Hessen und Nachbargebiete.
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Gießen und Umgebung.
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— Vom Wetter. Wohl selten sind solch 0 Temperaturschwankungen zu en e sie in den letzten 8 Tagen erlebt haben. Gestern ein milder lauer Tag, als ob es Frühjahr werden wollte, und a 1 gen Sonntag die sibirische Kälte Während in der Nacht zum 28. November etwa 17 Grad Kälte herrschte 5
3 5 2 u, hatten wir in sestriger Nacht 12 Grad Wärme, ein U 5 38 1 0 ach rad Wärme, ein Unterschied von dreißig
5 Vor Weihnachten. Am gestrigen Sonntage, dem soge— nannten„kupfernen“, herrschte in den Straßen dre Stadt leb⸗ hafter Verkehr. Jedenfalls hatte das schöne Wetter die Land- bevölkerung veranlaßt, zahlreich herein zu kommen, Ob die Geschäfte entsprechenden Umsatz hatten, entzieht sich unserer Kenntnis. Viele werden allerdings nicht in der Lage sein große Einkäufe zu machen. i
9 88 Kirchenkonzert. Der Konzer tverein veranstaltet nächsten Freitag eine Aufführung in der Stadtkirche. Unter Leitung von Prof. Trautmann gibt man Beethovens Messe in C.-dur und H. v. He rzogen bergs Weihnachts⸗ Oratorium„Die Geburt Christi“. Als Solisten wirken mit das„Stuttgarter Oratorien-Quartett“(Kammersängerinnen 0 Tester und M. Diestel. Konzertsänger H. Ackermann und L. Feuerlein), ferner der Akademische Gesangverein und der Evangelische Kirchengesangverein; das Orchester wird gebil⸗ det von Mitgliedern der Kapelle des Ersatzbataillons.
* Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Unteroffizier d. L. A. Lindner, Briefträger aus Gießen. — Wilh. Weber aus Rodheim a. d. Bieber, Regiment Garde du Corps.— Res. Joh. Hch. Fend, Schreinermeister aus Schlitz, Landw.⸗Inf.⸗Reg. 118.— Christian Henkel, Weißbindermeister in Odenhausen a. L.
Behandlung angefrorener Kartoffeln. Der Frost vor einigen Tagen brachte die Gefahr mit sich, daß die in den kalten Tagen auf dem Transport befindlichen Kartoffeln angefroren in die Hände der Verbraucher gelangen und Veranlassung zu Klagen und Beanstand⸗ ungen geben. Bei richtiger Behandlung angefrorener Kartoffeln können aber Haltbarkeit wie Geschmack sich nur wenig verringern. Daher werden folgende kurze Winke Beachtung und Verständnis finden: Angefrorene Kartoffeln sind in Räumlichkeiten zu bringen, die frostfrei sind oder eine Höchstwärme von 10 Grad Celsius haben. Hier sollen sie langsam auftauen. Jedes unnötige Anfassen, Hinundhertransportieren der Knollen ist streng zu vermeiden. Wo es möglich ist, die Kartoffeln gleich vom Wagen in Säcke zu füllen, sollten die Säcke unberührt etwa 14 Tage in frostfreiem Raume stehen bleiben. Falsch ist es, angefrorene Kartoffeln, die der längeren Aufbewahrung dienen sollen, in geheizte Räume zu bringen; das Auftauen geht dann zu schnell vor sich, und die Knollen werden weich und sind verdorben. Anders ist es dagegen, wenn angefrorene kleinere Mengen sofort verbraucht werden sollen: der süße Geschmack geht verloren, wenn die Kartoffeln einige Tage im warmen Zimmer liegen oder kurz vor dem Schälen in er⸗ wärmtem Wasser durchwärmt werden. Schwarze oder bläuliche Flecken der geschälten Kartoffeln beeinträchtigen mehr das Aus⸗ sehen als den Geschmack und Nährwert des fertigen Gerichtes. Die Flecken bedeuten keine Krankheit oder Jäulnis der Knollen, sie sind entstanden durch Stoß oder Druck beim Ernten; auch können Kulturfehler die Ursache fein; kurz, ein Vorurteil gegen solche Kartoffeln braucht man nicht zu haben. Uebrigens machen viele Hausfrauen noch den Fehler, die Kartoffeln nach dem Schälen trocken stehen zu lassen, wodurch dann auch Flecken entstehen, die das serkige Gericht unansehnlich machen. Geschälte Kartoffeln müsffen fofort in Wasser gesetzt werden und bis zum Kochen darin bleiben. 