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Gießen und Umgebung.
Rebeitsmarkt und Nebel lach dem dicht.
Seebohm Rowntree, ein bekannter englischer National— zkonom und Direktor in der großen Kakaofirma Rowntree ein Quäker seinem Religionsbekenntnis nach, veröffentlicht im Oktoberheft der Contemporary Review folgende Aus— führungen: Wenn auch der Krieg noch nicht seinem Ende zuzugehen scheint, muß England sich schon jetzt auf die Frage vorbereiten, was nach dem Kriege werden soll. Gleichgültig, wie die Friedensbedingungen aussehen werden, so ist doch sicher, daß nach dem Kriege zunächst eine gewaltige Arbeitslosigkeit einsetzen wird, weil etwa eine Million entlassener Soldaten innerhalb drei Monaten auf den Arbeitsmarkt geworfen werden, und im Augenblick keine Arbeit für sie vorhanden sein wird. Eine Menge von Kriegs⸗ artikeln, die bis Tausende von Arbeitern ernährt haben, wer⸗ den plötzlich nicht mehr nötig sein. Die aus diesen Indu⸗ strien entlassenen Arbeiter werden den Arbeitsmarkt über⸗ schwemmen. Wahrscheinlich wird diese erste Periode nicht allzulange dauern, sondern plötzlich durch eine Hochkonjunktur von stärkster Intensität abgelöst werden. Von allen Seiten werden Aufträge für Friedensmaterial kommen, die nicht
in genügendem Umfange hergestellt worden sind. Neue Schiffe werden an Stelle der versenkten gebaut werden,
Frankreich, Belgien, Rußland gewaltige Aufträge an das Ausland senden, um die Verwüstungen des Krieges möglichst schnell wieder gut zu machen. Ueberall werden mit Rücksicht auf die Hochkonjunktur neue Maschinen bestellt und neue Fabriken errichtet oder erweitert werden. Wie lange diese zweite Periode dauern wird, wird sich danach richten, wie stark die Verwüstungen des Krieges gewesen sind, die wieder gut gemacht werden müssen. Jedenfalls aber wird die Hoch⸗ konjunktur relativ bald dürch eine ebenso scharfe Depression abgelöst werden. Der Prieg hat die Menschheit ärmer ge⸗ abgelöst werden. Der Krieg hat die Menschheit ärmer ge— lionen von Arbeitern sind tot oder durch Verwundung zur Untätigkeit verurteilt, unendliche Summen sind durch den Verlust von Handelsbeziehungen verloren gegangen. Wahr⸗ scheinlich wird die Macht des Kapitals durch den Krieg größer und die Macht der Arbeiter geringer geworden sein. Kapital wird selten sein und daher überall freudig begrüßt werden, während nur verhältnismäßig wenig Arbeit ver— langt werden wird. Außerdem ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Kosten des Lebensunterhalts jahrelang so hoch bleiben werden, wie sie es vor dem Ausbruch des Krieges gewesen sind. Die stärkere Heranziehung der Frauenarbeit wird nicht mit Friedensschluß einfach aufhören.
Aus diesem Grunde schlägt der Verfasser vor, schon jetzt
1 die Frage zu prüfen, welche großen nationalen Notstands⸗ arbeiten nach Ende des Krieges begonnen werden können.
Es müsse schon jetzt eine besondere Kommission aus Vertretern des Finanzministeriums, des Bautenministeriums, des Land⸗ wirtschaftsministeriums und der Admiralität eingesetzt wer⸗ den. Weiter müßte auch ein starkes Element von Laien zu den Arbeiten hinzugezogen werden. Es würde sich in erster Linie handeln um den Bau von Arbeiterwohnungen im großen Stile, ferner um die Aufforstung oder sonstige nutz⸗ bringende Behandlung der Oedländereien, um den Bau von Straßen und die Niederlegung überfüllter Straßenviertel. Zu den dringendsten Friedensaufgaben würde dann weiter gehören die Einführung der obligatorischen Fortbildungs⸗ schulen nach deutschem Muster.— Die Ausführungen des Engländers können in vollem Umfange auch für uns gelten.
Der hessische Arbeitsmarkt im September.
