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Sette S.
tenz gebracht werden müsse, so wäre ein solches Ereignis ein Unglück für die Menschheit. Die Deutschen find nicht nur unsere Brüder, sie sind ein großer Teil von mis selbst. Was wir dcutichein Blut schuldig sind, ist viel: dos, was wir dem deutschen Gedanken und den, deutschen Beispiel ver- denken, nicht nur in der Staatsverwaltung, sondern in jeder prakttschen Lebensarbeit, ist noch mehr. Jedes edle Herz und jeder weitblickende Geist in der Welt müßte sich freuen über das Dasein eines festen, geeinigten und mächtigen Deutschland, das zu stark ist, um Angriffe zu fürchte», und zu gerecht, um für seine Nachbarn eine Duelle der Angst zu fein.“
Wenn nian diese Ausführungen Roosevelts liest, die so ganz anders klinge» als die liigcnl-aste Wiedergabe der „Times", kann nian sich wieder nicht genug wundern, mit welcher Dreistigkeit ein Blatt wie die „Times' erdichtete Nachrichten in die Welt seht, von denen anzunehmen ist, das. früher oder spister die Wahrheit an? Tageslicht kommen wird.
frikdt Mllhtn -kn SkKtiinsnisstn.
Dom ersten Tage des Bestehens unserer Zeitung au haben wir es stets als unsere Ausgabe betrachtet, zur F ö r - d c r u n g u n d B e f c st i g u n g d e s 3 r: e d c n s zwischen den Bekenntnissen zu mahnen. Biels ich habe» wir in diesem Bestreben kein Verständnis gesundm. Das hat uns aber nicht angcfochtcn, wir sind ohne Wanken den beschrittcncii Weg weiter gegangen. Heute brauchen wir die Mahnung nicht zu wiederholen. Neben dem unsag- baren Weh, das dieser Krieg im Gefolge hat, hat er doch nianclierlei Segnungen mit iich gebracht. Dazu gehört nicht »ur die Vertiefung und Verinnerlichung des religiösen Lebens, nicht nur, daß viele Gottfremde und Gottfccne jetzt Gottsucher und gottessicher geworden sind, sondern auch daß völliger, tiescr Friede zwischen den christlichen Bckcnntnijsm cingctretcn ist. ^
Der Reichstagsabg. O «r t e l gibt in der „Deutschen Tageszeitung" einen Beitrag, den wir unseren Lesern umso weniger vorenthalten wollen, als er vollständig unseren Standpunkt vertritt:
Seitdem der Krieg durch die Land« und durch die Herzu dröhnt, ist da? de» Bekenntnissen kleinliche Gezänk verstummt, llnd wenn hie und da, ganz vereinzelt und vielleicht absichtslos, der Friede gebrochen wurde, so wurden derartige Friedensbrecher sehr bald und sehr, scharf abgelchnt und abgewicscn. Wir haben wieder gelernt, uns auf das Einende, auf die gemeinsame deutschchristliche Weltanschau- ung zu besinnen, und das Trennende, dessen Bedeutung hinter dem des Einenden n>eit znrücktritt, vergesse». Es ist uns zum Bewußtsein gekommen, daß wir alle nicht nur ein gemeinsames Vaterland zu verteidigen haben, sondern uuch ein gemeinsames Vaterland mit der Seele suchen, — das Vaterland, das »ns allen bereitet, gewiesen und gesichert ist durch den gemeinsamen Heiland.
Aber es hat nicht nur tiefe Friedsamkeit Platz gegriffen zwischen den christlichen Bekenntnissen, sondern auch eine grundsätzliche Eiumütigkcit der Auslassung in der wichtigsten Frage, wie die Lehre des Christentums mit dem Kriege, der .Kriegspflicht und dem Kriegswerke vereinbar fei. Katholische und evangelische Blätter haben stch ßimt und sonders auf den Standpunkt gestellt, der auch von uns immer ein- genommen und vertreten worden ist. Nicht die leiseste Meinungsverschiedenheit ist znni Ausdrucke gekomincii. Wir haben vor wenigen Tagen die Acußerung eines Jesuiten wiedergcgebcn, die ebensogut in einer Zeitschrift des Evangelischen Bundes gestanden haben könnte. Das ganze christliche Volk, das evangelische und katholische, sind darin durchaus einig, daß wir auch als Christen, und gerade als Christen, einen uns aufgezwungcnen, gerechten Krieg mit 'aller Kraft durchführen müssen und daß in solchem Fall: die völkische und staatliche Kriegspflicht auch Christenpflicht ist. Diese grundsätzliche und festgewurzelte Einmütigkeit ist ein tief bewegendes, hoch erfreuliches Zeichen der Zeit. ES ist, als seien die Schranken zwischen den beiden Bekenntnissen, wenn auch nicht ganz wcggcräumt, so doch niedriger geworden, so daß inan sich darüber hinweg die Hände reiche» kann.
