Uummrr 280
Samstag, den 28. November 11)14.
7. Jalirgang
Ueue Tageszeitung
®'. c rtld)«int leben Werllag. Regelmäßig« Beilagen „Per Ka»rr an» Hellen", „vir Kpiiinllubr". Seingvprci«: Bei een Postanstalten vc-rieliäbitich Mt. 1,05
eei den Agenten manailich S0 P!p. H«n,u tritt Postgebühr oder Trägerlodn. An, eigen: Grundieile 2» i%, lokale 15 P,g, An,eigen von ausiväri» werden durch Po rnachnahme erhoben Effullungsort Frtedbeig. KchriNIritting u»d Verla, irredbrrg lHesirn). Honauerätaße IL , Fernsprecher 43. Postsäieck-Eont« Hr. 4859. 9lni ^ritnljurt a. VI.
Keiük Urräiibrrnii«i in brr ürirtu-lngr.
Ein englischer Dampfer im Kanal versenkt. — Weitere Fortschritte in Servien. —
Greift Persien ein?
i
------- ----- -
Der deutsche Generalstab . ___ meldet: — .
WTB. (Trostes Hcruptquartier, 27. Nov. vormittags. Amtlich.
Eine Belästigung der flandrischen Linste durch englische Lchissc sand auch gestern nicht statt.
Auf der Front des westlichen Kriegsschauplatzes sind keine wescntlicheu Veränderungen eingetreten.
Nordwestlich Langemark wurde ejue Häuscrgruppe genommen und dabei winde eine Anzahl Gefangene gemacht.
2m Argonnenwalde machten unsere Angriffe weitere Fortschritte.
Französische Angriffe in der Gegend Apremont und östlich Et. Mihiel wurden zu rückgeschlagen.
Zm Osten haben gestern entscheidende Kämpfe nicht stattgcsunden.
Oberste Heeresleitung.
Unsere Liege im Osten.
Der Tank des Kaisers. Berlin, 27. Nav. Der Kaiser sandte an den Generalobersten v. Hindenburg folgendes Telegramm: „Für den jrhon gestern und heute erreichten vielversprechenden Erfolg der von Ihnen geleiteten Operationen sende ich Ihnen in hoher Freude meinen kai- strlichen Dank. Auch Ihres Gencralstabschefs und Ihrer anderen Helfer im Stabe gedenke ich in höchster Ancrkenn- gnn. Ihrer braven, nie versagenden Truppen entbieten Sie ebenfalls meine Grüße und Dank für die unübcrtreff- lirhen Leistungen im Marsch und Gefecht. Meine best.» Wünsche begleiten Sie, für die kommenden Tage.
Wilhelm l. K.
Ans die Meldung v. Hindcnburgs von dem Siege der 9. Armee in den Kämpfen in Kujawien (Schlacht bei Knt- no) sandle der Kaiser dem Führer der 9. Armee, Exzellenz von Mackensen solgcndes Telegramm: „Als ich Sie an die Spitze der tapferen 9. Armee berief, war ich überzeugt, daß Sie das darin znn, Ausdruck gebrachte Vertrauen voll rcchtscrtigen würden. Ihre vortrefflichen Erfolge diej'r Tage haben mir hierfür den Beweis erbracht, und beglückwünsche ich Sic und Ihre braven Truppen z» diesen Ruhmestaten. Ihre unerschüttcrlicl>e Tapferkeit dem weit ük erlegenen Feinde gegenüber ist des höcl>ste» Lobes wert; sprechen Sie das den tapferen Truppen mit meinem kaiserlichen Gruß »nd den besten Wünschen für die Zukunft ins.
Wilhclni I- Ii.