Der Mitteldeutsche Arbeitsnachweisverband berichtet: Einer starken Nachfrage nach Arbeitskräften, besonders qualifizierten Ar⸗ beitern, steht ein täglich geringer werdendes Angebot Arheitsuchender gegenüber. Sehr groß ist fast überall der Unterschied in der Jahl der Arheitsuchenden zwischen September 1914 und September 1915. Allein bei der Abteilung für Metallarbeiter des städtischen Arbeitsamtes Frankfurt a. M. betrug dieser Unterschied ca, 1200 (1300 Arbeitsuchende im September 1914 und 149 im September 1015), während die Zahl der offenen Stellen nur ca. 100 weniger und der besetzten Stellen nur ca. 80 weniger betrug. Besonders schwierig war die Vermittlung nach auswärts. In einigen Be⸗ trieben mußten Frauen entlassen werden, weil die Aufträge in ge⸗ wissen Abteilungen dieser Fabriken zurückgehen. Auch in Offen⸗ bach herrschte in allen Zweigen der Metallverarbeftung Mangel an tüchtigen Arbeitskräften. Die Lage der Edelmetallin⸗ dustrie in Hanau a. M. hat sich im allgemeinen etwas gebessert. — Im Sattler⸗ und Tapehierergewerbe war die Be⸗ schäftigungsgelegenheit immer noch mäßig, doch konnten alle Arbeit⸗ suchenden untergebracht und alle offenen Stellen besetzt werden. — Aus ber Offenbacher Leder⸗Industrie wird ebenfalls von Mangel an tüchtigen Arbeitskräften berichtet. Die Beschäftigungs⸗ gelegenheit war gegen den gleichen Monat des Vorjahres etwas besser, aber immer noch mäßig zu nennen.— In der In d u st rie der Holz⸗ und Schnitzstoffe war die Vermittlung für Schreiner zufriedenstellend. Am meisten wurden Schreiner fite Re⸗ pargtur⸗ und Kundschaftsarbeiten verlangt. Die Zahl der offenen Stellen stieg, während die Zahl der Arbeitsuchenden zurückging.
In der Industrie der Nahrung ge und Genuß mittel hat in Frankfurt die Nachfrage nach Arbeitskräften gegen die Vormonate etwas nachgelassen. Die jüngeren Bewerber konn⸗ ten alle untergebracht werden. In Offenbach a. M. herrschte Mangel an Bäckern und Metzgern.
Im Bekleidungs⸗ und Reinigungsgewerbe ist nach dem Bericht des Arbeitsamtes Frankfurt a. M. eine Besserung gegen den Vormonat nicht eingetreten. Die Schneider⸗Junung in Frankfurt a. M. berichtet, daß die Zivilschneiderei etwas besser geht. während in der Uniformschneiderei die Beschäftigung nachlasse. Die Damen⸗konfektion geht schlecht.— In einigen Fabriken dete al ge. bacher Schuhindustrie wurde mit verkürzter Arbeitszeit ge⸗
arbeitet. 79 Im Baugewerbe ach dem Vericht des Arbeitsamtes Frankfurt d. M. starke age nach Arbeitskräften, besonders nach Maurern, Zimmerern, Dachdeckern. Alle Bewerber 1 0 untergebracht werden. In Darmstabt fehlte es an e n e und Bingen find im abgelaufenen Viertelfahr Bau⸗ genehmigungen nicht nachgesucht worden. 1 * Im a aphsschen Ge erbe war nach F sehn Buchbrucker⸗Verbandes in Frankfurt a. M. die en b 10 0 führen, haben nur telliweise Erfolg gehabt, da die en Die . folg g. N sage füür längere Veschufttaungsdauer machen konnten. Die
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und Nachbargebiete.
im Schrfftgießereigewerbe im August gemeldete klein um hielt 110 7 an. 5 e een
ie Arbeitsmarktlage im Gastwirtsgewerbe hat sich nach dem Bericht des Städtischen Arbeitsamtes Frankfurt 15 Wann nicht verschlechtert, gegen den gleichen Monat machte sich ein kleiner Zuzug von arbeitsuchenden Kellnern bemerkbar, welche aus den Saisonstellen zurückkamen.
