bestvrafen. Der Papst glaubt, daß der Friede durch Gebete zu Gott und durch Vermittlung der Jungfrau Maria zu erreichen sei und mäünscht, daß Jesus Christus von neuem der Welt; erscheinen möchte. Stellen wir den päpstlichen Erklärungen den Aufruf des Fürst⸗ bischofs von Krakau, Pring Sapieha, um Hilse für das polnische Volk gegenüber, woselbst 12 Millionen Menschen verarmt seien und man mit zusehen müsse, wie täglich Tausende von Kindern vor Kälte und Armut sterben müßten und Mütter vor Verzweiflung wahnsinnig würden, so offenbart sich ein schwerer Kontrast zwischen den verschiedenen Auffassungen von der göttlichen Gerechtigkeit. Kann man in Wahrheit noch annehmen, ein derartiges Unglück und Elend über diese Armen zu verhängen, könne die Absicht eines gerechten, allmächtigen, allweisen und allgütigen Gottes sein? All⸗ überall sehen wir also gegenwärtig die Vertreter der internationalen katholischen, Kirche mit ihrer christlichen Weltanschauung in un⸗ versöhnlichem Widerspruch. Auf der einen Seite läßt man für den Frieden beten und auf der anderen Seite wieder fordert man die Katholiken auf, den Gegner mit nur allen erdenklichen Mitteln der modernen Kriegstechnik zu vernichten. Die Spahnschen Erklärungen.
In jeder Reichstagssession, die wir seit Kriegsbeginn hatten, ereignete es sich, daß auf die Rede des sozialdmokrati⸗ schen Sprechers eine Erklärung der bürgerlichen Parteien folgte. Nebenbei bemerkt, kam sie meist vecht lückenhaft in die Presse, weil man stets Herrn Spahn mit ihrer Verlesung beauftragte, der so ziemlich für die Zuhörer sowohl im Saal, wie erst recht auf den Tribünen am schlechtesten zu versteher ist. Ganz abgesehen hiervon aber, war dieses Vorgehen auch deshalb eigenartig, weil ja unter den bürgerlichen Parteien doch immerhin auch im Kriege einige Unterschiede vorhanden sein dürften. Nachdem zuerst das Berl. Tagebl. ziemlich entschieden eine selbständige Meinungsäußerung des Libera⸗ lismus gefordert hatte, wendet sich nun auch der national liberale Vertreter von Leipzig, Dr. Junck, gegen denModus der gemeinsamen Erklärungen, wenn er auch wahrscheinlich mit ihnen aus ganz anderen Gründen unzufrieden ist, wie das linksliberale Berliner Blatt. Diesem gingen die Spahn⸗ schen Erklärungen— namentlich die letzte in der Friedens- debatte— in gewisser Richtung zu weit, während Herr Dr. Junck bedauert, daß diese gemeinsamen Erklärungen sich stets auf der mittleren Linie bewegten und infolgedessen etwas farblos seien.
Uns bedrückt die Sorge um die gemeinsamen Erklärun⸗ gen der anderen Parteien weniger. Selbstverständlich aber sind alle Parteien für diese Erklärungen verantwortlich, in deren Namen sie abgegeben werden.
Wie es drausisen ist.
In einem Feldpostbrief von der Ostfront, den die Kreuzzeitung veröffentlicht, lesen wir:„... Wir wundern uns alle über unsere illustrierten Zeitschriften, die in ihren Bildern statt des Ernstes der Zeit den„Humor im Felde“ so oft zu Worte kommen lassen. Diese Bilder von blödsinnigen Kapellen mit wüsten Radauinstru⸗ menten widern uns hier an der Front geradezu an, ich habe keinen anderen Ausdruck dafür. Es sind meist Schipperkolonnen, Bahn⸗ wachen, die in Sicherheit und Gemütlichkeit ihren Dienst tun und zu solchem Zeitvertreib greifen. Sie haben die freie Stunde und die Stimmung zu solchem„humoristischen“ Treiben. Beides fehlt uns völlig.... Die Zeiten sind schwer, wir draußen sind ernst, wenn auch ohne jede Bange. Möge dieser Ernst des Krieges sich auch mehr in unserer deutschen Presse und ihren Bildern aus⸗ prägen, damit unsere Kinder und Kindeskinder nicht glauben, daß dieses unendlich große schwere Ringen mit faden Hanswurstereien durchgekämpft wurde, während die Besten still in heldenhaft er⸗ strittenem Feindeslande ruhen oder zu lebenslangem Siechtum be⸗ stimmt sind.“
Die Stimmung in Italien.
