Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und umgebung
— Ausere Parteipresse leidet unter dem nun bald an⸗ derthalbjährigem Kriegszustand ganz erheblich. Viele Tau⸗ jende ihrer Leser sind zum Heere eingezogen und ihr dadurch verloren gegangen. Trotz der ungünstigen, Umstände miissen unsere Genossen nach Möglichkeit dafür sorgen, daß die Lücken ausgefüllt werden. Das ist sehr wohl möglich, da immer noch viele Arbeiter zu Hause, die das Parteiblatt noch nicht halten und als Leser gewonnen werden können. Ist auch gegen⸗ värtig durch die Zensurverhältnisse die freie Aussprache be⸗ hindert, darf auch manches nicht gesagt werden, was die Ar⸗ beiterschaft öffentlich ausgesprochen wissen möchte, so müssen wir doch stets die Stärkung unserer Presse im Auge behalten, die das richtigste und wirksamste Mittel für die Verbreitung unserer Grundsätze und für Wahrung der Interessen der arbeitenden und minderbemittelten Bevölkerung. Suche des⸗ halb jeder in seinen Bekannten⸗ und Kollegenkreisen neue Leser für die Oberhessische Volkszeitung zu gewinnen!
— Die Weihnachtsfeiertage gehören nun auch der Ver⸗— gangenheit an. Von den vielbesungenen„fröhlichen Weih⸗ nachten“ war diesmal nichts zu bemerken, für sehr viele Menschen wird das Fest im Gegenteil ein sehr trübseliges gewesen sein, trübselig, wie das Wetter war. Höchstens wer⸗ den die Zeitgenossen ein fröhliches Fest gefeiert haben, welche die jetzigen Verhältnisse dazu benutzen, ihre Mitmenschen auszuwuchern und reichliche Profite einzuheimsen. Und deren sind es gar nicht wenige. Sie sind es, die mit zu⸗ friedenem Schmunzeln auf den Verlauf des Jahres blicken und Tausende auf Tausende häufen können, während die große Masse der arbeitenden Bevölkerung noch nicht mal in der Lage war, sich eine festtägliche Mahlzeit zu leisten. Sicher gab es in vielen Familien kein Stückchen Feiertagskuchen! Letzteres war zum Teil dadurch verschuldet, daß es den Bäckereien untersagt war, den in Privathaushalten zu⸗ bereiteten Kuchenteig auszubacken. Wenigstens hätte das Verbot früher bekannt 1 werden müssen, damit sich die Leute darauf einrichten konnten, denn wer das ganze Jahr arbeiten und dabei ohnehin entbehren muß, dem ist wahr⸗ haftig ein Stückchen Kuchen an den Feiertagen zu gönnen! Freilich— wohlhabende Leute werden sich zu helfen gewußt und weiter keine Beschränkungen auferlegt haben, wer aber in seinem eigenen Herd nichts backen konnte, für den gabs eben keinen Feiertagskuchen!— Auch sonst verliefen die Feiertage sehr ruhig, die Straßen waren ziemlich leer, was ja zum Teil durch das regnerische Wetter veranlaßt war. Aber auch die Wirtschaften waren nur schwach besetzt, obwohl die Feierabendstunde für beide Feiertage auf 1 Uhr festgesetzt wurde.
— Unaufhötlicher Regen. Ein Weihnachtswetter 0 diesmal, das sich„gewaschen“ hatte. Seit vier Tagen fast un⸗ unterbrochenen Regen, der besonders am Freitag abend und auch am 1. Feiertage in Strömen herniederging. Dadurch hat es wieder Hochwasser gegeben: die Wieseck wälzt ganz gewaltige Wassermassen herein und das Wehr am Clektrizitätswerk ist von der hochgehenden Lahn ganz ausgeglichen. Zwischen Gießen und Wetzlar hat die Lahn die Wiesen auf weite Strecken überschwemmt und ganze Seen breiten sich aus. Die Anhänger des Schlittschuh⸗ und des Rodelsports brauchen deshalb aber noch nicht zu verzagen, der Winter kann noch mehr Frost bringen als uns lieb ist.
