Uurnrner 286
Samstag, den 5. Dezember 1014.
7. Jahrgang
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3ntüihgrfd)lagrnr Kindliche Angüße im Meten nnd Den.
Die Offensive in Polen. — Türkisches Vorgehen im Kaukasus. — Mrft Bülom Botschafter in Nom.
Der dnitlchk üailfr in der (Oftfront.
Die „Züricher Neueste Nachrichten" schreiben:
Am Sonntag war der deutsche Kaiser von Frankreich her >n Danzig angekoinmc», ohne in Berlin halt zu machen. In den nächsten Tagen wird er in der Front der deutschen Armeen in Ostpreußen Russisch Polen eintressen, im Hauptquartier des Fcldinarschalls von hindenburg.
Man hat es dabei mit einem Ereignis zu tun.
Die drciocrbändische Presse wird zwar nicht verschlcn, dasselbe nach ihrer unsairen Art zu glossieren. Es wird heißen. dte deutsche Heeresleitung in Frankreich habe den Kaiser wegkomplimcntiert, damit er nicht mehr in die dortige Kriegs- Icitung zum Schaden der deutschen Sache hineinregierc, und man wird auch sagen, die Reise ocs Kaisers an die Ostsront sei da« letzte verzweiselte Mittel, die dortige Lage zu retten.
Ties alles würde Eejlunkcr und Eestänker sei», das man sich gestalten darf, wenn man in ihm noch einen rettenden Strohhalm suchen muß. Das Verhältnis zwischen Kaiser und Kriegsleitung im Westen war und ist das denkbar harmonischste. ohne auch nur Spuren von Trübungen oder Reibungen War der deutsche Kaiser schon vor dem Krieg der größten einer unter allen Zeitgenossen, so hat ihn der fürchterliche Krieg noch großer gemacht — größer als Herrscher, als Militär- Mensch. ein Mann, wie die Weltgeschichte nicht viele seinesgleichen kennt.
Daß seine Ankunst in der Ostsront etwas ganz andercs bedeutet. als das letzte Stimmulierungsmittel, eine zusammen- drechcnd« Lage aufrecht zu Hallen und zu retten, dürste man in einer allernächsten Zeit aus Seiten der Tttplccntcnte mit blassem Schrecken inne werden. Wenn alle Berliner politischen Kreise in dem Ereignisse di- Ankündigung eines großen deutschen Entschciduugsstcgcs im Osten sehen, dürste sic ein ziemlich sicherer Blick geleitet haben.
In allen Fällen hätte die oberste deutsche Heeresleitung dem Kaiser schon aus militärischen Gründen eine Reise nach der Ostsront dringend abgeratcn, wenn sie die Lage dort nicht bloß sür bombensicher für die Deutschen hielte, sondern für aus- sichtsoollcr als je, und erst nachdem Fcldmarschall v. hindcn- durg die bindend- Zusicherung, soweit dieser Ausdruck zulässig ist. ins Große hauptquartter im Westen abgeben konnte, daß im Osten alles mehr als nur gut stehe, konnte der Plan überhaupt in ernstliche Erwägung fallen.
Denn da der deutsche Kaiser in der Ostsront weilt und damit als Kriegsherr der oberste Feldherr dort ist, darf es für die Deutschen nicht einmal einen sttatcgischen Rückzug geben, und wäre es noch so genial, geschweige eine Niederlage. Jedes Zurückwcichen jetzt — würde in Paris, London und Petersburg in Riesenlettcrn als „der deutsche Kaiser geschlagen" — „der deutsche Kaiser aus der Flucht" ausgekündet, und di- moralische und faktische Wirkung dessen wäre vielleicht ärger als jene einer verlorenen Hauptschlacht. Man erinnere sich, welche umwälzenden Wirkungen vor beiläufig hundert Jahren die bloße Nachricht in Mitteleuropa erzeugte: „Napoleon aus dem
Rückzüge aus Moskau." — „Der Kaiser fliehend."
