Ausgabe 
5.12.1914
 
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1K6 ei», als Sultan Mahmud den Ia»itscharen dos grStzttche

Blutbad brrettetr. Im letzte» russisch-türkischen Kriege svmre im Balkankrtege wurde versucht, de» Scheich ul Islam zur Entsaltung der Fuhne ju bewegen, dach weigerten sich die da­maligen Träger dieser höchsten Kirchenwürde, so schwere Ver­antwortung aus fich zu nehmen. Denn es gibt in der Tat lein furchtbares Aufgebot zum Kampfe bis aufs Messer, als die Enthüllung der grünen Fahne, jeder Muselmann, ob jung oder alt, ob schwach oder stark, gesund oder krank, arm oder reich, Familienvater oder Junggeselle, ist verpflichtet, Haus uird Be. sitz, Amt und Familie zu verlaffen, um dem Ruse Folge zu lei­sten. Den Augen von Nichlmohammcdanern bleibt die Fahne »cs Propheten, gleich wie dessen Mantel, verborgen. Die Moschee, in der er sich befindet, liegt im dritten Hose des al­len Serails, wohin Ungläubige» der Zutritt unbedingt ver­wehrt ist.

Der Zchlchjgeiany -er lknylän-er.

Als ein Matrose des von unserem17 9" torpedierten eng­lischen KreuzersEreffy" in den Fluten der Nordsee versank, stimmte erTipperary" an. Welcher Unterschied zwischen den deutschen Helden desIltis", die mit den Klängen de» Flotten- liedcs uniergehen und dem britischen Matrosen, der angesichts des Todes eine Tingellangelmelodie anstimmt. Als die ersten englischen Truppe» aus französischem Boden landeten, besahen sie noch kein Kricgslicd. Nur ab und zu summte einerTippe- rary", das er in irgend einer Londoner Singspielhallc gehört hatte. Das Lied stammt ja nicht einmal aus England. Der Amerikaner Harry Williams hat cs im Frühjahr 1912 in een Vereinigten Staate» für eine Varietetruppc komponiert und von dort ist es durch Iren nach den britischen Inseln gebracht worden. Denn es drückt ja die Sehnsucht der fern von der Heimat in London lebenden Iren nach dem hcimatsort Tipperary aus. Die leichte Melodie fand aber bald Verbrei­tung. Die französischen Vundesgenosien der Engländer über­setzten Tipperary und siele» in den Gesang ein. Schottische Hochländer, die niemals den Namen des kleinen irischen Ortes gehört habe«, spielen das Lied auf ihren Dudelsäcken, Reser­visten au» Kanada summen es in Erinnerung an die Wälder ihrer Heimat und selbst aus den fletschenden Zähnen der Indier dringt das Lied:

Jt's a lang way io Tipperary,

It's a lang way to go.

Jt's a lang way to Tipperary,

To the sweetest girl I know.

Good-by, Picadilly!

Fareweü, Leicester Square!

Jt's a lang way to Tipperary,

But my heart's right thcre!

Gewiß, auch in demIch hatt' einen Kameraden" begin­nenden und in dem Wunschin der Heimat, da gibt? ein Wie­dersehen" ausklingenden dcuischen Soldatenlied, das unser« Truppen in der Front singen, klingt die Sehnsucht »ach den Lieben des Hauses und der Familie an. Aber dasGloria Viktoria! Mit Herz und Hand fürs Vaterland!" dieses Liedes zeigt nur zu deutlich die opfersreudige Stimmung des deutschen Soldaten. Dazu besitzen wir unser altes Kriegslied, dieWacht am Rhein". Auch die Franzosen lassen in der Marseillaise na­tionale Töne anklingen. Nur der englische Söldner hat ein Tingeltangellicd zum Schlachigcsang erhoben, das noch nicht einmal aus seiner Heimat stammt, sondern von dem es heißt: niadc in America."

Täuschender Schein.

Original-Roman von Ludwig B l ü m ck e . fFortsetzungl.

Erwin fand nichts Verlockendes an Fräulein Agathe, denn vor seiner Seele schwebte ein ganz anderes Wesen, ein Engelsbild, wie er noch keines geschaut im Leben.

Wir sehen Sie nachher zum Tee im Park wieder, Herr Leutnant, wenn ich bitten darf "

Damit verabschiedete die alte Dame den Volontär Einstweilen, und Johann, der eine kornblumenblaue Livree mit gelben Aufschlägen und silbernen Tressen trug und recht bieder ausschaute mit seinem lächelnden, roten Vollmondgesicht, führte ihn in ein im Erdgeschoß des Schlosses gelegenes, freundliches Zimmer- II. Kapitel.