Stimme der Presse. Berlin, 27. Nov, Im „Bcrl. Lok. Anz," heißt es zu den gestrigen Kämpfen in Russisch- Polen: In den Berichten über die großen Kämpse, die wir nach der Kriegsbeute, die General von Mackensen machte, nnt vollstem Recht als einen großen Sieg betrachten, zeigt (ich dessen Bescheidenheit und Offenheit. Denn nur ein Mann, der sich auch der noch ausstehenden Hauptentscheid, ung sicher fühlt, kann mit einer derartigen Ruhe darauf Hinweisen, daß er noch weitere Kimpfe mit anrückenden Verstärkungen zu bestehen haben wird, ehe der Tieg als endgültig zu betrachten ist. Im Norden Ostpreußens muß unsere Lage durch die Schläge bei Lodz und Lowicz beein- slußt werden. Die dortige russische Offensive war nur denkbar, solange sich ihr linker Flügel durch eine von War- lckzau ausgehende Offensive gedeckt fühlte. Mit deren Zn- samncenbluch war auch sic gescheitert.
Wien, 26. Nov. (W. B. Nichtamtlich.) In Würdi- >mig der Ereignisse auf dem östlichen Kriegsschauplatz kchieibt der militärische Mitarbeiter des „Neuen Wiener Tagblattes": Was die Oesfentlichkeit da erfährt, ist wohl bedeutungsvoller, als die sehr kurzen Meldungen auf den eilten Blick besagen. Es scheine» sämtliche russischen Angriffe auf Ostpreußen abgewiescn, die Gegenoffensive aus der Richtung Warschau gcschitcrt und alle gegnerisch:» Vorstöße östlich Czenstochau zusanuuengebrochen zu sein. Man nniß sich vor Augen halten, ans welchen ungeheuren
Schvierigkeiten die Tapferkeit und die Ausdauer der deutschen und österreichischungarischcn Heere solch' großartigen Ersofgc heraus zu kristallisieren vermochte». Als sich die Verbündeten von dem Raume Fwangorod-Warschrn lr.'i- willig zurückzogcn, war eS die gesanite militärische jinift des ungeheuren Millionen-Heeres, die folgte, um endlich zum kriegsentschidcnden Schage nuSzuholen. Das Zarenreich wurde nicht darüber in Zweifel gelassen, daß ein iol- chr Sieg die letzte krampfhafteste Hoffnung an der Seine und der Themse lei. Trotzdeu, das Deutsch Reich ja mit dem Hauptteil seiner militärisch» Kraft gegen ganz Frankreich, Großbritannien, Belgien und ihre diversen exotischen Bnndcsbrüdcr im Westen kämpft und auch Oesterreich.Ungar» ansehnlich Kräfte zur Niederwerfung des hartnäckigen Gegners auf dein füdlichn Kriegsschauplatz gebnnd.'a hot, vermag der moskowitischc Koloß mit seiner konz'n- trierten Hauptmacht nickst durchzndringen. Noch ist die definitive Entschidnng in dieser vielleicht wicktigst •» Schlacht des Weltkrieges, nicht gefallen, noch muß tagelang mit ungeheurer Erbitterung gerungen werden, eines aber beweisen die jüngsten amtlichen Meldungen von neneni: Die moskowitischn Heere sind nur in der Defensive ein außerordentlich zäber Gegners im Angriff besitzen die zari- schn Arnieen doch nicht so lehr die ihrer Größe entsp'.'ch- ei.de Stoßkraft und nicht den rücksichtslosen Elan, den Oesterreich klngarns und des Deutschen Reiches tapfere Hccrc in so glänzender Weise beseelt.
Die Kriegslage im Oste». Der militärische Mitarbeiter des Berner „Bund" spricht sich über die Lage aus dem östlichen Kriegsschauplätze folgendermaßen aus: Wenn es sich um eine Ichroächcre Armee handelte, könnte man sagen, daß die Ruhen auf drei Fronten umklammert, in der denkbar kritischsten Lage wären, besonders, da sich die Basis dieses Keils von der Unterlage Warschau—Zwangorod östlich der Weichsel losgelöst hat und rückwärtiger Verbindung entbehrt. Da die russischen Armeen aber — auch abgesehen von den bei Przemysl und an den Karpathen fechtende» Teile», abgesehen ferner von dem in Ostpreußen kämpjenden Heer — etwa 2 000 000 Streitet zählen, so wäre cs gewagt, zu behaupte», daß diele kompakte Masse sich IN kritischster Lage befindet. Das ist nur dann der Fall, wenn sic jeden Raum zur Entwicklung und operativer Bewegung verloren hat. So weit ist es aber noch nicht, und da di: Verbündeten die weitgespannte Front nicht mit überlegenen Kräften besetzen konnten, so wird sich die Prellung nicht überall in gleichem Muße sühlbar machen können. Die strategische Ueberlegenheit aber ist zweifellos aus seiten der Verbündeten, die dazu noch als Angreiser erscheinen und, auch wenn sie keinen Etsolg erzielen, mit dem Ergebnis zusricdcn sein können, das in der vollständigen Lähmung der russischen Ojscnsioe und starker Erschütterung bestände.