So soll es bleiben! Die Unterschiede zwischen den Re- 'rnntnisjen werden nienials ganz verschwinden. Das sollen sie auch nicht. Jeder- Christ mag und nmß stolz sein auf sein Sonderbekeimtnis: er mag und muß darin immer fester und zäher wurzeln: er mag und muß die Treue halten dem, was er gelobt hat: aber je fester er in dem Glauben seiner Väter steht, umso klarer wird ihm die Erkenntnis, daß es gkinciujaiue Christciiwabrheiten und Chcistea- überzaugungc» gibt, die bedeutsamer und kraftvoller sind als das Trennende. Wir wollen kern Mischmasch, wir wollen aber ebensowenig uuchristlichcs und unvölkisches Gezänk zwischen denen, die zusammengehören nacl, dem Ratschlüsse EotteS nach der geschichtlichen Entwickelung.
Draußen tobt der Kamps imd wird nach menschlicher Voraussicht nicht bald zum Frieden konrmcii. Er hat blutige Opfer gesordert in großer, erschütternder Menge, fitester» am Allcrseclcntage, werden Hunderttausendc non Katholiken im Geiste an de» Gräbern im Osten und Westen Testen, in der ihre Liebe fern von der Heimat gebettet fini. Kein Licht wird da draußen, wie es im katholischen Deutschland sinnige Sitte ist, auf den Gräbern leuchten: Wehl aber werden sie alle umlichtet sein von der dankenden, treue», weinenden Liebe der Daheimgebliebcnen. Und auch da wird kein Unterschied sein zwischen Katholische» und Evangelischen. Ter gemeinsame Schmerz legt die letzte Schranke nieder.
Möge sie nie wieder erhöht werden, daß wir uns nicht verstehen zu können lchetnen, mögen wir immer darüber '.hinweg uns die, Chrisicnhändc reichen! Retten wir den
Reue Tageszeitung. Dannee^ag, rea ?. R»»e»bee fllft
Frieden zwischen den Bckennttiissen ans diesem mörderischen
Kriege beraus: dann wird er, möge er ausgehcn wie er wolle, auch dadurch zum Segen für das deutsche Volk und für die Christenheit.
feine Mrjichllicht Ansicht iifi fioiiißS v. Ltchskn.
Berlin, 3. Nov. (Nichtamtlich.) Ter „Berliner Lok.-Anz." meldet aus Dresden: König Friedrich August von Sachfcu hat bei der heutigen Rückkehr von dem westlichen Kriegsschauplatz in Dresden nach einer Begrüßung durch den Oberbürgermeister eine Ansprache gehalten, in wclckier er sagte: Mit großer Freude weilte ich unter meinen Truppen im Felde. Mit Genugtining habe ich mich davon überzeugt, daß dort eilt jeder, vom obersten General bis zum jüngsten Soldaten, furchtlos und treu seine Pslicht tut. Wer gesehen hat, wie niisere Truppe nicht nur von standhaftom Heldenmut, sondern auch von einem Geist irischer Offensive crsüllt ist, der weiß, daß wir in diesem Kampfe siegen werden. s
Ans fcrv Hcirnat.