Niemals dürste und würde ein hindenburg oder sonst ein deutscher Feldherr seinen obersten Kriegsherrn auch nur der Möglichkeit einer solchen Eventualität aussetzen. niemals die oberste Heeresleitung. Denn zu Niederschmetterndes hinge vom Eintritt derselben ab, dem gegenüber ein allsälliger Nutzen ganz verschwindend wäre.
Wenn der Kaiser bei Marschall v. hindenburg erscheint, ist bereits ein großer Sicgesstern anc Horizont im Aufgehen, dessen Bahne» keine russischen Verstärkungen mehr aushalten können, und auch sür die Oestcrrcichcr müssen die Dinge lehr verheißend sein.
Die nächsten Tage wird der deutsche Kaiser hindenburg, Mackensen und seinen andern sicggckröntcn Generälen im Oste» die Hände schütteln.
Di- Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß es nachher noch zu einem Besuche im österreichischen Hauptquartier konimcn wird, um dem Oberkommandierenden von Oesterreichs Armeen, dem Erzherzog Friedrich, der den Ruhm seines großen Ahnherrn. des Siegers von Aspern, neu verkörpert, und seinen hel- dcnhasten Feldherrn, den hötzcnüors, Dank! usw. seinen Dank und denjenigen des deutschen Volles auszusprcchen.
Das Erscheinen des deutschen Kaisers in der Ostsront ist ein Ereignis, das noch größere einleiten dürste. Der Deutschen und der Oesterreichcr Zuversicht wird nicht enttäuscht werden.
Wir bemerken nochmals, daß dieses Urteil über das Erscheinen des deutschen Kaisers in der Oststont in einem Schweizer Blatt enthalten ist. Wir haben dem nichts hin- zuzusügen.
Der deutsche Generalstab •== meldet: .........
WTB. Trostes Hauptquartier, 4. Tc;., vormittags. Amtlich.
Auf dem westlichen Kriegsschauplatz wurden französische Angriffe gegen unsere Truppen in Flandern wiederholt abgcwiesen. Ebenso in der Gegend nordwestlich Altkirch, wo die Franzosen bedeutende Verluste hatten.
Auf dem östlichen Kriegsschauplatz sind feindliche Angriffe östlich der masurischen Leenplatte unter grotzen Verlusten sür die Rnffen abgeschlagen morden.
Unsere Offensive in Polen nimmt normalen Verlauf.
Oberste Heeresleitung.
Der Kaiser in Berlin.
Große» Hauptquartier, 4. Dez. (Amtlich), Se. Majestät der Kaiser ist gestern zu kurzem Ausenthalt in Berlin eingetrosscn.
Die Kämpfe in Flandern.
Aus Stockholm wird dem „Achtuhrabendblatt" gemeldet: In der „Göteborg Handcls-Tidning" ist ein Bericht eine» Korrespondenten des „Daily Ehronicle" wiedergegeben, der über die Kämpfe an der Mer und im nördlichen Frankreich oas fol- qende zu berichten weiß: Am Dienstag nahmen die deutschen
Truppen Bewegungen vor, die durchscheinen ließen, daß der allgemeine vereinigte Angrtsf der Deutschen aus die Stellungen der Verbündeten an der Pser bevorstche. Der Angriff wurde mit einem unaushörlichen Artillerieseuer eröffnet. Alles deutete darauf hin, daß große deutsche Truppenmaffen hier cingetrossen sein mußten mit schwererer Artillerie denn je zuvor. denn das Grollen des Kanonendonners war ein viel stärkeres, als man cs bisher aus deutscher Seite wahrgenommen hatte. Am Abend fuhren die Deutschen weiter fort, ihre Truppenmassen im Eilmarsch gegen Südwesten zu werfen. Es dauerte auch nicht lange, so wurde noch in der Nacht ein schrecklicher Angriff aus di- Stellungen der Verbündeten unternommen, der, von dem Feuer der Artillerie unterstützt, eine mörderische Wirkung hintcrließ.
Der Llindftiirin II anfarrufr«.
