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Znmstng, den 31* Oktober li)14.

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7. Jahrgang

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.c. Cell Ülg.nten mono l.ch 50 Pfg. hin,u tn.t Postgebühr« iiagetlofjn. Ani-igcn: Grund,eile 20 Pfg.. lokale 15 Pfg, An,eigen non auswärts werden durch Po-nach,,ahm- er wde» Er,ullungsortriedberg. SchrisUritung und Verlag Friedberg (Hesten,. Hanaueistraße 12. Fernlprecher 48. Postjcheck-Conto Sir. 1859. Amt Frunlsurt a. M.

Das

der Türkei.

Die Kriegslage im Westen.

Türken versenkt.

Erfolge der Oesterreicher. Zwei russische Schifte von den Der russische Botschafter verläßt Konstantinopel.

j Der deutsche Geueralstab ^-7- ____ meldet: ^_____

WTB. (Hrotzcs Hauptquartier, 30. Lkt. vormittags.

Unsere Slugriffc südlich Nieuport und östlich Uprcs wurden erfolgreich fortgesetzt, tt Maschinengewehre wurden erbeutet und 200 Engländer zu Gefangene» gemacht. Im Argonncnwalde nahmen «nsere Trup­pe» mehrere Blockhäuser und Stützpunkte. Nordwestlich Berdn» griffen die Franzosen ohne Erfolg,an. Am übrigen ist im Westen und ebenso ans dem östlichen Kriegsschau­platz die Lage unverändert.

! Der österreichische Generalftab

. meldet: ==«

Wien, 30. Cft. (W. 2 . B. Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlnntbart: 30. Oktober mittags. In Russisch-Polen wurde mid) gestern nicht gekämpft. Am unteren San wurden stärkere, südlich Risko über de» Fluß gegangene feindliche Truppen nach heftigen Gefechten znrückgcworjcn. Bei Staru Sambvr sprengte unser Geschutzseuer ein russisches Mnnitiansdepot in die Lust. Alle keindlichen Angriffe aus die Höhen westlich dieses Ortes wurden abgeschlagen. Im Raume nordöstlich von Turka gewannen unsere angreiscn- den Truppen nichrcrc wichtige Höhcnstellungen. die der Feind fluchtartig räumen musste. Unser Landsturm machte in diesen Kämpfen viele Gefangene. Tic Gesamtzahl der in der Monarchie internierten Kriegsgefangenen betrug am 28. ds. 649 Ofsizirc und 73,179 Mann, nicht eingerechnet die ans beiden Kriegsschauplätzen sehr zahlreichen, noch nicht ab- geschobenen Gefangenen aus den Kämpfen der letzten Wochen.

Der stellvertretende Ehrs des Eeneralstabs: o. choser, Generalmajor.

Zur iitiitlikn fKltirntnt -es ,Finden".

Eine russische Bestätigung. Berlin, 30. Okt. (D. D. Nichtamtlich.) Eine verspätet hier emgetroffene amtliche, Meldung derPeersburger Telegrafenagentur" auS To- kio bestätigt, das; der russische KreuzerSchemtschug" und ein französischer Torpcdojäger auf der Reede von Penaug durch Torpcdoschiisse des deutschen KreuzersEmden" zum Sinken gebracht worden sind.

Wie cs zugina. Aus Kopenhagen wird demBeel. Lok.-Anz." gemeldet: Ter russische Marincstab teilt sollende Einzelheiten über den Untergang des russischen Kreuz .ns Schemtschug" mit: Am 28. Oktober näherte sich die

Emdcn" den Schiffen, welche dieEmden" fiir ein Krino schisf der Bcrbündeten hielten. TieEmden" fuhr mit vrllcr Kraft gegen denSchemtschug". Sic cröffnetc das Feuer und schoß einen Torpedo ab, der am.Bug dcS russisch.'» Kreuzers explodierte. TerSchemtschug" erwiderte das Feuer. DieEmden" schoß einen neuen Torpedo ah, der denSchemtschug" zum Sinken brachte. 83 Mann der Be- schung ertranken. 230 Mann, darunter 112 Verwundete, wurden gerettet.

Das Eingreifender Türkei.

Die Vorgänge ans dem Schlachtfeld werden sür kurze Zeit zurückgedrängt vor dem Eingreifen der a. ü r k e n in den Alelt- krleg. Es war schon seit geraumer Zeit I'.ar, dag sich große Dinge im Osmancnreich vorbereiteten und dag man am go, denen Horn nicht niehr gewillt sei, länger den Prügelknaben in ganz Europa zu spielen. 'Mit wachsender Wut sahen die Mot;:-: des Dreiverbandes, das, die Türken sich in ihrem Lande ^cinzu- richten begannen, ohne nach England oder Ruhland oder Franl- reich zu fragen Die Psortc hatte mobil gewacht und war säe alle Fülle gerüstet, um an dem großen Kampfe, der gegenwärtig die Welt durchtobt, teilzunchmcn. Es bedurfte nur eines Fun­kens, um das Puloersaß in Explosion -u bringen.

