Die Teuerung in Frankreich.
Alle Untersuchungen und Klagen der französischen Presse kommen zum selben Ergebnis. Auf der Front und im In— nern sind die Lebensmittel empfindlich gestiegen, vor allem in den letzten drei Monaten. Generale, Präfekten, Intendanten kämpften und kämpfen noch nach bestem Vermögen dagegen an. Sie richten nichts aus. Es ist Zeit zum Handeln, höchste
Zeit. Die gegenwärtige Lage ist unerträglich, warnt Herriot, der Bürgermeister von Lyon, im Journal vom 2. Dezember.
Hütet Euch, ruft die Humanité vom 1. Dezember, mit dem Sinken des Thermometers steigen die Kohlenpreise. Seit fünf Wochen soll ein Gesetz beraten werden und die Kohlen— preise steigen immerfort. Wer sträubt sich dagegen? Ist es nötig, dies zu wissen, damit die Unzufriedenheit des Volkes nicht irre gehe, damit sie laste auf denen, die keine Voraus⸗ sicht hatten, noch schwerer auf denen, die sich in der Stunde der Not den Maßnahmen der Rettung und Gerechtigkeit widersetzten. Wie mit der Kohle, so geht es mit dem Fleisch, dem Zucker, mit allen notwendigen Lebensmitteln. Debats und Temps kämpfen gegen den zur Beratung stehenden Gesetz— entwurf der Preisfestsetzung und Enteignung. Diese Zei— tungen kennen nur eine Politik, die des Gehenlassens. Man sieht, wohin uns diese Politik des Erdrosselns und Verhun— gernlassens führt. Zu einer sehr geschwächten Produktion, zu einem Wirrwarr spekulativer Einfuhr, zu einer Qual für die meisten, zu einer ungeheuren Verlegenheit des Landes. Man hüte sich mit dieser Politik. Das Volk von Frankreich, das schwer leidet, das schwerer noch leiden wird, wenn man nicht ein Ende macht, wird eines Tages die Unholde am öffentlichen Wohl zur Rechenschaft ziehen. Wir sind im Kriege, und die Stunde ist gekommen, da Frankreich allen seinen Feinden die Stirn bieten wird, wo immer es sie findet, offen oder versteckt. Die„Heldin“ von Loos.
Im französischen Journal offiziell liest man einen Tages— befehl der Armee, wonach die siebzehnjährige Emilienne Moreau in Loos am 25. September 1915 nach der Be— setzung des Ortes durch die englischen Truppen nicht gezögert hat,„ihr Haus zu verlassen und mit dem Revolver in der Hand und mit Hilfe einiger englischer Sani ⸗ tätssoldaten 2 deutsche Soldaten außer Gefecht zu setzen die hinter einem benachbarten Hause versteckt auf den Posten schossen.“ Petit Parisien erzählt ferner in Nr. 14262 unter Beifügung des Bildes der Moreau:„Fräulein Moreau hat mit eigener Hand fünf deutsche Soldaten getötet, drei mit Handgranaten, die beiden anderen mit dem Ordo— nanzrevolver eines englischen Offiziers“. Das illustrierte
Blatt Le Miroir zeigt die„Heldin“ mit einem Orden ge—
schmückt und berichtet ebenfalls von der Tötung der fünf deut⸗ schen Soldaten. Es kann von den Verherrlichern der Miß Cavell nicht wundernehmen, daß sie auch diese siebzehn— jährige Mörderin zur Heldin stempeln, doch dürften die ver— nünftigen Neutralen dem Berner Tageblatt bei⸗ pflichten, wenn es schreibt:„Ebenso begreiflich ist es, wenn von deutscher Seite gegen diese Art der Teilnahme von Zivil— personen Einsprache erhoben wird und solche irreguläre Kämpfer, wenn sie in die Hände der deutschen Truppen fallen, unerbittlich erschossen werden. Die Teilnahme englischer Sa⸗
nitäter an der Ermordung der deutschen Soldaten ist eben⸗
falls ein dunkler Punkt. Offenbar haben die deutschen Kämpfer das Mädchen, weil es sich ihnen neben Sanitäts⸗ mannschaften nahte, fürn ungefährlich angesehen und mußten ihren guten Glauben mit dem Leben bezahlen. Solche Dinge sind wirklich Barbarei und unserer modernen Kriegführung un würdig. Anders können Neutrale nicht urteilen.“ Hinrichtung von Frauen.