5 5 „ Im Stabttheater kam am Freitag ein, älteres Drama zur Aufführung: Der„Erbförster“ von Otto Ludwig Der Dichter, welcher 1813 in Eisfeld geboren ist, seit 1355 in Dresden lebte und dort 1865 starb, ist auch als Romanschriftsteller bekannt, unter anderem hat seine Erzählung„Zwischen Himmel und Erde starke Verbreitung gefunden. Hauptperson in dem Schauspiel 1 der Förster Ehristian Ulrich, dessen Vorfahren bereits den Forst des Gutes Düsterwalde verwalteten und den man deswegen 95 „Erbförster“ nennt. Besitzer des Gutes wird ein reicher ee herr, Stein, der mit dem Förster auf freundschaftlichem 7 5 und dessen Sohn Robert mit der Tochter des Försters ver 1 0 Zwischen Stein und dem Förster kommt es öfters 25 iftreit⸗ beide sind Dickköpfe und sagen sich derb die Meinung. Haup sich punkt ist immer das Durchforsten eines Waldstückes, wogegen 17 der Förster aus fachmännischen und wie es! schen tollen 1. leuchtenden Gründen sträubt. Stein will aber 5 W dem er Eigentümer von Gut und Wald e ieee i 1 durchsetzen, und well sich der Förster weigert, den. e Stelle den Herrn nachzukomen, entläßt ihn dieser und setzt 8 Crbf 4 versoffenen„Buchjäger“. Mit der Absetzung des Er* 1 seine es aber Stein nicht ganz Ernst gewesen, er wollte ien 1 Herrenmacht zesgen. Der Förster, welcher 1 0 glaubt diesem Falle seine Pflicht und Schuldigkeit getan zu h„
g if f erden kann, daß der kann gar nicht begreifen, daß er entlassen wer u, Herr auf seinen Dienst und seine Arbeitskraft verzichten kann,
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8 i i die etwa in der Bibel dar⸗ wenn es ihm beliebt und daß Leine Geltung haben. Aus en
5 Förster t schweres Unglück: den neuen 8 erschießt ein Wilderer: diese Tat wird dem Sohne des Erbförsters zugeschrieben,
richtige— Nachricht lberbracht, daß sein Sohn Andres von Robert Stein 40a den set: und um seinen Sohn zu rächen, versu 1 11 Robert zu erschießen, trifft aber dabei seine eigene„ ihrem Verlobten ein Stelldichein hat. dure lung aufklärt, macht der Erbförster selber di 0 Leben ein Ende. Zufälligkeiten, Verwechselunge ülscheln Begebenheiten in dem Schauspi gemacht und gekünstelt erscheint. Walter Dworkowski's war stalt des Erbförsters mit seinen 5000 ehrlichem, geradem Wesen, mer d en prächtige Leistung. eignetste Künstler, und er bot in der 1 Martha Sch l d als Tochter de Fbrfersttrtes Glück durch ver⸗ über ihr durch den Streit der Väter ib 15 ständnls volles Spiel Ausdruck zu verle hren zel, Steinhofer, sächlichsten Rollen waren durch Augusteh o 11 5 besetzt Theiling, A. Stettner und R. E Fletistag, den 7. Dez, Sladtaheater Giebeg, ddt 1 7 81 Dienstags⸗Abonn.⸗Vorst. abends 8 Uhr:„Die Großstadtluft“. eine 7 1 116 ii die Wolke Berselung:„Comtesse e „Dez, abend 3 Uhr.„ d 2.„ nachmit⸗ br Volks⸗Preise.— Seuntageibee 9 9 0 725 ur: Allende. Far Jurbaron“. Posse mit Ge⸗ Kleine 1 e 455„Fewöhnliche Preise(ermäßigt). sang und Tanz. Ende 10%.
