Nr. 254
korps" vom Generalkommando zuerkannt. — Der Unteroffizier Ullrich von der 4. Kompagnie Jnf.-Regt. Sit. R3 aus Dörnberg hat im dichtesten Kugelregen auf dem östlichen Kriegsschauplatz eine russische Fahne erbeutet. Ihm wird ein gestis tetcr Ehrenpreis von 300 Marl zucrkannt.
Englische Depcschcnzcnsur.
Wir lesen in der „Jugend": Tie Neutralen machen den braven Engländern den Vorwurf, sie hätten die aus neutralen Ländern nach Nordamerika nufgcgcbcncn Depeschen zwar befördert, aber erst nachdem sic sie geändert und ge- fälscht hätten. Dieser Vorwurf ist natürlich ganz ungerechtfertigt, denn England lügt nie. Nur weil die Kabellinien in Äescr Zeit überlastet waren, haben die Engländer manche Tclegrarmne gekürzt. So ist z. B. die folgende von Kopni- bagen nach Ncuyork aufgcgcbene Depesche über die Lage in Deutschland von dcni englischen Tlegraphenbeamten dadurch kürzer gefaßt worden, daß nur die fettgedruckten Worte telegraphiert wurden:
Lage für die Trutschcn günstig. Volk ernst und zuversichtlich. Kriegsanleihe glänzend eingefchlagcn. Kriegsfreiwillige n»r mit Mühe zurückzuhalton. Soldaten im Felde und in der Heimat gut »ntergebracht. Stimmung begeistert, niemand verzweifelt. Alles glaubt an Sieg, alles ist den Engländern feindlich und de? Erfolges sicher.
Ter Mutter Trost.
Tie Hinterbliebenen des Königlick>cn Distriktskommissars Erich Mühring in Kreuz (Prov. Brandenburg), der als Re- seivelcutnant in, Kolbcrgischen Grenadier-Regiment Nr. 9 Graf Gnciscnan den Heldentod fiirs Vaterland starb, zeigen den Heinigang des Gatten, Vaters, Sohnes und Bruders in folgenden schlichten, aber doch ein ganzes Mannesleben umspannenden Worten an:
Glücklich, endlich die Pflichten des Soldaten vor die Pflichten des Amtes stellen zu dürfen, eilte er freiwillig seinem Regiment nach Frankreich vor kurzer Zeit nach und fiel, den Gefahren des afrikanischen Kolonialdienstes so manchesmal entronnen, bei seinem ersten Sturmangriff. Am Tage der Todesnachricht wurde ihm sein einziges Söhnchen geboren. Es soll der Mutter Trost sein.
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Vorsicht: Liebes Zigarren!
Von Branche- und Fachkundigen wird uns berichtet, dag in den billigen Zigarrcnsorten, deren cs schon zu 1.80 M bas hundert gibt, ein überaus lebhaftes Geschäft herrscht, und die Preise der Rippcnstcngel, die gewalzt werden und die die schlechteste beißende. mangelhast brennende Einlage geben, stark steigen. Darnach habe cs den Anschein, als ob unsere brauen, armen Soldaten trotz aller Ermahnungen doch wi.'der wie anno 1870, nnt Schund betrogen werden sollen. Es emp- fichit sich daher, Liebesgaben Zigarren, namentlich feldpost- mäßig verpackte, nur von ganz zuverlässigen, bewährte» F i r m e », deren es ja noch genügend gibt, zu kaufen.
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ZimliSen- imi) Sintttbliedeneniiklschtrullg.
(4. Bnckr der Reichsversicherungsordnung.) lieber diese Ansprüche, die neben den auf den militärischen Jürsorgcgeschen beruhenden Bezügen geltend gemacht werden können, bestehen in den interessierten Kreisen noch manche Unklarheiten, so daß eine kurze Zusammenstellung der massgebenden Gejehcsvorschriftcn angezeigt ist. Die aus Grund der Reichsvcrsichernngsordnnng gegen Invalidität versicherten Personen, die im Kriege oder später infolge der Feldzugsstrapazen invalid« werden, haben Anspruch auf die Invalidenrente. Als invalide gilt ohne Rücksicht auf das Lebensalter der Versicherte, der infolge Krankheit oder anderer Gebrechen nicht mehr imstande ist, ein Drittel dessen zu erwerben, was gesunde Personen seiner Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. Ist die Invalidität dauernd, so beginnt die Rente mit dem Tage des Eintritts der dauernden Invalidität. Ist dagegen in absehbarer Zeit wesentliche Besserung zu e>- hoffen, so beginnt die Invalidenrente erst nach einer 20- ivöchigcn ununterbrochenen Tmier der Invalidität.
