Nummer 247
Mittwoch, den 21. Oktober 1914,
7. Jahrgang
Alf ,.< c,ie SfljMjfihnta" aldjtint ,eden Werltag. Regelmäßige Beilagen „Per Parier aus f,essen". „Pie Sp-nnssul-e". Pepi-zopreis: Bei den Poi,anstalt.-n »leeieliayrlich M! 1,85
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Der Stand des Krieges.
Die Franzosen abermals vor 8
?ie Lilßc auf den KriegsslhuMen.
Der erst- Kriegsabschnitt in Frankreich war durch jene Pgerationcn ausgesüllt, die daraus abzielcn, den längst vordere! U tcu Angriss der französischen Armeen aus die deutschen Gr--I,en zurllckzuschlagen, den Weg durch Belgien zu ösfnen und i!-n du ich die Eroberung des nördlichen sranzosischen und bcl- „ -sil.cn Festungsgürtels zu schützen. Die Franzosen warsen ihre g.sunnc Macht den Deutschen entgegen, es gelang ihnen auch, d.i SJtitte und ihrer linken Flanke die Deutschen zurückzu- dtängcn, nicht aber sie dort zu umgehen. Auch scheiterten ihre
. wiederholten Versuche, die deutschen Armeekorps im
, ns den Rhein zurürtzuwersen und von Ihrer Verbindung Nti! der,, Zentrum der deutschen Aufstellung zu trennen. Wäre :icii ca» gelungen, dann würde der ganze deutsche Feldzugs- -!- -erstört worden sein. Unsere Heere hätten den Rückzug u n. oder sick^an ungünstigen Stellen gegen einen an Zahl . . erlegenen Feind schlagen müssen.
Der zweite Kriegsabschnitt begann mit der bereits fünf ' .'-:n andauernden Schlacht an der Marne und Aisne. Die
Versuche der Franzosen und der Engländer, den rechten nördlichen Flügel der deutschen Ausstellung zu umgehen, sind gescheitert, hoben aber bcwirlt, daß die Schlachtlinie sich von Bel- jort über Verdun, Reims, Royon und Arras in 8-sörmigcr Linie bis Antwerpen ausdchnte. Die Engländer hatten besonders auch damit gerechnet, daß Antwerpen noch mehrere Wochen die deutsche Belagerungsarmee festhalten könne. Die Engländer wollten dann eine Armee in Belgien landen und im Verein mit Belgiern und Franzosen die in Belgien stehenden Armcclorps über den Hausen werfen, Antwerpen besetzen, Belgien befreien und die von Reims bis Verdun operierenden deulschcu Truppen zum Rückzug zwingen. Das englisch-sran- zösische Programm ging in die Brüche, Dank der Tapferkeit, Ausdauer, der geschickten Führung und technischen Ucbcrlegen- lei! der Deutschen.
Der dritte Kriegsabschnitt des deutsch-französisch-englischen Krieges begann mit dem Fall von Antwerpen. Damit sind die deutschen Armeen nun in der Lage, sich nicht nur in der Hauptschlachtlinie zu verstärken, sondern durch die Besetzung der belgischen Küste ihre Front zu verkürzen und sich gleichzeitig im Rücken vor englischen Landungen zu sichern. Danach ist zu cr- warlcn, daß die Operationen aus dem ausgedehnten französische» Schlachtfeld nunmehr rascher sortschreiten und sehr bald zu einer Entscheidung führen werden. Schon sind die großen Brummer, die bereits mehrere Forts in Trümmer gelegt haben, vor Verdun aufgcfahren. Ihr furchtbarer Donner, der an den Wänden der Vogesen sich bricht und die Wälder der Argonncn durchbcbt, wird wohl das Signal zum allgemeinen Angriff unserer durch große Zuzüge aus Belgien und Deutschland verstärkten Heere auf die Front der Feinde sein. Wie diese Völkerschlacht enden wird, darüber ist kaum ein Zweisel zulässig. Deutschland wird, weil einig, siegen. Rach Frankreich kommt England dran.