Von dcr Front im Westen.
Die Franzosen im Dunlel» über die Pläne der Deutsche».
Dcr Pariser Korrespondent der Kopenhagencr „Rational-Ti- dcn»c" berichtet seinem Blatt: Die deutschen Pläne sind uns heute noch ebenso unklar wie gestern. Weber die Beschießung von P-'-rn rind §oiü^"s noch die von R-'ws. noch die oewal- lig.il Znfantrneangriffe in. Argonncrwald geben uns die geringste Aufklärung. W.ihrichcnilrch 'st es die Absicht des deutschen Generalstabs, eine» schwachen Punkt In unserer Front zu sinden. Doch hat es de» Anschein, als ob die Beschießung von Ppcin und Soissons intensioer ist als an irgend einer anderen Stelle dcr Front. Zn Flandern scheinen große Truppen- vcrschicbungen vorzugche». Tausende und Abertausende oun Soldaten, die von Thiclt kommen, marschieren in der Richtung aus Ppern und Dixmuide». und zwar nicht nur Jnjanteric, sondern auch Kavallerie und Artillerie. Die deutschen Pioniere machen sortgcsetzt topographische Untersuchungen in den überschwemmte» Gegenden längs des Pscrlanals bis hinaus nach Bixschoode und nördlich van Dixmuide». Die Deutschen haben aus dem Weg zwischen Brügge und Eourtrai und bei dem Dors Dcsnep Artilleriestellungen errichtet. Alles deutet daraus hin, daß dcr Feind die umsasscndsten Vorbereitungen ittisst gegen eine» eventuellen Vorstoß dcr Verbündete». Zn dcr Gegend um Soisions, von wo aus die Deutschen Paris näher sind als an irgend einer anderen Stelle der Front, werde es ihnen schwer sollen, große Hecresmasscn für den Marsch gegen Paris zu konzentrieren, denn dann müßten sie ihre Stellungen >m Norden entblößen, woraus sofort unsere Truppen die Osfensioc ergreisen würden, ihnen in den Rücken fallen und ihre Verbindungslinien abschneiden würden. Der surechtbare Angriff der Deutschen im Argonncrwald ist wohl
ein Versuch, mit den deutsche» Truppen bei St. Mihiel Verbindung zu erlange» und gleichzeitig Verdun cinzukreiscn.
Dixmuidcn s-st IM dcutschen Besitz. Berlin, 27. Roubr, 'Amtlich). Die Meldung der „Daily Mail", daß Dixmuiden r..: den Verbündete» zurllckcrobcrt sei, entbehrt jeder Grundlage, Dnmnidrn befindet sich nach wie vor i» deutschem Besitz.
Emilifchcr Dampfer gefunken.
Paris, 27, Roo. Da» „Echo de Paris" meldet au» L» Havre: Der cnglstchc Dampjcr „Malachite" <2000 Tonnen),
wnrdc aus dcr Fahrt von Liverpool nach Le Havre, einige Aleilen nordwestlich Le Havlc, durch ein deutsche» Unterseeboot versenk«. Der Kapitän de» Unterscebootes gab der Mann- schas, de» „Malachite" zehn Minute« Zeit, von Bord zu gehen, und wenig ipäter sing dcr Dampscr Feuer. Da» Unterseeboot verschwand. Die Mannschaft der „Malachite" konnte sich »ach Le Havre retten.