T. U. Vern, 28. Dez. Aus Norditalien eingetroffene Reisende schildern die Verwirrung der Geister infolge der Schreckensherrschaft der Polizei und der Zensur als unglaub⸗ lich. Wenn auch die Blätter täglich das Gegenteil schreiben, jo sei die Kriegsunlust dochallgemein. Wäre der richtige Mann da, sagen die in sämtlichen Volksschichten be⸗ wanderten Gewährsleute, so würde Italien trotz des Londoner Vertrages Frieden schließen. Aber ein solcher Mann ist nirgends zu erspähen und von Giolitti darf man heute gar nicht mehr reden.
* Barfüßele. 9
Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach.
Der Bursche nickte und sagte:„Jawohl.“
Amrei nahm in Verlegenheit ihren linken Zopf in den Mund und sagte wieder nach einer Weile:
„Was man einmal gehabt hat, das kann man einem nicht mehr nehmen, und sei du auch, wer du bist, laß dich's nicht gereuen, du hast einem armen Mädchen für sein Leben lang ein Gutes geschenkt.“ 8
„Es reut mich nicht,“ sagte der Bursche,„aber dich hat's gereut, wie du mich heute morgen so abgetrumpft hast.“
„O ja, da hast du Gottes recht!“ sagte Amrei, und der Bursche fragte:
„Getraust du dir, mit mir ins Feld zu gehen?“
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„Und traust du mir?“
„Ja.
„Was werden aber die Deinigen dazu sagen?“
„Ich hab' mich vor niemand zu verantworten, als vor mir selber, ich bin ein Waisenkind.“
Hand in Hand verließen die beiden den Tanzsaal. Bar⸗ füßele hörte verschiedentlich hinter sich flüstern und pispern, und sie hielt die Augen auf den Boden geheftet. Sie hatte sich wohl doch zu viel zugetraut.
Draußen zwischen den Kornfeldern, wo eben kaum die ersten Aehren aufschossen und noch halb verhüllt in den Deck⸗ blättern lagen, da schauten die beiden einander stumm an. Sie redeten lange kein Wort, und der Bursche fragte zuerst wiederum halb für sich:
„Ich möchte nur wissen, woher es kommt, daß man einem Menschen beim ersten Anblick gleich, ich weiß nicht wie, gleich so... gleich so... vertraulich sein kann. Woher weiß man denn, was in dem Gesicht geschrieben steht?“
„Da haben wir eine arme Seele erlöst,“ rief Amrei, „denn du weißt ja, wenn zwei in derselben Minute das gleiche denken, erlösen sie eine arme Seele, und just auf das Wort hin hab' ich dasselbe, was du sagst, bei mir gedacht.“
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Worten die Zunahme der geheimen Friedens⸗ propaganda. Das Hetzblatt erklärt, es sei töricht, wenn
Görz genommen haben. Diese Leute würden nicht einmal morgen zufrieden sein, wenn wir Triest haben. Wo sind denn die großen Eroberungen unserer Verbündeten? Salandra sandte an die Präfekturen ein Rundschreiben, in dem er sie aufforderte, strenge Maßnahmen zur Unterdrückung der Drückebergerei zu treffen.
Lord Kitchener Vizekönig von Indien?
Wie laut Vossischer Zeitung der Secolo aus London meldet, sei Lord Kitchener zum Vizekönig von Indien auser⸗ sehen. Die Vossische Zeitung schreibt dazu: Geht Kitchener wirklich nach Indien, dann wäre diese Tatsache an sich für uns nur hocherfreulich, denn sie zeigt nicht nur, wie sehr die englische Herrschaft dort schon zu wanken begonnen hat, son⸗ dern auch die offenbare Angst der Engländer vor einem An⸗ griff von außen her auf ihr indisches Reich.
Die Lage in Aegypten.
In einem in der Stampa veröffentlichten Brief aus Kairo wird bestätigt, daß die Lage an der ägyptischen West⸗ grenze bedrohlich sei, da der Groß⸗Senusse sich offenbar jetzt gegen Aegypten kehre. Allein bei Sollum seien 8000 mo⸗ hammedanische Krieger konzentriert. Wie es an anderen Punkten der ägyptischen Grenze stände, sei nicht bekannt.