— Für Eier wurden an den letzten Markttagen Preise ver⸗ langt, die wirklich an das Unmögliche grenzen. 28, ja sogar 30 Pfg. forderte man für ein Stück! Eine derartige Ausbeutung der Konsumenten sollte von den Behörden unbedingt verboten werden, zumal es sicher ist, daß die„Produktionskosten“ gar nicht oder nur so gering gestiegen sind, daß sie gar nicht ins Gewicht fallen können. — Vor den Feiertagen wurde beobachtet, daß in den Butterläden ziemlich viel Butter von auswärtigen Leuten, namentlich Eisen⸗ bahnern gekauft wurde, die sie mit nach Köln und Westfalen nahmen. Das könnte uus ja zlemlich gleichgiltig sein und wir sind gewiß die letzten, die anderen keine Butter gönnten. Aber die Stadt und der Kommunalverband haben sich alle Mühe gegeben, um der Bevölkerung Gießens und des Kreises Butter zu verschaffen und wenn diese jetzt in Mengen nach außerhalb„entführt“ wird, so ist unsere Bevölkerung eben benachteiligt. Die Ausfuhr aus Hessen ist zwar verboten, aber wie man sieht, damit noch nicht verhindert.
un. Bellachini⸗Gastspiel. Im Saale des Café Leib gab am J. Weihnachtsfeiertag der auch in Gießen rühmlichst bekannte Hof⸗ künstler Bellachini aus Marburg bei gut besetztem Hause die erste Zauber-Vorstellung und bereitete damit dem allen Darbiet⸗ ungen aufmerksam folgenden Publikum einige genußreiche Stun- den. Obgleich es seitens der Besucher unangenehm empfunden wurde, daß während der Vorstellung kein Restauragtionsbetrieb stattfinden durfte und dem Künstler auch andere Beschränkungen, wie Musikverbot usw. auserlegt worden waren, verstand es Bellachini doch ausgezeichnet, durch erstklassige Darbietungen int
seinen prächtigen Humor das Publikum in eine recht rosige Stim⸗ mung zu versetzen. Bellachini ist und bleibt einfach der unerreich— bare, Meister der Handeskamotage, an den Künstler wie Bosco, Melini und Heimbürger, die wir zu sehen Gelegenheit hatten, nicht Un entserntesten heranreichen. Sch 00 die elegante Bühnen— dekoration und prachtvoll in Reusilber g rbeiteten Apparate lassen leinen Zweifel über die Solidität und Vornehmheit des Unter⸗ nehmens aufkommen. Und Vellachinis Leistungen? Die lassen sich einfach nicht beschreiben. Man muß selbst hingehen und sehen, mit
hatten wir
meisten seiner Programmnummiern steht man vor einem Nätsel, über das man auch mit Hilse der von Bellachini gegebenen„Er⸗ er nicht hinwegkommt. Und während der ganzen Dauer seiner Vorstellung versteht Bellachini so angenehm und humorvoll zu plaudern und das Publikum so trefflich zu unterhalten, daß man, wollend oder nichtwollend, für kurze Zeit all die drückenden Sorgen dieser ernsten Zeit vergißt. Und deshalb können wir den Besuch der Vorstellungen, die heute sowie am 1. und 2. Januar statt⸗ finden, auf das beste empfehlen. Niemand, der dazu in der Lage ist, sollte versäumen, sich Bellachinis Darbietungen anzusehen. Daß er dabei auf seine Kosten kommt, ja, daß seine Erwartungen über⸗ troffen werden, dafür bürgt der gute Ruf dieses hessischen Künstlers. 15
a 125 Von Nah und Fern.
Kriegskrantheiten. Der 33 Jahre alte Landwehrmann, Fabrik⸗ aubeiter Hirsch aus Polenz, der seit der letzten Champagneschlacht an Nervenzerrüttung litt, erhängte sich auf der Fahrt von Zittau in Sachsen im Eisenbahnwagen.
Sarah Bernhardt, die berühmte französische Schauspieleyin, soll nach Meldung eines englischen Blattes im Sterben liegen. Die Künstlerin ift jetzt über 71 Jahre alt.
