Ausgabe 
3.11.1914
 
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Nummer 258

Dienstag, den 3. November

7. Jalirgang

Neue Tu

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Cei' #en*^aratei?*mtmn!n!yan l 9 ** Sa«.» «"len"vi- SpinnSul..--. Bei de» Poftanstalte»

del den Agenten monatlich so Pfg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. An.c.gen: Grund,eile 20 Psg.. lokale 15 Psg, Anzeigen oon au-wärls werden durch Pa,nach-,,hm.- er-obe» , _ N uuungsort <5nedberg . Schriftlettang i r»fr Verlag Jttiebberg (Hessen), Hanauerstrahe 12. Ferniprecher 48. Postscheck-Conto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M.

Türken, Russen unk Enqlnnder

Langsames Vordringen im Westen. Qesterreichischer «rsolg. Die türkischen Botschafter per

lassen die Länder des Dreiverbandes. Der neue Bnrenkrieg.

Der deutsche Generalstab meldet: =

W. T. B. Großes Hauptquartier, den 2. November, voruntSags. Amtlich.

Im Angrifs ans Aprcö wurde ivcitercs Gelände ge­wonnen. Messines ist in »nscrci, Hände». Gegenüber un­serem rechten Flügel sind jetzt mit Sicherheit Indier scstgc- stellt. Diese kämpsc» nach den bisherigen Fcststcllnngc» nicht in eigenen geschlossene» Verbänden, sonder» sind aus der ganzen Front der Engländer verteilt.

Auch in de» Kämpsen im Argonncuwaldc wurden Fort- schritte gemacht. Tic Gegner erlitten hier starke Verluste.

Im Osten ist die Lage unverändert. Ein russischer Durchbruchsvcrsnch bei Szitikchmc» wurde nügcwicscn.

Der deutsche Admiralstab

Berlin, 2. Nov. (W. T. B. Amtlich.) Die nicht amt­liche Meldung über die am 31. Oktober erfolgte Vernichtung der englische» KreuzersHerweS" durch ein deutsches Unter, sceboot wird hiermit amtlich bestätigt. Tn? Unterseeboot! ist wohlbehalten znrückgckchrt.

Der stellvertretende Ehef des Admiralstabs B c h u ck c.

Der österreichische Generalstab meldet: =======

Amtlich wird vcrlantbart, 2. November inittags:

Die Kämpsc in Russisch-Polen dauern an. In den Ge- fechten bei San hatten die Russen namentlich bei Roöwa- dcw schwere Verluste. Wir brachten dort 400 Gefangene ein »nd erbeuteten 3 Maschinengewehre. Südlich Ttarn-T'.m pvr nahm eine Gcscchlsgruppc gleichfalls 400 Russen ge- fangen. In diesem Rnnnic und nordöstlich von Dnrka machte unser Borrücken weitere Fortschritte.

Der stellvertretende Ches des Ecncraljtabs: v. Hofer, Generalmajor.

Tic Kampfe in Serbien. B u d a p e ft, 2. Nov. Unsere Truppen dringen nnaushaltsani in der Matschwa vor. Nach der bereit? ofsiziell gemeldeten Einnahme von Gruschi wurde Mctkoivitsch angegrisscn. Tic dort in betonierten Deckungen befindlichen serbischen Truppen wurden verjagt und liehen ihren ganzen Train zurück. Während das Zentrum unserer Truppen Mctkowitfch bcsebie und gegen Vcliko-Polje vor ruckte, griff unser linker Flügel die noch in befestigten -still- »ngen bei dem von uns bereits besetzten Tabanowitich de- sindlichcn Serben von zwei Seiten an und eroberte nich laehrmaligem Baioncttnngrisf alle Stellungen, wobei viele Serben gefangen genommen wurden.

