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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes
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Nr. 287
Gießen, Dienstag, den 7. Dezember 1915
10. Jahrgang
der Kampf um die Lebensmitteltenerung.
Die Verhandlungen in der Budgetkommission gaben mit aller Deutlichkeit erkennen lassen, daß das Reichsamt des Innern bei der Festsetzung von Höchstpreisen mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, die in der Oeffentlichkeit nicht genügend bekannt
jeworden sind und auch garnicht bekannt werden konnten, weil über
ie Verhandlungen des Bundesrats Berichte nicht röffentli verden. So viel steht aber fest, daß der hanpifncgste Wider. tand vom preußischen Landwirtschaftsministerium geleistet worden st. Zwar hat der Staatssekretär des Innern, Herr Delbrück, das nicht offen zum Ausdruck gebracht, wiewohl er mehrmals direkt da⸗ nach gefragt worden ist: er hat es aber auch nicht bestritten, sich zielmehr immer darauf beschränkt, zu versichern, daß alle In⸗ kanzen nur ihre Schuldigkeit getan haben. Eine Auslassung der ächsischen Regierung im Gesetzgebungsausschuß der Zweiten Kam⸗ mer läßt gleichfalls erkennen, daß große Schwierigkeiten zu über⸗
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sowohl im Bundesrat als auch beim Reichskanzler für gehende Maßnahmen gewirkt habe; einer ihrer Erfolge sei es, daß die Getreidehöchstpreise schließlich auf der alten Höhe belassen wurden. Daraus geht deutlich hervor, daß in der Tat Bestreb⸗
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ungen an der Arbeit gewesen sind, die Getreidepreise noch weiter in die Höhe zu treiben. Man wird nicht bestreiten können, daß a darin eine ganz einseitige agrarische Interessenvertretung erblickt über werden muß, und es darf wohl angenommen werden. daß auch auf eten anderen Gebieten die Höchstpreise wesentlich niedriger festgesetzt ber, worden wären, wenn eben nicht ganz bestimmte, sehr einflußreiche cb. Stellen es immer wieder verstehen würden, ihre Wünsche durchzu- N. egen. 5 ö de Die Lebensmittelfrage vor dem Haushalts 1.5 Ausschuß des Reichstags. der(Sitzung vom 4. Dezember.) pile ö Abg. Colshorn(Welfe) bespricht die schlechten Erfahrungen, an] die mit dem Einkauf in Rumänien gemacht worden sind. Den Teil Optimismus vermöge er nicht zu teilen, der in manchen Reden zum ige Ausdruck kam. Die Futterversorgung gibt zu Bedenken Anlaß. eilig ö Die Statistik bietet nicht selten ein schiefes Bild. Der Vorwurf, daß die Landwirte ihre Vorräte zurückhalten, ist in dieser Verallge⸗ imd; en nicht zutreffend. Die Verordnungen des Bundes rats Ne- serdienen scharfe Kritik.
Abg. Gothein(Fortschr. Volksp.) fordert Erhöhung der Brotrationen, ganz besonders für die Bergarbeiter. Die Statistik beruht auf derart schwankenden. Unterlagen, daß sie fast absolut wertlos ist. Das tatsächliche Ernteresultat wird erheb⸗ lich höher sein, als jetzt angenommen wird. Die Einfuhr aus dem Balkan kann gefördert werden, wenn es gelingt, die Leistungsfähig⸗ leit des„Eisernen Tores“ zu heben, eine Schwierigkeit, die über⸗ wunden werden kann. Die ungarischen Bahnen können ebenfalls recht rasch leistungsfähiger gemacht werden. Für die Zufuhr von N Futtermitteln ist das sogar von ausschlaggebender Bedeutung. Die Hebung unseres Schweinebestandes ist von ungeheurer Wichtigkeit. rbeitet haben, eine zen⸗ cher mehr geleistet. Der
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Der Bundesrat mag mitunter rasch geg tralistische Verwaltung hätte si
f große Mangel ist, daß stets umfassende Vorverhandlungen mit 4 Preußen gepflogen werden müssen. Kein Zweifel, die Widerstände
sind im preußischen Landwirtschaftsministerium zu suchen, das viel — sach bestrebt ist, die Entscheidung hinaus zuziehen. Es it — nicht nötig, jede Vorlage erst an die preußischen Instangen zu l geben.(Graf Westarp: Preußen muß überhaupt eee ö werden!) Nein, das verlangt niemand, aber die pveu ßischen
Widerstände müssen beseitigt werden. Redner 1 * die Regelung der Kartoffelversorgung. Auch hier ist A ö zögerung auf das preußische Landwirtschaftsministerium zurü 595 2 jühren. Die Kartoffelnot ist groß. Um die Butter⸗ 19 0 125 2 karten wird man nicht herumkommen, dagegen erf heint eine
von Beispielen zeigt
kaufsgesellschaft für
der Waren berechnen ließ.