Wie aus dem westlichen, so geht cs auf dem östlichen Kriegsschauplätze vorwärts gegen den Feind. Die Oesterreicher haben ihre große Festung Przemysl, bis wohin die Russen vorgedrungen waren, glänzend verteidigt. Zugleich hat der siegreiche Vormarsch der von Hinoenburg geführten deutschen Armee die Vereinigung mit den Ocstcrrcichcrn hergcstellt und die Richtung auf Warschau genoncmcn. Tie Zahl der in den letzten Gefechten seit acht Tagen gemachten russischen Gefangenen beträgt bereits 15 000, die der Feldgeschütze 50 Stück. Acht russische Armeekorps wurden über die Weichsel zurückgeworscn. Die russischen Behörden in Warschau flüchteten. Hindenburg hält fein Wort: er werde bald die Russen aus Polen auskchren.
Dann wäre aber immer noch ei» Feind zu bekämpfen: England. Es hat den Krieg hcraufbeschworen, und so Gott will, wird ihm auch sein Lohn werden.
Der Tagesbericht.
sW. T. B.) Grosses Hauptquartier, 20. Oktober, vormittags. Amtlich.
Tic deutschen von Ostende längs der Küste vorgclicndcn Truppen stieben am -')><reabschnitt bei Nieuwpoort auf fcinö- kiche Kräfte und mit diesen stehen sic seit vorgestern im Gefecht.
Auch gestern wurden Angriffe Lcö Gegners westlich " illc unter starken Verlusten für den Angreifer abqcwiesen.
lle znrttckgeworfeti. — Fortschn; besetzen Valonn.
Ans dem östlichen Kriegsschauplatz 1 sich nichts wesentliches ereignet.
Fortschritte im Südofte-l.
Wirn, 20. Okt. (W. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 19. Oktober, mittags. In der Schlacht östlich Ctzyrow und Przcitthsl hat uns der gestrige Tag neuerdings giohc Erfolge gebracht. Besonders erbittert war der Kampf bei Mizyniec. Tie Höhe von Magicrow, die bisher in den Händen des Feindes war und unserem Vordringen bedeutende Schwierigkeiten bereitete, wurde nach mächtiger Artillerievorbereitung am Nachmittag von unfern Truppen genonunen. Nördlich von Misynicc kam unser Angriff bis auf Sturmdistanz au den Gegner heran und östlich Przcnchsl bis in die Höhe von Medyka. Am südlichen Schlachtflügel wurden die namentlich gegen die Höhen südwestlich Stary-Tambor gerichteten, auch nachts fortgesetzten Angriffe der Russen abgeschlagen. Im Stryj- und Swica-Tale sind unsere Truppen kämpfend in weiterem Vordringen begriffen. Auch am San wurde gestern an mehreren Punkten gekämpft. Ein nach Einbruch der Dunkelheit eingesetzter Angriff auf unsere bei Jaroslau auf das Ostufer des Flusses übcrgesetztcn Kräfte ist vollständig ge- scheitert. — In Rustifch-Polcn schlug die vereinigte deutsche und österreichisch-ungarischc Kavallerie einen großen feindlichen Kavalleriekörper, der westlich von Warschau vorzu- diingen versuchte, über Sochatschcw zurück.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, v. Hofer, Eenerelmajor.
Die Kämpfe im Norden.
Der Korrespondent des „Telegraaf", der aus Brüssel au die holländische Grenze gekommen ist, meldet, daß vorgestern an der belgischen Küste ein heftiges Gefecht statt- gefunden hat. Ungefähr 30,000 Deutsche besetzten die Küste zwischen Ostende und Nieuwpoort. Sie hatten Laufgräben angelegt längs der Dämme von Middelkcrke und Wcstende. Die englische Flotte nahm an diesem Kampfe mit ihren Schiffsgcschühen teil.
Englische Schisse vor Oftende.
