Signalhörner gellten, es herrschte ein wirres Durcheinander, es war, als ob Mainz untergehen sollte.

Ich versuchte, durch die Postenkette durch zudringen, da wurde mir ein energisches Zurück! zugerufen. Ich wandte mich an einen Hauptmann und bat ihn, mich durch⸗ zulassen, da ich um meine Braut in großer Angst sei. Der Hauptmann war ein freund licher Mann, er mag das Entsetzen in meinem Gesichte gesehen haben und gab Befehl, mich durchzulassen. Dicker, grauer Qualm drang mir entgegen und benahm mir den Atem. Als ein Luftzug den Qualm auseinanderwehte, sah ich, daß der Kästrich, diese früher so stille und einsame Straße, eine Trümmerstätte war. Steine, die mehrere Zentner schwer waren, waren durch die Luft geflogen. Kinder, die gespielt hatten, Erwachsene, die ihrer Arbeit nachgegangen waren, waren durch die niederfallenden Steine getötet worden. Das Haus, in dem Johanna gewohnt hatte, wie auch die rechts und links angrenzenden Häuser, waren von Grund aus zerstört, ganz in sich zusammen gesunken, alle brannten lichterloh. Ich wollte in das brennende Haus eindringen, da riß mich ein Feuerwehrmann am Arme zurück und rief mir zu:Sind Sie denn nicht gescheit, Sie sehen ja, daß da die Flammen überall herausschlagen! Da sah ich aus der Richtung, wo heute der Mainzer Haupt⸗ bahnhof liegt, den Spezereihändler, der im unteren Stocke wohnte, herbeieilen. Der Mann schrie in Tönen des höchsten Jam mers:Ach, meine Frau und meine Kinder sind umgekommen. Als ich den Mann so rufen hörte, überkam mich die schreckliche Gewißheit, daß meine Braut und ihre Mutter auch unter den Trümmern be graben seien. Ich konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten, ich mußte mich auf eine Feuerwehrleiter, die an der jenseitigen Straßenwand lehnte, setzen, bedeckte das Ge