Beschlagnahme holländischer Post durch die Engländer.
T. U. Amsterdam, 28. Dez. Holländische Blätter melden, der holländische Dampfer, der gestern aus Amerika in Rotterdam er⸗ wartet wurde, wurde am Donnerstag in Falmouth angehalten und 600 seiner gefüllten Postsäcke wurden von den Engländern be⸗ schlagnahmt.
Dem gestern in Rotterdam eingelaufenen Dampfer„Christian Michelsen“ wurden ebenfalls 40 Postsäcke von den Engländern ab⸗ genommen. f
Mißzstände im französischen Trausportwesen. Bern, 27. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Mißstände im Transportwesen Frankreichs schildert das Journal unter dem Titel„Vor einer drohenden Katastrophe“: Die Krise ist schärfer als jemals. Wir stehen am Vorabend schrecklicher Katastrophen, nämlich der Schließung von Tausenden von Handelshäusern aus Mangel an Transportmitteln, die Hunderttausenden Arbeit und Unterhalt gaben. Der Kriegs⸗ minister muß unverzüglich allen Bezirkskommandanten den Befehl geben, die gesamten Arbeitsmannschaften sofort zur Verfügung des Bahnhofsvorstehers zu stellen, um die Bahn⸗ höfe frei zu machen, wobei Gefangene, Depotmannschaften und zum Hilfsdienst kurz jeder Entbehrliche brauchbar sei. Das muß sofort geschehen, sonst verlieren wir die größte Schlacht des Krieges, die Schlacht gegen uns selbst.
Montenegros Friedenssehnsucht. Budapest, 28. Dez. Az Est berichtet aus Sofia, in Mon⸗ tenegro sei in letzter Zeit der Friedenswunsch sichtbarer in Erscheinung getreten. Man will nicht das Los Serbiens teilen, will aber, wenn es gelingen sollte, Frieden zu schließen den Friedensschluß auch auf Serbien auszudehnen. Der Vierverband sucht diese Friedensgerüchte zu zerstreuen.
Deutsches Theater in Lille.
Ueber die Eröffnung des deutschen Theaters in Lille wird dem Berliner Lokalanzeiger geschrieben: In Lille ist der noch nicht ganz beendete Neubau des französischen Theaters durch unsere Truppen sertig gestellt worden und am ersten Weihnachtsfejertage wurde das Theater mit der Aufführung von Goethes„Iphigenie“ eröffnet Eine große Anzahl von Generalen war im ersten Rang sichtbar, unter ihnen ihr Oberbefehlshaber Kronprinz Rupprecht von Bayern. Es war das Deutsche Theater in Hannover, welches mit seinen beiden Direktoren und einem Teil des Personals zum Gast⸗ spiel gekommen war.
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„So? und weißt du nun, warum?“ d
„Id.
„Willst du mir's sagen?“
„Warum nicht? Schau', ich bin Ganshirtin gewesen.“
Bei diesen Worten zuckte der Bursche wieder zusammen, aber er tat, als ob ihm was ins Auge geflogen wäre, und rieb sich die Augen, und Barfüßele fuhr unverzagt fort:
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„Schau', wenn man so allein draußen sitzt und liegt im Feld, da sinnt man über Hunderterlei nach, und da kommen einem wunderliche Gedanken, und da hab' ich ganz deutlich gesehen:— gib nur acht darauf, und du wirst es auch finden — jeder Fruchtbaum sieht, wenn man ihn so überhaupt und im ganzen betrachtet, just aus wie die Frucht, die er trägt. Schau' den Apfelbaum an, sieht er nicht aus, so ins Breite gelegt, so mit Schrundenschnitten wie ein Apfel selber. Und so der Birnenbaum und so der Kirschenbaum. Sieh' sie nur einmal darauf an! schau', was der Kirschenbaum einen lan⸗ gen Stiel hat, wie die Kirsche selber. Und so mein' ich uch
„Ja, was meinst du?“
„Lach' mich nicht aus. Wie die Fruchtbäume aussehen wie die Früchte, die sie tragen, so wäre es auch bei den Men⸗ schen, und man sieht es ihnen gleich an. Aber freilich, die Bäume haben ihr ehrlich Gesicht, und die Menschen können sich verstellen. Aber gelt, ich schwätz' dummes Zeug?“
„Nein, du hast nicht umsonst die Gänse gehütet,“ sagte der Bursche in seltsam gemischter Empfindung,„mit dir läßt sich gut reden. Ich möchte dir gern einen Kuß geben, wenn ich mich nicht einer Sünde fürchten tät'.“
Barfüßele zitterte am ganzen Leibe; sie bückte sich, um eine Blume zu brechen, ließ aber wieder ab. Es entstand eine lange Pause, und der Bursche fuhr fort:
„Wir sehen uns wohl niemals wieder, besser so.“
Hand in Sand gingen die beiden wiederum zurück in den Tanzsaal. Und nun tanzten sie noch einmal, ohne ein Wort zu reden, und als der Tanz zu Ende war, führte sie der Bursche wiederum an den Tisch und sprach: Jetzt sag' ich
drum ist's
Ein Leitartikel des Popolo d'Italia geißelt in scharfen!