Das Wolffsche Bureau meldet: In England haben Regierung
und Oeffentlichkeit den Fall Cavell zum Anlaß genommen, zum
soundsovleltenmal das Vorhandensein einer deutschen Schreckens— herrschaft in Belgien zu behaupten, die sogar an Frauen kriegs⸗
zerichtliche Todesurteile vollstrecken lasse. Daß die Franzosen. E ͤ.
im Laufe des Krieges Frauenerschossen haben, wurde bereits festgestellt. Ob unter den in England nachweislich Gehenkten auch Frauen waren, bleibt noch abzuwarten. Tatsache aber ist, daß in dem gleichen Belgien, das unter der deutschen Schreckens⸗ herrschaft lelden soll, vor der Okkupation nach den gleichen Grund⸗ sätzen gehandelt wurde, die für die deutsche Justiz im Falle Cavell maßgebend waren. Am 18. August 1914, zwölf Tage vor der Ein⸗ setzung des deutschen Generalgouvernements, ist in Löwen die verchelschte Julia van Wauterghem, geboren in Brüssel am 26. Jänner 1872, wegen Kriegsverrats standrechtlich er⸗ schossen worden, mit ihr zwei andere Belgier. Das Urteil wurde in der Nacht nach der Fällung vollstreckt. Der Anschlag dieses Ur⸗ teils ist der Stadt Antwerpen in einem Briefe befohlen worden, der neben anderen auch die Unterschrift des belgischen Kriegs⸗ ministers trägt und jetzt unter den damals unbestellt gebliebenen Postsachen aufgefunden wurde. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung veröffentlicht heute das Faksimile dieses Briefes.
Aufehenerregende Verhaf ung.
Aus Holland wird der Frankf. Ztg. berichtet:
Die Verhaftung des Hauptredakteurs des Amsterdamer Hetzblattes Telegraaf, des von deutschen Eltern abstammen— den Schröder, erregt großes Aufsehen, da es wohl zum ersten Male geschehen ist, daß in Amsterdam ein Jour⸗ nalist wegen politischer Vergehen in Haft genommen worden ist. Die Verhaftung geschah wegen eines Artikels vom 27. November, in dem es heißt:
Wir werden nicht aufhören, eine Regierung und eine mitschuldige Presse zu bekämpfen, die unter dem Deckmantel einer würdigen Neutralität mit Hilfe einer unverantwortlichen Ausfuhrpolitik, Deutschland mit den wichtigsten Lebensmitteln versehen hilft und die es damit Deutschland möglich macht, den Kampf durchzuführen und Verrat nicht nur am eigenen Vaterlande, sondern an der Sache der Menschheit übt, die durch eine kräftige und moralisch hochstehende Regierung in ganz anderer Weise befördert werden könnte.
Gleich nach dem Erscheinen dieses Artikels hat der Tele— graaf den Namen seines Hauptredakteurs als verantwort- lichen Leiter des Blattes durch den seines Verlegers Holdert ersetzt, und heute veröffentlicht Holdert eine Erklä⸗ rung, daß er die Politik des Blattes in jeder Beziehung fort⸗ jetzt und daß er sich selbst für durchaus vierverbandsfreund- lich erklärt. Es ist dies derselbe Holdert, der vor einiger Zeit in London in einer Weise, die man kaum anders als Landes— verrat bezeichnen kann, die Engländer darauf aufmerksam machte, in welcher Weise in Holland nach Deutschland ge— schmuggelt werde, wobei er mehr oder minder versteckt die niederländische Regierung verantwortlich erscheinen ließ.
Holdert, der sich auf diese Weise rücksichtslos in die Dienste des Vierverbandes und sein Blatt, Salondir de Lohman in der Zweiten Kammer ausführte, ge⸗ wissermaßen in die Dienste Englands stellt, vertritt einen Journalismus, der bis zum Auftreten des Telegraaf in Hol— land unbekannt geblieben ist, nämlich den der rücksichts- losen Geschäftsmacherei. Er hat den Spork⸗ redakteur des Telegraaf, Schröder, zum Hauptredakteur gemacht, und dieser führte in dem Blatte einen halb lustigen, halb schnodderigen Ton ein und suchte in jeder Weise den Massen zu schmeicheln. Als zu Beginn des Krieges eine deutschfeindliche Stimmung in Holland auftrat, hat der Telegraaf sofort erkannt, daß hiermit ein Geschäft zu machen sei, und er hat auf Grund dieser deutschfeindlichen Stimmung selbst seine Haltung sensatfionell⸗deutsch⸗ feindlich bestimmt und damit ausgezeichnete Geschäfte ge— macht. In letzter Zeit hat er seine Sensationslust stets zu überbieten versucht und auch dem natürlichen Neide und Hasse gegenüber denjenigen Rechnung getragen, von denen man sagt, daß sie durch den Krieg Gewinne erzielt haben, also den Lieferanten nach Deutschland. Auch hiermit wieder sucht der Telegraaf den niedrigen Instinkten des Volkes zu schmeicheln. In weiten Kreisen wurde es offen ausgesprochen, daß der Telegraaf auf die eine oder andere Weise sich an England verkauft habe. Ein durchschlagender Beweis für diese Be— hauptung hat jedoch bisher nicht erbracht werden können.