* Fricdbkrg, 5. Nov. Tie aus gestern Abend in der Turnhalle der Augustinerschille einberufenc WochcnvcrjaNmi- lung der I u n g w e h r zu F r i c d b c rg war von etwa 2(X) Teilnehmern besucht. Ans der Tagesoldninig stand die ! Verlesung einiger Feldbricfe. Ten Anfang machte Herr j Pros. Hcli» kc, der zwei Briese vorlas, der erste aus der Gegend von Valciicicniics schilderte mehr die angcnchiiicii Seiten des Kricgslebens, während der zweite dessen Schit- tcn hcrvorhob. Er war von dcni Bruder des Vortragenden, der als 47jähriger Mann den Feldzug als Arzt mitmacht, geschrieben, und schildert die Kämpfe bei Saarburg u»d in den Vogesen. Herr Oberlehrer Dreher verlas darauf einen Brief aus- den Argon«», in dem besonders die Erwähnung des Hcldeimiulcs unseres alten Grafen H a e f c l e r Bewunderung erregte. Herr Lbsrleutnant O u a d e brachte I einen Brief des Lberstteutnant Müller zur Kenntnis, I der interessante Einblicke in das Leben unserer Truppen vor dom französischen Festungsgürtel gewährte. Heiterkeit erregte es, daß die gegcnübcistchendcn Truppen, Deutsche und Franzoscii, in einem gewissen Fall eine Verständigung erzielt haben. Es gibt nämlich i»i Menschenleben Bedürfnisse, die hin und wieder am Tage austce- teu. Machen sie sich nun in den Schützeugräbeu bemerkbar, so sind beide Teile übereingekommen, daß auf der Seite, wo es nottut, ein Spaten hochgehobcn wird, erhebt sich auf der Gegenseite auch einer, dann ist es genehmigt und die Sache kann vor sich gehen. Tie Richtigkeit dieses Abkommens ist, wie Herr Oberleutnant Ouade sagte, vom Kaiser bestätigt worden. Ten Schluß der Vorlesung machte Herr Pros. S ch o e l l , der einen stimmungsvollen Brief seines Sohnes über das Leben in den Schützeiigrüben usw. zur Kenntnis brachte. Herr Direktor Ritsert dankte den Vortragenden und schloß iwch dem Absingen des Liedes: „O, Deutschland hoch in Ehren!" mit einem Hoch ans unser Kriegsheer zu Land, zu Wasser und zur Lust die stimm»,igs- voll verlaufene Ziisanimcnkiinft.
* StitSbetg, 4. Nov. (Schösfengerichtssitzung). Ein Tag- löhner von hier erhielt wegen Körperverletzung 2» M Geldstrafe, weil et auf dem Friedhof eine Frau am Arme packte und dnickte. — Ein Schneidermeister von Ober-Rosbach hatte einen Sttafbefehl über 50 J( erhalten, weil er einen Wasicr- zrabe» Mil Erde ausgefüllt hat. Auf feinen Einspruch hin crsoigle Freisprechung, da die Sache nicht genügend aufgeklärt werden konnte und die Frage der Besitzstörung in einem Zioil- piozeß auszuiragen ist. — Wegen Uebertrctung des Kinderschuhgesetzes — weil er Schüler mit Zeitungsaustragen beschäftigte ohne Arbeitskarte — hatte ein Dachdecker von hier eine» Strasbesehl von 10 ,U Geldstrafe erhalten: auf erhobenen Einspruch wurde die Strase aus 4 ,8 ermäßigt. — Ei» Landwirt von Assenheim und die Ehefrau eines Schneidermeisters von Kalchcn sind wegen Milchfälschung angeklagt, weil sie Milch entrahmt und dann zum Verkauf brachie». Je- j des der Angeklagten erhielt eine Geldstrafe von 50 ,8, wozu noch die nicht unerheblichen Kosten komme».
* Zicgenberg, 4. Nov. Auch ein Sohn unseres Bürgermeisters Rumpf, der Vizewachtmeister und Zugführer in der Leib Eskadron Husarcn-Regiment Nr. 13, Heinrich Ruvipi, hat durch eine besonders tapfere Tat vor dem Feind am 13. Okt. von: Armee-Oberkommando das Eiserne Kreuz erhalten.
* Rendel, 5. Nov. Auch hier hat sich eine Jugendwehr gebildet. Dieselbe steht unter Leitung des Herrn Jakob Bauschet. Wöchentlich werden zweimal Uebungcn abgehalten: Donnerstag abend und Samstag nachmittag. Nahezu dreißig sungc Leute vom 14.—20. Lebensjahre nehmen daran teil. Einheitlich« Mutzen und Armbänder sollen für sie angeschafst werden. Wünschen wir der Wehr den besten Erfolg.