Amsterdam. 20. Okt. (W. T. B. Nichtamtlich.) „Nie,,- ws van den Dag" meldet aus Slnis: In verschiedenen Orten des südwestlichen Scclandes ist starker Kanonendonner gehört worden. ES wurde behauptet, daß er von englischer Schiffen käme, die Ostende beschossen. Auch französische Meldungen bestätigen das Eingreifen englischer Schiffe.
Aus Plissingcn meldet das Blatt, in Brügge bewies die starke deutsche Besatzung ein ausgesprochenes Woh!- wollen gegen die Bevölkerung. Es herrsche dort völlige Ruhe. Tic Deutsche» erhielten bedeutende Verstärkungen.
Keine deutschen Verlnfte.
Berlin. 20. Okt. (W. B. Nichtamtlich). Wie wir vcrnch- r.icu, sind bei dem Untergang des englischen Unterseebootes aus ocuischcr Seile leine Verluste zu beklagen.
Gefangene.
Das „Nieuws van den Dag" meldet: In Blankenberghe befanden sich 3000 belgische Soldaten und 2000 Mann Bürgerwehr. als die Deutschen ankamen. Sie wurden überrascht und konnten nicht .'.ehr entfliehen.
Zur Kriegslage in Serbien.
Wien, 20. Olt. (Nichtamtlich). Amtlich wird vcrlaut- bar: Die serbische Presse verbreitet in den letzten Tagen eine Reihe von Sicgesnachrichten, die vielleicht im Bereiche ihrer Wunsche gelegen sind, die aber mit den tatsächlichen Verhältnissen in völligem Widerspruch sichen und aus nachstehendes reduziert werden müssen: 1) Der angebliche Sieg bei Wurjacica war durch das Hochwasser der Drina bedingt, nicht aber durch den serbischen Angriff und die erzwungene Räumung des überschwemmten Ilcinen Brückenkopfes, dem an und. sllr sich keine sonderliche Bedeutung zukam. Die Räumung vollzog sich in größler Ordnung, ja, sogar ohne Störung durch den Gegner. Die Angaben über zahlreiche Gefangene und so weiter sind daher vollkommen unzutressend. 2) Am Eucevc-Rllckcn spielen sich infolge der großen Nähe der dort besindlichcn Kampslinicn säst täglich Kämpfe ab, in denen bald die Serben, bald die eigenen Truppen die Angrcisenden ünd. Eine sonderliche Bedeu-
e in Galizien. — Die Italiener
tung kommt diesen Kämpfen nicht zu. Daher sind auch die scr. o sche i Nachrichten von großen Erfolgen am Guceoe Rücken Ea:slcllungcn der Talsachcn. Dagegen verschweigt aber der we.^-ce daß an demselben Tage, an welchem der „glänzende a>icg" am GuccvcRückcn errungen wurde, weiter südlich ein rccl ernsterer. durch Artillerie unterstützter serbischer Angrifs tkulig abgewicsen wurde. 3) Aus Romanje Planiua setzt die von den Serben angeblich geschlagene Division eben die Säccbc rnngsaltion fort. Teile derselben haben am 12. und 13. Oktober in bravourösen Kämpfen drei bis vier serbische Vataillone zersprengt und zahlreiche in den Wäldern uniherirrcndc Soldaten und Ofjiziere gefangen genommen. Dadurch ist die serbische Kricgsberichtcrstattung zur Genüge charakterisiert und bedarf keines weiteren Kommentarcs.
v. Pctiorcsk, Feldzeugmcistcr.
Das Tatcnscld van Przemysl.
