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Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. Beitrag. So ging man denn an die Er⸗
31. Der verkannte Schuhmacher. bauung des Hauses, das das Gedächtnis 5 Wortmanns weitertragen sollte.
Unter unseren Gegnern, die das deutsche 5. März 1833 wurde der Grundstein gelegt, Volk jetzt mit Haß und Rache verfolgen. Ende 1835 wurde das Haus zum ersten stehen die Polen obenan. Das hat unser Male benutzt. Unverkennbar ist, daß men Volk wahrlich nicht verdient. Als die Polen sich, was den Stil des Gebäudes betrifft, einst von den Russen hart verfolgt wurden, nach der 14 Jahre vorher fertiggestellten haben die Deutschen dem bedrängten Volke Stadtkirche gerichtet hat; das beweisen die Tor und Tür geöffnet und ihm in jeder Säulen, mit denen die Vorhalle geschmückt Weise geholfen. Namentlich im Jahre 1832 ist. Trotzdem muß man sagen, daß das gingen die Wogen der Polenbegeisterung Gebäude als Ganzes architektonisch durch⸗ hoch. Nach der Eroberung von Warschau aus mißlungen ist; denn das dealich kam eine große Menge volnischer Offiziere Haus entspricht in keiner Weise dem prunk⸗ auf der Flucht nach Frankreich nach Gießen. vollen Vorbau, Ueber der Säulenhalle stehen, Sie wurden mit Jubel aufgenommen, und wie jeder Gießener weiß, die Worte„Un⸗ wer dazu imstande war, bemühte sich, die serem Wortmann“, heutzutage werden nur Vertriebenen zu bewirten und zu beher wenige der Friedhofbesucher wissen, wer das bergen. Einquartierung durch besondere war. Darum sei mitgeteilt, daß es sich hier Billette fand nicht statt, die Gießener nah- um den Medizinalrat und Stadtphysikus men die Polen einfach am Arme und führ⸗ Dr. Ishann Balthasar Wortmann handelt, ten sie in ihr Haus. Auch der Student Wil- der am 17. März 1770 hier als Sohn des brand nahm einen Vertriebenen und führte Apothekers Alexander Gustav Wortmann ge⸗ ihn in sein Elternhaus, der Geladene folgte boren und am 30. April 1824 auf einer willig, Als beide im Hause des Vaters, Reise in Mainz gestorben ist. Um die Ge⸗ der hier Universitätsprofessor war, ange⸗ sundheitspflege in der Stadt Gießen hat er kommen waren, fragte der Gast in unpere sich sehr verdient gemacht besonders in der fälschter Gießener Mundart, ob er Stiefel Zeit, als 1814 hier die Spitalpest grassierte. mit gelben oder mit schwarzen Umschlägen Wie das ihm zu Ehren errichtete Gebäude machen solle. Der junge Student stutzte, als ein geschmackloses Werk anzusehen ist, er hatte in seiner Polenbegeisterung den so ist es nicht minder geschmacklos, einem Gießener Schuhmacher Dietz mit in sein verdienten Manne, und noch dazu einem Elternhaus genommen. Arzte, zu Ehren ein Leichenhaus zu er⸗ 5 3 5 richten. Ein an einem passenden Orte der 32. Die Erbauung des Hauses auf Stadt aufgestelltes Denkmal wäre viel
dem Alten Friedhofe⸗ zweckmäßiger gewesen. H. B i 2 5 1 das e. 5 12 5 hofes steht, ist in den 30er Jahren es f— vorigen Jahrhunderts erbaut worden. Im Rendant Adolf Bieler(1791 18800. Februar 1833 erließen die Herren F. C.(Fortsetzung.) i Asmus, L. M. Müller, Karl Silbereisen und Eine besondere Kunstfertigkeit entwickelten Dr. Vogt einen Aufruf um Beiträge zur die Franzosen, in den Ruinen der festen Ge⸗ Errichtung eines Leichenhauses und zur Be⸗ bäude sowie unter den Aschenhaufen der gründung einer Begräbnisanstalt, Die Be⸗ bölzernen die verborgenen und gewöhnlich gräbnisanstalt sollte sich bei Sterbefällen zugemauerten Gewölbe aufzuspüren. Bei in den Dienst der Hinterbliebenen stellen, diesen Plünderungen zeichnete sich besonders um ihnen die nötigen Besorgungen abzu⸗ die berühmte alte Garde aus. die nehmen. Was das geplante Leichenhaus be- Gardisten drangen gemeinsam in eine traf, so dachte man damals schon daran, die Oeffnung, die von anderen gemacht wor⸗ Dahingeschiedenen dort aufzubewahren, da- den war, sprengten diese heraus und mit die Leichenzüge nicht mehr durch die teilten sich die Beute. Daher kam es denn, Stadt gehen sollten und die Bestattung von daß man bei dieser alten Garde förmlich dem Friedhofe aus erfolgen könnte. Die eingerichtete Kaufläden fand, die sie in den Sammlung ergab 1558 Gulden 20 Kreuzer. unbeschädigten Teilen der Vorstädte angelegt Dieser Betrag reichte natürlich nicht für den hatte. Von einiger Entfernung konnte man gedachten Zweck aus, aber der Ausschuß, kaum wegen der vielen stehen gebliebenen der zum Andenken an den im Jahre 1824 steinernen Paläste die große Zerstörung verstorbenen, um die Stadt sehr verdienten wahrnehmen: hin und wieder ragten noch
Medizinalrat Dr. Wortmann eine Stiftung die kupfernen und hellgrün angestrichenen errichten wollte, vereinigte sich mit dem Kuppeln der schönen Kirchen und anderer obengenannten Ausschuß und steuerte 1120 kolossalen Gebäude hoch empor. Als ich mich Gulden bei. Zu dieser Summe kam weiter am 18. September zum erstenmal in der ein Legat von 1000 Gulden hinzu, das der brennenden Stadt umsah, fand ich mehrere am 16. Oktober 1841 verstorbene Professor Franzosen von den glühend herabgestüczten der Theologie Kühnoel damals in Aussicht Kupferdächern erschlagen, Der Spur anderer stellte. Auch die Stadt Gießen gab einen folgend, begab i mich in einen großen