viele Leute sich beschweren, daß die Italiener nicht einmal] d
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1 5 Partei⸗Nachrichten. N aager Friedenskonferenz“. Aus dem Bureau orstandes wird uns geschrieben: In der Presse ö erlei Mitteilungen gemacht über eine im Haag abgehaltene sozialistische Friedenskonferenz. Richtig ist an diesen Mitteilungen nur, daß die Genossen Ebert und Schei⸗ demann als Vertreter des Parteivorstandes am 22. Dezem⸗ ber im Haag mit den holländischen Mitgliedern des Exeku⸗ tiv⸗Komitees des Internationalen Sozialistischen Bureaus eine informatorische Aussprache gehabt haben.
Aus den Organisationen.
Der Sozialdemokratische Verein der Stadt Braunschwelg beschäftigte sich in seiner letzten gut besuchten Mitgliederversamm⸗ lung am Mittwoch abend mit der politischen Lage, über die Genosse Dr. Thalheimer einen stark beifällig genommenen Vor⸗ trag hielt. Gegen nur eine Stimme wurde die folgende Resolution angenommen: 25 l
„Die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Braunschweig begrüßt die Zimmerwalder b und erklärt sich bereit, ihre Beschlüsse zu unter⸗ stützen. 9
Sie erwartet von der Minderheit der Sozialdemokratischen
Reichstagsfraktson, daß sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit selbständig und aktiv im Sinne der internationalen Beschlüsse fürn insbespndere, daß sie gegen die neue Kreditvorlage
immt.“ a 5
Der Abgeordnete des Kreises, Genosse Blos, soll durch den Vorstand des Ortsvereins aufgefordert werden, in einer der näch⸗ sten Mitgliedervefsammlungen über seine eigene Stellungnahme zur politischen Laze Bericht zu erstatten. i
Die deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten Oesterreichs gaben in einer mehrtägigen Konferenz zu Wien Rechenschaft lber ihre Tätigkeit während des Krieges. Wir nehmen hier zunächst Notiz davon, was Genosse Viktor Adler über die endliche Herbeiführung des Friedens ausführte: Was alle Völker unter dem Kriege leiden, unter welchen Opfern das Unerträgliche getragen wird, das wissen wir und das haben uns die Berichte aus allen Gegenden des Reiches wieder mit brennender Deutlichkeit vor⸗ geführt. Die nächsten Einberufungen der älteren Jahrgänge wer⸗ den die Opfer J fühlbarer machen. Dazu kommt, daß alle Menschen immer klarer fehen, daß das Werk der Verteidigung ge⸗ schehen ist und der Krieg nur fortdauert, weil man nicht vermag, zu Verhandlungen zu gelangen. Die Fraktion hat es darum für ihre selbstverständliche Pflicht erachtet, in wiederholten eindring⸗
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lichen Vorstellungen der Regierung vor Augen zu führen, daß die arbeitenden Massen, auf denen die Last der Kriegsopfer am schwersten liegt, mit täglich sich steigernder Lebhaftigkeit den
Frieden herbeisehnen. Wir haben auch unermüdlich die Versuche erneuert, die durch den Krieg gelockerten und ab⸗ gerissenen Verbindungen der Internationanle wieder anzuknüpfen, und wir glauben hossen zu können, daß sich auch in jenen Ländern, wo es am schwersten war, die pfychologischen Bedingungen dazu
allmählich bessern. Da wir Oesterreicher nicht sprechen 9 haben in unserem Ramen unsere deutschen Genossen im deutschen Reichstag durch den ind des Genossen Scheidemann unseren Friedenswillen zum Ausdruck gebracht,
