Ausgabe 
31.12.1914
 
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Nummer 300__ Donnerstag, de n 31. Dezember 1014. 7. Jal-rgang

L,ciitne eao.»!'it«ng» etidjeint ,-d-n Werktag. Regelmäßige BeilagenPer Kauer au« fielTen", ..Hie Spinuckube". K»,u,oprei.: «ei den Postanstalten »»rleljährltch Mk , 05 tu een »genten monalltch so Psg. Hinzu tritt Postgebüh, -der Träger,odn. An.eigen: «rund,eile Ä» Vfo- lolalt 15 Psg, Sn,eigen von auswärts werden durch Pollnachnahme erhöbe» Erfüllungsort Friedberg. Sch Mitteilung und vertag Friedberg (Hessen), Hanaueritratze 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Lonto Nr. 4S.»9, Amt Frankfurt a. Sk.

Ucujahr

Das Jalzr 101-;.

Grüß Gott Tich, junges, neues Jahr!

Grüß Gott, bring' reichsten Segen!

Du blickst so froh, so hell und klar

Wir jauchzen Dir entgegen!

Das alte ging zur Ewigkeit,

Das Jahr der großen Taten.

O wunderbare Heldenzeit,

Wie reich sind Deine Saaten I Griitz Gott! Beschirme unser Heer Im Westen wie ini Osten Und unsre Flotte aus dem Meer,

Die alleauf dem PostenI"

Schlagt, Helden, auf die Feindcsbrut,

Jagt sie zur Hölle nieder!

Gott gab den Teutlchen Kraft und Mut Stimmt an die hellsten Liederl Im neuen Jahr mit neuer Kraft Holt aus zu wucht'gen Schlägen!

Was Großes Ihr bisher geschasst,

Bringt Kind und Enkel Segen.

Kein Friede, bis der lehte Feind Don Euch im Staub zertreten!

Und darum wollen wir vereint Zu Gott mit Inbrunst beten! » , ,

Dr. Otto Weddigen, Charloticnburg.

Znrn Denen Jahr!

Der Weg durchs Leben soll nicht sein Ein rastloses Hasten und Jagen:

Sieh' einen Kilometerstein In vorgehobenen Tagen.

Da ruhe Dich aus, da schaue zurück Aus vergangenes Leid, auf vergangenes Glück,

Aus vergangene Schuld und ob ste gesühnt.

Aus empfangene Lehre, ob sie dir gedient.

Doch nicht n»r rückwärts wende den Blick,

Denn vorwärts muht Du, so will's das Geschick.

Sind die Waffen noch scharf, wenn's Kampf gibt u. Streit Ist das Herze gewappnet gegen Trübsal und Leid?

Trägt keiner ja mehr, als er tragen kann:

Je schwerer die Last, desto stärker der Mann!

Auch Blumen werde» am Wege gedeih'»

Drum rüst Dich vorwärts zum nächsten Stein!

Der letzte Tag des Jahres, der Sylvester-Abend ist solch' ein Kilometerstein, ein Markstein in unserem Leben. Wir

schauen zurück: Wieviel schwere Sorgen, wieviel mühsame, rer- schlungene Psade unseres Daseins liegen doch hinter uns! Den einen mehr, den anderen weniger hat das Leben gerüttelt und geschüttelt. Harte Not, große Gefahr, Trauer und Leid sind an uns herangetreten, aber auch lachendes Glück, frohe Stunden, Freude und Erfolg. Wir sehen sie vorllbergleiten, die Tage des vergangenen Jahres mit ihren wechselnden Bilder». Die Bilder der Lieben erschaut unser inneres Auge, mit denen wir manche frohe Stunde verlebt. Die Bilder der Freunde, denen wir Dank schulden, die verklärten Züge derer, deren irdisches Dasein ausgelöscht ward und die doch eine so schmerzliche Lucke in unserem Kreise hinterließen. Aber bisher war es eben im mer dieserunser Kreis", den wir bedachten. Unser eigenes liebes Ich und sein leibliches und seelisches Wohl, unsere Fa milie, unsere Freundschast, vor allen Dingen aber immer-das liebe Ich", alles andere und alle anderen nur, soweit sie z» diesemIch" in Beziehung standen.

Wie anders trifft uns diese Jahreswende! öurück tritt das Ich mit all seinen Keinen Sorgen und Röten, zurück tritt die Sorge um Berdienst und Wohlstand, und wo wir um Gesund­heit beten, so ist es, um dem Daterlande dienen zu können. Ausgelöscht ist aller kleinlicher Hader und Zwist in den Fami­lien, der Parteien, aller Neid und alle Mißgunst unteigegan­gen, alle selbstischen Wünsche in dem einen Großen:Möge das Vaterland groß und herrlich aus der schweren Prüfung hervor­gehen! Möge uns bald der Friede beschert sein!"

