Kummer 355 Freitag, den 30. Oktober 1014. 7. Jakrgang
Die „Neue v ncoiritung" tildjeint >edcn SL'Ctliag. Regelmäßige BcUagcn „Der Kauer aus Krisen", „Dir Kp!»»ftul>e", Seiugaprei«: Bei den Poftanstalten viericl ayrilch Alk 1.'5 tti den Agenten monallich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr -der Trägerlohn. An.rigen: Grund,eile 20 Psg., lokale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Po Inzchnn er'»de» _Erfüllungsort Friedberg. SchriNleitnug und Verlag Friedberg (Hegen), Hanauerstraj,- 12. Fernsprecher «8. Postzcheck-Conto Nr. «85», Amt Franlsurt n. 2».
Dir «TnvUti macht Ernst!
Stcles Fortfchrcitcn in Flandern. — ('»•in Sieg bei Verdun. — 13500 russische Gefangene. —
Türkische Kreuzer bombardieren russische Häfen.
D
Der deutsche Generalstab — meldet: _=
WTB. Groszes Hauptquartier, 29. Lkt. vormittags.
Unser Angriss südlich Nicuport gewinnt langsam Boden. Be! Uprcs steht der Kampf unverändert. Westlich rille niachten »nserc Truppe» gute Fortschritte. Mehrere besc stigte Stellungen des Feindes wurde,, genommen. 16 englische Offiziere und über 3ÜÜ Mann zu Gefangenen gemacht und 4 Geschütze erobert. Englische und französische Gegen- stütze wurden überall abgcwicsc».
Eine vor der Kathedrale Von Reims anfgcsnhrene sran- zösische Batterie mit Artillcricbeobachter aus dem Turm der Kathedrale mutzte »unter Feuer genommen werden.
Im Argonnenwald wurden die Feinde aus mehreren Schützengraben geworfen und einige Maschincugewchrc erbeutet.
Südöstlich Verdun wurde ein heftiger srnnzösischer An- griff zurückgcschlagrn. Im Gegcuangriss stietzen »nserc Truppen bis in die seiudlichc Hauptstcllung durch, die sic in Besitz »ahmen- Die Franzosen erlitten starke Verluste.
Auch östlich der Mosel wurden alle Unternehmungen! des Feindes, die a» sich ziemlich bedeutungslos waren, z» rüikgcwicscn.
Aus dem nordöstlichen Kriegsschauplatz befinden sich »n- sere Truppe» im fortschreitende» Angrissc. Während der letzten 3 Wochen wurden hier 13,500 Russen zu Gesaugcncn gemacht, 30 Geschütze und 39 Maschinengewehre erbeutet.
Aus dem südöstlichen Kriegsschauplatz haben sich die Verhältnisse seit gestern nicht geändert.
Der österreichische Generalstab --------- —. meldet: .........
Wien, 29. Okt. (W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird uerlnutfcart: 29. Okt., mittags: Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatz fanden gestern keine gröberen Känipse statt. In den letzten Tagen wurden Versuche der Russen, gegen den Rann, von Tnrka vorzudringen, ersolgreich ab- geschlagen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: u. Hoser, Generalmajor.
Zuversicht im Osten.
Wien, 29. Okt. (W. T. B. Nichtamtlich.) Bei Besprechung des gestrigen, von deutscher und österreichisch 'ungarischer Seiic in gleichlautender Form ausgegcbencn Berichtes über die Neugruppierung der verbündeten Armee» in Russisch-Polen erinnern die Blatter an eine kürzlich«: Aeußcrung des Armcekommandanten Borocvie, der damals sagte, es handle sich gegenüber Rußland um eine einfache Rechnung. Bei der Ucbcrzahl der Bevölkerung Rutzlands hätten wir anfänglich im Verhältnis 1 zu 3 gekämpft. Jetzt sei das Verhältnis 1 zu 2. Es werde die Zeit kommen, wo einer gegen einen kämpft, und dann würden wir den endgültigen Sieg erringen, den das Volk erwarte. Bis dahnr wüßten unsere verbündeten Streitkrästc die russische Ilebec- macht aufhalten und schwächen. Im Sinne dieser Ausgabe ergäben sich, wie die „Reichspost" schreibi, Kriegslagen, in denen es geboten erscheine, der lebten Entscheidung auszu- weirlien und den abgebrochenen Kampf später unter günstigen Verhältnissen erneut aufzunehmcn. Zu solchen. Ent- schluß hätten sich die verbündeten Armeen angesichts des Aniiiikens überlegener russischer Kräfte aus Warschau, No- wogcorgicwsk und Jwangorod genötigt gesehen, und den nun aus dem nordöstlichen Kriegsschauplatz erfolgenden Bewegungen wohne kein anderer Charakter innc als beispielsweise der so zweckmäßigen, erfolgreichen Kon'eut .erung der deutschen Armeen in Frankreich.
ZU dkn Kliulpikn (in |Jiffr=i)*rr=ßnünl.