Die Offensive gegen Montenegro.
Dem Berl. Tagebl. wird aus dem K. und K. Kriegspresse— quartier gemeldet: Die Operationen gegen die durch einzelne rr.
Gruppen verstärkten Montenegriner nehmen einen Fortgang. Südlich von Pl.vlje wurden die bis 1 hohen Gebirge des Weges Plevlje-Kalustoe gestern vort von unseren Truppen erstürmt. Die von Sjenioa
Baelopolje vorrückenden Kolonnen warfen südwestlich von Tresujevioa, auf der Grenzlinie zwisechn Neuserbien 1190 Montenegro, montenegrinische Truppen zurück. Im Raun südlich Novipazar, zwzischen Mitrovitza und Ipek, wur
elt
gestern 2400 Serben gefangen genommen. a 90 Sorgen des Vierverbandes. 5
Paris, 6. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) In einer 70
tik der diplomatischen Lage sagt der Temps, es sei die feste 1
Ueberzeugung der französischen Regierung., daß die Aufgabe 1 dh Mazedoniens einen Fehler darstellen würde, und weist darauf daz hin, daß zur Zeit französische politische Persönlichkeiten bez As dem alliierten Großbritannien dieser Ueberzeugung Aus-. den druck zu geben und Geltung zu verschaffen am Werke seien.
Es handle sich in der Tat darum, die Engländer zu verpflich⸗ ten, Verstärkungen zu entsenden, die eine Wendung in der reif Lage hervorrufen könnten, welche durch Unschlüssigkeit und in
Verschleppung allzusehr verschlimmert worden sei. 25 1 Numänische Waren in Saloniki. m T. U. Zürich, 6. Dez. Wie mitgeteilt wird, lagern in Saloniki 1
große Mengen Waren für rumänische Rechnung, die nicht mehr an ihre Adressaten gelangen können. Wie von nachbeteiligter Seste daß mitgeteilt wird, befinden sich unter den Waren 100 vom rumänischen
Staat gekaufte Automobilie schweizerischen Fabrikats, für welche no die rumänische Regierung ausdrücklich den Weg über Marsei I Saloniki statt über Oesterreich vorgeschrieben hat. 0 Englische Antwort auf die dentsche 10 Friedens interpellation. 10
Es scheinen in England Berichte über die Interpellation, 5
die die deutschen Sozizaldemokraten im Reichstage einbri Ber gen, vorzuliegen. Verschiedene Londoner Zeitungen ha und daraufhin Leitartikel gebracht, in denen sie erklären, daß N England unter keiner Bedingung zu irgend welch 1
vorzeitigen Friedensunter handlungen ber
Barfüßele. 1
Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach.
„Warum ist er denn falsch?“ fragte Amrei, und Tränen schossen ihr in die Augen.
„Das ist ein abschätziger Vögeles-Groschen, der ist nur anderthalb Kreuzer wert.“
„Er hat mir eben nur anderthalb Kreuzer schenken wollen,“ sagte Amrei streng. Und hier zum erstenmale zeigte sich ein innerer Widerspruch Amreis mit der schwarzen Marann. Diese freute sich fast über jede Boshaftigkeit, die sie von den Menschen hörte, Amrei dagegen legte gern alles zum Guten aus, sie war immer glücklich, und so sehr sie sich auch in der Einsamkeit in Tränen verlor, sie erwartete doch in der Tat nichts; sie war überrascht von allem, was sie be— kam, und war stets dankbar dafür.
„Er hat mir nur anderthalb Kreuzer schenken wollen, nicht mehr, und das ist genug, und ich bin zufrieden.“ Das sagte sie noch oft trotzig vor sich hin, während sie einsam ihre Suppe aß, als spräche sie noch mit der Marann, die gar nicht in der Stube war und unterdes ihre Ziege molk.
