Ausgabe 
3.4.1921
 
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gedeckt ist. Die alte war zu leicht zu sehen,

insbesondere konnte man nicht gegen Sicht gedeckt hinkommen. Die Batterie erhielt ein neues Scherenfernrohr, aber ein einarmiges, ohne Gradeinteilung und dergleichen. Es ist nur ein Notbehelf. Das eine Auge muß man stets zuhalten, das Beobachten ist dadurch sehr angreisend. Wir haben dauernd schönes, warmes Wetter, der Wald ist grün. Aber das Nachtlager ist nicht gut. Morgens tun mir alle Glieder weh, tagsüber lasse ich sie mir dann von der Sonne durchwärmen. Heute wurden wir gegen Cholera geimpft.

2 7. April 15. Der gestrige Tag brachte etwas Abwechselung in mein ziemlich ein⸗ töniges Leben. Morgens fand gegenseitige Artilleriebeschießung statt. Auf 2 Uhr nach⸗ mitlags hatte ich mir meine Pferde an das südliche Ende unseres Tales bestellt, bis wohin ich zu Fuß durch den Wald wanderte. Prachtvoll war das Grün der Lärchen, Birken und aufgehenden Buchen. Ich ritt nach Ho⸗ monnarokito. Seit 3 Wochen saß ich zum erstenmal wieder auf dem Pferd. Es war sehr warm, aber der Himmel hatte sich etwas bedeckt, und es schien Regen zu geben. Doch hielt sich das Wetter, und der Abend war herrlich. In einer Stunde erreichte ich mein Ziel. In Homonnarokito liegt auch unsere Bagage, bei der sich mein Koffer befindet, aus dem ich Verschiedenes holen wollte, be⸗ sonders Lesestoff. Unsere Leute haben sich dahinten gemütlich eingerichtet. Es gibt jetzt Bretter und Dachpappe in Menge, da zim⸗ mern die Leute der Kolonnen und Bagagen sich kleine Häuschen, um die mit Ungeziefer behafteten Häuser der Landbewohner meiden zu können. Auf den Feldern wurde von Männlein und Weiblein unter Beihilfe der Mannschaften der Kolonnen, die meist gar nichts zu tun haben, eifrig gearbeitet, wozu auch die Militärpferde gestellt wurden. Die Kühe und Ziegen weideten an den Berg⸗ hängen, die Hirtenbuben und Mädchen sangen ihre eintönigen Weisen. Kirschbäume und Schwarzdorn standen in voller Blüte. Das Ganze war ein schönes friedliches Bild. Ich besuchte Rittmeister Reinhard, bei dem ich unsern Stabsarzt Dr. Busch aus Mainz und Hauptmann Kranzbühler traf. Nachdem ich noch die Leute, bei denen wir an Ostern gewohnt, begrüßt hatte die Kinder er⸗ kannten uns gleich wieder und waren sehr erfreut, leider hatte ich keine Schokolade ein⸗ gesteckt, ritt ich mit Dr. Busch, der ein sehr angenehmer Gesellschafter und tüch⸗ tiger Arzt ist, wieder nach vorn, immer der Virava entlang. Es war 11 6 frisch ge⸗ worden, alles grünte, die Luft war mit dem süßen Duft der blühenden Weiden⸗ lätzchen erfüllt. Es war ein schöner Ritt. Aber die Pferde sind etwas matt; die Regen⸗ tage im Freien und der Mangel an Heu sind nicht spurlos an ihnen vorübergegangen. Zufälligerweise erfuhr ich, als ich durch Uybaina ritt, daß mein Freund, Hauptmann

Schmitt, dort in Ruhe liege. Ich begrüßte ihn, hatte aber leider keine Zeit, abzusteigen. Ich mußte nämlich um 6 Uhr im Abtei⸗ lungsquartier, der Mühle bei Vilag, sein, zur Teilnahme an einem Feldstandgericht, dessen Vorsitzender ich, als derzeitiger Ab⸗ teilungsführer, bin. Das Gericht hielten wir unter freiem Himmel am Fuße eines mächti⸗ gen Baumes ab, wie die alten Germanen das Ting. So bin ich nun im Felde auch als Richter tätig gewesen. Es handelte sich um einen Kanonier, der seinen Geschütz⸗ führer bestohlen hatte. Dank der Milde der Beisitzer kam er glimpflich durch mit einem Monat Gefängnis.

Auf Einladung von Stabsarzt Busch und Oberleutnant Crecelius, dem Abteilungs⸗ adjutanten, blieben wir außer mir waren noch Oberleutnant Windisch und Leutnant Müller als Richter tätig gewesen zum Abendessen da. Ein Zimmer war fein ge⸗ deckt, es gab sehr gutes Essen, Wein und später Bier. So gut könnte ich es jeden Abend haben, wenn ich in meinem Stabs⸗ quartier kampierte. Aber da ich dabei meine Batterie führe und jeden Morgen in die Feuerstellung muß, bleibe ich lieber in un⸗ serer bescheidenen Hütte. Oberleutnant Win⸗ disch erzählte außerordentlich interessant von den Schlachten bei Tannenberg und an den masurischen Seen, wo es schauerlich zuge- gangen sein muß, sowie von dem Vormarsch auf Warschau, dessen Türme er gesehen hat. Hinter Zeltbahnen schnarchte in dem ge⸗ räumigen Zimmer friedlich die Müllers⸗ familie. Erst um ½1 brachen wir auf; ich hatte den weitesten Weg. Es war herrlicher Mondschein, kein Laut störte den Frieden der Nacht. Nur hier und da erscholl der Ruf eines Käuzchens. Kurz nach 1 Uhr langte ich in meiner Hütte an.

28. April 15. Gestern nachmittag um 7 Uhr hatten wir wieder einmal Feld⸗ gottesdienst, und zwar bei der Mühle bei Vilag; dieses Mal für die ganze Abteilung, so daß er für Evangelische und Katholische getrennt stattfand. Wir sangen zum Eingang Ein feste Burg ist unser Gott, während 50 Schritte davon der katholische Pfarrer seine Predigt hielt. Würde doch auch nach dem Kriege zwischen den beiden Konfessionen ein solch friedliches Verhältnis bestehen blei⸗ ben, wie es eben hier im Felde herrscht. Heute gegen Abend besuchte ich die Feuer⸗ stellung der 5. Batterie unten im Tal. Hauptmann Fresenius zeigte mir mit Stolz, was seine Leute dort alles gemacht haben. Hinter den Unterständen stehen schöne Tische und selbstgeflochtene Bänke. Ihrem Haupt⸗ mann fertigten die Kameraden einen schönen Sessel aus Birkenstämmchen. Ferner legten sie ein Schwimmbassin an, dem dauernd srisches Wasser zufließt, ein Sprunggestell und einen Barren, woran morgens geturnt wird Das Schönste aber ist ein Spielzeug am Bach, das ein Kanonier geschnitzt hat.