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lehr aufrichtig und fest gewurzclt fein kann, kärnpste für die Unabhängigkeit der Transvaal. Aber nach dein Triumphe Englands stellte er sich in den Dienst der Unterdrücker und errang hohe Stellungen. Heute kämpst er gegen die Buren zu Ehren Englands, dejfcn Regierung genau die Fainilicnaelchichte seines südafrikanischen Premiers kennt, ohne sich jedoch im gerinofton darum zu kümmern. England hat eben keine Bedenken bezüglich der moralischen Lualifikation derjenigen, die chm irgendwie von Nutzen sein können. Der Sohn eines Mörders und Hnlbbure ist ein wertvoller Helfer für das Erreichen der britischen Ziele in Südafrika und nur ihm ist die Unterjochung des Burcn- volkes zu verdanken.
Wir verzeichnen diese Meldung, ohne ihr Klauben bei- zumessen. Wir haben wahrhaftig nichts für Botha übrig, aber so viel wir wissen, cntstamint er einer alten Buren- familie. Es gibt sogar in Transvaal eine Stadt die Botha- ville heißt und Träger des Namens Botha haben erst jüngst in den Reihen der Aufständischen gegen England gekämpft. Das zeugt doch, das; es sich um eine weitverzweigte Familie handelt, die nicht erst seit einer Generation in Südafrika | wohnt. Man sollte wirklich in der Herabsetzung des Geg- i TicrS nicht allzuviel Fantaste obwalten lasten.
Ans Rußland.
Frledcnswünschc in Rußland. Köln, 30. Dez. Das > Moskauer Blatt ..Rußkoje Slowo" führt, der „Kölnischen Zt,"
. zufolge in einem längeren Aussatz- aus, daß Rußland cigent- >ich wenig Interest- an einem Angrijsskrieg gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn habe, jedenfalls nicht genug, um einen solchen Krieg bis zum Ende durchzuführen. Rußland solle wie auch Frankreich und Serbien im günstigen Augenblick einen ehrenvollen Separatfrieden ablchlietzen. Die Weitersöh- rung des Krieges bis zum Ende sei nur eine Lebensfrage kür England. Mit Lobgesängrn und ermunternden Zurus.'n sparten Frankreich und England nicht. Damit sei aber wenig geholscn, wenn die Tasche» wie bisher zugeknöpft blieben.
In Petersburg sollen Vorträge über die Bedeutung der deutschen Kultur für Rußland von namhaften Rednern bei großem Andrange der Zuhörer abgchaltcn und fortgesetzt werden. Dabei sollen jetzt auch gerechtere und freundlichere Ansichten zu Worte kommen.
An und sür sich ist solchen Acußerungen nicht zuviel Bedeutung bcizumcsten, immerhin ist es bemerkenswert, daß sie überhaupt laut werden. Mit Recht bemerkt die Kreuzzeitung, was auch gewiß richtig ist. daß dieser Artikel in erster Linie dcn Zweck verfolge, einen Druck auf England auszuüben, da- mit endlich die jetzt japrsam fließenden englischen Geldquellen reichlicher strömen. „Trotzdem", so fährt das Blatt fort, „ist die Tatsache, daß man in Rußland offen die Möglichkeit eines Sonderfriedens erörtert, nicht zu unterschätzen. Der Gedanke konnte nur der starken Ernüchterung entspringen, die Rutzlands öffentliche Meinung übcrkam, als tzindenburg den russischen Offensivplan zerritz und die Heere des Zaren in die Verteidigung zurück,zwang. Vorläufig ist er ein Keim, der erst wenige Wärter getrieben hat, aber es ist nicht unmöglich, daß das Wachstum sich in Ereigniste auf dem östlichen Kriegsschauplatz« ihm die nötige Nahrung geben."
Als Gegenstück wird der „Vost. Ztg." über Kopenhagen gemeldet: Bezeichnend für die Sttmmung in Rußland ist einer der Leitartikel des unter dem Pseudonym Bajar schreibenden deutschhehcrischcn Publizisten Kolyfchko im Moskauer „Rußkoje Slowo". Es heißt darin: Ich erhalte ungezählte Briese, in dcncn man mir über die Kriegsmüdigkeit schreibt, sowie darüber, daß man der ewigen Bcschimpsungcn der Deutschen schon überdrüssig sei. Man bittet. Kaiser Wilhelm nicht anzugreisen, der sein Volk weife regiert und ihm ein Paradies auf Erden geschaffen hat, ferner die mutigen deutschen Truppen nicht zu beschimpfen und überhaupt den patriotischen Ton herabzuschrauben und den Deutschenhaß zu dämpfen. Bajan bemerkt ferner: Melancholisch starke Eindrücke machen UNS furchtbar rasch müde. Das stammt nicht von unserer Verbrauchtheit, sondern von un- sercr Jugend. Wir können weder stark lieben noch stark hasten.