Die Dcu,scheu werben siegen. Berlin, 29. Okt. Dein „Bcrl. Lok.-Anz." wirb von seine,» Spezlalbcrichlerstattcr aus Roosendaal gemeldet: Ent was, nete belgische
Soldaten, die an den Gezechten zwischen D i x m u i d e .! und Nicuport vom 23. bis 25. Oktober teilgenommen heben.
schildern den u » b c z w i n g l i u, c n Vormarsch der beut schcn Soldaten in beredten Worte». Als ich einen der durch Entbehrungen gänzlich herabgckommciien Bursche» sragle. ob die Verluste der anrüücntcn deutsche» Truppe» die den Ucbcrgan.g des Vsirlanals erzwange», bedeutend ge wesen seien, erklärte er rundweg: Die Teuselskcrle treiben uns mit ihren Kanonen so gründlich zurück, daß sie wenig Leute zu opjern brauchen. Bel uns ist cs leider bas Gegenteil. 1l»s jagt man blindlings in die Schlacht hinein. Viele Meiner Kameraden sagten: „Unsere Offiziere verstehen
nichts. Wären wir unter deutscher Führung, so tonnten wir das Geschäft cbensa gut wie die da drüben." Wie in früheren Ecscchtcn litten auch diesmal die Belgier unter den unwiderstehlichen deutsche» Nachlangrisfen. „Es ist unbegrcislich", ruit einer der Enlwasfneten aus, „wie die Deutschen imstande s nd. sich dis aus ganz lurze Distanz an zu nähern, ohne bah man sic bemerkt. Ihre Ausnutzung der Oertlichkcit ist subclhast und wird van unseren Offizieren bewundert. Das bringen weder Franzosen noch Engländer zustande. Die deutschen Bataillone haben einen eisernen Schritt. Das klingt, als kämen gerade zweimal soviel anmarschiert. Unter den enlsloheucn Belgier» gibt cs nur eine Meinung: Die
Deutschen werden siege n". Die Berichte über den Zustand m der französischen Region, die am Vorabend der deutschen Besetzung steht, sind für die Verbündeten sehr ungünstig. Geflüchtete Einwohner des Städtchens Bergucs erzählten den Belgiern, datz cs an der nördlichen Front an Soldaien fehle. Die frischen englischen Soldaten seien so schlecht ausgebildet, dast man sie nur in geringer Aneahl ins Gefecht schicken lann. Die Artillerie werde nur von Franzosen bedient. Das Durcheinander sei unbeschreiblich. Nichts gehe in Ordnung vor sich.
Dixmuidc» genommen. Nach Berichten holländischer Blätter, die aber bis jetzt von deutscher Seite noch nicht bestätigt sind, ist Dirmuidcn von den Dcuischcn genommen worden. Auch englische Blätter berichten so: Einer Depesche der „Times" zufolge gelang es am Samstag abend 3000 Deutschen in Dirmuidcn einzurücken. Sic hielten de» Ort eine Zeit lang besetzt, dann soll EcschUtzfeucr sic wieder aus den Häusern vcririedcn baden. Der Berichierstaitcr schweigt aber darüber, ob die Ber- biindetcn dann wiederum in Dirmuidcn cingezogen sind. Wahrscheinlich soll man aus seinem Bericht schlichen, dah das zerstörte Dirmuiden nunmehr in der Mitte zwischen den beiderseitigen Linien liegt. Dagegen behauptet das Pariser „Journal", dah tic Perbündclen die Deutschen -n Dirmuiden ln eine Falle gelockt und späler den Ort wiederum besetzt hätten. Einem von dem Berichterstatter des Amsterdamer „Tvd" verzcichnclcn Gerücht zufolge, stnd die gewaltig starken Schanzen de, Franzosen und Engländer bei Dixmuiden am Dienstag nachmittag genommen worden. In dem zerstörten Städtchen machten die Franzosen 2W) Kriegsgefangene.
Brr BornrJfl) dttOcüerreicherinderSnkinma.
Budapest, 29. Olt. Die österreichischen Truppe», die in den lrtzicn Tagen Verstärkungen aus Ungarn erhalten haben, heben die Ruhen aus Ser ei h ocriricbcii, ferner aus Franken s t a l und Fcrctzany. In den letzten Tagen haben auch Streiturahen des ungarischen Landsturms die Ruhen an- gcarisjcn, woraus sich diese aus mehreren Orischastcn der Buko- tviiia zurückzichen muhten, die dann sofort von den Ocstcrre,- ch.-rn besetzt wurden. Tie gänzliche Räumung der Bukowina ist nur noch eine Frage weniger Tage
Belgische Niederlage in Afrika.
Rom, 29, L!t, Die „Stampa" meldet aus Paris: Gin in Haara einaelaujenes Telegramm des Gouverneurs von Katanga bcjagt. dah die d-lgkfchcn Truppen unter *cm Kommando des Gcnerallommissärs Henry in einem Gefecht bei Kissen si NM Kiwusce durch die Deutschen eine vollständige Niederlage erlitten. Kissenzi liegt hart an der Grenze ans deutschem Gebiet. Offenbar hat hier eine belgische Truppe in unicr Schutzgebiet einzudringe» ocrsucht. Durch die Wachsamkeit unserer Schutziruppe ist bei Einfall siegreich zurückgc- lvicsei, worden.