* Vilbel, 4. No». Verflossenen Sonntag fand unter Vorsitz von Lehrer Will zu Rendel im Saale zum „Kühlen Grund" dahier der 3. Bezirkskriegertag statt. Trotz der Kriegswirren war die Versammlung gut besucht. In schönen zu Herzen gehenden Worten, in welcher er besonders der gesallene» Helden gedachte, begrüßte Herr Lehrer Will die erschienenen Kanieraden, namentlich die Gäste, Herren Hauptmann Waldecker Darmstadt und Feldwebel Leutnant Hcrgct aus Gießen. Die Präsenzliste ergab, daß sämtliche Vereine, bis auf drei, vertrete» waren. Die beiden Delegierten, die Herren Lehrer Flach- Eroßlarben und I. Schwind- Kleinkarbcn, erstatteten Bericht über den Vrrbandstag der „Hajsia" zn Butzbach, weicher mit Beifall ausgenommen wurde. Hierauf ergriff Herr Hauptmann Walbecke r da; Wort, der in eingehender Weis« über da; llnterftützungswrsen der „Hassia" in der Kriegszeit und über Kreegsoersicherung referierte. Auch seine Air-führunge» ernteten lebhafte Zuskrmiimng. Der alte Vorstand wurde per Aitlamatton wiedergewählt. Nachdem au» die Vergütung ausgezahtt und einig« geschäittiche Anqeleqenhei-
te» besprochen und erledigt waren, schloß der Vorsitzende die schön verlaufene Versammlung um y ,6 Uhr. Der L Bezirke
tag in 1915 findet in Rendel statt: der 2. in Holzhansen.
Hessen-Nassau.
* l. Usingen, 4. Nov. Der hiesige Landrai, Herr Bacmei. ster, Obcrlcuinant der Reserve, welcher sich zur Zeit im Offi. zierelazarett zu Montmedp als Leichtverwundeter, Kopistreis» schuß, befiudei, hat einen an den Kricgeroerci» Usingen gelangtem Schreibe» zufolge das Eiserne Kreuz erhalten.
* f. Lberlaulen, 4. Nov. Unser, seit dem 18. April 1899 im Dienst gestandene Bürgermeister Brückcl hat aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt. Bei der nun statt.,e- siuidcncn 'Neuwahl wurde der Sohn des Zurückgetretenen, Car! Brückcl, einstimmig zum Bürgermeister unserer Gemeinde gewählt.
* Sossenheim, 4. Nov. Folgende schöne Geschichte wird an; Sossenheim im Kreise Höchst gemeldet: Vor 50 Jahren entstand in dem hiesigen Gesangverein „Konkordia" ein Streit, der damit endete, daß eine Minderheit mit dem Dirigenten an der Spitze sich in den Besitz der Fahne setzte. Die Fahne verblieb ichlicßlich in der Familie des Dirigenten. Jahrzchnte- !nng tobte der Streit um' die Fahne, bis diese am 4. Juli 1914 , als sie bei Gelegenheit eines Festes von der Familie des Dirigenten aus dem Hausscnster gehängt war, von mehreren Mttgliedcr der inzwischen wieder crblüle» „Konkordia' ::>eg- gcholt wurde. Seitdem ist sie verschwunden. Die Familie klagte vor Gericht und hatte die Genugtuung, daß die beide» Fannenräuber zu kleinen Geldstrafen verurteilt wurden. In der Verhandlung wurde aber, und das ist das Spasiigsie an der Geschichte, scstgestellt. daß die richttge, echte Fahne bereit; var langen Jahren von der betreffenden Familie dem Höchster Altertumsverem überwiesen wurde: die ictzige „Streitsah,>c" war nur eine Nachbildung.
* Wiesbaden, 4. Nov. Durch Ausbruch des Kr: ge; ist manchcr Ausländer unter Zurücklassung einer teils größere», teils Heineren Schuld verschwunden. Teilweise suchen !ick> die Gläubiger auch so schnell als möglich ihrer Forderungen an vielleicht noch hier weilende Ausländer zu versichern. Die Terminsrollen der Gerichte können darüber Auslunst geben. A.II Wiesbadener Landgericht wurde beispielsweise von der Bant sür Handel und Industrie in Zürich (Schweiz) gegen den Kausmann Sinwn Rabinowitsch in Charkoff einen dinglichen Arrest in Höhe von 090 000 M erwirlt, da Radin 'witsch genannter Bant aus Geschästsoerbindung 080 321 .11 Muilbct. Der Arrestanliag wurde damit begründet, daß die Vollstreck- Nttg gefährdet werde, weil der Beklagte Ausländer sei und die Voüslreck-. z des Urteils im Auslande erfolgen müsse. — Der Hosnietzgermeifter Jean Burkhardt hat gegen I. Nt. Bo« und Joses Silvestre, beide zur Zeit unbekannten Äuscn.Halts, Klage angestrengt und fordert 3000 .8 aus Miete für Stallung und Lngerung.