Ans England.
Englische Schisssverluste. London, 30. Dez. Die „Times" meldet vom 29. Dezember: Gestern sind vier englische Schisse durch einen Zusammenstoß mit Minen verloren gegangen, nämlich der Dampfer „Limarra", der kleine Dampfer „Wem" und zwei Fischdampfer. Seit der Weihnachtstage sind in der Nordsee a ch t Schiffe infolge der Minen zu Grunde gegangen.
Die reinste „Lüge" und die gemeinsten Schmähungen. Zn der ..Frankfurter Zeitung" verüsientlicht Pros. Dr. Stessen, SJiitgiieb der Ersten Kammer des schwedischen Reichstages, einen Aussatz über den Weltkrieg und unsere sittliche Kultur, der mit folgenden Sätzen schließt. „Es ist mir ausgefallen, daß wäbrcnd dieses Weltkrieges regelmäßig die gröbsten, reinsten Lügen in Rußland und die gemeinsten Schmähungen in Englo.nd fabriziert werden: und ich sage mir. daß dies mit
der geistigen Insularität der Engländer Zusammenhängen Niilß. Der Krieg würde die sittliche Kultur Europas wesentlich fördern, wenn er dieser Primitivität und dieser Insularl- tät ein Ende machen könnte — -vas meines Erachtens allerdings nur durch einen vollen, entschiedenen Sieg Deutschlands geschehen könnte."
Sammlung von Teilen d«utscher Wnrsgeschoste in Portsmouth. Wie der Korresopndenz Piper aus London gemeldet wird, hat der Kommandant der Verteidigungswerke in Port s mouth die Bevölkerung aufgefordert, bei dem nächsten Angriff auf den Bezirk Teile der Wurfgeschoste zu sammeln, damit die Militärbehörden die Größe und Natur der Ecschoste fest- stellen können.
Furcht vor Luftschiffen. London. 30. Dez. Die Marine- und Militärbehörden machen die Straßenpastanten auf die Gefahr durch Geschoßteile und Kugeln aufmerksam, die von den Kanonen, welche man »egen feindliche Lustschiife Lerweudet, beim Versuche eines Luftangriffs auf London, ab-
*«“« Tageszeitung. Donnerstag, den »I. Dezember 1»M
geschossen werden würden. Dt« Zivilbevölkerung wird auf- gesordert, womöglich in Kellern Zuflucht zu suchen, sobald sie Schüße höre.
Searborough im Dunkel. London, 30. Dez. (W. B. Nichtamtlich). „Daily Telegraph" meldet aus Searborough vom 23. Dezember: Der Kommandant des Bezirkes hat an-
gcordnct, daß zwischen halb b Uhr nachmittags und halb 3 Uhr morgcnds innerhalb für Meilen von der Küste zwischen Saltbouen und Spurnhead von keinem Fahrzeuge Acetylen-, elektrische oder andere starke Lampen benutzt weiden dürfen. Alle Lichter in den Häusern, die aus See sichtbar sind, sind auszulöschen oder abzublcnden. Niemand darf ohne Ermächtigung Licht und Feuerwerk abbrenncn. Jedermann, der aus offener Sttaße auf Anruf nicht stehen bleibt, läuft Gefahr, erschosten zu werden.
Ein guter Riecher.
(Unber. Nachdr. Verb.) S. u. H. Berlin, 26. Dez.
Seit Ausbruch des Krieges ist verschiedentlich mit Staunen scstgestellt worden, daß ausländische. namentlich englische Firmen merkwürdig gut über die politisclle Lage unterrichtet waren, obwohl noch niemand an einen Krieg zu glauben schien. Bekannt ist, daß z. B. englifckle Kabel- geschäste und Banken schon im Monat Juli Aufträge deutscher Kunden nicht mehr ausführen wollten. Ein neues Beispiel ausfallender Information führt der ..Handelsstand" das Organ des Vereins sür Handlungs-Commis van 1858 an, indem er schreibt: Vor geraumer Zeit kam zu unserer Kenntnis, dah den Hamburger Lerkaufsangcstelltcn, de» sogenannten Geschäftsführern, der Firma Singer u Co.. Nähmaschincn-Akt.-Ges., Berlin, im Juli d. Js. eine ganz eiheblichc Herabsetzung ihres Gehalts zugcmutet worden sei.
Das genannte Blatt sagt hierzu: Ob die Singer u. Co. in der fast nur ausländisches, zum größten Teil englisches. Geld arbeitet, Beziehungen gehabt hatte, die das Komniende schon im voraus überblicken ließen, hat sich natürlich nicht seststellen lassen.