Wien, 20. Okt. (W. B. Nichtamtlich). Der Berichterstatter der „Neichspost" schildert das Totenfeld vor Przemysl folgendermaßen: Es ist ungeheuer, wie viel tote Russen voi Przemysl gelassen worden sind. Ich sah dort Masscngräbc! von riesiger Ausdehnung. Trotzdcni liegen noch Tausende vor ungeborgencn »eichen aus den Feldern. Weithin ist Tod uni Vernichtung gesät, soweit wir sahen. Wir haoen geschanzt was wir konnte», aber für Tausende von Armen gäbe es do>2 noch Arbeit, um die breiten Spuren des tausendfachen Todes zi verwischen. Die Stürme der Russen waren schon vor den ersten Verhauen vor Przemysl zusammengebrochcn. Achtmal setzten si, neuerlich zum Angriffe an, aber achtmal erstarb der Sturm ii vernichtendem Feuer, das sic empfing. Auf dem Felde sander wir weithin im Umkreis Abzeichen des 127. russischen Infanterie Regiments, das zu Grunde gegangen ist. Uebercinstimmend melden die Berichterstatter, daß die Russen jeden Versuch de, Verleit/igcr, die russischen Leichen aus dem Festungsglacis zu begraben, durch heftiges Schrapncllfcuer verhinderten, augenscheinlich, um eine Verpestung der Luft hcrbeizuführen und den Aufenthalt in der Festung hierdurch unmöglich zu machen.
D°c Italiener besetzen Valona.
Rach der „Franlfurtcr Zeitung" gibt der „Messager»" ein Extrablatt aus, wonach V a l o n a durch eine Matroscnkom- pagnie des Kreuzers „Agordat" und des Torpcdobootszcrstörers „Dardc" besetzt wurde. Das Infanterie-Regiment 47 am Locce fei gleichfalls dorthin unterwegs. Die Regierung nib' zwar ein Dementi aus, doch höre ich aus bester Quelle, daß das Dementi nur kurze Zeit aufrecht erhallen wird, weil man bald vor einer vollendeten Tatsache stehen wird.
Oie Kämpfe m der ttanMilhen SjKirfjrllinit
werden anschaulich in folgendem Feldpostbrief geschildert, den wir der „Rordd. Allg. Zeitung" entnehmen:
„Vor Toul, 8. Oltober.
Zr- Hause wird man wohl die letzten 1 l Tage ungeduldig auf den weiteren raschen Vormarsch gewartet haben. Von mir aus kann ich wohl das litte ii abgeben, ohne unserer militari scheu Zensur zu ve-fallen, daß die Erenzfcstungcn Nancy unt Toul nicht nur durch die Kunst der französischen Ingenieure sonder» auch durch das Berg- und Waldgclände um sic herunganz jormidable Stützpunlte sind, die zu nehmen Schwierigkeiten bereitet. Anno 70 gad's kein bejestigtes Trouand und St. Nicolas bei Nancy, und die Eskadron von Kleist ritt damals mit echt -preußischem Husarenschneid ganz allein weit vor der Front unbehelligt in die Stadt und an Toul, das sich lange hielt, marschierte man vorbei. Diesmal iit's anders. Jeder Walcsireifsn und jede Bergkuppe eignet sich hier zur Verteidigung, Schritt für Schritt wird nachgcdrängt und tausend ehern» Schlünde senden Too und Verderbe» ins Vorgcländc und in dl» Forts, in drcietagrgen Schützengräben mit Draht- und Astver- hauen lauert die französische Infanterie, in Betonunterständct Übersicht sie den Granathagcl, und oerjenlbare PanzertürniSl die sch!- er zu saßen, antworten donnernd aus die dcutschcii Bomvrn. In echt französischer, hinterlistiger Weise Hai mal auch schon im Frieden die Beihilfe der nicht fechtenden Zivilöc- völlcru-'.g vorauslv dacht und in die Keller der »inliegenden Dörfer Telephone gelegt. von wo den Verteidigern die einge- grabenen Stellungen der deutschen Batterie» verraten werden Lichisiguale hatte o.'.an scheu oster beobachtet und dann verhindert. Bolcrihunde uit Halsbändern für Depeschen durch die 'Wälder flochten sehen, auch nächtliche Boten abgcschossen, Tan- bcnschlägc ausgchobcn und den Inhalt verzehrt, aber die unlcr- t'.dischcn Baueriücllsriclci'honc waren doch etwas Uebcrraschen- des. Die Besitzer, wenn sie nicht gie-.ci) verduftet waren, hatten ja ihr Leben verwirkt, aber auch r.v; mancher Kanonier war