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Preisen Vene g⸗ 9
Fleischkarte nicht zweckmäßig. An der Hand Redner, daß sich die Zentralein Bermittlung 50 Prozent des Wertes d Erst auf dringende Vorstellung ist dieser Sa Bel der Beschlagnahme ist diese Gesellschaft inn losesten Weise vorgegangen. Die zu niedrigen 1190 nohmten Waren sind dann teuer weiterverkauft manisiert hätte wäre besser gefahren, wenn man den Großhandel e e 95 Zetzt haben die Städte das ganze Risiko zu tragenen 1 1 ziehungen zur Zentraleinkaufsgesellschaft hat, der w 0 710. Abgabe von Waren bevorzugt. ber gauge 1 1 9 ist umständlich und teuer. Dadurch wird eine eee nige vergnügen erzeugt. Warum geht es denn mit ee 0 J Größfirmen vegelten den ganzen Verkehr Zur 191 1 He e heit. Ein Fehler ist es, daß unbedingt notwendigen Bet viel Arbeitskräfte weggenommen werden. 1
Staatssekretär Helfferich legt Verwahru n wenn verfucht wird, die preußischen 4 asch genug erse machen dafür, daß manche Verordnungen nicht rasch gehn worden sind. a
Ein Vertreter der Regierung ve der Zeutraleinkaufsgesellschaft, die die zuführen will. Mit den Gemeinden a fahrungen gemacht: dagegen sind die Versu bedienen, sehlgeschlagen. 5 5 Abg. v. Ga m p(freikons,) teilt die Die Ausdehnung der Brotration darf niche
schoren werden. Wir haben sovtel Brot
licher Teil davon verfüttert werden kaun.
1 1 sein, sich auf Schätzungen stützt, mag sie unenaseite
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verteidigt das Ge Gewinne der, habe man che, sich
Alle die besten E des Handels zu Ansichten des Abg. G. icht mehr länger hin treide,
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zählung können aber kaum große Ungenan überraschend ve sein. Unsere Schweinebestände haben iich dau en Gr
Lebensmittel soll
zerteilung der 8 mehrt. Bei der Verteilung d haben wir dei
hanbel nicht ausschalten. Wozu
des Reichstags
winden waren. Die sächsische Regierung hat nämlich erklärt, daß sie weit⸗
daß ein erheb⸗ Soweit die Sbatistik bei der Vieh⸗ n zu verzeichnen
Landwirtschaftsministerium, wenn es nicht die Intevessen der Landwirtschaft vertritt. Jedenfalls kann die Ernährung des deut⸗ schen Volkes als gesichert gelten. Die einzige Kalamität liegt in dem Mangel an Fett. Diesen Mangel zu beheben, hat die preußische Regierung den richtigen Weg eingeschlagen. Der größte Uebelstand ist aber, daß weite Kreise des Volkes die Preise für Lebensmittel nicht erschwingen können. Hier muß die Hilfe einsetzen, indem das Reich den Gemeinden Mittel zur Verfügung stellt, damit die Lebens⸗ mittel billig abgegeben werden können.