Roch liegt cs nicht klar und ossen zutage, was sür Ursachen den Ausbruch der Feindscligleite» herbcigcsllhrt haben. In dce Verässcntlichung der russischen Depesche, daß türkische Kreu­zer russische Häsen beschosien hätten, liegt nach bewahrten Mn stcrn offenbar die perfide Psich! zugrunde, die Türkei als den Friedensbrcchcr hinzuftcllen. In Wahrheit liegen die Dinge wohl a»ders. Man wird nicht fehlgchen, wen» man anninunt. daß russische Unoerschümthciten die Ursache des Bruches gewesen sind. Nachdem alle Versuche, die Pforle zur Oessnung der Dardanellen zu bewegen, die gerade sür Rußland doppelt und dreifach unangenehm ist, weil sie dieses Reich fast völlig uom Weltvcrlchr absperrt, sruchtlos geblieben sind, kam man mit brutale: Gewalt und gab der türtlschen Regierung z» ver stehen, daß die Dreiverbands-Mächte den Ankauf der beiden deutschen KreuzerGoebeii" undBreslau" für null und nich­tig ansehen und diese Schiffe, unter welcher Flagge sie auch iühren, in de» Grund bohren würden, wo auch immer sie ge- lrojfen würden. Als die türkische Flotte in das Schwarze Meer fuhr, wurde sie in der Tat von russischen Schissen belä­stigt, aber mit sehr schlimmem Ausgang sür die Rusien, so daß die.Türken i» dem ersten Tressen Sieger blieben. Erst nach diesen Vorgängen fuhren türkische Schisse zur Beschießung rus­sischer Häsen hinaus. *

Sic Türkei tritt also ein in den Kampf. Vor­erst mit Rußland: nach Lage der Dinge aber wird der Zusam- Ilienstoß auch mit Frankreich und England unausbleiblich sein. Für uns. ist dieser Vorgang von höchster Bedeutung. Zwar wollen wir »ach wie vor uns auf uns selbst verlassen und das tärlischr Eingreifen nicht überschätzen. Immerhin ist es er- jrculich, daß die Einkrcisungspolitik, die der dicke Britenkönlg Eduard VII. begonnen hatte und die Deutschland im Rate der Völker vereinzeln sollte, an dieser Stelle schon einen Riß be­kommen hat. Dann sind die Kräfte der Türkei durchaus nicht zu verachte». Die türkischen Soldaten bestehen aus gutem Ma­terial und vermögen unter guter Führung vortresflichcs zu leisten. Man darf nicht den Maßstab an den letzten Balkan- kriog anlegen. Damals führte der Mangel an aller und jeder Organisation, das Fehlen der Munitions- und Proviantzusuhr u. a. die Niederlage herbei, während sich die Truppen gut ge­schlagen haben.

Das ist jetzt bester (».'worden. Deutsche Offiziere, deren Tätigkeit dem Dreiverband ein Dorn im Auge war, haben die Armee reorganisiert, die TLgken besitzen eine kraftvolle Regie­rung, sc daß sie den kommenden Dingen mit Zuversicht entgegen- schen könne». Nicht ganz so gut steht es mit der Flotte: deren Instandsetzung war dem englischen Admiral Limpus, oder heißt er Lumpus? anveitiaut. Der hcimtükischc Geselle gab sich redliche Mühe, die ihm anvcrtraute Flotte zu verbösern, ja er soll selbst vor Sabotage nicht zurückgeschreckt sein. Als die Türken hinter seine Schliche kanicn, »erzog er sich geräuschlos und hat jetzt den Oberbefehl über die russische Schwarze Meer- floife übernommen. Inzwischen haben deutsche Seemänner den Schaden wieder gutzümachen gesucht und cs steht zu hoffen. >ii(d die ersten Erfolge beweisen cs, daß die türkischen Kriegs­schiffe den rustische« Küsten überlegen sein werden.

Der Landkrieg gegen Rußland wird sich wohl zunächst in Kleftiasicn abspielcn und die Rüsten müsten wohl oder übel be­deutende Kräfte dorthin wcrsen: mit dem Mastennachschub an die polnische Grenze durfte cs dann vorbei sein. Aber das ist nicht die Bedeutung des Eingreifens der Türken allein, sie birgt unübersehbare Möglichkeiten in sich. In der Welt des Islams gärt und brodelt es allenthalben. Der Sultan ist zu­gleich der Kalis, also das weltliche Oberhaupt der mohameda- nischcn Wett. Der Ausruf En ver Paschas zur Befreiung Aegyptens, die persische Erhebung, die Unruhen in Indien stehen mit diesen Vorgängen im innigsten Zusam­menhang. Die Erässnung der Feindseligkeiten gegen Rußland ist das Signal in Konstantinopcl an alle moha- m c d a Nischen Länder, daß der Sultan die grüne Fahne dcr-Prophctcn zu inheiligen Kriege" entfaltet.