Was die Ansprüche der Hinterbliebenen der gegen Invalidität versichert gewesenen Feldzugsteilnchmcr betrifft, so gilt Folgendes: Witwenrente erhält die invalide (nicht die noch erwerbsfähige) Witwe des Versicherten. Für den Begriff der Invalidität gilt tut wesentlichen dasselbe, aas oben für die Invalidität des Mannes gesagt ist. Tic Wit- venrente beginnt in der Regel mit dem Todestag des Ehemannes. Ist in absehbarer Zeit Wiederherstellung der Er- werbssähigkcit zu erwarten, so kann die Witwenrente auch erst nach 26wöchigcr ununterbrochener Dauer der Invalidität gewährt werden. — Witwengeld erhält die Witwe (auch die noch nicht invalide) de.- Versicherten, wenn sie selbst auch xegcn Invalidität auf Grund der Reichsvcrsicherungsord- vnng versichert ist. — Waisenrente erhalten nach dem Tode des versicherten Vaters seine ehemaligen Kinder unter 15 Jahren, ohne Rücksick,t darauf, ob die Mutter noch lebt und »hne Prüfung der Frage, ob Bedürftigkeit vorliegt. Ob die Anträge Erfolg haben, hängt im Einzelfall nock davon ab, >b weitere gcsetziick>e Voraussetzungen wie Erfüllung der Wartezeit, Erhaltung der Anwartschaft zutreffcn. Tie Ansprüche selbst sind bei der Bürgermeisterei de? letzten Wohn- oder Beschäftignngsortcs anznineldcn.
siMprciik odrr: Es Hai ales seine M Seiten.
Cs ist gewiß von allen Seite» mit Freuden begrüßt vorden, daß die Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen haben, durch Festsetzung von Höchstpreisen sür Lebensmittel dem
Neue Tagesazeinrg. ««nnerrtäg, den 25. Oktober
Wucher zu steuern. Grundsätzlich also die Festsetzung von Höchstpreisen durch die Behörden zugegeben, muß man aber in der Ausführung dann doch mit Umsicht arbeiten. Ta-
ran schcints uns nun bei allem gewiß vorhandenen guten Willen zu fehlen, wenn an manchen Orten irgend ein Nähr- nngsmittel hcrausgegriffen und z. B. der Preis für Kar- tosfeln behördlicherseits auf 3 Mark festgesetzt wird. Das ist nicht richtig und wirkungslos. Es ist nicht richtig, die Kar- tossclprcije allein künstlich niedrig halten zu wollen, ohne dabei die allgemeine Lage zu berücksichtigen. Wenn wir sehen, wie Brot- und Fleischpreise auch da, wo der Wucher nicht arbeitet, eben infolge der allgemeinen Marktlage um etwa ein Drittel gegenüber den Sätzen normaler Jahre gestiegen sind, so muß der, welcher mit der Festsetzung von Höchstpreisen betraut ist, doch auch den Kartoffclpreis dementsprechend ansetzen. Nun ist der Kartosfclprcis normaler Jahre in unserer Gegend tatsächlich etwa 3 Mark. Wollte nran ihn also gerecht für die jetzige Zeit festsetzcn, so wären das mindestens 4 Mark. Dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, daß die Kartoffelernte dieses Jahres an Menge jedenfalls in vielen Gegenden unserer Heimat gegenüber anderen Jahren beträchtlich zurückblcibt. Ein Kartoffelhöchstpreis von 3 Mark ist also nicht richtig. Er ist aber zum Teil deshalb, zum Teil wegen der Kleinheit der Bezirke auch wirkungslos. Der Bauer, welcher rechnet, wie er doch auch «ach dem Willen und gerade nach dem Willen der prcis- festsetzcnden Behörde reck>ncn soll, — der Bauer wird sich doch sagen: „Wenn du für deine Kartoffeln nur 3 Mark bekonnnst, aber sür Reismehl z. B. statt wie seither 10 Mark nun 18 Mark bezahlen mußt, so wärst du ja doch ein straffälliger Tor, wenn du nicht die Kartoffeln verfütterst." Die gewiß nicht beabsichtigte Wirkung wäre, daß den Menschen diese Nahrung entginge, die ihnen bei einem angemessenen Preise zugute käme. — Aber der Zweck der Uebung wird auch in andrer Beziehung verfehlt. Der Handel wird natürlich in den Kreisen, wo man den Kartoffelpreis so niedrig setzt, die Kartoffeln aufkaufen und sie in anderen Kreisen, wo keine oder höhere Höchstpreise sind, mit Nutzen verkaufen.