Wien, 2. Nov. (W. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Unsere Offensive durch die Matschwa fcfiroitct Ccßtcid) vorwärts. Aus den befestigten Stellungen vec- trieben, leistet der Gegner bisher nur wenig Widerstand. Nur an der Nordlisidrc von Schabatz muhten stark ver- schanzte Positionen im Sturmangriff genommen werden'. Schabatz selbst wurde nachts erstürmt. Unsere durch die Matschwa vorgerückten Kolonnen haben bereits die Bahn- I.r.ic Schabatz-Ljesnitza überschritten-, die Kavallerie :si in: Feinde und machte auch Gefangene. ^ _

Eilten schweren Verlust haben unsere Balkan-^treit- frcftc zu beklagen: Ter Feldpilot Oberleutnant Sanchez

wurde von einem feindlichen Gcschoh, welches auch -einen Beobachter verletzte, schwer verwnlidet. Trov furchtbarer Schmerzen vermochte der wackere Pilot mit Ausbietung der letzten Kräfte de» Apparat auf den zirka 70 Kilometer ent serntcn Flugplatz zu steuern und glatt zu landen. Er starb gestern; vorbcr hatte er das von Sr. Majestät telegraphisch verliehene Militärverdienstkreuz erhalten.

Gez. Potiorck Feidzengmeister.

NnWch-tiirkiiche Kämpfe.

Trapez» nt, 2. Nov. (W. B. Nichtamtlich). An der russisch-türkischen Grenze haben ebreits Kämpsc zwilchen den russischen und türkischen Truppen begonnen.

Konstantinopel, 2. Nov. (SB. B. Nichtamtlich). Ein osfizicllcs, durch dieAgence Ottakliane" vciöjfcntlichtes Com liiuniylic besagt:Nach amtlichen piachrichten von-der kau­te j > j ch c II Gr.enzc haben die Russen an mehreren Punk­ten unsere Grciiztruppen angegrisscn, wobei sic zum Teil dank dein energischen Widerstand, der von den türki­schen Truppen ihnen cntgegengcjeht wurde. Verluste erlit- lcn. Fm Mittel incer haben englische Kreuzer das Feuer eröifnct und ein griechisches Torpedoboot, das sich ihnen näherte. ZUI» Einten gebracht, da sie cs für ein türkisches hiel­ten. Diele beiden Ereignisse zeigen, daß unsere Feinde zu Was­ser und zu Lande die Feindseligkeiten gegen uns eröffnet ha­ben, die sie seit langer Zeit gegen UNS vorhatten. Die ganze ottoiuanischc Nation ist bereit, vertrauend aus den Schutz Eoi tes, den einzigen Schützer von Recht und Billigkeit, aus diese Angrissc zu antworten, die daraus abzielen, unsere Existenz z» vernichten".

Die iiirkilchkll ÖDtldjsiffrr ttrrlaliVn die

Dmvttbaiids-tiiiidkr.

K ü n st a n t i n o p e l, 2. Nov. Wie gemeldet wird, erhiel­ten »ic türkischen Botschafter in London. Paris und Peters­burg uub ferner »er türkische Gesandte in Belgrad heute den Befehl, ihre Passe abzuoerlangcn und unmittelbar ihre Posten zu verlassen.

Auf Leben und Tod.

K o n st a n t i n o p e l , 2. Nov. (Nichtamtlich.) Das BlattTerdschmnan-i-Hakkikat" gibt der Meinung Aus- bruck, daß die Zwischenfälle im Schwarzen Meere sichot- wendigcrweisc ereignen mutzten und daß cs nnmözlich ge­wesen sek, sie zn vermeiden, denn es wäre ebenso schwi.-rig gewesen, die Neutralität.effektiv zu bcobachien wie am Krieg tkilznnehiucn. TaS Blatt hebt hervor, daß England'durch die Beschlagnahme der ottonianischen Dreadnoughts die eus- sijchen Pläne bezüglich einer Landung an den Küsten des Schwarzen Meeres begünstigen wollte. Der Ankauf der KriegsschiffeSultan Seit,»" undMidilli" habe diese Piäne zunichte gemacht, denn er habe der Türkei Gleichheit, sogar Uebcrlcgcuheit im Schwarzen Meere gesichert. Die Türkei konnte aus diese Weise ohne Rußland fürchten zu müssen, ihre Mobilisierung vollenden. Nach Auszählung der Gebietsverlnsto, welche die Türkei seit 200 Jahren durch die Wirksamkeit der Mächte der Triplc-Entente erlitten habe, fordert daS Blatt die Ottomanen auf, mit Gottvertrauen ihre Pflicht zn erfüllen. Die Türkei steh vor der Frage von Leben oder Ted.