Ant riiir Hlinf gkratkn.
Londo ii, 27. Nov. (SB. B. Nichtamtlich.) Tic „Ti- nies" meldet aus Rarmolith: Ein Fischerboot geriet gcjt.'ci« uns eine Mine und sank mit der Besatzung von neun Mann.
Ist".
Amsterdam. 27. Nov. lieber den Untergang des deutschen Unterseebootes „U 18" berichtet ein Man» der Besatz»«» des Torpedojägers „Gnrry", der die Verunglück- tcn an Bord nahm, folgendes: Eine? dcr PatroniUciisahr- .'enge, das aus dem Hasen heraussuhr, signalisierte plötz- licki, daß es auf ei» Unterseeboot gestoßen sei. lliiser Kam- Mandant ließ sofort Dampf ansetzen. Wir konnten das Unterseeboot in dcr Richtung des Ankerplatzes fahren sehen. Das Periskop ragte aus dem Wässer. Wir verfolgten d>is Unterseeboot und gaben ihm die volle Breitseite. Plötzlich sc Heu wir das Unterseeboot an die Oberfläche kommen. Als big Bemannung nach oben kam, sank das Unterseeboot plötzlich und die Besatzung wnrdc nuf dos Wasser geschl.-a- dert. Wir „ahmen sic an Bord und erfuhren von den Gerettete». daß einer ihrer Kameraden im unteren Raum des Unterscebootes die Klappen geöffnet habe, um das Boot dann zum Sinken zu bringen. So konnten wir uns des Brotes nicht bemächtigen. (Dieser Held, der in den Un- te> raum des Bootes flieg, um das Boot zum Sinken zu bringen, hat sich also grvpfrrt, um es nicht in die Hände des Feindes gelangen zu lassen.) Einer der Deutschen, der englisch spricht, hat erzählt, daß die Offiziere »nd die Besatzung des Unterseebootes nusgelost hätten, wer in den Unterraum gehen sollte, um das Boot zu vernichten, sobald die Sicherheit der anderen seststand. Das Los sei auf einen dcr Maschinisten gefallen.
Der llntrrgang des „Öulniark“
A in ft erd a m, 27. Nov. Das „Nieuws van den Dag" meldet ans London: Als sich die Explosion dcr „Bulwark" c,eignete, war der größte Teil der Besatzung beim ersten Frühstück. Sofort nach dem Unglück setzten andere Schiffe im Hafen ihre Boote aus. Ein. kleiner Teil der Besatzung der „Bulwark" war während der Nacht an Land gewesen plosion statffand. Tie entgingen aus diese Weife dem Tode, wenngleich sic verwundet wurden. Die Kraft der Er- ptosson war so heftig, daß die Passagiere gndcrcr Schisse einige Meter in die Höhe geschlendert wurden und alles Glas auf diesen Schissen zertrümmert wurde. Tic wirkliche llrlachc der Erplosian ist imbekannt, doch glaubt man, daß dos Pulvermagazin explodiert sei.
Die Gefechte in Ostafrika.
London, 27. Roo. <W. B. Nichtamtlich). Da» Presse burcau vciösscntlicht eine» Bericht über eine Anzahl von Ec- sechtcn inOstasrika, die keine Acndcrung von Bedeutung heibcigesührt haben. Zn dem Bericht heißt cs: Es gelang dem Feinde nicht, auf britischem Gebiete Fuß zu sahen, während wir den wichtigen Posten Longido auf deutschem Gebiet besetzten. De: Angriff auf Longido fand am :!. November statt und dauerte de» ganzen Tag. Zndischc Truppen nahmen drei stirke Stellinge», aber gegen Abend wurde es für die britffchcn Truppen infolge Wassermangels unmöglich, die Stellung zu behaupten. Sic zogen sich deshalb aus lhie Opc- rationcbasis zurück. Wir verloren an Toten und Verwundeten 21 Europäer. Die Verluste des Feindes betrugen 38 Euro-