So einfach ist die Sache also nicht. Soll der gute und von allen rechtlich Denkenden rückhaltlos gebilligte Zweck der Festsetzung von Höchstpreisen erreicht »nd nicht das Ucbel ärger gemacht werden, so muß erstens ein angemesse- ner Preis, d»er im Verhältnis zu den übrigen Preisen steht, angesetzt werden, und zweitens muß er für einen größeren Bezirk als einen Kreis zur Geltung gebracht werden.
(Ans den: Raiffeisen-Boten.)'
Ans dem hell. Landing.
Ter Abgeordnete Eriinewald (Freist) hat der Zweiten Kammer eine» dringlischcn Antrag vorgelegt, in welchem die Eroßh, Regierung ersucht werden soll, alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen während eines Krieges die kommunalen Ergänzungswahlen aufgehoben werden, weil während des Krieges die Wahlen mit großen Schwierigkeiten verbunden sind.
Ans der Heimat.
* Friedberg, 29. Okt. (Freiwillige Radfahrer Kompa liicu.) Auf Anregung des Generalfcldmarschalls Frhr. v. d. Goltz ist am 16. August ds. Js. vom preußischen Staats- ministerium ein von Sr. M. dem Kaiser genehmigter Erlaß veröffentlicht worden, der bezweckt, den bisherigen Bestrcv- i-ngcn aus dem Gebiete der Jugendpflege eine mehr militär- 'Iche Grundlage zu geben, und der deshalb eine militärische Vorbereitung der Jngendlichen vom 16.—20. Lebensjahre für den späteren Eintritt in das Heer anorduet. Infolgedessen hat sich in vielen Städten die Tcutschwehr, auch Jnngwehr oder Jugcndwehr genannt, gebildet, die meistens unter der Leitung ehemaliger. Offiziere in regelmäßiger Wiederkehr ihre Hebungen nach besonderen, vom KriegS- ininister festgesetzten Richtlinien abhält. Eine besondere Ab- tiiliing dieser Tcutschwehr bilden die vom Deutschen Radfahrer-Bund gesainincltcn freiwilligen Radfahrcr-Kouipa- uien, aus denen die späteren Mililär-Radfahrer hcrvorgeben. Diese werden ebenfalls bei genügender Beteiligung in allen I Orten gebildet. Tie Einrichtung einer solchen Radfahrer- Konipanic ist auch für Friedberg und Bad-Nauheim in Aussicht genoniinen. Junge Leute im vorerwähnten Alter, die gesund und kräftig, im Besitze eines starken Fahrrades und geneigt sind, sich der Konipanie anznschließen, wollen sich sofort bei dein Ortsvertreter des Tcntschen Radfahrer-. Bundes Herrn Gustav Brake, Friedberg, Ludwigstr. 33, melden. Besonders bemertt fei. daß ein Aufgeben der bis- htrigcn Beschäftigung nickt erforderlich ist, auch der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Radfahrer-Verband nickt verlangt wird.
* Zentrale sür Krirgssürsvrgc. Alle, die bei der statt- gchabten Haussainminng Gaben für Oktober gezeichnet oder weitere Beträge in Aussicht gestellt haben, werden höflichst gebeten, ihre Spenden ans dem Sekretariat der Bürger- nieistcrei abgeben zu wollen. Tort werden auch jederzeit weitere Gaben dankend entgegengenommc». Ueber alle Beiträge wird in den hiesigen Zeitungen quittiert.
