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10. l Juſt Pöllner err 8 Abentheuer und Beſonnenheit
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Eine Seſpenſter ⸗ Ge ſchichte und Ritter- Roman.
Mit einer leichten Faſſungskr aft, und mit nicht gemeinen Anlagen des Geiſtes vepband Juſi Püllner, aus deſſen Lebenslauf ich jetzt ein Vruchſtück erzahlen werde, das Talent, in jeder Laune des Zufalls den Grund einer freien Selbſthandlung zu finden. Es war ein Charakter, in welchem die Extreme einander berührten, und der eben darum zu jeder Unternehmung aufgelegt war, wo een gewiſſes Schnellgefühl verbunden mit raſcher Ausführung, entſchied.
Dieſer genialiſche Inſtinkt bedurfte nur einer ſorgfaltigen Leitung ſeiner Kräfte, um auf Wegen, die der gewohnliche Menſch nicht betritt, außerordentliche Wirkungen hervorzuhrinan. Allein das Glück, welches der Natur nicht immer entgegen kommt, hatte ihm dieſe Leitung verſagt.
4 Als der jüngſte Sohn eines Leinwandhändlers in einer ſchleſiſchen Provinzialſtadt, dem ſein Vermögen Anſpruch auf Wohl⸗ ſtand gab, hatte Pöllner das Studiere ergriffen— freriich mehr aus Hang für die ſogenannte akademiſche Freiheit und eine glanzende Laufbahn, als aus Neigung für die W eſſenſchaften. Selbſt die müh⸗ ſame Erwerbung nüß licher Kenntniſſe hatte minder AeisZ für ihn, als die g ückliche Kühnheit, welche die breite Heerſtraße verläßt, und auf Neßenwegen in kürzerer Zeit, und mit weniger Anſtren— gung das Ziel zu erklimmen ſtrebt. i
Mit den ausſchweifendſten Erwartungen eines unternehmen— den Kopfs, aber mit einer entſchiedenen Abneigung gegen alle An— ſtrengung trat er alſo in die Welt; und die natürliche Folge davon war, daß er nach einem zweijahrigen Aufenthalt auf der Univerſi⸗ tat zu Leipzig ſich ſelbſt und die Hoffnung ſeiner Anberwandten getauſcht ſah. Das war indeſſen noch nicht alles.
Einem ſo gemiſchten Charakter fehlt es nie an man nigfal⸗ tigen Gelegenheiten, verführt zu werden und in der Folge ſelbſt zu verführen. Pöllner beſtätigte dieſe Wahrheit von neuem Ein? Kopf, in dem ſich die widerſprechendſten Ideen ungeſucht fanden, und zu nie geſehenen Formen ſammelten, und der alfo nach den Geſetzen der natürlichen Verwandtſchaft zwiſchen allem, was in Raum und Zeit zugleich iſt, in einer günſtigen Lage die außeror— dentlichſten Wirkungen hervorbringen konnte— ein ſolcher Kopf, ſag ich, mußte durch die Folgen einer fehlerhaften Erziehung das Werkzeug unedler Leidenſchaften werden, und lange Zeit den Gei— ſtesadel eines von der Natur begünſtigten Charakter- verläugnen,