Verzweiflungstat ciner Mutter. In der Marienburger Straße in Berlin wurde am Donnerstag die Z4jährige Maurersfrau Johanna Gagern und ihre beiden im Alter von zwei und acht Jahren stehenden Töchter tot in ihren Betten liegend aufgefunden. Die Mutter hatte, wie festgestellt wurde, die Gashähne geöffnet und sich mit ihren Kindern durch Gas ums Leben gebracht. Die Veran⸗ laffung zu der Tat, die schon vor einigen Tagen geschehen sein muß, ist in einem Ehezwist zu suchen. C
Augtelerictedtz rosen Sutptgnriert
Der Hartmanns weilerkopf restlos zurück⸗ gewonnen. Sonst nichts Neues! W. B. Großes Hauptquartier, 24. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Das feindliche Artillerieseuer war stellenweise lebhaft, besonders in den Vogesen. 5 ö
Ein nächtlicher Handgranatenangriff gegen unsere Höhenstellung nordöstlich von Souain wurde leicht abge⸗ wiesen.
Die Stellung auf dem Hartmanusbweilerkopf ist restlos
zurückgewonnen, auch aus den Grabenstücken auf dem Nord⸗
hange des Berges sind die Franzosen vertrieben.
Oestlicher und Balkankriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse! Oberste Heeresleitung. *
Pe Wet
Nichts Neues von Bedeutung. W. B. Großes Hauptquartier, 25. Dez, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Westlich von La Bassec wurden die feindlichen gegen unsere Stellung vorgetriebenen Minenanlagen durch eine erfolgreiche Sprengung unserer Truppen zerstört. Sonst hat sich nichts von Bedeutung ereignet. et Oestlicher Kriegsschau platz. An verschiedenen Stellen der Front fanden Pakroufllen⸗ gefechte statt. Russische Aufklärungsabteilungen, die an unsere Linie heranzukommen versuchten, wurden abgewiesen. Balkankriegsschauplatz. 4 Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.
W. B. Großes Hauptquartier, 26. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplas Bei andauerndem Regenwetter war die Gefechts⸗ tätigkeit auf dem größten Teil der Front nur gering, lebhafter in Gegend nördlich von Albert, an einzelnen Stellen der Champagne und in den Vogesen nördlich von Senn⸗ heim. Oestlicher Kriegsschauplatz. Deutsche Patronillenunternehmungen in Gegend von Dünaburg waren erfolgreich. Stärkere russische Er⸗ kundungsabteilungen wurden nordwestlich von Czar⸗ torysk und bei Berestia ny(südöstlich von Kolkt) ab⸗ gewiesen. Balkankriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung.
** 1* E Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Abgewiesene russische Angriffe. Wien, 25. Doz.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 25. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Aungreifende Russen, die sich nach den gestern abgeschlagenen Angriffsversuchen östlich von Rarancze nahe vor unseren Stel⸗ lungen eingegraben hatten, wurden nachts überfallen und ver⸗ trieben; zwei Maschinengewehre blieben in unserer Hand. Sonst
mente aus seinem unerschöpflichen Repertoir vorführt. Bei den
orstoß italienischen 0 0 1 1 allen ruhig. 2 8 Süd a Nichts Neues.. 1 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: 5 v. Höfer, Feldmarschalleutnant. 0 26
Wien, 26. Dez. 26. Dezember 9 Russischer Kriegsschauplatz. 5 Im Sumpfg⸗ der Polesie wurden an mehreren Stellen starke seindliche Auftlärungsabteilungen zurückgeworfen. Sonst nichts Neues.
