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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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Nr. 262

Gießen, Montag, den 3. November 1915

10. Jahrgang

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N N N 0 Die griechische Kabinettskrise.

7915 1 5 Ztg. wird geschrieben:

6 ie in sen ausgebrochene Ministerkrisis überrascht in⸗

ern nicht, als man überall überzeugt war, daß De zit seiner unermüdlichen Zähigkeit die ihm tatsächlich noch ebliebene Mehrheit des Parlaments benutzen würde, um ki Gelegenheit den Sturz des Kabinetts herbeizuführen. N ziese jetzt eingetretene Tatsache wird in Berliner politischen ö hreisen und auch in den Blättern mit großer Ruhe beurteilt,

1 8 wird dabei auch besonders erwogen, daß der mit einer arken Mehrheit herbeigeführte Sturz des Kabinetts Zaimis cht über die eigentliche Kernfrage der griechischen Politik: eutralität oder Krieg! erfolgt ist. Es ist zum mindesten r fraglich, ob, wenn diese Frage der Neutralität oder des 8 eges auch in der jetzigen, noch eine Mehrheit für Veni⸗ (os aufweisenden Kammer zur Abstimmung stünde, die isla Jehrheit sich wirklich unter den inzwischen eingetretenen 101 klitärischen und politischen Verhältnissen für den Krieg 2 cheiden würde. Nicht nur der König, sondern, was uin nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, der General- fab und die Führer der Armee sind längst und nach inn letzten militärischen Ereignissen erst recht im Interesse Ee Vaterlandes für die Wahrung der Neutrali⸗ lit. Diese Uebereinstimmung des Königs und der Armee degt schwer und wird es dem König wohl erleichtern, die itik der Neutralität aufrecht zu erhalten. Selbst in idon hält man es nach der Meldung Reuters für wahr⸗ deinlich, daß die Krisis durch die Auflösung der Kam— ner beendet und daß die Aufrechterhaltung des Kabinetts wmglich sein wird, wobei nur das Portefeuille des Krieges andere Hände übergehen würde, weil der gegenwärtige

fen iegsminister Anlaß zu dem Konflikt mit der Kammer⸗ U ö hrheit gegeben hat. Diese Lösung hält man auch in den e liner politischen Kreisen für die wahrscheinlichste. Nach

fen de griechischen Auffassung würden die Wahlen 45 Tage nach . Auflösung, also Ende Dezember stattzufinden haben, und fen A neue gewählte Kammer würde spätestens Mitte Februar duammentreten. Es ist anzunehmen, daß bis dahin die rasch 1 wwärts schreitende Entwicklung der militärischen Vorgänge du dem Balkan, sowohl die militärische wie die politische e une erheblich verändert haben, und man kann ohne über⸗ * kibenen Optimismus sagen: zu gunsten der Zentralmächte

ub ihrer Verbündeten verändert haben wird.

Der bulgarische Finanzminister Tontschew, der Ebern in Berlin eingetroffen ist, hat in einer Unterredung, 15 die das Berliner Tageblatt berichtet, die guten Be⸗ lahungen Bulgariens zu Griechenland her⸗ Iugehoben und u. a. gesagt, es sei seine feste Ueberzeugung. in der König, da er und alle maßgebenden Männer kbechenlands die Neutralität unter allen Um⸗ finden aufrecht erhalten wollen, bei der Neu⸗ keelung des Kabinetts einen Mann finden werde, der seine Hiidliche Politik fortsetze; denn es würde verhängnisvoll I Griechenland sein, wenn es aus seiner Neutralität her⸗ üträte. Herr Tontschew ist nämlich der Meinung, daß der Frig mit Serbien im zwei bis drei Wochen zu Ende sein ide.

Die Bestechungsaffäre in Sosia.