Kreis Wetzlar. 1 u. Tödliche Unfälle. Der Maschinenwärter Peter Wurm aus
inigte Henriette“ in das Mudersbach geriet in der Grube„Vereinig e e
n. Ehrliche Bauern. Schon mehrmals wurde amtlich festge⸗ stellt, wie wenig menschliches Pflichtgefühl eine Anzahl Bauern in den verschiedensten Gegenden Deutschlands in dieser bitteren Kriegszeit bekunden. Jetzt teilt der Landrat des Kreises Altew⸗ kirchen mit, daß es bei Ablieferung des Roggens vielfach vor⸗ gekommen sei, daß dortige Landwirte im untersten Teil der Säcke größere Mengen Trespe und unreines Korn untergebracht hätten und doch den vollen Preis für reinen Roggen forderten. Wenn's geht, da gehts! 5
Westerwald und Unterlahn.
Zwei Millionen Mark Branutweinsteuer hinterzogen. Vor der Bonner Strafkammer begann eine Verhandlung gegen den Fabrikanten Ernst Bötticher, dessen Buchhalter Leonhard Jansen und den Brennereibesitzer Vinzenz Lubanski aus Eitorf an der Sieg. Die Anklage behauptet, Bötticher, der Hauptbesitzer der West⸗ deutschen Spirituswerke G. m. b. H. zu Eitorf, habe in den Jahren 19091913 2075 623 Mark Branntweinsteuer hinterzogen. Jansen habe ihm hierbei Beihilfe geleistet. Lubanski, der zwei Filialwerke der Firma leitete, soll in den Jahren 1907 bis 1912 281406 Mark und von 1912 bis 1914 an Branntweinsteuer 922 079 Mark auf Anstiftung von Bötticher hinterzogen haben. Die Verhandlung wird, soweit es sich bisher übersehen läßt, etwa vierzehn Tage in Anspruch nehmen, da sechzig Zeugen, darunter eine Anzahl Steuer⸗ beamte und Angestellte der Spirituswerbe, zu vernehmen sind. Der Hauptangeklagte Bötticher ist krank, so daß man täglich nur einige Stunden verhandeln kann.
Vom Rhein wird starkes Steigen des Stromes infolge der Regenfälle der letzten Tage gemeldet. Auch die Nebenflüsse steigen; 255 Neckar, welcher vor 8 Tagen zugefroren war, hatte starken Fisgang.
Von Nah und Fern.
Die Leidensgeschichte eines Dleustmädchens.