Wir sehen rückwärts aus das vergangene Jahr. Wir seben das gewohnte Alltagsleben an uns vorübergehen, sehen das Blühen von Wisienschaft, Handel und Gewerbe, sehen wohlge­kleidete lebensfrohe Bürger die Straßen und Gärten, die Gast­häuser, Theater und Ballsäle beleben. Wir sehen die Muffen den schweren Kamps ums Dasein kämpsen, sehen die lärmende Fröhlichkeit der arbeitsfreien Stunden und Tage. Und es drängt sich uns wohl der Gedanke aus: Bei gar manchem die­ser hartarbeitenden Menschen war die Arbeit nur das Mittel zum Zweck, möglichst viel von den Vergnügungen und Eenüffen des Lebens sich bieten zu können. Unser deutsches Volk war aus eine gefährliche, abschüssige Bahn geraten.

Aber wen der Herr lieb hat, den züchtigt er. Es kam der Krieg. Mit einem Schlage kam dem ganzen Volke das Be­sinnen.

Anfangs stockte wohl der Herzschlag, als die ersten schlim­men Nachrichten kamen:Drohende Kriegsgefahr!",Mobil­

machung besohlen!"Frankreich erklärt an Deutschland den Krieg'"Belgien erklärt an Deutschland den Krieg!" Daun trat er endlich aus dem Hinterhalte, der heimtückische Vetter überm Kanal:England erklärt an Deutschland den Krieg!" Ta brauste ein Sturm durch die deutschen Lande! Ein Sturm heiligen Zornes! Er feste hinweg wie Spreu, was klein und häßlich an uns gewesen: Ten Neid, die Genußsucht, die Ich­sucht. Wer ist unter uns, dem die Tage jenes heiligen, gewal­tigen Sturmes nicht mit ehernem Erijsel in die Erinnerung geschrieben sind,

Daun kam die Zeit emsiger Arbeit im Dienste des Vater- lande-, der Nächstenliebe. Einer für alle, alle für eine»!

Fünf Monate wütet nun der Krieg. Siegesjubel und Tage banger Sorge wechselten. Schwarzgelleidete. verhärmte Frauen, überfüllte Lazarette legen Zeugnis ab. welch gewaltige Dpser er schon gekostet hat. Und »och ist kein Ende des furch, unlieben Ringens zu sehen!

Will uns da nicht ei» Bangen beschleichen, heute an der Jahreswende? Ein Bangen, daß wir nicht durchhalten kön. ne», ein Bangen, daß wir auch das Lehte vielleicht noch her- geben müssen, das uns lieb und teuer war? Rein!

Eine feste Burg ist unser Gott,

Eine gute Wehr und Massen,

Er hilft uns frei aus aller Not,

Die »ns jetzt hat betroffen.

Und weiter:

Und ob die Welt voll Teufel war'

Und wollt uns gar verschlingen,

So sürchten wir uns nicht so sehr,

Es soll uns doch gelingen!

Gott wird mit »ns sein! Wir sind gewappnet gegen alles, was da kommen mag. Unsere Waffen sind scharf wie ehedem. Das Bewußtsein unseres guten Rechtes gibt uns Kraft, und die herrlichen Erfolge unserer Braven da draußen gegen eine Welt in Waffen, die wunderbare Einigkeit unseres Volkes, die Seelengröße unserer Frauen und Mütter, die der Schmer, »m die Gefallenen nicht zerbrechen kann, sie alle geben »ns die Ge­wißheit:Wir werden, wir müssen siegen!"

Groß und schwer sind die Opfer, die uns auserlegt sind, groß und stark muß das Volk sein, das solche Opfer zu trage» vermag. Größer und stärker, geläutert und.einig wird unser Volk aus der schweren Prüsung hervorgeheu. Und nun wol­len wir rüstig vorwärts schreiten, der ungewissen Zukunjt ent­gegen Wollen Jeder unsere Kräfte zum Aeußersten spannen, l>en Platz aussüllen, den Gott »ns zugewiesen. Das Läuten der Sylvesterglocken soll uns den Sieg bedeuten, den Sieg des neuen, jungen Jahres über das vergangene, das grau und iniide ins All zurückstnkt, den Sieg des Lichtes über das Dunkel, den Sieg des Guten, Edlen in uns über die finsteren Geister der Selbstsucht, der Zwietracht, und der Genußsucht.