Fllr ungelernte Arbeiter war überall reichlich Ar⸗ beitsgelegenheit vorhanden; wenn trotzdem manche Vermittlungen nicht zustande kamen, scheiterte dies an den zu hohen Lohnforderun⸗ gen der Gelegenheitsarbeiter. Dleser letztere Umstand erschwerte auch die Vermittlung der jugendlichen Arbeiter außerordentlich.— In der Landwirkschaft hielt nach dem Bericht des Arbelts⸗ amtes Frankfurt g. M. auch im Berichtsmonat die Nachfrage nach Knochten an. Taglöhner zum Kartoffelausmachen wurden sehr viel verlangt. Viele Landwirte lassen die Arbeiten durch Beurlaubte oder Krzegsgesangene ausführen. Großer Mangel herrschte an jungen Burschen. Im übrigen wurde im ganzen Verbandsgebiet der überall herrschende Mangel an Arbeftskräften der Landwirt⸗ schaft entweder durch Zuziehung von einquartierten Landsturm⸗ leuten, durch Beurlaubungen oder durch Beschäftigung von Kriegs⸗ gefangenen ausgeglichen.— Auf dem weiblichen Arbeits⸗ markte hat sich für Dienstboten die Lage gegen den Vormonat kaum verändert. Es kamen viele Mädchen zugereist, darunter auch lolche vom Lande, die jetzt dort wieder entbehrlich geworden sind. Die Vermittlung gestaltet sich bei einem größeren Andrang der Mädchen sosort schwieriger, da die Herrschaften dann wählerischer werden. Wasch⸗, Putz⸗ und Monatsfrauen meldeten sich mehr als im Vormonat; es war aber weniger Beschäftigung vorhanden. Für die gewerblichen Arbeiterinnen hat sich die Lage gegen den Vor⸗ monat weiter verschlechtert.
— Kartoffelpreise. Als ob es keine Höchstpreise für Kartoffeln gäbe, werden diese fortgesetzt zu 8,— 8,50 Mk. usw. verkauft. Was hat denn die ganze Bundesratsverordnung wieder für einen Wert, wenn sich kein Mensch danach richtet? Warum wird nicht gegen diejenigen eingeschritten, welche gegen die Verordnungen verstoßen? Der festgesetzte Preis von 6,10 Mk. muß in Anbetracht der diesjährigen Ernte als ein sehr anständiger bezeichnet werden; will man für Zufuhr und Lieferung in den Keller wirklich noch einen Aufschlag berechnen, so wäre der Malter mit 6,80 bis 7,30 Mk.(je nach Qualität) recht gut bezahlt. Es gibt Landwirte genug, die selbst erklären, daß die Preise zu hoch seien; so sagte ein Redner(Landwirt) in der Versammlung des landwirtschaft⸗ lichen Lokalvereins Gießen am Freitag: Es tue ihm leid, wenn die armen Leute die hohen Preise bezahlen sollten, die Kartoffeln seien zu teuer;„warum solle aber der Bauer weniger nehmen, wenn er mehr geboten kriegt?“— Es ist also unbedingt notwendig, daß die Behörden darauf sehen, daß die Höchstpreise eingehalten werden.
— Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten: Fritz Schneider aus Gießen, Garde⸗Inf.⸗Reg. 4.— Musketier Karl Kreiling aus Wieseck, Inf.⸗Reg. 224.— Landsturmmann Balthasar Bonarius V., Glasermeister aus Großen⸗Buseck, Inf.⸗Reg. 80.— Wehrmann Ludwig Schäfer aus Kinzenbach, Inf.⸗Reg. 81.— Musketier Eduard Geißler aus Dorf-⸗Gill, Inf-Reg. 49.— Musketier Karl Böck aus Kestrich, Kreis Alsfeld, Inf.⸗Reg. 49.— Unteroffizier Hermann Oppelt aus Wetzlar, Inf⸗Reg. 81. — Reservist Ludwig Bill II. aus Naunheim, Inf-⸗Reg. 167. — Grenadier Friedrich Schäfer aus Wetzlar, Garde-Inf.⸗ Regiment.— Wehrmann Wilhelm Hahn aus Dutenhofen, Inf.⸗Reg. 81.— Wehrmann Jakob Hardt aus Oberbiel, Inf.⸗Reg. 224.— Landsturmmann Heinrich Schweitzer aus Hochelheim, Inf.-Reg. 88.
— Suche nach Fett. Bei Gießener Metzgern wurden am Frei⸗ lag und Samstag voriger Woche Revisionen vorgenommen, weil man wahrscheinlich vermutete, daß größere Mengen Fett aufge⸗ stapelt seien. Es wurde aber festgestellt, daß herzlich wenig vor⸗ handen war. Leider! Vielleicht wäre es nicht unangebracht, mal bei wohlhabenden Privaten zu revidieren; möglicherweise würde dabei mehr Erfolg erzielt werden. Man hört hier und da Aeußerun⸗ gen, die darauf schließen lassen, daß verschiedene Hamster ganz be⸗ deutende Vorräte eingeheimst hätten.