Schwere Mißhandlungen, verübt an einem jetzt 17 jährigen Dienstmädchen, enthüllte eine vor dem Charlottenburger Schöffen⸗ gericht verhandelte Anklage. Angeklagt war Frau Regierungs⸗ baumeister Margarete Schittte. Bei ihr war die jetzt 17 Jahre alte Luise Hübscher vom 18. Januar bis 2. Juli in Stellung. Die An⸗ klage lautet auf fortgesetzte boshafte und grausame Mißhandlung dieses Mädchens, auch mittels eines gefährlichen Werkzeugs, serner auf Freiheitsberaubung und Nötigung. Die Beweisaufnahme gab im Gegensatz zu den Darstellungen der Eheleute Schütte ein ent⸗ setzliches Leiden des gequälten Dienstmädchens. Dies bekundete selbst folgendes: Sie sei täglich von Frau Schlitte geschlagen, gezaust, gerissen usw. worden. Gange Stellen Haare habe ihr dieselbe aus⸗ gerissen, auch einen Teil der Zöpfe abgeschnitten, die anderen auf Geheiß abschneiden müssen. Der Herr habe öfter Hundefutter mitgebracht, davon habe die Frau ihr dann zuvecht gemacht. Abends gab's oft trockenes Brot. Sie wurde stundenlang eingeschlossen und mußte stricken und dabei zählen, daß es die Frau im Garten hören konnte. Was sie nach Hause schrieb, las die Frau zuerst und trug die Briefschaften auch selbst zum Postkasten. Sie habe ihr gebroht, wenn sie wegginge, würde sie ins Gefängnis kommen. Ihr sei von Frau Schütte vorgeredet worden, sie sei wegen Verderben⸗ lassens von Klchenabfällen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, auf ihre Fürsprache sei diese Strafe in 300 Mark. Geld⸗ bduße umgewandelt worden. Diese müsse sie bezahlen, wenn sie den Dienst verlteße. Die Angeklagte sei selbst auf das Klosett nach⸗ gegangen, und wenn sie eingesperrt war, habe sie ihre großen Be⸗ dülrfnisse ins Taschentuch, die kleinen in eine Wasserkanne verrichtet. Mit der Hundepeitsche habe die Frau sie täglich gehauen, gang gleich, wo sie hintraf. Einmal habe sie sich zu diesem Zweck erst entblößen müssen. Die Frau habe gesagt, es würde nicht sehr wehe tun, denn sie sei krank und könne nicht sest zuhauen. In einer niedrigen, fensterlosen Kabuse habe sie zwei Nächte knien müssen. Die Betten seien ihr nach und nach weggenommen worden, sie habe als Ersatz nur eine alte zerrissene Decke erhalten. Die Frau habe in der Hängematte gelegen und sie habe im Stehen stricken und laut zählen müsfen. Auch ganze Nächte habe sie neben dem Bett der Angeklagten gestrickt. Als die Polizei kam. habe die Frau gebeten, sie möge nichts sagen. Der Amtsanwalt beantragte zwei Monate und zwei Wochen Gefängnis. Das Urteil lautete auf nur 500 Mark. Geldstrafe. Die Angeklagte sei noch unbestraft und sei nicht aus⸗ geschlossen, daß sie vielleicht sadistisch vevanlagt sei. Hoffentlich legt die Staatsanwaltschaft gegen das ungeheuer milde Strafmaß Be⸗ rufung ein.
Schrecklicher Selbstmord. In einem Haus der Keplerstraße in Frankfurt übergoß sich die Witwe Wilhelmine Rausch mit Petroleum und zündete ihre Kleider an. Die Leiche wurde in stark verkohltem Zustande aufgefunden.— Weiter verübte in Frankfurt eim 60 jähriger Arbeiter namens Westermann, welcher seit vielen Jahren in der chemischen Fabrik von Zimmer u. Co. beschäftigt war, dadurch Selbstmord, daß er eine ganze Flasche Schwefel⸗ säure austrank.
Fahrlässiger Jäger. Vor etwa 8 Tagen wurde im Gemeinde⸗ walde von Köppern i. T. ein ein auf dem Heimwege befindlicher 7fähriger Schulsunge durch einen Schuß in den Kopf verwundet. Wahrscheinlich hat ein Jäger in der Dämmerung den Jungen für ein Stück Wild gehalten. Jetzt ist der arme Junge im Homburger Krankenhause an der Verletzung gestorben; es konnte aber noch nicht festgestellt werden, wer den Schuß abgegeben hat.
Aatöberigtedes Grosen Henptguͤrtiers
Im Westen und Osten nichts Neues. Im Gebirge weitere 2000 Serben gefangen.
W. B. Großes Hauptquartier, 4. Dez., vorm.(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz
Die Kampftätigkeit wurde auf der ganzen Front durch
unsichtiges stürmisches Regenwetter gehindert. Oestlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse!