In der schweren Zeit aber wollen wir nicht vergessen, der Blumen zu achten, die überall an unserem Wege sprießen und an denen wir nur zu oft achtlos vorübergehen oder sie ivohl gor zertreten. Ein sröhliches Kinderlachen, ein dankbarer Blick, ein schönes Kunstwerk, Musik, Freundschast, Liebe, nicht zuletzt der goldene Humor, der gerade in schweren Zeiten so herzer- yuickende Bluten treibt, sie alle hat ein weiser, gütiger Schöof.n aus unseren Psad gestreut, das ,'instere Tal zu erhellen, das wir durchwandern müssen. Also unverzagt vorwärts mit der frohen Hosfnung im Herzen, daß wir am nächsten Marlsteiu unseres Lebens die Glocken hören werden, die den heiligen schönen seligen Völkersrieden der harrenden Welt verkünden.

Friedrich Wolfs, Wölsersheim.

foinirj nni) Siiirriiiiairr in ilklitllhkm Wtz.

Sturm und Wolkcrrbriichc in Flandern und Nordfraiikreich. Sticrniwice weit hinter unserer

Front. Eine amerikanische Note gegen England.

Der deutsche Ceneralstab s! -------- meldet: - i

W. T. B. Grotzes Hau> rticr, de» 30. Tezeinber, vormittags. mtlich.

(Westlicher Kriegsschauplatz.)

Ilm das Gehöst St. Georges südöstlich Nieuport, wel- ches wir vor eine», überraschenden Angriffe räume» mußten, wird noch gekämpft. Sturm und Wolkenbrüche richteten an den beiderseitigen Stellungen in Flandern und Nord- f.nnfveich Schaden an.

Ter Tag verlief aus der übrigen Front im allgemeinen

ruhig.

(Oestlicher Kriegsschauplatz.)

In Ostpreußen wurde die russische Heereskavallerie au, Pilllallen zurückgedrängt.

In Polen rechts der Weichsel ist die Lage unverändert.

Auf dem westlichen Weichselufer wurde die Offensive östlich des Bzuraabschnittes fortgesetzt.

Im übrigen dauern die Kämpfe an und östlich der Rawkn sowie bei Jnowlodz und südwestlich fort.

Nach auswärtigen Mitteilungen hat es den Anschein, als ob Lowiez und Skierniwieee nicht in unserem Besitz wären. Tie Orte sind seit mehr als 6 Tagen von uns ge- uomme». Skierniwieee liegt weit hinter unserer Front.

Oberste Heeresleitung.

Die Kämpfe um Lomdartzyte.

Berlin, 30. Dez. (W. B. Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier ersahren wir, daß die Pressenachricht, daß die Belgier in den Kämpfen bei Lombartzyde 2000 Deutsche gefangen genommen hätten, vollständig erfunden ist. In den wochenlangen Känipscn in der Gegend von Lombartzyde und Nieuport verloren die Deutschen an Toten. Verwundeten und Vermißten überhaupt nur etwa 1200 Mann. Die Zahl der Vermißten, die allein gefangen sein könnten, ist dabei verschwindend gering. Auch die in der Pressenachricht geschilderten Nebenumstände sind von Anfang bis Ende unwahr.

Italien. Bericht über die Zchlacht in polen.

Berlin, 30. Dez. Der MailänderCorriere della Sera" berichtet aus Petersburg: Seit dem 29. November kämp- fcn die Teutsck^n beinahe ununterbrochen gegen die Front

an der unteren Bzura. Die Angriffe setzten nur drei Tag« aus, wahrscheinlich, um den Artilleriekampf noch intensiver zu gestalten. Tie Deutschen haben an dem reckiten Pili» ea-Ufer die russische Nachhut abgeschnitten, die mit der rui- sischen Armee an, 21. Dezember an die Front Opoczno Toniaszow vorgeschritten war. Die Oesterreichcr und Un­garn leisten auf dem rechten Nida-Ufer den größten Wider­stand.

Verluste des ital. Freiwilligen* regimcnts in den Argonncn.

Mailand, 30. Dez. Ucber den ersten Kampf des it.il:> nischen Freiwilligenregiments am Abend des 27. Dezember bei Belle Etoile in den Argonncn berichten italienische Blätter in langen Pariser Telegrammen mit offensichtlicher Tendenz. Ter Angriff richtete sich gegen den halbkreissor- migen deutschen Laufgraben, er wurde von der französi­schen Artillerie gedeckt. Tie Deutschen warfen den Angriff jedoch mit heftigein Maschinengcwchrseuer zurück und niach- tcn dann mit dem Bajonett einen energischen Gegenangriff. Als die Italiener sich dann wieder dem rechten Flügel des drutlck^n Laufgrabens näherten, sprengten die Deutschen ihn in die Luft, wobei eine Anzahl Italiener umkamen.