* Wiesbaden. 4. Rov. Ein noch nie dagewcsencs Jubiläum Fünzig Jahre waren am 3. November verflossen, seitdem der Kellner August Michler aus Winkels in> Olnrlahn- krc.s ununterbrochen als Restaurationslellncr iu> hiesigen städtischen Kurhause tätig war. Daß ein Kellner in ein und Se.n- ielbe» Betriebe in dieser Stellung sünszig Jahre ausgehalten hat und aushalten konnte, steht in der Geschichte des iulerna- tivnclcn Gastbos- und Restaurationsbeiriebes, wie wir iesigc- i'elrl, einzig da. Der Pächter des Kurhanse». Herr Ruthe, halte zu Ehre» des seltenen Jubilars, der bereits bei Eröif- »,:»g öcs neuen Kurhauses durch Verleihung des Allgemeinen Ehrenzeichens ausgezeichnet wurde, im Wcinsalon eine Feier veranstaltet, zu der zahlreiche Kollegen und Freunde Michler; erschienen waren.
A»S Rhrinlsesien.
* Mainz, 3. Nov. Generalmajor z. D. Kollier in Wiesbaden, der jrühcre Kommandant der Festung Mainz, wurde zum Kommandanten des Kriegsgefangenenlagers Wetzlap ernannt,
' Mainz, 4. Nov. Die jünj Lazarettschiffe, die u. a. mit Hilje des Mainschisfer-Verbaudes für den Transport :>»se er veiwundelen Krieger hergerichtet wurden, werden nunmehr wieder abgelüstet.
* Stadecken, 4. Nov. Der junge Lehrer Adam Voller von hier ist kürzlich auf dem Schlachtfeld in Franircich geiil- len. Der Zufall wollte es, daß sein eigener Bruder i»> Vor- iibergehen die Leiche fand. Er schaufelte dem Gefallenen ein Gral- und schmückte es mit einem Holzkreuzlein. Dann gin« es weiter gegen den Feind.
Aus Starkenburg.
* Darmstadt, 4. Nov. Die Hinrichtung des Raubmörder» Ph. FI ö r t ch aus Monzernheim, der am 3. Oktober durch das Schwurgericht Darmstadt wegen dreifachen Mordes, Raub und Blandstiftung usw. dreimal zum Tode, lebenslänglichem Zuchthaus ujw. verurteilt worden war, weil er im Juli d. Js. die Familie Back in Hofheim hinschlachtetc, fand heute Vormittag 7 Uhr im Provtnzialarresthause dahier in der üblichen F»rm statt. Der Verbrecher blieb in seinem Verhalten während der letzten Tage wie seit seiner Verurteilung vollständig gleich und zeigte leinerler Reue, doch empfing er seit einigen Tagen den Besuch des katholischen Geistlichen, der ihm auch gestern -Nachr.nltag die letzte Oelung spendete. Einen sonderbaren Eindruck machte es, als der sonst so kaltblütige Mörder kurz vor dem Betreten des Schaftots während des von dem Geistlichen gesprochenen Gebetes niederkniete. Bein, Anblick de» Schaffots waren seine Gesichtsznge etwas verzerrt, während die Augen scheue Blicke nach dem Fallbeil warfen. Die ganp Handlung nahm nur 5 Minuten in Anspruch. Der Gerichtete hatte nach der ihm bekannt gegebenen Versagung der Gnade und Festsetzung der Sttasoollstreckung von dem ihm zuftehenden Recht eines besonderen Wunsche; keinen Gebrauch gemacht.
Berantwortlich sür den politischen und lokalen Teil: Ott« H i r s ch e l. Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S ch in i d t, Friedberg. Druck imd Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. Friedberg i