" »I. Bad-Nauheim, 29. Okl. Mit Durchführung der Feldbereinigung hatte die hiesige Sladtoerlietung die Aushebung der Schäferei und zwar mit Wirkung vom 1. April 1917, an beschlossen. Es geschah dies damals größtenteils im Einverständnis mit den Schashesitzern. Durch den ausgebrochenen Krieg nun und der damit bedingten notwendigen Erhaltung eines jeste» Viehbestandes richteten die in Betracht kommenden In- tcrssienten eine Eingabe an die Stadtvertretung, in welcher sie daraus hinwicse», daß alle maßgebenden Behörden, Landwirt- schaststammern usw. das Bestreben haben und kräftig unterstützte». einen möglichst starken Diehstand während und nach dem Kriege zu haben. Don diesem Standpunkt aus u>ar die
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Eingabe begründet und genehmigte die Stadtrertretung die weitere Erhaltung der Schasherde vorläusig bis 1. April 1916. Hoffentlich ist bis dahin auch der Weltkrieg zu Ende.
* Rieder-Mörlen. 29. Okt. Wieder ei» tapferer Dater- landsveitcidigcr wird heute hier zu Grabe getragen. Es ist dies der Wehrmann Krämer vom Landwehr-Regiment Rr. 198, de: seinen aus den Schlachtfeldern Frankreichs erhaltenen Wunden erlege» ist. Bon den aus unserem Orte ausgezogenc» Krieger» >>nd »uiunchr 3 Tote, 18 leicht und schwcrverwundcte. seriwr werden 2 Rann vermißt.
* Staminheii», 29. Okt. Die zur Wahrung der Rellunia tionSrechte der im Kriege besindlichen beteiligten Grundeigcn tümcr in Stammheim am 20. und 27. l. M. vorgenom,neue Versteigerung der Masiegrundsiückc hatic folgendes Ergebnis Verpachtet wurde» aus die Dauer von uur einem Jahre iS 1 Norm»,morgen zumPachtprcisc v. 0780.it — rund 37.u p. Mögen. Bei einem Vergleich mit dem Abschützuagswert kommt der Pachtprcis einer Verzinsung von 5 Prozent gleich.
* Petterweil, 29. Okt. Als Beweis, wie heute e i n Band unser gesamtes Volk umschlingt, wird uns miigelcilt, daß der Generaloberst Paul v. Bcniieckendors und v H i n d e it • bürg, einem einfachen Arbeiter, dem Wcißbinder Wilhelm Lcnhardt, die Pathcnstellc bei der Taufe eines Töchterchens übernommen hat, das nach ihrem großen Pathcn den Namen Paula sühren wird. Gewiß ein schöner und edler Zug de; wackeren Helden, der selbst den einfachen Mann aus dem Boikc hört und sich seiner annimmt. Dieser schönen Tat des Siegers an den masurischen Seen hat ihm hier »och mehr wie bisher alle Herzen zugewandt.
1 Franlsurt a. SB., 28. Okt. Auf dem letzten Frauksurtce Hauptoiehmarkle machte sich bei den Kälbern ein Preisrückgang i» der dritte» Qualität von 93—100 aus 8.7—90 Psg. pro Pfd. Schlachtgewicht geltend. Von der zweite» Qualität, feinste Masikälbcr, war kein Stück «„getrieben. Die Schweincprcise ficlci, durchgängig NM 2 Psg. pro Pfund Schlachtgewicht gegen die Vorwoche.