Berlin, 4. Dez. fW. B. Amtlich). Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung, wodurch der aus dem Landsturm 1. Aufgebots Lbergetrctene Landsturm 2. Aufgebots zur Ann, eldung zur Landfturmrolle aufge- rufen wird. Gleichzeitig wild eine Bekanntmachung des Reichskanzlers bckanntgegcben, wonach der Aufruf des Landsturms zunächst lediglich die Herbeiführung der Eintragung in die Listen bezweckt. Die Anmeldung hat in der Zeit vom 16. bis einschließlich 20. Dezember 1914 zu erfolgen.
Die deutsche Giniifteit.
Wien, 4. Dez. fW. B. Nichtamtlich). Das „Fremdenbl." schreibt: Die bisherigen Kriegsercignisse bekunden, daß Deutschland den rechten Weg gewählt hat. Eins ist das Volk mit seinem Herrscher, glänzend erweist es seine in jahrzehntelanger emsiger Arbeit aufgespeicherte Kraft. Militärisch und wirtschaftlich steht es auf der höhe und so wird es auch den größten Anforderungen, die dieser Krieg an die Opferwilligkeit und Leistungssähigkeit eines Volkes stellt, gerecht. Fest und stark stehen Deutschland und dessen Verbündete da, mit stohcster Zuversicht dürfen sie in die Zukunft blicken. Noch ist die Widerstandskraft des Feindes nicht gebrochen, noch ist das Ende der Opfer nicht erreicht, aber es wird ausgeharrt und durchge- haltcn werden, bis die unantastbare Sicherheit geschaffen ist, daß keiner mehr wagt, an unserem Frieden zu rütteln. Die Rede des Reichskanzlers und das einmütige Votum des Hauses. das neuerlich zu erkennen gegeben Hai, wie fest entschlossen das deutsche Volk ist, den ihm aufgezwungenen Krieg bis ans Ende fortzusetzen, werden nicht verfehlen, auch im Auslände einen mächtigen Eindruck auszuüben. Wieder ist, wie der Präsident in seinem Schlußworte sagte, der Welt bewiesen worden, daß das deutsche Volk nicht besiegt werden kann, so langes einig ist und daß diese Einigkeit das sicherste Palladium Deutschlands darstellt.
fj Der österreichische Generalstab fl l h== meldet: —---- »
Der österreichische Tagesbericht. Wie», 4. Dez. kW. B. Nichtamtlich). Amtlich wird vcriautbart: 4. Dezember, mittags: In den Karpathen, in Westgalizien und in Südpolen verlief der gestrige Tag im allgemeinen ruhig. Die Kämpfe in Nordpolen dauern fort.
Vom serbische» Kriegsschauplatz. Wien, 4. Dez. (W. V. Nichtamtlich). Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: l. Dezember: Die Besitzergreisung von Belgrad cr-
jolgte gestern in feierlicher Weise. Der Vormarsch unserer Kräfte geht am nördlichen Teil- der Front kampslos vorwärts, wobei gestern 300 Mann zu Gefangenen gemacht wurden. Westlich und südwestlich von Arandjelowatz stellen sich dem Vorarin- gen unserer Truppen starke feindliche Krästc cntgege», wclche durch heftige Angriffe, die insgesamt abgewiesc» wurden, versuchen, den Rückzug der serbischen Armeen zu decken.
Der Rückzug der Russen aus den Karpathen. Budapest, 4. Drz. Der Rückzug der Russen aus dem Zcmpliner Kon.itat ist durch kaltes Wetter und hohen Schb-e sehr erschwert. Die Russcn wurden bis hart an die Grenze zurllckgedrängt. Bei Taksony erlitten sie eine neue Niederlage. Im Udvatal wurde viel russischer Train erbeutet, auch bei Sztropko wurden, die Russen geschlagen. Im Saroser Komitat fanden bisher nur kleinere Geplänkel statt. Alle Anzeichen deuten daraus hin, daß auch der diesmalige Einbruch in die Karpathen für die Russen überaus verlustreich abschließen wird.