Abg. Dr. Wendorff(Fortschr.) wendet sich gegen die agrarische Presse, die durch völlig unberechtigte Klagen Unzufrieden⸗ heit in das Volk getragen hat. Das Verlangen nach noch höheren Preisen ist völlig ungerechtfertigt. Die heutigen Preise sind sehr hoch; von einer Gefährdung der Landwirtschaft kann gar keine Rede sein. Mit der gegenteiligen Behauptung ermuntert man das Ausland zum Aushalten gegen uns. Bei Roggen ist der Preis um 40 Proz., bei Hafer und Gerste um 93 Proz. gegenüber den letzten zehn Friedensjahren gestiegen. Aehnlich steht es mit einer ganzen Reihe anderer landwirtschaftlicher Produkte. Butter ist um 100 Prog. gestiegen. Der Butterpreis kann ohne jede Gefährdung der Landwirtschaft erheblich herabgesetzt werden. Der (Landwirtschaft geht es gegenwärtig sehr gut. Die Preise für Mastschweine haben sich seit Jahresfrist verdoppelt. Trotzdem haben einige Landwirte die Schweinemästerei eingestellt. Das ist umso bedauerlicher, als die Deckung des Fettbedarfes eine zwingende Notwendigkeit ist. Bei der Verteilung der Futtermittel steht fest, daß Landwirte, die gute Beziehungen haben, die Futter⸗ mittel waggonweise erhielten, andere Landwirte, so auch der Redner selbst, haben nichts erhalten. Die Regelung der Kar⸗ toffelversorgung ist ungenügend, weil das preußische Land⸗ wirtschaftsministerium hindernd eingriff.
Abg. Dr. Böhme(Natl.) beklagt die mißliche Lage der klein⸗ bürgerlichen Besitzer, die im Falde stahen, während der Betrieb. durch Frau und Kinder aufrecht erhalten werden muß. Dieser Um⸗
stand und die teilweise verfehlten Verordnungen der Regierung haben viel Bitterkeit erzeugt. Die Maßnahmen zur Versorgung mit Kartoffeln waren verspätet und verfehlt. Die agrarischen Führer haben mit ihrem Auftreten der Landwirtschaft einen schlechten Dienst erwiesen. Für fette Schweine sollte ein etwas
höherer Preis bewilligt werden. Wenn im vorigen Jahre die Pro⸗ fessoren falsche Schlüsse gezogen haben, dann trifft die Schuld nur die unzutreffende Statistik, die man ihnen unterbreitet hat. Das preußische Landwirtschaftsministerium ist mindestens mitschuldig daran, wenn die Versorgung des Volkes mit landpirtschaftlichen Produkten in nicht genügendem Maße ermöglicht wurde. Dort sehlt es ganz offenkundig an sozialem Verständnis.
Abg. Dr. Roesicke(Bund der Landwirte): Daß der Enthu⸗ siasmus der ersten Kriegszeit heute nicht, besteht, ist richtig und be⸗ greiflich. Das ist aber nicht zurückzuführen auf einen wirtschaft⸗ lichen Notstand. Das Brot ist nicht teurer als in Friedenszeiten, die Kartoffeln sind sogar billiger(1), im allgemeinen stehen die Preise unter den Friedenspreisen(!) Der Nährwert von Kar⸗ toffelbrot ist derselbe wie von Roggen⸗ oder Weizenbrot. In Eng⸗ land ist das Brot viel teurer. Die Preise für Rinder sind gegen⸗ über den Produktionskosten nicht genügend gestiegen! Nur das Schweinefleisch ist etwas teurer geworden. Die Fasanen z. B. sind in Frankreich viel teurer. Man hat in Deutsch⸗ land nicht den geringsten Anlaß über besondere Teuerung zu klagen. Die Sozialdemokraten scheinen in der Beurteilung dieser Dinge nicht einig zu sein. Sind denn nicht aber auch alle anderen Artikel teurer geworden? Welch enorme Profite haben die Lederfabriken gemacht! Darüber hat man eigentlich wenig Klagen gehört, nur der Landwirtschaft hat man alle mögliche Schuld beigemessen. Die Kritik ist nicht unterbunden worden: die sozialdemokratische Kritik ist der beste Beweis dafür. Die Mißstimmung im Volke ist nur durch die verhetzende Wirksamkeit der Presse hervorgerufen worden. An der mangelhaften Versorgung mit Kartoffeln trägt die Land⸗ wirtschaft