Die bereits im deutschen Tagesbericht vom 2. Dezember zum Teil richtig gestellte russische Veröffentlichung vom 29. November eutspricht auch in ihren übrigen Angaben nicht der Wahrheit. Bei dem russischen Ueberfall auf Newem(südwest⸗ lich an Pinsk), der nur unter einheimischen und mit Sumpf⸗ und Waldgelände ganz vertrauten Führern möglich war, fiel der Divisionskommandeur in Feindeshand, andere Offiziere werden nicht vermisst. Daß bei Koslince und Czartorysk deutsche oder östereichisch-ungarische Truppen sich zurückziehen mußten, ist nicht wahr.
i Balkan. 4
Die Kämpfe gegen versprengte serbische Abteilungen im Gebirge werden fortgesetzt.
Gestern wurden über zweitausend Gefangene und Ueber⸗ läufer eingebracht. Oberste Heeresleitung.
W. B. Großes Hauptquartier, 5. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher und östlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Balkankriegsschauplatz. In erfolgreichen Kämpfen bei Plevlje und im Ge— birge nordöstlich von Ipek wurden mehrere hundert Ge—
54400 eitung und w 11 i 1 dulden 2 kee ge ge Russen unter den ötemmenstürzenben Echlaen berg den
fangene gemacht. N
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Bulgarische Truppen haben südwestlich von Prizren den zurückgehenden Feind gestellt, geschlagen und ihm über hundert Geschütze und großse Mengen Kriegsgerät, darunter zweihundert Kraft wagen, abgenommen. Im Jama Gebirge(östlich von Debra) und halbwegs Kreova-Ohrida wurden serbische Nachhuten geworfen. a
In Monastir sind deutsche und bulgarische Abteilungen eingerückt und von den Behörden wie der Bevölkerung freudig begrüßt worden. 5
Oberste Heeresleitung.
.*. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Kämpfe mit den Montenegrinern.
Wien, 5. Dez.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 5. Dezember 1915.
Nussischer Kriegsschauplatz.
Stellenweise Geschützkampf.
Jtalienischer Kriegsschauplatz.
Gestern beschränkten sich bie Ttaliener an der Jsonzo⸗ front auf Geschützseuer von wechselnder Stärke. Nur bei Oslavisa versuchten sie bei Tag und Nacht vereinzelte Au griffe, die alle abgewiesen wurden. An der Tiroler Front entwickelte die seindliche Amillerie eine lebhafte Tätigkeit gegen ben befestigten Raum von Lardaro.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Bei Celebic kam es neuerlich zu einem größeren Ge⸗ secht. Die Montenegriner wurden durch eine von Joca aus eingreifende Gruppe an die Grenze zurückgeworfen. Südlich von Plevlse wiesen unsere Truppen heftige montenegrinische Gegenangriffe ab. Unter dem im Gebirge erbeuteten Kriegs⸗ material befinden sich eine Million Infanteriepatronen und hundert Artillerie⸗Munitionsverschläge. Südlich von Nopipazar wurden gestern abermals sechshundert Gefangene eingebracht.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Felbmarschalleutnant.
* Der bulgarische Bericht.