Noch in der Nacht nähte sich Amrei zwei Flicken zusam— men und den Groschen dazwischen, hing das wie ein Amulett um den Hals und verbarg es an der Brust. Es war, als ob der geprägte Vogel auf der Münze allerlei auf der Brust, darauf er ruhte, weckte; denn voll inerer Lust sang und summte Amrei allerlei Lieder, tagelang vom Morgen bis zum Abend, und dabei dachte sie immer wieder hinaus zu dem Landfriedbauer; sie kannte jetzt den Bauer und die Bäuerin und hatte von beiden ein Andenken, und es war ihr immer, als ließe man sie nur noch eine Weile da, dann kommt wieder das Bernerwägelein mit den zwei Schimmeln, drin sitzen die Bauersleute und holen sie ab und sagen: Du bist unser Kind; denn gewiß erzählt jetzt der Bauer daheim von dem Begeg— nis mit ihr.
Mit seltsamen Blicken starrte sie oft in den Herbsthimmel er war so hell, so wolkenrein; und auß der Erde, da sind die
Wiesen noch so grün, und der Hanf liegt zum Dörren darauf gebreitet wie ein feines Netz; die Zeitlosen schauen dazwischen auf; und die Raben fliegen darüber hin, und ihr schwarzes Gefieder glitzert hell im Sonnenglanz; kein Luftzug weht, die Kühe weiden auf den Stoppeläckern, Peitschenknallen und Singen tönt von allen Aeckern, und der schauert still in sich zusammen und schüttelt die Blätter ab. Der Herbst ist da.
So oft Amrei jetzt abends heimkehrte, schwarze Marann fragend an, sie meinte, sagen, daß der Landfriedbauer geschickt habe, um sie abzu⸗ holen, und mit schwerem Herzen trieb sie die Gänse auf die Stoppelfelder, die so entfernt waren vom Wege, und immer wieder lenkte de nach dem Holderwasen.
Aber schon standen die Hecken blätterlos, zwitscherten kaum mehr in schwerem, niederem Fluge, und noch immer kam keine Nachricht, und Amrei hatte ein tiefes Bangen vor dem Winter, als wie vor einem Kerker. Sie tröstete sich nur mit dem Lohne, den sie jetzt erhielt, und der war allerdings reichlich. Keine ihrer Untergebenen war ge— fallen, ja nicht einmal eine flügellahm schwarze Marann verkaufte nicht nur die Federn, die Amrei gesammelt, zu gutem Preise, sondern wies auch Amrei an, daß sie sich nicht nach altem Brauche neben dem allgemeinen Geldlohn ein Stück Kirchweihkuchen geben lasse für jede ein— zelne Gans, die sie gehütet hatte; sie ließ sich vielmehr den Kuchen in Brot verwandeln, und so hatten sie fast den ganzen Winter vollauf Brot, freilich oft sehr altbackenes, aber Amrei hatte, wie die schwarze Marann sagte, lauter gesunde Maus— zähne, mit denen sie alles knuppern konnte.
Als man im Dorfe nichts als Dreschen hörte, sagte Amrei einmal:„Den ganzen Sommer lang hört das Korn in der Aehre nichts als Lerchensang, und jetzt schlagen ihm die Men— schen mit dem Dreschflegel auf den Kopf; das klingt ganz anders.“
„In dir steckt eben ein alter Einsiedel,“ lautete wiederum der Endreim der schwarzen Marann.
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sei. Das Daily Chronicle sagt, daß das deutsche Volk, als 1
dessen Wortführer die Sozialisten aufträten, des Kriege 1
äußerst müde sei. Auch sähen die Energischesten unter 10
den Ratgebern des Kaisers zweifellos ein, daß Deutschland 9
. nun auf dem Höhepunkt seiner militärischen Erfolge angeko. den
wie Ikhr.] men sei und durch einen Frieden, der in diesem Winter le. 0
schlossen würde, wahrscheinlich günstigere Bedingungen als 10
durch einen späteren Frieden erhalten könnte. 5 155
Die Forischrittliche Volkspartei und die 1
Friedensziele. 20
Der Zentral-Ausschuß der Jo rtschrittlich 91
Volkspartei hat folgende Resolution beschlossen: 8 dei
Der Zentralausschuß blickt mit Stolz und Dankbarkeit auf alt
die großen Erfolge, welche Deutschland und seine Bundes 900
gehchsen fi Welkkriege errungen haben, und gibt im Be.