Wahrheit und Dichtung.

Seil dem Ausbruch der Feindseligkeiten häufen sich die Meldungen über bereits stattgche.bte Kämpfen und Gefechte, ebenso über weitgehende Pläne, die das Osmanenreich, oder richtiger dcp gesamten Anhänger des Prose-tcn gegeniic Mächte des Dreiverbandes vorhätten. Es ist schwer fcstzn- stcllcn, was an diesen Meldungen wahr ist und nicht. Mir geben sie nur dcrFlvllständigkeit halber wieder und bcnicr- !e-n, daß doch wohl selbst in Nachrichten, wo der Wunsch des Vater des Gedankens ist, ein Körnchen Wahrheit enthalten ist. Wir drucken die Nachrichten in solcher Neihensoigc rb, so daß die oben stehenden, nach unserer Ansicht, wahr lind, tvührend die Wahrscheinlichkeit mit de» werter :n,tenstehen­den abnimmt.

Kabel Varna Scbastopol zerschnitten. kW. T. -B t

Sofia, 1. Nov. Nach 'einer Meldung ans Varna ist des Kabel Varnn-Sebastapol zerschnitten worden.

Ei» russischer Dampfer von den Türken b>schl- tjtut.

kW. T. B.) Konstantinopel, 31. Okt. Tic Hafenbe- hürt: beschlagnahmte den TampserKoraljccve Olga" von

--n'iischeii Schifsahrtsgesellichast. Alan hißte die vtta- manische Flagge und hat bereits ottonianische Bemaunung installiert.

Englnüdsscindiichc Stimmung. Ein Redakteur des Matino", der gestern aus Aegypten zurückkehrte, erzählte, datz dort die Stimmung der Mafien cnglandscindlich sei und Latz cinc Explosion täglich zn erwarten ist. Selbst die indi- ichcn Truppen sympathisieren mit der Bevölkerung und sind

ganz niizi,verlässig. Tie Regierung steht diese,n Zustand d-r Dinge machtlos gegcniiber.

,en Palästina. In Jaffa haben gestern groß: Kmid- gcbungcn zugunsten Dciitschlands und Oesterreichs, sowohl in der Stadt Jaffa, als auch in der deutschen Kolonie statt- eefnnden. Alle Vertreter der türkischen Behörden imd auch der deutsche Konsul waren dabei zugegen.

Große Seeschlacht vor Odessa. Den Leipz. N. Nucke." wird ans Kopenhagen telegraphiert: Londoner Meldimgen aus Petersburg besagen, datz gegenwärtig vor Odessa zwi- sehen russischen «nd türkischen Kriegsschiffen eine große See­schlacht stattfindet, deren Ausgang noch unbekannt ist.

Proklamatio» des Kalifen. Wie Mailänder Blätter melde», hat der Scheich-iil-Jskam nach Depeschen, die anü der Türkei kommen, eine Proklamation des Kalifen an alle Mos- iinis bekannt gegeben, in der alle Gläubigen zur Verteidig­ung des Kalifats anfgerufe» werden.

Gegen Aegypten und Indien. DerTecolo" meldet, in Palästina seien unter Lekki Pascha Truppen gegen Aegyp­ten zusaimncngczogcn. In Sainsun sieben 200,000 türkisch? Truppen mit der Front gegen den Kaukasus. Das 13. Ae- meekorps unter Kiamil Pascha geht durch Persien und greift Indien an.