keine Schuld: diese liegt vielmehr in der mangelhaften Organisation. Die Kommunen waren außerdem viel zu wählerisch in der Auswahl der Kartoffeln. Die Butterproduktion ist zurück⸗ gegangen, aber wir haben pro Kopf der Bevölkerung trotzdem mehr Butter als wie im Jahre 1872. Der Landwirtschaft diktiert man die Preise, ohne zu bedenken, wie eine Verbitterung der ländlichen Be⸗ völkerung wirken muß. Die Regierung war bei Erlaß ihrer Ver⸗ ordnungen offenbar nicht auch von landwirtschaftlichen Sachver⸗ ständigen beraten. Unter den Landwirten gibt es leider viele, die nicht entsprechend rechnen können und die dann ein ganz schiefes Bild von den Verhältnissen in der Landwirtschaft aufkommen lassen. Demgegenüber ist alwer ein glänzender Beurteiler der Ver⸗ hältuisse. Die Vermögenssubstanz in der Landwirtschaft geht un⸗ streitig zurück. vung ist der Vorwurf zu machen, daß sie es nicht verstanden hat, die Interessen der Konsumenten mit denen der Produzenten in Einklang zu bringen. Die Landwirte wollen nicht h Einnah In sich zu bereichern, sondern nur, um die aft zu heben. Redner schloß mit einem begeisterten
Der Regie
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0 on preußischen Ländwirtschaftsminister, dessen Bestreb⸗ un nicht geußoend berücksichtigt wurden. „kretär Helfferich behandelt die Anträge der
vom Reich die Mittel verlangen, die eine billige mitteln ermöglichen. ie finanzielle Leistungs⸗ N s ist aber begrenzt. weimal ist bereits ein 0 Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden, (iche Schäden zu mildern. Das Reich noch mehr zu icht gut möglich. Der Redner macht zum Beweis dafür he vertraulicher Mitteilungen. Zwischen die beiden Mühl⸗ leine Nraduktion und Kon sum darf das Reich nicht kommen. Die Unterslützung der Landwirtschaft mit Futtermitteln ist eigent⸗ lich nur eine Trausportfrage. Die Preise in Rumänien sind durch Spekulanten in die Jetzt sind die Preise iedriger, freilich immer noch al⸗Ei gesellschaft wird es sein, die Wünsche der Landwirtschaft mög⸗ zu erfüllen. Zuschüsse zum Bezug von Futtermitteln zu Sache der Einzelstaaten. Zu bestreiten ist jedenfalls nicht, im feindlichen Ausland
7 1 N die
getrieben worden. hoch genug.
lichst leisten,
ist n daß die Kosten der Lebenshaltung
Sache der Zentral⸗Ein⸗
Die Vierverbandstruppen vor der Umzingelung.
mehr verteuert haben, als bei uns. Man müßte die Be⸗ völkerung darüber aufklären, daß in Deutschland alles geschieht, was geschehen kann, um einen Notstand nicht aufkommen zu lassem Die Beratung wird Montag fortgesetzt. ö ** * Die neueste Griechennote der Entente.
Athen, 5. Dez. Die mit Spannung erwartete neueste Note der Entente hat allgemein einen guten Eindruck gemacht wegen des versöhnlichen und freundlichen Tones, der der bis⸗ herigen Neutralität Griechenlands Gerechtigkeit widerfahren läßt und sie fernerhin anerkennt und wegen des Wohlwollens, das die Mächte Griechenland gegenüber betonen. Die En⸗ tente verlangt aber bestimmte Erklärungen über die Sicher⸗ heit und Aktionsfreiheit ihrer Truppen in Mazedonien, jedoch ohne Unterzeichnung eines besonderen Protokolls, sie ver⸗ sprechen auch die spätere Rückgabe des für die Operationen benutzten Gebiets und Leistung eines Schadenersatzes. Nach Eingang der griechischen Antwort über die Annahme der For⸗ derungen der Entente wird die sofortige Aufhebung der Blockade zugesagt. Die Verständigung über verschiedene mi⸗ litärische Fragen, die von den Perbündeten als unerläßlich erachtet werden, sollen dann beginnen. Die Antwort Griechen⸗ lands wird vielleicht schon heute den Abgesandten zugehen.
Griechenland und Bulgarien.