In Ergänzung der sensationellen Mitteilungen der Sosioter Jandnt Prava über die durch den gewesenen französischen Mi- üer Cruppi im Interesse der Entente durchgeführten Bestechungen unt Az Est Einzelheiten über die Angelegenheit. Durch Uebor⸗ kütung der Bücher der Sofioter Trowska Banka wurde sestgestellt, dc der französische Kontrolleur der bulgarischen Staatsschulden . Elauzieres, der staatlicher Angestellter Bulgr 0 war, ein

Aro von Milli Frances und 250 000 Pfund 0 über achtzehn Millionen Suan an den Vestechungen

elling hatte, ein Beweis, daß auch En 0 seleenommen hat. Es ist 10 ee, daß an den Bestechungen u Agrarpartei und Stambulowpartei angehörige Folitiker nut Emmen von 300 000 bis einer halben Million, 1 been d In der Bank wurde eine vollständige Liste der 17 55 beide sasefunden. Die Bestechungen wurden unter dem Titel„Getreide⸗ aße“ vorgenommen.

Ein Flugzeug⸗Angriff auf einen englischen

Dampfer.

5 1 f i r eingetroffen ist, Der Dampfer„Avocet“, der in 9 5 Fahrt von drei Unter diefen befand sche 36 Bomben 95. einem Maschinengewehr abgab. er„Avocet“ änderte und en 17075 1715 16 55 5 beiden anderen 10 uchten ebenfalls, das Schiff zum Sinken zu bringen, bee g hend etwa 35 Minuten einen Kampf mit ihne 9 wurde d er keinen ernstlichen Schaden davon. Niem g

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Die Stimmung in Italien.

Von einem hervorragenden Neutralen, der von einer Reise durch ganz Italien zurückgekehrt ist, erhält die Züricher Post bemerkenswerte Angaben über die dortige Stimmung. Von der alten Kriegsbegeisterung, von der Hoffnung auf einen Spazier⸗ gang nach Wien, davon, daß Italien im gewaltigen Wettkampf den Ausschlag geben und dann zu einer Großmacht ersten Ranges wer⸗ den könne, sei heute nur mehr ein dürftiger Rest vorhanden. Die Hoffnung der Einsichtigen sei jetzt nur, daß Italien mit einem blauen A uge davonkomme; ja es gebe heute schon in Italien viele Leute von Gewicht und Stellung, die der Meinung seien, Italien habe, als es vor die schwere Wahl gestellt wurde, auf die fal sche Karte gesetzt. Der Versuch Italiens, ameri⸗ kanisches Fleisch zu beschaffen, sei übrigens gescheitert, weil England verlangte, daß die Bestellung durch seine Regierung ginge und für Vermittlung noch zehn Prozent Abgaben for⸗ dert e. Zuverlässig wisse man, daß der König vor einiger Zeit Giolitti zu sich gebeten habe.

Konferenz italienischer sozialistischer Kommunen.

20 sozialistische Gemeindeverwaltungen der Umgebung von Vercelli besprachen auf ihrer Tagung am 27. Oktober die Gründung einer Liga der sozialistischen Kommunen, die sich über ganz Italien ausdehnen soll. Für den Kreis Vercelli wurde auch sofort die Konstituierung der Liga und die Er⸗ richtung von Beratungsstellen für Gemeindeangestellte vor— genommen. Diese Beratungsstellen sind an den Orten, wo sie bis jetzt eingeführt waren, von Arbeitern und Bauern, die sich für die Arbeit in der Verwaltung vorbereiten oder ihre Kenntnisse erweitern wollten, gut besucht gewesen und scheinen daher ein dringendes Bedürfnis. Es wurde in der Versammlung große Klage darüber geführt, daß die Provinzialbehörden außerordentlich parteiisch in der Zu— teilung der Staatszuschüsse an die Städte vorgehen. Die zur Verteilung an die Familien der Eingezogenen bestimmten Gelder scheinen für die sozialistisch verwalteten Gemeinden noch spärlicher als anderswo zur Verfügung zu stehen. Auch die Staatszuschüsse zu den Bürgermeistergehältern sind für sozialistische Gemeinden sehr ungleich verteilt, und die neu⸗ gegründete Liga erstrebt eine Entschädigung der Bürger⸗ meister aus eigenen Mitteln, um so die sozialistischen Kom⸗ munen zu erhalten, deren Vorstände es sich nicht leisten können, im Ehrenamt zu arbeiten.