Ein Glückwunschtelegramm des Sultans. K o n st a u t i n o - vel, t. Dez. ,W. B. Nichtamtlich,. Der Sultan richtete an Kaiser Franz Joses ein überaus herzliches Glückwunschtelegramm anläßlich der Besetzung Belgrads. Die Nachricht von der Besetzung durch die österreichisch-ungarischen Truppen wurde non den Mitgliedern der österreichisch-ungarische» und der deutschen Kolonie, sowie von dem türkischen Publikum mit überaus großer Freud« ausgenommen. In türkischen Kreisen wir» der Tapferkeit und dem heldenniute der österreichisch ungarischen Armee uneingeschränktes Lob gezollt.
Die Türke» über den Fall von Belgrad. Konstantin o- p e l, 4. Dez. (W. B. Nichtamtlich). Unter Bezugnahme ans die legte Niederlage der Serben stellt der „Taswlr-i-EL , ' fest ..Das ist das Ende der verbrecherischen Erpresser" und gibt seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß der Dreiverband »och Anstrengungen macht, ein serbisch-bulgarisches Einverneh. men hinsichtlich Mazedoniens herbeizuführen. Das Blatt sagt! Der Augenblick ist gekommen, sich zu fragen, m77 i-.-,*—, Serbien man sich einvernehmen will.
450 Geschütze in Belgrad erbeutet. Wien, 4. Dez. Wie aus Budapest gemeldet wird, ist bei der Einnahme Belgrad» durch die österreichisch-ungarischen Truppen den Sieger» beträchtliches Kriegsmaterial in die Hände gefalle». Darunter befinden sich nicht weniger als 150 serbische Feldgeschütze und zahlreiche Artilleriemunition. — Dieser Verlust trifft Serbien »m so empfindlicher, da ein Ersatz sür die verlorenen Geschützt gegenwärtig ausgeschlossen ist.
Das abgefchlosjene Serbien. Berlin, 4. Dez. Die „Ä Z." meldet aus Sofia: Nach Meldungen aus Nisch ist aus de» großen Tunnel bei Zajetschar ein Dynamitattcntat verübt worden, sodaß Serbien nun auch von Rumänien abgeschnitten ist, Die Zufuhr der russischen Transporte auf der Donau ist dadurch unmöglich geworden.
Kein Sondersriede mit Serbien. Wien, 4. Dez. kW A Nichtamtlich). Die „Rcichspost" erfährt von diplomatische« Seile: Die oerschiedcntlichen Meldungen über angebliche Absichten maßgebender Kreise Serbiens, angesichts der große» Fortschritte der kaiserlichen Truppen aus serbischem Boden einen Sonderfrieden mit Oesterreich-Ungarn anzubahnen, um den vollständigen Zusammenbruch des Königreiches zu vermeiden, entbehren jeder Grundlage. Die serbische Regierung ist abhängig von Petersburg, und cs geschieht in Serbien heute nur das, was Rußland will. Das Zarenreich wird aber nie zugeben, daß sein Vasallenstaat sich mit der Donau-Monarckne aussöhnt. Auch von der angeblichen, schon mehrmals gemeldeten Kabinettskrise in Nisch ist an hiesiger maßgebender Stclkr nichts Authentisches bekannt.
Serbien »nter österreichischer Verwaltung. Wie», -. Dez. Nach einem Bericht der „Südslavischen .Korres-on- dcnz" aus Sarejewo sind die Arbeiten zur Wieder', -rsteil- ung normaler Verhältnisse im eroberten serbrschen (tzcbnt in vollem Gange. Diese Arbeiten erstrecken sich ruf all.- Non itnseren Truppen in Besitz genommenen zerstörten £■ schoflen. Gi obere Transporte von Arbeitskräfte» "i:3 Bosnien nnd Herzegowina wurden in die besetzten Geoiire gebracht. In Scko.batz sind die Herstellungsarb-uen fast