Konstantinopel, 5. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Zu den von der französischen und italienischen Presse veröffentlichten Nach⸗ richten, daß zwi iechenland und Bulgarien ein Ueberein⸗ kommen bestehe, sagt Tasvi⸗i⸗Efkiar: Gleichviel, ob ein solches Uebereinkommen besteht oder nicht, für uns ist es unwahrscheinlich, daß bei der Neugestaltung der Balkankarte die Interessen Griechen⸗ lands nicht berücksichtigt werden. Der einzige Grund des Mißver⸗ ständnisses zwischen der Türkei und Griechenland war die veni⸗ selistische Politik. Nachdem dieser Grund beseitigt ist, könnte, falls an die Stelle der Phantasie die Vernunft tritt, die Freundschaft zwischen der Türkei und Griechenland, mehr noch eine Freundschaft zwischen Griechenland und Bulgarien hergestellt werden. Insbesondere ein Freundschaft zwischen der Türkei und Griechenland ist es, die Jtalien die größten Besorgnisse einflößen könnte, da sie dem italienischen Ehrgeiz den schwersten Schlag versetzen würde.
Die gefährliche Lage der Ententetruppen.
Einer Depesche des Petit Parisien aus Salonik zufolge werde dort infolge der Einnahme von Monastir die Lage des Expeditionskorps als gefährlich angesehen. Dieses habe, da es immer noch schwach und durch den harten Winter an einer Offensive behindert sei, einen mächtigen Druck des deutsch⸗österreichisch-bulgarischen Heeres auszuhalten. Petit Journal meldet, daß die österreichischen Armeekorps in Nisch versammelt sein. Türkische Streitkräfte befin⸗ den sich in Dedeagatsch, starke bulgarische Truppen in Porto Lagos zur Abwehr einer Landung in Kawalla.
Ein neutrales Urteil.
Die Neuen Zürcher Nachrichten schreiben: Bei der Besetzung von Monastir haben Deutschland und Oesterreich-Ungarn der Entente ihre Visitenkarte auch für Griechenland abgegeben, wenn es sie nach einer dauernden Besitzergreifung Salonikis gelüsten sollte. Der Weltkrieg hat wunderbare Wendungen im Gefolge. Wer hätte es bei seinem Ausbruch gedacht, daß im Verlaufe desselben deutsche Regimenter an der griechischen Grenze Aufstellung nehmen würden und in wenigen Wochen vielleicht unter dem Jubel der Be⸗ völkerung in Athen einziehen werden, in Athen und Konstantinopel. Man hat da nicht blos die Kraft und die Genialität der militäri⸗ schen Operationen zu bewundern, sondern auch das zielbewußte und feste Gefüge und die ruhige Ueberlegenheit im politischen Plane, vor dem die Entente faul und morsch zusammenfällt. Vertrauenserklärung der italienischen Kammer.
Nach längerer Debatte brachte der Alterspräsident der italienischen Kammer Boselli eine Tagesordnung, die die Politik der Regierung billigt. Er sck' te unter begeisterten Ovationen den Gefallenen, den Kämpsenden und dem König, der unter seinem Volke kämpft, einen Gruß. Salandra er⸗ klärt, die Tagesordnung Bosellis anzunehmen. Nach einigen Erklärungen ging man zur Abstimmung über und nahm unter Namensaufruf mit 405 gegen 48 Stimmen die Tages⸗ ordnung Bosellis an. Nur die offiziellen Sozia⸗ listen stimmten dagegen. Das Ergebnis der Abstim⸗ mung wurde mit Beifallskundgebungen aufgenommen.
Die Tagesordnung des Sozialisten Mazzoni auf Ab⸗ schaffung der politischen Zensur wurde mit gro⸗ ßer Mehrheit zurückgewiesen. Die Sitzung wurde darauf geschlossen.
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Chiasso, 5. Dez. die Kriegspolitik der italienischen Regie Sozialisten und Unabhängige gegen di entfernten sich vor der Abstimmung aus de hielt sich der Stimmenabgabe.
Bei dem Vertrauensvotum der Kammer ffir stimmten 48 offizielle rung, 10 Abgeordnete n Sagle und einer ent⸗
sich