Freilassung galizischer Geiseln durch die Russen.

Infolge des außergewöhnlichen Flüchtlingselends hat sich die russische Regierung zur Freilassung der nach allen Teilen des Zaxen⸗ reiches verschleppten galizischen Geiseln entschlossen. Das russische Ministerium des Innern hat sämtlichen in Rußland als Geiseln internierten galizischen Zivilgefangenen befohlen, in die Heimat zurückzukehren.. Die„Erfolge“ der Entente in amerikanischem

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Newyvyrk, 5. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die hiesige Presse bespricht die militärischen Mißerfolge der Alliierten und die daraus sich ergebenden itischen Verhältnisse in England eingehend und rückhaltlos.— Die World schreibt, wenn der Krieg günstig verliefe, hätte die englische Re⸗ gierung kaum zu Hause eine politische Unzufriedenheit zu fürchten. Ein ansehnlicher Sieg würde den Kritikern der Regierung die Waffen aus der Hand nehmen. Aber keine noch so glänzende staatsmännische Leistung vermöge den ver⸗ zweifelten Wi derstand der Türken zu überwinden und die lange Reihe der russischen Niederlagen auszulöschen. Die Verhältnisse in England seien jetzt ähnlich wie zur Zeit des Bürgerkrieges.— Die Newyork Tribune schreibt:„Wenn der letzte Zeppelinangriff die Rekruten⸗ anwerbung in London günstig beeinflußt hat, so hatte er auch andere Folgen, die Deutschland als hochbefriedigend betrachten wird. Die Deutschen wissen, daß London von Entsetzen er⸗ füllt war, wo immer die Bomben niederfielen.“— Sun be⸗ spricht den Mißerfolg des Generals Hamilton und schreibt:„Es war immer zweifelhaft, ob er die Befähi—

gung für ein hohes Kommando besaß. Es kann angenommen

werden, daß die Regierung, als sie ihn nach den Dardanellen entsandte, dos Gebiet nicht kannte und nicht verstand, welche riesenhafte Aufgabe dem General anvertraut wurde.— New⸗ hork Times schreibt:„Das Mißlingen des Dardanellenunter⸗ nehmens muß auf die englisch-französische Diplomatie eine verhängnisvolle Wirkung ausüben. Was geschieht, wenn die Alliierten diesen Feldzug verlieren? Es wäre vielleicht besser gewesen, diese Unternehmung nie zu beginnen. Jetzt tauchen Gerüchte auf, daß dieser Feldzug ebenso plötzlich abgebrochen wird, wie er begonnen worden ist. Das würde das Ansehen der Alliierten in Osteuropa zweifellos noch mehr schwächen. Am Beginne des Krieges gegen die Türkei sagte

Die Bulgaren in Nilcht:

jeder: Das ist das Ende der Türken; ihre Zeit in Europa ist abgelaufen. Aber es war doch nicht so, wie es aussah.“

Die Verweigerung der Herabseßung der

Altersgrenze.