Sofia, 5. Dez.(W. T. B.) Bulgarischer Generalstabs: bericht vom 3. Dezember: Nach der Zertrümmerung der Ser⸗ ben am 29. November bei Prizren zogen sich die Trümmer der serbischen Armee gegen Djakova und entlang der Beli Drini gegen Dibra und Skutari zurück. Unsere Truppen setzten die Verfolgung der Serben in beiden genann- ten Richtungen fort. Am 3. Dezember holten unsere ent⸗ lang der Beli Drini verfolgenden Kolonnen die Serben in der Stellung am linken Djumaufer ein, griffen sie energisch an, zersprengten sie und zwangen sie zum Rüikzuge, welcher in panikartige Flucht ausartete. Hier ließen die Serben 100 Feldkanonen und Haubitzen, 200 Automobile, eine ungeheure Menge Kriegsmaterial, 150 Trainfuhrwerke und derartige Mengen von Uniformen und Ausrüstungs⸗ gegenständen zurück, daß der Weg entlang der Beli Drini bis Kula Ljuma dadurch verlegt ist. In der Richtung auf Dja⸗ kova zogen sich die serbisch-montenegrinischen Truppen beim Erscheinen unserer Truppen zurück und räumten Djakova, wobei sie sechs Haubitzen im Stiche ließen; unsere Kavallerie verfolgt sie gegen Diakova.— Nach Aussagen von Gefange— nen mußte König Peter auf einer Tragbahre getragen werden, weil der Marsch entlang des Drini-Flusses westlich Kula Ljuma selbst für Pferde unmöglich ist.
Sosia⸗Nisch.
Sofig, 5. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Bul⸗ garischen Telegraphen-Agentur. Die Eisenbahnverbind⸗ unge zwischen Sofia und Nisch ist wiederherge⸗ stellt. Der Zugverkehr hat heute begonnen.
160 000 ferbische Gefangene.
Abrechnung mit Montenegro. Schlimme Lage des Eutenteheeres.
Der Frankf. Ztg. wird telegraphiert: N
Serbien ist als zertrümmert anzusehen. Täg⸗ lich fallen ganze Scharen der sich mühsam auf vereisten und verschneiten Straßen und Wegen dahinschleichenden, unge⸗ ordneten Haufen, die von Hunger und Witterungsunbilden gepeinigt mit Aufbietung ihrer letzten Kräfte Rettung in fremdem Lande suchen, als Gefangene in die Hände der rast— los vorwärtseilenden Verfolger. Die Gesamtsu mn me der Gefangenen überschreitet bereits die Zahl von 160000. Der Aufstand gegen die grausamen Unterdrücker wäsch st. Führerlose Gruppen irren ratlos umher und ver⸗ wünschen jene, die schuld an ihrem tragischen Schicksal sind.
Nun beginnt auch die Abrechnung mit Monte ⸗ negro, das schon sehr in Mitleidenschaft gezogen ist und nun endlich für seine vielen Treulosigkeiten büßen wird. Alles das ist in einem Zeitraum von kaum neun Wochen er⸗ reicht. Durch die Einnahme der Korjen Planiua südlich Plevlje ist der Rückzug der Montenegriner geges den Tara-Fluß gefährdet. Die dorthin führenden Wege werden von unseren Truppen beherrscht. Der Weg nach Bjelopolje ist durch den Sieg bei Tresnjevica freigeworden. Auf der Mokra Planina wurde der Feind aus seinen Schlupf⸗ winkeln vertrieben, und im Raume um Ipek, wo sich die Massen stauen, fehlt jede Leitung, herrscht vollständige Rat⸗ losigkeit.
Die seit dem Falle von Monastir von drei Seiten um: faßten Entente⸗Truppen, die sich in der Gabel zwischen der Tscherna Reka und dem Wardar nicht mehr be— haupten können, beabsichtigen laut Pariser Meldungen eine Neugruppierung. Man kann begierig sein, wie diese erfolgen wird. Ob es nicht nur ein eiliger Rückzug
sein wird? Türkischer Bericht.
Konstantinopel, 5. Dez.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Irakfront setzten unsere Truppen, die am 2. Dezember 25 Kilometer zurücklegten, die Verfolgung des Feindes, der sich in voller Auflösung zurückzieht, fort. Die Ortschaft Vagh Kale, dicht westlich Kut el Amara, wurde von unseren Truppen besetzt. Wir erbeuteten dort den feindlichen Schleppdampfer„Eleaven“, sowie einen mit Proviant, Munition und Kriegsmaterial aller Art beladenen Leichter
von 250 Tonnen und machten einige Gefangene. Die Zahl