Vor allem durfte England die Erhebung der moharncdani- 'chen Welt mit- bleichem Entsetzen betrachten. Stehen doch sür diesen Naubstaat di- höchsten Interessen aus dem Spiele. Wenn cs in Aegypten zum Aufstand käme und die Türken sich des Suez-Kanals bemächtigen, so wäre England an seiner vcr- wundbarsten Stelle getroffen. Rechnet man dazu, daß die be­deutendsten Männer der ehemaligen Burcnjtaaten die Fahne der Empörung gegen englische Zwingherrschast erhoben habe», so kann sich wohl der alte Satz wieder bewähren: Wer An­dern eine Grube gräbt, fällt öfters selbst hinein!

Pr ilnroiiiiflf in litt

Tic türkische imb russische Flotte im Kampf.

Berlin, 30. Okt. (Nichtamtlich). Di-B. Z. am Mi!» tag" meldet:

Rach einer ojsiziellen Mitteilung aus Kouftantiuepel haben einige russische Torpedoboote versucht, die Aussahrt der türki- scheu Flotte aus dem Bosporus in's Schwarze Meer zu verhin­dern. Die türkischen Schisse erössncten das Feuer und brachten zwei russische Fährzeuge zum Sinke». Etwa 3» russische See­leute wurden von den Türken zu Ecsangenen gemacht. Die Türken hatte» keine Verluste.

Tic amtliche Bestätigung. Berlin, 30. Oft. Tie türkische Botsrlzaft in Berlin teilt amtlich mit: Unsere Flotte

machte eine Ausfahrt in das Schwarze Meer. Tort traf sie mit einem Teile der russischen Flotte zusaminen. Tie rns- fische Flotte nötigte unsere Flotte zur Ausführung gewisser Manöver. In deren Verlauf bohrten wir zwei feindliche - Kriegsschiffe in den Grund. Wir machten 83 Matrosen und 3 Offiziere zu Gefangenen. Auf unserer Seite ist keinerlei Verlust zu verzeichnen.

Ti russische Hcraiisfordcriing. K o n st a n i i n o p e l, 30. Okt. Die türkische Regierung teilt amtlich mit: Wäh­rend ein kleiner Teil der ottomaniscl)cn Flotte am 28. Okto­ber im Schwarze» Meere Hebungen vornahm, crössnete die lussische Flotte, nachdem sic längere Zeit diesen Uebungea folgte und sie zu stören suchte, am Donnerstag die Feind­seligkeiten, indem sic die ottomanischen Schiffe angriff.

Im Verlaufe des sich nunmehr entspinnenden Kampfes gelang es unserer Flotte durch die Gnade des Allmächtigen den MinendampserPrut", der 5000 Tonnen verdrängte und ungefähr 700 Minen trug, zu versenken, einem der rus­sischen Torpedoboote schwere Beschädigungen beiznbrinaen und einen Kohlendampfer zu kapern.

Ein vom türkischen TorpedobootHairet Millie" abge- schossener Torpedo hat den russischen TorpcdojägerKubi- nez", der 1100 Tonnen verdrängte, versenkt und ein anderes vom TorpedobootMouavenet Millie" abgeschosscnes Tor­pedo hat einen, anderen russischen Küstenwachtschisf sehr schweren Schaden zngefügt. Drei russische Offiziere und 72 Matrosen wurden von den Unseren gerettet und, da sie zur Bemannung der versenkten und zerstörten Schiffe ge­hörten, gefangen genommen.

Die Kaiserliche Flotte hat durch die Gnade Gottes keinerlei Schaden erlitten und der Kamps geht günstig sür unsere Flotte weiter.

Die Kaiserliche Regierung wird ohne Zweifel mit äu­ßerstem Nachdruck gegen diese feindselige Handlung Ein­spruch erheben, die von der russischen Flotte gegen einen ec- ringfügigcn Teil unserer Flotte unternommen worden ist.

Tic Türken nni Suczkonal. Mailand. 29. Lki. TicUnionc" meldet aus Kairo: Bei Akaba am Golf von Akaba sind starke türkische Kavallerieabteilungen ciiiflc- tioffen. Türkische Kontrollschiffe mit drahtlosen Statio­nen sind bis vor Scherin am Eingang zum Golf von Suez gesichtet worden, von wo sie den Einlauf der neutralen Schiffe überwachen.

Die Kriegserklärung steht bevor. Wie derFranks Ztg." aus Konstantinopel gemeldet wird, steht die Kriegs- crklärnng Rußlands an die Türkei bevor.

Ter russische Botschastcr verlässt Konstantinopcl. Rom, 30. Okt. Tic Eonsulta wird informiert, daß der russische Botschafter in Konstantinopel den Befehl erhalten hat, r.d- zureise». Ter Schutz der russischen Untertanen wurde der italienischen Botschaft anvertraut.

Ausierordentlicher Ministerrat. Konstaritinopel, 30. Okt. lW. B. Nichtamtlich.) TasWiener Eorr. Bnr." meldet: Gestern am späten Nachmittag trat auf der Pforte unter den, Vorsitz des Großwsirs ein außcrvrdenttichcr Mi- nisterrat zusammen.

Am Vornbcnd großer Ereignisse. Konstantinopcl, 30. Okt. (W. B- Nichtamtlich.) Die Beiramfeier war in der ganzen Türkei von einem Gefühl freudiger Erwartung getragen und von der Empfindung, daß man am Vorabend großer Ereignisse siebe