— Die Gyps⸗Kleie ist kein Belrug. Wie wir seinerzeit berich⸗ teten, hatte sich der Kaufmamn A. Sulzbach aus Hungen vor, der Gießener Strafkammer wegen Betrug zu verantworten, weil er einer Anzahl Müller Kleie, sogenanntes„Pflangenfasermehl“, oder „französische Kleie“ als Futtermittel und Zusatzstoffe zur gewöhn⸗ lichen Weizenkleie verkauft hatte. Seine Abnehmer haben dann diese Kunstprodukte in großen Mengen ihrer Kundenkleie beigemischt, dieselbe also„gestreckt“ und hieraus eine erhebliche Steigerung ihres Verkaufsgewinns erzielt. Wie eine mühlensachverständige Unter⸗ suchung ergab, hatten die von Sulsbach gelieferten Ersatz⸗Futter⸗ aulttel einen ganz verschwindenden Nährwert; in der Hauptsache bestanden sie aus mineralischen Bestandteilen, nämlich bis zu 90 Prohent Gips mehl, ferner aus Sägemehl, Mühlenstaub, Deck⸗ spelzen und Milben. Sulbach und sechs seiner Wiederverkäufer halten sich daher am 5. März wegen Betrugs zu, verantworten, weil sie ihre Kundschaft, die auf Lieferung nährkräftiger Futtermittel rechnete, getäuscht und bewußt an ihrem Vermögen geschädigt hät⸗ ten. Die Strafkammer sprach jedoch die Angeklagten f rei: Die Lieferung der„französischen Kleie“ ist nicht betrügerisch. Dieser klinstliche Futterstoff, ein ursprünglich französisches Mühlenprodukt, wird von den Großmühlen vielsach zur Streckung der Kleie und zum Ersatz des durch Verstaubung eintretenden Mengenverlustes verwendet und ist ein börsengängiger Handelsartikel, den jeder Müller unter der Bezeichnung„Flugkleie“ kennt. 5
Die gegen die Frelsprechung von der Staatsanwaltschaft ein⸗ gelegte Revision hat jetzt das Reichsgericht, als unbegründet verworfen: Der Verkauf der„französischen Kleie“ als„Abfallbleie“ war zulässig. Ebenso liegt auch keine Nahrungsmittelfälschung vor, da die Flugkleie nicht als menschliches Nahrungsmittel anzusehen sei. — Viele werden das Urteil nicht mit ihrem Gerechtigkeitsgefühl vereinbaren können.——
— Künstlerabend der Freilichtbühne. Um den„Vergessenen“ im Felde, das heißt denjenigen, die keine Angehörigen haben, eine Weihnachtsfreude zu bereiten und ein kleines Geschenk zukommen zu lassen, hatte die Gießener Freilichtbühne am Samstag einen Kunstabend in der Aula veranstaltet. Das verdient gewiß schon um des guten Zweckes willen alle Anerkennung, aber auch davon abgesehen, war den Besuchern ein hoher Genuß geboten, wofür diese dankbar sein dürfen. Etwas derartiges zustande zu bringen, erfordert eine Mühe und Arbeit für die Mitwirkenden und natür⸗ lich auch flir den Leiter, Herrn Prof. Bernbeck, von deren Um⸗ fang die wenigsten Leute einen Begriff haben. Und wenn alles so vorzüglich gelang, so ist das Verdienst umso größer und ein Be⸗ weis für den Fleiß, der aufgewendet wurde. Das wußten zweifel⸗ los auch die zahlreichen Besucher zu würdigen, sie zollten den Dar⸗ bietungen verdienten Beifall. Eingeleitet wurde der Abend mit einem von Alfred Bock verfaßten und von Frl. Gretel Leist mit klarer Aussprache gut vorgetragenen Prolog, der den„Ver⸗ gessenen“ gewidmet wax. Es folgten dann fünf Lieder von Frau Anny Flohn⸗ Burckhard aus Frankfurt gesungen und von Frau Nebelung⸗Knapp auf dem Klavier begleitet. Daß die Sängerin außerordentlich gefiel, bewies der reiche Beifall, der sie noch zu einer Zugabe nötigte. Herr Steinhofer vom Stadt⸗ theater hatte sich als erste Rezitation das„Hexenlied“ ausgewählt,