Junker Udo befaß drei Leidenschaften, die ihn ganz und gar beherrschten, in denen er aufging: die Jagd, die Weiber und die Karten. Alles andere auf der Welt ließ ihn ziemlich kalt. Hier in Heinrichswalde, wo er immer nur einen Teil des Jahres zu weilen pflegte, srönte er nur der elfteren, da sich für die anderen keine Gelegenheit bot. Mit wcnr hätte er hier auf hohe Summen spielen sollen? Oberjörster Weidebaum wäre der einzige gewesen, denn der liebte die Karten eben­falls. Doch mit dem Mann stand er nicht aus guten, Fuß, weil er ein paarinal in seinem Jagdeiser über die Grenze gegangen war und darum Unannehmlich­keiten gehabt hatte, an denen jener einzig und allein die Schuld trug, wie er aus guten Gründen vermuten durfte. Freilich war's immer noch recht glimpflich mit ihm abgelausen, weit glimpflicher als mit gewöhnlichen Wilddieben. Gleichviel, er wollte sich von niemandem Gesetze vorschreiben lassen und wünschte Weidenbaum zum Teufel.

Und Weiber?

Brrr!" machte er, wenn er alle Schönhetten, die ihm hier zulandc bisher begegnet waren, Revue pas­sieren ließ. Fräulein Agathe mit ihrer halben Mil- lion, diese gar so verliebte Person, die lediglich seinet­wegen in's Schloß gekommen war, mochte er ganz und gar nicht leiden, trotz ihrer schönen Augen, dir so schmach- iend blicken konnten. Das hatte er ihr kurz vor Erwin Rudorps Eintreffen endlich so deutlich zu verstehen ge­geben, daß sie es merken mußte. Seitdem haßte sie

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üp und dachte an die Heimreise. Was sie noch immer hielt, wußte er nicht.

Aber heute sollt« der verwöhnte Feinschmecker aus seinem Pirschgang dennoch ein Mädchen kennen lemen, das seine Meinung über Landschönheilen von Heinrichs­walde und Umgegend völlig zu schänden machte und ihn wie aus dem Häuschen brachte.

Dieses Wesen war Agnes Roland, die Udo bisher noch nienials in der Rühe gesehen, wenigstens nicht, seit aus dem zarten Knö plein «ine so wundervolle Rose ganz im Verborgenen erblüht war.

Und das kam also:

Agnes hatte, da das Wetter nach einer langen Regenzeit endlich einmal wieder verlockend schön ge­worden, das Haus, an das sie volle zwei Wochen ge- geseffelt gewesen, verlaffen, um Waldlust zu atmen. Sie liebte die Einsamkeit, und heule schien ihr diese ganz besonders erwünscht, darum schlug sie einen Wildpfad ein, der durch des Vaters Forst zum Heinrichswaiden sllhrie. Da konnte sie den Gedanken, die in letzter Zeit so häufig in ihrem Köpfchen ein loses Spiel trie­ben und schon manches Unheil in Küche und Keller angerichtet hatten: zerbrochene Töpfe, versalzene Suppen, angebrannte Speisen usw., einmal unbeschadet freien Lauf lassen. Schön Agnes war nämlich zum ersten Riale mit ihren achtzehn Jahren verliebt, bis über die Ohren verliebt. Der nette Leutnant mit den klugen, guten braunen Augen und den ritterlichen Benehmen, der in vierzehn Tagen nicht weniger als viermal bei ihnen gewesen, die beiden Sonntage und dann noch an zwei Abenden, trug die Schuld daran. Und sie mußte nach allem, was sie miteinander gesprochen, was er ihr gesagt, wenn der Zufall es gefugt, daß sie einmal ein paar Minuten allein gewesen, der festen Ucberzeugung sein, daß Erwin über sie nicht anders dachte, als sie über ihn, daß sein Herz ebenfalls für sie in Liebe glühte.

Ach, wie innig liebte sie ihn, wie war sie, seit sie ihn zum erstenmal gesehen, so ganz anders geworden! Immer und immer mußte sie an ihn denken, überall, wo gestochen wurde, glaubte sie seine Stimme zu hören, und tauchte in der Ferne eine menschliche Gestalt auf, so pochte ihr Herz lebhafter, denn sie glaubte den Ge­liebten zu sehen. So von ihm träumend, wandette sie also jetzt dahin durch die Wälder in ihrer sommerlichen Pracht, Als sähe sie heute alles mit neuen Augen, io kam es ihr vor: weit schöner dünkte sie jeder Gegen­stand, ganz anders, völlig verändert. Welch reizende dunkelgrüne Sternchen bildete da zu ihren Füßen auf hellerem Untergrund das junge Moos, wie märchen­haft schauten die Pilze unter dem Farnkraut sie an! Konnte es etwas schöneres geben als jenen scharlach­roten Fliegenschwamm mit den schneeweißen Pünktchen? Und der Pirol, die Finken und, was da noch sang und zwitscherte in den Zweigen, jedes Bügleins Stimme klang anders, weit froher, weit schöner. Drunten rauschte über Steingeröll ein silberklarer Bach dahin. Was er geheimnisvoll murmelte, das klang wie Stimmen von Nymphen und Feen, die einander vom seligen Glück liebender Menschenherzen erzählten, ganz leise, ganz leise. Vergißmeinnicht blühten unter den Erlen am Bachesrand. Die pflückte Agnes, steckte sie lachend in ihren Ellttel und wanderte weiter auf weichem Moos­teppich, immer weiter.