Diele Frage wird man wohl mit gutem Gewissen bejahen können.
Die Zuteilung d. Kriegsanleihe.
Berlin, 30. Dez. (W. B. Amtlich.) Bei der Reichsbank ist darüber Klage geführt worden, daß die Zuteilung der Kriegsanleihe in großen Stücken den Zeichnern Unbequemlichkeiten bereite. Es ist deshalb in Aussicht genommen, an Stelle der Anzahl von Stücken zu 100,000 und 50,000 Mark kleinere Abschnitte Herstellen zu lassen. Di: Besitzer von Zwilchcnscheincn zu 100,000 und 50,000 Mark, denen daran gelegen ist, beim Umtausch in endgültige Stücke kleinere Abschnitte zu erhalten, können daher noch auf Berücksichtigung ihrer Wunsche rechnen, wenn sie diese baldigst bei ihrer Reichsbankanstalt Vorbringen.
Ans der Heimat.
• Fricdbrrg, 31. Dez. Ein in der Wetterau und darüber hinaus allbekannter Mann ist aus diesem Leben geschieden. Karl Brückmann von der Dögelmühle zu G r o ß - K a r b e n ist heute Nacht im BürgcrhoSpital zu Friedbsrg, wo er vor kurzem erst Aufnahme fand, gestorben. Mit aufrichtigem Schmerze werden seine zahlreichen Freunde die Trauerbotschast erhalten. Tenn der Verstor-
bcne war ein leutseliger und frohgemuter Mensch gutmütig und gefällig gegen seine Freunde. Er starb im Alter von
49 Jahren. Möge ihm die Erde leicht sein.
Aue Tlarkenburg.
* Richen bei Groß-Umstadt, 30. Dez. Hier ist während der Weihvachtsfeiertagc der Bürgermeister E i d m a n n , ein in landwirtschaftlichen Kreisen wohlbekannter Mann, beim Säckselschnerden verunglückt. Er kam mit dem linken Arm in die durch ein Göpelwcrk getriebene Schncidemasch e sodaß ihm der Arm in mehreren Stücken bi, zur Hälfte ib- geschnitten wurde. Durch Abstcllen der Maschine wurde weiteres Unglück verhütet.
Ans Rhrinhesirn.
- Kofthcrm 30. Dez. Im hiesigen Floßhafcn wurde die Leiche der seit dem 28. November d. Z. verschn »ndencn i:l,ä.>. rlgen Iosesinc Rath gcländet. Das Mädchen hatte »ns Furcht vor Strase freiwillig den Tod gesucht.
- Hcidesheim, 30. Dez. Die älteste Einwohnerin der Provinz Rhcinhcsicn, die Witwe Rohr von hier, ist im »S. Lebensjahre gestorben.
- Worms, 30. Dez. Ein großes Kriegsgefangenenlager. 110 Baracken haltend, wird hier an der Pfissligheimer Ehausiee erlichtet. Es ist das sechste größer« Lager im Bezirk des 18. Armeekorps.
Frankfnriei Wetterbericht.
Boranssage: Bedeckt, zeitweise Regensälle, wärmer, südwestliche Winde.
Verantwortlich sür den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. Schmidt, Fricdberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung" A. G.. Fricdberg i. H.
AlllNIIIklllkllt-Eillllldllllkl.
Im kommenden Vierteljahr wird unsere Zeitung wieder in vergrößertem Umsang erscheinen, ausserdem wird ihr der
„Bauer ans Hoffen"
wieder bcigelcgt werden. Auf Wunsch unserer vcr. ehrten Leserinnen wird wieder jeden Tag eine Erzählung erscheinen.
Wir sind bestrebt, die Kriegsereignisse recht schnell, vollständig und übersichtlich wie nur möglich zu bringen. Wenn wir auch nicht im Ilmsang mit den großstädtischen Blättern welteisern können, so atmet dajür unsere Zeitung Heimatslust, weshalb sie gerade aus dem Lande gelesen werden sollte. Wir bitten daher unsere Freunde und Agenten sür recht weite Verbreitung besorgt sein zu wollen.
Zum Schluß« wünschen wir unseren Abonnenten und Freunden ein
grjkgilktks ffkiijiihr
und unserem lieben Vaterland einen
blildigk» uni) liklsmllfrii fririmi!
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im Hanfbau.
Freitag, den 1. Ionvar 1915.
M-Heidefbcrg
Schauspiel in 5 Akten von Wilhelm Mayer-Förster. Nachmittags 1 Uhe:
Für die Jugend: Tifchlein deck dich, Esrlein streck dich, Suüpprl an» dem Sack!
w Alle, Nähere durch Anschlag und Tageszettel.
Etn Leit des Erlöses fließt dem Roten Kreuz zu.
Die Direktion
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