* Gießen, 28. Okt. Kaum glaublich und ein neuer Beweis für die Wahrheit des alten Sprichwortes von den Dummen, die nicht alle werden, ist die Tatsache, daß hier in der Neustadt eine Wahrsagerin ihr Handwerk treibt und mit de» Frauen der im Feld besindlichen Soldaten ein gutes Gcschäjt macht. Eine Arbcitersrau, deren Mann sich in Südsrankcrich in Gefangen- schast befindet und die sich deshalb, um stets auf dem lausenden zu sein, alle Woche die Karte schlagen läßt, erzählte gestern nach dem nelesten Bericht der weisen Frau sei die Wunde ihrc- Mannes jetzt etwas schlimmer und er erwarte sehnsüchtig -in Päckchen, aber jedenfalls käme er doch wieder ganz gesund nach Hause. — Icdcnsalis wäre cs an der Zeit, daß diesen, Unfug ein Ende gemacht wird und den dummen Frauen, welche massenhaft die Wahrsagerin besuchen, die Gelegenheit genom.nen wird, das Geld, was von Staat, Kommunen und wohliätigen Menschen als Unterstützung ausgebracht wird, zum Teil sür einen solche» Zweck zu vergeude».
Hesikn-Nassa».
* Wiesbaden, 28. Okt. Vorgestern »litiag kurz vor 2 Uhr
traf hier ein Verwundctentransport von einem Offizier und 320 Mann ein, die in die hiesigen Lazarette und Kranlcnhäu sc: verteilt wurden. Unter den verwundete» Mannschasten befand sich auch ein Franzose und ein Engländer. Es war ein gewöhnlicher Personcnzug, in den eine Anzahl belgischer W: gen eingestellt waren. Er kam aus der Gegend Gent-Brügge und brachte Verwundete aus de» letzten Kämpfen bei Nieu- oprt-Dixmuiden. Der Zug führte zunächst 1000 Verwundete, die an verschiedenen Orlen der durchlausenen Strecke aus.zela den und in Lazarette untcrgebracht wurden. Der Rest mit 321 Mann wurde in Wiesbaden »ntergebracht. Unter den Kriegern loaren teilweise solche, die bereits schon einmal verwundet und »ach völliger Genesung wieder in die Front zurückgc- lehrl waren. Verschiedene Verwundete teilten mit, daß unsere Operationen a» der Nordsee langsam aber sicher vorwärts gingen. Sie spendeten vor allen: unserer Artillerie uneinge
schränktes Lob.
Starkcnbnrg.
* Darnisiadt, 28. Okt. Ein interessanter Erlebnis erzählten gestern srüy die Begleitmannschafte» eines hier eingelic- scrten größeren Gefangenentransportes, Franzosen, unter de »cn sich auch eine Anzahl Scncgalschützen von ganz schwarzer Farbc befanden. Sie lagen vor einigen Tagen einer sranzösi- schen Vorposlenkettc im Schützengraben bis aus 30 Schritte gegenüber. Als von der Jenseite plötzlich eine Konservenbüchse geflogen kam. von der man zuerst annahm, daß cs eine „Bombe" sei Bei näherer Besichtigung fand man aber einen Zettel darin, in welchem sich die Gegner insoweit verständlich nrachte», als sic sich bereit erklärten, ohne Waffen „herüberzu kommcn", wenn sie nicht erschossen würden. Die Antwort erfolgte pronipt auf demselben Wege, kclbstoerstäntckich dahin- gchcno, daß bei gntem Verhalte» ihnen kein Haar gokrümint würde. Schon nach wenige» Minute» zeigte sich der Ersolg. denn sosort kamen 80 Franzosen ohne Gewehr mit hochcrhobe- nen Händen herüber. Als die Gefangenen auf der Fahrt in Worms gespeist wurden, soll einer der Gesangenen erklärt haben, „wenn uiiscre Kameraden mußten, daß sie hier so gut gespeist würden, käme» wohl die meisten." Im Ganzen sind mahl gestern etwa 100 verwundete und nahezu 200 nichtvcrwuudeie Franzose», Belgier usw, eingcliesert worden. Auch Engländer sollen in de» ersten Tagen in größerer Zahl hierherkomme»,
Evanorlischc Gemeinde Gottesdienst in der Stadtkirche.
Freitag, den Oktober, abends 8!', Uhr: Kriegsbittan dacht, Herr P'arrcr Klebergei.
Frankfurter Wekierberichk,
Voraussage: Bedeckt, zeitweise Niederschläge, Temperatur unverändert, sudöjlliche Winde.
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg: sür den Anzeigenteil: K. S ch in i d t. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung" A, G.. Friedberg i. H.