Da auf einmal hemmtsie mit einem erschrecktend' Herr Gott!" ihre lässigen Schritte und schaut erglühen in das schnurrbärtige Gesicht eines riesengroßen Weid­manns, der, die Büchse im Arm, vor ihr steht.

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Udo war der Jäger. Auf «inen stattlichen Reh­bock hatte «r hier gelauett fest einer geschlagenen Stunde.

Und der kam nicht. Statt deffen stand urplötzlich vor dem Haselgebüsch. in dem er ihn zu hören geglaubt,

eine wunderschöne Maid mit goldigem Haar undÄugen so blau wie über den Wipfeln der Buchen das Stückchen lachenden Sommerhimmels. Fast fiel dem Junker die Büchse aus dem Arm, so erschrack auch er ob dieser so ganz unerwarteten Erscheinung.

Wer konnte das zierliche Fräulein mit der herr­lichen Gestalt und dem entzückenden Eesichtchen nur sein? Sollte im Jagdschloß auf der Obersörsterci hoher Besuch weilen? Hatte di- Kleine sich von dort her- llberoerirrt? Jedenfalls zog er tief seinen k>ut, setzte seine liebenswürdigste Riiene auf, entschuldigte sich, wenn er das gnädige Fräulein erschreckt habeil sollte und fragte, nachdem er seinen Namen genannt, was ihm die Ehre so seltenen Besuchs verschaffte.

Ich muß mich bei Ihnen entschuldigen Herr von Schultental", sagte Agnes, ihre Verlegenheit nicht vcr bergen könnend.Das ist mir noch niemals passiert, daß ich die Grenze ganz und gar übersehe» hätte. Ich habe mich verirrt."

Jetzt fiel ihm erst ein, daß Fräulein Roland die Tochter des Besitzers von Waldwiese sein müßte. Der Mann hieß jo doch Roland. Aber so etwas Entzücken­des? Wie war das möglich?

tFortleeung folgt.)

Kirchliche Anzeigen.

Evangelische Gemeinde.

2. Sonntag im Advent, 6. Dezember.

Gottesdienst in der Stadttirch«

Vormittags 9 y, Uhr: Herr Direktor Schock l.

Nachm. 4 Uhr: Musikalische Advcntsseier des Kirchenge-

sangvereins.

Abends 8)4 Uhr: Herr Pfarrer Ritter.

Gottesdienst in der Burgkirch«.

Vormittags tl Uhr: Kindcrgottesdienst: Herr Psarrcr

Ritter.

Nachm. 2 Uhr: Taubstummcngottcsdienst mit hl. Abend­mahl. Herr Psarrer Dicht.

Nachm. 5)4 Uhr: Herr Kandidat Martin.

Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach.

Vorm. 19 Uhr: Herr Psarrer Zatzman».

Am 13. Dezember wird in der Stadtkirchc im Abendgoltes- dicnst das hl. Abendmahl mit Einzelketch gefeiert.

*

Katholische Ge»,rinde.

2. Sonntag im Advent, 6. Dezember.

Beichtgelegenheit am Samstag von 4 Uhr an und Sonn­tag» ftüh von y,6 Uhr an.

547 Uhr: Frühmesse.

8 Uhr: Mttitärgottesdienst (Singmeffe mit Predigt).

lGemeinsame HI. Kommunion der Männer).

1)410 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachm. 2% Uhr: Segens-Andacht.

Nach dem Hochamt: Ausgabe von Büchern ans der Bor- romäusbücherei.

Wahrend der Woche: Montag Abend 07 Uhr: Beicht- gelegenheit. Mittwoch und Freitag Abend 8 Uhr: Kriegs­bittandachten.

Feierabend Fricdberg.

Sonntag, den 0. Dezember: Teilnahme an den Uebungen der Jungwehr. Besuch des Abendgottcsdicnstcs: dann Zu­sammenkunft im Vereinslokal.

Landgräflich Hessische conc.

esbanlx

Filiale Frieilberg i. Sfi.

Alte Post (Kaiscrstr.)

Fernsprecher No. 20 Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 4063.

Eröffnung von laufenden Rechnungen und provisionsfreien Scheckkonten

Entgegennahme von Spargeldern

auf kürzere und längere Zeit, bei sofortiger Verzinsung zu den höchsten Zinssätzen.

Vermögens- und Nachlass-Verwaltung.