und wir danken ihhen dafür. N 1 känner und Frauen, bereitwillig alle Pflichten auf sich genommem, die ihnen die Verteidigung des Landes auferlegte, die Opfer getragen, die die Notwendigkeiten des Krieges heischten und heischen. Aber sie schließen sich nun dem millionen⸗ stimmign Chor an, der iu allen Ländern, in allen Sprachen laut und feierlich für das Ende des Furchtbaren, für den Frieden 1
ertönt. u Debatte, die sich an das Referat knüpft,
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In einer vielstündig wird den von Adler entwickelten Gesichtspunkten zugestimmt. Schließ⸗ lich wird ein Antrag angenom der Sozialdemokratie Deutschlands den Dank ür auszusprechen, daß iht Sprecher, Genosse Scheidemann, den Friedenswillen des öster⸗ reichischen Proletariats der Tribüne des Deutschen Reichstages zum Ausdruck gebracht hat, sowie die Hoffnung auszusprechen, daß es gelingen möge, diesen Friedenswillen aller leidenden Völker in immer stärker wirksamer und überzeugender Weise zur Geltung zu bringen. In einem kurzen Schlußwort faßt Adler den Eindruck der Konferenz in die rte zusammen: Die sozialdemokratischen Abgeordneten suchen auch ohne Parlament nach Kräften ihre Pflicht als Volksvertreter und Vertrauensmänner der Arbeiterklasse zu tun, im größten wie im kleinen und kleinsten. Wir sind erfüllt von der ganzen furchtbaren Tragik der Gegenwart, aber wir sehen in die Zukunft ungebrochenen Mutes und sind gewillt, unbeugsam den Weg zu gehen, den uns unsere sozialistische Ueberzeugung weist.
dir Lebewohl! Aber verschnaufe nur, und dann trink' noch einmal.“.
Er reichte ihr das Glas, und als sie absetzte, sagte er:
„Du mußt austrinken mir zulieb', ganz bis auf den Grund.“
Amrei trank fort und fort, und als sie endlich das leere Glas in der Hand hate und sich umschaute, war der fremde Bursche verschwunden. Sie ging hinab vor das Haus, und da sah sie ihn noch, nicht weit entfernt, auf seinem Schim⸗ mel davonreiten; aber er wendete sich nicht mehr um.
Die Nebel zogen wie Schleierwolken auf dem Wiesental dahin, die Sonne war schon hinab. Barfüßele sagte fast laut vor sich hin: ö
„Ich wollt', es sollte gar nicht wieder morgen werden, immer heut, immer heut!“ und sie stand in Träumen ver⸗ sunken. ö
Die Nacht kan rasch herbei. Der Mond wie eine dünne Sichel stand schon auf den dunklen Bergen und nicht weit von ihm, Haldenbrunn zu, der Abendstern.— Ein Berner⸗ wägelchen nach dem andern fuhr wiederum davon. Bar⸗ füßele hielt sich zum Gefährte ihres Meisters, das eben auch angespannt wurde. Da kam Rosel und sagte ihrem Bruder, daß sie den Burschen und Mädchen aus dem Dorfe ver⸗ sprochen habe, heute gemeinsam mit ihnen heimzugehen, und es verstand sich nun von selbst, daß der Bauer nicht allein mit der Magd fuhr. Das Bernerwägelchen rasselte heim.
Die Rosel mußte Barfüßele gesehen haben, aber sie tat, als ob sie nicht da wäre, und Barfüßele ging noch einmal hinaus, den Weg, den der fremde Reiter dahingeritten war. Wohin ist er nur geritten? Wie viel hundert Dörfer und Weiler liegen hier, nach diesem Wege hinaus, wer kann sagen wo er sich hingewendet? Barfüßele fand die Stelle, wo 0
sie heute früh zum erstenmal begrüßt; sie wiederholte laut Anrede und Antwort vor sich hin. Sie saß noch einmal dort hinter der Hafelhecke, wo sie heute morgen geschlafen und ge⸗ träumt. Eine Goldammer saß auf einer schlanken Spi und ihre sechs Töne lauteten gerade: Was tust denn du noch da? Was tust denn du noch da?
GGortsebuns folgt)