wußtsein der Kraft, Opferwilligkeit und Unermüdlichkeit des 901
deutschen Volkes und Heeres dem sesten Vertrauen Ausdruck, da߄N
es in Bälde gelingen werde, der Welt den Frieden zu bringen, ge
den ste ersehnk. Er verwahrt sich gegen den anmaßenden An⸗ ih
spruch selner Feinde, daß trotz ihrer Niederlagen auf allen 9
Kriegsschauplätzen sie uns die Bedingungen dieses Friedens vor⸗ w
schreiben wollen. Er ist überzeugt, daß diese Bedingungen b il
Deutschen Reiche nicht etwa, wie unsere Gegner heute noch tr E
men, bestenfalls Wiederherstellung des Zustandes vor dem Krif 91
vielmehr dauernden Schutz gegen fremde Angri/ be
und bleibende Mehrung seiner Macht, se 00
Wohlstandes und, so weit immer seine Sicherheit es geboten 15
scheinen läßt, auch seines Gebietes bringen werde. 2
Der Zentralausschuß glaubt, daß im Zusammenhang m 9
dem Abschluß des Frsedens auch das Verhältnis zwischen dem
Deukschen Reiche und der österreichisch⸗ungart⸗ 8
schen Monarch se im Sinne weitgehender und bleibender 10 Annäherung der beiden Reiche auf politischem, milstärl⸗
schem Gebiete geregelt und damit die Möglichkeit eines 1 9
schlusses der Balkanländer und des türkischen fe
Reiches an die beiden Zentralmächte geschaffen werden so l
Sr eee 9
8 4 5 2 l
Die Eigenbrödlerin. br
Eine Frau, die ein einsam abgeschiedenes Leben führt, 5
sich ihr Brot ganz allein bäckt, nennt man eine Eigenbröd⸗ 9
lerin, und eine solche hat in der Regel auch noch allerlei 90
sonderheiten. ö. 6
Holzbirnbaum Niemand hatte mehr Recht und mehr Neigung, ei 0
Eigenbrödlerin zu sein, als die schwarze Marann, obgle 9
sie nie etwas zu braten hatte als Habermus und Kartoffeln, 1
schaute sie die] und Kartoffeln und Habermus waren ihre einzigen Speisen. 9
diese müsse ihr] Sie lebte immer abgesondert in sich hinein und verkehtte
nicht gern mit den Menschen.. e
Nur gegen den Herbst war sie stets voll hastiger Unruhe, 1
sie plauderte um diese Zeit viel vor sich hin und redete auch 1
die Menschen von freien Stücken an, besonders Fremde die 0
die Lerchen] durch das Dorf gingen; den sie erkundigte sich, ob die Mau: 0
rer von da und dort schon zur Winterrast heimgekehrt seien ö
und ob sie nichts von ihrem Johannes berichtet hätten..
Wenn sie die Leinwand, die sie den Sommer üder ge.
bleicht hatte, noch einmal kochte und auswusch und dabei die 1
ganze Nacht aufblieb, murmelte sie stets vor sich hin. 5
geworden. Die f
da hieß es:„Das ist für dich und das ist für mich“; sie sprah
nämlich täglich zwölf Vaterunser für ihren Johannes, aber in
der Waschnacht da wurden sie zu unzähligen. 5 Und wenn der erste Schnee fiel, war sie immer besonders heiter. Jetzt gibt's keine Arbeit mehr draußen, jetzt kommt er gewiß heim. Sie sprach dann oft mit einer weißen Henne im Gitter und sagte ihr, daß sie sterben müsse, wenn Johannes käme.. So trieb sie's nun schon viele Jahre, und die Leute im Dorfe ließen nicht ab, ihr vorzuhalten, daß es närrisch sei, immer an die Heimkehr des Johannes zu denken, aher sie ließ sich nicht bekehren und wurde den Menschen unhe mlie 1 In diesem Herbste wurden es nun achtzehn Jahre, A
8 verstand nichts davon, nur der Zwischenruf war deutlich, denn
dem der Johannes davongegangen war, und sedes Jahr wurde Johann Michael Winkler als verschollen ausgeschrieben in der Zeitung bis zu seinem fünfzigsten Jahre. Er
jetzt gerade im sechsunddreißjasten.
(Fortsetzung folgt.)