Ter Beduineneiiisall in Aegypten. Durch da§ Reuters

sche Bureau wird gciiicidct, datz zweitausend bewaffnete Ve- du'nen tu Aegypten eingefallen seien.

Die Türken in Aegypten. Ans Mykene wird hierher gedrahtet, datz 130,000 Türken bereits aus ägyptisch.'» Boden stehen. Tie gegen Rußland gestellte He» smässt Tnrki'i wird ans 300,000 Mann geschätzt.

Die englischen Häsen in der Berberci- Tie Zeitimg Tassir-i-Efkiar" meldet, datz eine große Anzahl Moham­medaner unter Führung des Schelks Jl Mehnied die e:,g lischen Häfen der Bcrberei (Was find das für Häfen? D Schristl.) besetzt habe und alle englischen Beamten gekengen genommen habe. Diese wurden in das Innere de? Landes gebricht.

Tiirkkuftkun-liche Kilil-qebullqeil in Wikn.

Wien, 2. Nov. (Nichitamtlch). Am Sonntag abend sanden Sympathiekundgebungen sür die Türkei statt. Eine tausenbköpsige Menscheiimengc zog unter Entsaltung eines mächtigen türkischen Banners, sowie einer österreichischen und einer deutschen Fahne vor die türkische Botschaft, wo die Menge in stürmische Hochrufe auf die Türkei ausbrach. Als sich bcr Botschaftssekretär der begeisterten Menge zeigte, hielt ein Teil­nehmer eine Ansprache, welche der Botschaftssekretär in deut­scher Sprache beantwortete. Stürmische Hochrufe aus die Tür­kei. die Befreiung Aegyptens »nd auf die Verbündeten folgten den Worten des türkischen Diplomaten. Die Menge stimmte hieraus die österreichische Volkshymnc und die Wacht am Rhein an und setzte sich unter Absingung patriotischer Lieder, unter immer wieder sich erneuernden Hochrufen auf die Türkei unt die türkische Armee wieder in Bewegung. Ein Teil zog übe, die Ringstraße vor das Kriegsministcrium, wo es zu neuer! liche» patriotischen Kundgebungen kam.

Erklärung der niqlildjfn Bfqiminq.

London, 2. Nov. Der englische Minister des Aeußern gibt vfiiziell bekannt: Die türkische Negierung hat am Frei­tag die telegraphische Verbindung mit der englischen Bätschest in Konstantinopel abgeschnitten. Es unterliegt keinem Zwei­fel, daß weitere Feindseligkeiten der türkischen Regierung folgen werden. Tie Regierung sah sich daher genötigt, Maßnahmen zu ergreifen, um die englischen Interessen und das englische Ge­biet Aegyptens nach dem bereits begonnenen Angrist vor drehenden weiteren Angriffen zu schützen.

Die englische Regierung weint Krokodilstränen darüber, daß di- Türkei die beiden deutschen KreuzerGäben" und ..Breslau" aufgetaust und in ihre Dienste gestellt habe. Sie erblio! Tritt einen Bruch des Völkerrechts. Daß die Englän­der selbst 2 türkische Dreadnoughts, die in England erbaut und von der Türkei bereits bezahlt waren, beschlagnahmt haben, finden diese Heuchler ganz in Ordnung. Große Worte machen die Engländer dann über die Treue, mit der die mohaiv-ie- daniichc» Untertanen an Britannien hingen: die Zeit wird'- lehren! Vollends widerlich wirkt cs, wie John Bull verzwei­felt die Hände ringt über deutsche Umtriebe IN Aegypten. Da­bei ist das eigentliche Oberhaupt in dem alten Pharaonenreich der Sultan, und olle Gewalttätigkeiten, die sich die Engländer dort zu schulde» kommen ließen, stellen die krasseste Rechtsver­letzung dar. Aus der ganzen Erklärung der englischen Regie-