Ein Zeppelin über Paris.
Stockholm, 29, Okt. Eoetcborgs „Astcnbladct" meid-.» aus Paris: An, Mittwoch erschien über Paris ein „Z c p p c l i »". Es wurden sechs Bomben herabgeworsen. von denen drei größeren Schaden aurichtcicn. Acht Peksonen wurden gelötet und eine beträchtliche Anzahl wurde verletzt. Frau- zösischc Flieger versuchten das Lufischiss anzugrcifen. cs entlam jedoch in de» Wolle».
Ans Kamerun.
Berlin, 29. Okt. Die „Boss. Ztg." meldet aus R »IN Londoner Meldungen zufolge habe» die Franzose» in den Kämpfen mit den Deutschen in Kamerun vom 23. Auguit bis 19. Oktober allein zehn Offiziere verloren.
Nene Sorgen Englands.
London, 29. Okt. Das Rcukersche Bureau meldet. Der Dampser „Manchester" (mit 5333 Tonnen Gehalt) stich ui der Nähe der Nordküstc von Irland a>'s eine Mine und sank. Der Kapitän mit 13 Mann ertranken, 30 wurden durch Schlepper gcrellet.
Kopenhagen, 2g. Okl. kW. B. Nichtamtlich). „Sinti» »al Tidenoe" meldet aus London: Der Untergang des Dampfers „Manchester Gammcrcial", der a» der Nordkiiiie Irlands aus eine Mine stieh, erregt hier ungeheures Aufsehen und vcranlaht viele Betrachtungen, wie cs den Deutschen möglich gewesen sei, dort eine Minenlegung wrzunchmen. Man glaubt, dah ein deutsches Handelsschiff unter neutraler Flagge Minen gelegt habe, da man cs für unmöglich hält, dah ein deutsches Unterseeboot uncnldeckt soweit Vordringen könnte.
Ms geht iu der (Tiirlm vor?
Wenn früher von der Türkei als von dem „kranken Mann" gesprochen worden ist, so muß man heute zugeben, daß die Krankheit gewichen ist und das osmauische Reich in voller Gesundheit dastcht. In richtiger Würdigung der Umstände schcn die Machthaber am Bosporus ein, daß jetzt oder nie der Augenblick gckonimcu ist, wo sic sich für die jahrhundertelange durch Rußland und England erlittene Unbill rächen und ihrcni Staatswescn wieder eine achtunggebietende Stellung verschaffen können. Zunächst lv.ir lS schon recht deutlich auffallend, daß die Türken den Mächten des Dreiverbandes klipp und klar zn verstehen gaben, dal sie die Herren im eigenen Hause seien. Sie haben die Dar danclleu gesperrt, sic haben die sogen. Kapitulationen aus gehoben, sic haben die deutschen Jnstruktionsoffiziere be- halten und auf englischen Vorhalt freiinütig erklärt, daß das eigene Angelegenheit des Empfängers lei. Ganz abgesehen von ntf diesem ist die ösfcntliche Meinung in der Türkei ganz ossen gegen den Dreiverband.
Es scheint aber, als ob cs nicht nur bei Stimmungen bleiben würde und die letzten Nachrichten deuten darauf hin, daß die Türkei losznschlagen beginnt. Schon seit geraumer Zeit machen sich verdächtige Bewegungen der riissish'n Schwarzcn-Meer-Flottc, die unter dem Beseht des englischen Schurken steht, der s. Zt. die türkische Flotte rcorganisi " > tollte, bemerkbar. Ohne Zweifel richteten sich diese Manöver gegen die Türkei, die nun, wie cs scheint, noch dem Grundsatz vorgeht, daß die beste Abwehr der Hieb ist und ihrerseits den Angriff gegen russische Häsen begonnen hat.
Es liegen folgende Nachrichten vor:
Türkische Rüslunge». Stockholm, 29. Okt. DB hiesige türkische Generalkonsulat macht durch die Presse bekannt, daß aus Konstantinopel neue Gesiellung--hcsiimm- vngen eingctroffen sind. Sämtliche türkische Wehrpflichtigen in Schweden haben sich unverzüglich nach Stockholm zn begeben, wo ihnen der Inhalt des die Generalniobilisation betreffenden Erlasses niitgctcilt ivird.
Die türkische Flotte im Schwarzen Meer. Konstantin o p e k, 29. Okk. Die ganze türkische Flotte ist gestern ins Schwarze Meer ausgelaufen.
Türkische Kreuzer bombardieren russische Häfen.
Pctersbnrg, 29. ttt. (Nichtamtlich.) Die Petersburger Telegraphenagentu« meldet:
Zwischen 9 l \z und 10 bcschof; ein türkischer Kreuzer mit :! Schornsteinen Bahnhof und Stadt Thcodosra, beschädigte die Kathedrale, die griechische Kirche, die Speicher am Hafen und die Mole. Crn Soldat wurde getötet. Tie Filia'e der russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand. Um halb 11 Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwesten. Bor Nowo-