tach einer Bestimmung der Reichsversicherungsordnung muß neuerdings geprüft werden, ob die Altersgrenze für den Bezug der Altersrente von 70 auf 65 Jahre herabgesetzt wer⸗ den soll und die Budgetkommission des Reichstags hat die Regierung fast einmütig aufgefordert, diese Herabsetzung eintreten zu lassen. Zu aller Welt Erstaunen kommt jetzt die offizielle Mitteilung, daß der Bundesrat dies für jetzt ab⸗ gelehnt hat. Das ist außerordentlich bedauerlich, nicht nur aus sozialpolitischen Gründen des Arbeiterschutzes, sondern auch aus allgemein politischen Gründen. Es besteht doch kein Zweifel, daß die außerordentliche Steigerung der Ar⸗ beitsausnützung durch Ueberstunden, schärfere Arbeits⸗ methoden, Ausdehnung der Frauenarbeit und stärkere Ver- wendung der Kinderarbeit die menschliche Arbeitskraft gerade jetzt außerordentlich viel mehr als jemals früher angreift. Damit wird die Möglichkeit stark herabgesetzt, daß die jetzt lebenden Arbeiter und Arbeiterinnen überhaupt das 70. Lebensjahr erreichen. Vor allem aber ist doch auch zu bedenken, daß Hunderttausende der kräftigsten und tüchtigsten Arbeiter ihre Lebenskraft draußen für die Erhaltung des Vaterlandes mit einer Intensität einsetzen, die wohl diese

karge Verbesserung ihrer späteren Lebenshaltung und diese a

geringe Aufheiterung ihres Lebensabendes wohl verdient haben sollte.

Wir hoffen zuversichtlich, daß der Reichstag sich diesen Beschluß des Bundesrats nicht zu eigen machen, sondern im Gegenteil auf der Herabsetzung der Altersgrenze bestehen wird. Wenn der Bundesrat seinen Beschluß mit finanziellen Bedenken begründet, so erscheint es uns doch fraglich, ob gerade jetzt und bei einem solchen Anlaß diese Begründung zutreffend ist..

Nisch, die serbische Hauptstadt,

erobert! Sofia, 6. Nov.(Nichtamtlich). Meldung der bulgarischen Telegraphen⸗Agentur. Eine bulgarische Division ist in Nisch eingerückt.

Die Situation iu Serbien.

Der Kriegsberichterstatter Kirchlehner meldet dem Berl. Lok.⸗Anz. aus dem K. und K. Kriegspressequartier: Der serbischen Armee bieten sich vier Möglichkeiten: einen An⸗ griff aus dem sehr engen Raum gegen einen Teil der von mehreren Seiten konzentrisch anrückenden gegnerischen Kolonnen, Abwarten des Angriffes in festen Stellungen. Rückmarsch ins Gebirge unter Auflösung der großen Ver⸗ bände und Bandenkrieg nach montenegrinischem Vorbild oder Verzicht auf weiteren Widerstand. Die Unternehmungen des Gegners sind trotz methodischen Vorgehens soweit ge⸗ diehen, daß die Lösung der Krise nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. Die Einnahme von Nisch dürfte den Gang beschleunigen.

Die Albanier gegen die Serben.

Aus Cetinje wird verschiedenen Morgenblättern zufolge gemeldet, daß eine große Schar gut bewaffneter moham⸗ medanischer Albanier die serbisch-albanische Grenze über⸗ schritten habe und sich gegen Ochrida bewege. Also auch hier begegnen den umzingelten Serben neue Feinde.

Zur Konzentrierung griechischer Soldaten in Saloniki.

T. U. Athen, 6. Nov. In Saloniki sind 60 000 griechische Sol⸗ daten zusammengezogen worden. Es ist mit großen Schwierigkeiten verbunden, diese Armee zu verproviantieren, weil der Hafen von englischen Kriegsschiffen okkupiert und der Meerbusen von Salo⸗ niki mit Minen gesperrt ist.

Die griechische Krisis.

Aus Athen wird übereinstimmend von verschiedenen Seiten gemeldet, daß König Konstantin die Leiter der ver⸗ schiedenen Parteien zu einer Beratung berief. Ein Athener Blatt will wissen, in den meisten politischen Kreisen nehme man als sicher an, daß der König die Entlassung Zaimis nicht annehmen werde. Das Kabinett werde nur durch neue Elemente verstärkt werden.

In der Kölnischen Zeitung wird die Auffassung ver⸗ treten, daß man die Sachlage der Kabinettskrise in Griechen. land wohl richtiger beurteile, wenn man diese als einen