Stalienischer Ariegsschuvla, Aunäherungsversuche gegen den Sästeil der Hochfläche vor Doberdo wurden leicht abgewiesen. i l Südüftlicher Kriegsschauplatz. l Die Lage ist unverändert. a 3 Der Stellvertreter des Chefs des Geueralstabs: 8 v. Höfer, Feldmarichalleutuant. N 8 Wan Gris loud und Bulgarien. London, 24. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich) Daily Chronicle erfährt qus Athen vom 22. d. M.: Die griechische Regierung hat neuerdings einen Protest gegen die Neber⸗ schreitung der grieshischen Grenze durch die Bulgaren ver⸗
(E. T. B.) Amtlich wird verlautbari:,
faßt. Sie tat es, um dadurch ihre Unparteilichkeit zu be⸗ weisen. Andererseißs hat die griechische Regierung von den
Mittelmächten entsprechende Versicherungen erhalten, daß 5 das besetzte Gebiet nach der Einstellung der Feindseligkeiten unvermindert zurückgegeben werden wird. Kämpfe an der bessarabischen Font. Czernowitz, 25. Dez. Auf den bewaldeten Grenzhöhen uuter⸗ nahmen die Russen gestern nach Mitternacht einen äußerst, Angriff. Mehrere starke Kolonnen schlichen sich im Schu Dunkelheit bis zu den Drahtverhauen heran und versuchten diese durchzuschneiden. Es entspann sich ein sehr heftiger Kampf. Die Russen trieben, nachdem ihre ersten Linien aufger neue Kolonnen vor, die ebenfalls vernichtet morgens wiederholte der Feind seine Vorstöße, aber e Vor unseren Drahtverhauen liegen zahlreiche Russenleichen. größere Zahl Gefangen Generalstäbler.
1 8 Kämpfe mit Arabeun. Ueber den Arabgraufstand an der ägy 10 en Grenze erfährt das Journal, daß die Engländer 800 um an der Bucht gleichen Namens, 500 Kilometer westlich von Kairo, vor einigen Tagen nach sehr ernsten Kämpfen räumen mußten. Außer der Küstenbewachung habe in Sollum eine kleine Infanterie⸗ garnison unter dem Befehl eines englischen Offiziers gestanden. Zwei Kilometer von Sollum habe sich ein großes Araberlager be⸗ funden, von wo der Angriff gegen die englische Garnison aus gangen sei. Bereits am 15. Dezember seien Kämpfe bei Ma gemeldet worden. Arabische Streitkräfte, die von Gaafra⸗ zaß befehligt wären, hätten uit 1200 Gewehren, Kanonen und Ma⸗ schinengewehren bei Matrüh die englischen Truppen, die unter denn Befehl des Generals Gordon standen, heftig angegriffen. wohl dieser Angriff zurüßgeworfen worden sei, hätten sich Eugländer nachts in ihr Lager zurückziehen müssen.
VBereins kalender. 3
Donnerftag, 30. Dozen ber. Gießen. Gewerkschastskartell. Abends 9 Uhr 2
im Gewerkschaftshause. Die Vorstände der Gewerkschaften woll sich dazu einfinden. 1 N r Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. e
935 Verlag von Krumm& Cie., 1„ Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M.
I AKufsee Leib.
VOI
fälllaader ge
Dir.: Hermann Steingoetter⸗
Montag, 27. Dezember 115, Abends 7½ Uhr:
ie Seiige Deen
Lustspiel in 3 Akten von Rudolf Presber und Leo Walter Stein.
Mittwoch, den 29. Dezember, abends 8 uhr.
.Dienstags-Abonn.⸗Vorstellung
Armut.
Ein Trauerspiel in 5 Akten von Anton Wildgans.
Ende gegen 10½ Uhr.
Gewöhnliche Preise(ermäßigt).
Soldaten vom Feldwebel abwär
welcher Eleganz und Sicherheit er sesöst die schwierigsten Experi⸗
keine besonderen Ereignisse.
Sperrsitz nur h
zahlen bei allen At Halbe 0 Ende 10½¼ Uhr. Kleine Preise. 12 e salbe Pre
frbnalen de Aövdd
und allen Preislagen empfiehlt
igen Frontabse strige Tag
wurden. Bis 6 Ihr
olg. wurden gemacht, darunter 1 e
geute den 27. Dezember, abends 8 Uhr
Hof künstler Bellachini.
auch für Wiederverkäufer
ies Niem der 6 eht. e len de chen tei fed re im
Fünf 0 f
5
Eine