das er in wahrhaft künstlerischer Weise zum Vortrag brachte. Ern greifend packte diese Dichtung von Wildenbruch; mit lautloser Stille gab sich das Publilum ihrem Genusse hin. Das folgende humoristische Gedicht von der„Hirschledernen Hose“ erntete eben⸗ falls starken Beifall.— Frl. Martha Schild bot eine Anzahl, ernster und heiterer Dichtungen, die alle gute Aufnahmen fanden. Besonders erwähnen wir„Der Hexensteig“ und„Die schöne Bärbe“, womit die Künstlerin großen Beifall erzielte und das letzte Gedicht„Frauenlos“, das im Hinblick auf die gegenwärtige ernste Zeit ungemein zündete. Den Schluß bildete die unter Leitung des Herrn Reallehrer Mulch von zahlreichem Orchester vorgetragene 11. Symphonie von Hay bn. Ausgeführt wurde dieses bedeutende Musikstlick von dem Schülerorchester des Gym⸗ nasiums, das durch Mitglieder der Landsturmkapelle verstärkt war. Daß dem Dirigenten bei einem derart ungleich zusammengesetzten
Orchester erhebliche Schwierlgleiten entstehen, ist auch für den Laien ohne weiteres begreiflich, umsomehr verdient die ausge
zeichnete Wiedergabe des Werkes das Lob, das durch den stürmi⸗
schen Beifall ausgesprochen wurde.— Im ganzen darf die Frei⸗ leichtbühne auf diesen ihren Künstlerabend mit berechtigtem Stolze zursickblicken.
Teuerungszulage in der Koufektionsindustrie. Der Verband der Schneider schreibt uns: In der südwestdeutschen Konfektions⸗ industrie wurde nach Verhandlungen mit dem Verband der Herren und Knabenkleiderfabrikanten eine Teuerungszulage von 8 Prozent auf die seithexigen Tariflöhne bewilligt. Die Zulage wird auf alle nach dem 15. Oktober in Arbeit gegebene Zivilkleidung gewährt und gilt zunächst flir die Dauer von drei Monaten. In Frage kommen alle Engrosfirmen des sübwestdeutschen Bezirks mit ihren Sitz in Darmstadt, Frankfurt a, M., Heidelberg, Mainz, Speyer und Worms. Die Konfektionsschneider und ⸗Schneiderinnen, inssonderheit die weitperzweigte Heimarbeiterschaft des Bezirbes wird diese Zulage angesichts der enormen Teuerung, wenn auch als kleines Aequivalent, gerne entgegennehmen und auf strikte Ein⸗ haltung bedacht sein. f
— Ueber die orientalische Frage und Deutschland spricht Prof, G. Roloff am Mittwoch abend in der neuen Aula. 1
Kreis Wetzlar.
n. Hermann Oppelt gefallen. Wiederum hat der furcht⸗ bare Krieg eine Lücke in die Reihen unserer Wetzlarer Partei⸗ genossen gerissen: Hermann Oppelt ist vor etlichen Tagen gefallen. Im August vorigen Jahres mußte er als Unter⸗ offizier mit dem Infanterie⸗Regiment 81 ausrücken und war noch einer der wenigen, die von den damals zu seiner Kompagnie Eingerückten noch übrig waren. Nun hat in der Nacht vom 14. zum 15. Oktober eine Granate auch dem Leben unseres Oppelt ein Ziel gesetzt und dadurch sein braves Weib mit dem blondlockigen Jungen, sowie andere Angehörige und viele Freunde und Genossen in tiefe Trauer versetzt. Oppelt war ein überzeugter Parteigenosse und Gewerkschaftler un hat stets redlich seine Pflicht getan. Auch während er i Felde stand, hielt er mit seiner Meinung keineswegs zurück und verurteilte scharf das sonderbare, wenig sozialdemo⸗ kratische Verhalten mancher Genossen, die ihre Gesinnung infolge des Krieges revidieren zu müssen glaubten. Oppelt war Bäcker von Beruf und im Konsumverein beschäftigt, aus dessen Personal er das dritte Todesopfer ist, das der Krieg gefordert hat, während der Lagerarbeiter Genosse Bick seit einiger Zeit vermißt wird. Wann wird das Völkermorden endlich ein Ende haben?— Ein weiteres Kriegsopfer ist Genosse Lorenz Hedrich in Niedergirmes geworden. ES traf die bestimmte Nachricht ein, daß dieser brave Mensch und gute Familienvater gefallen ist. Ehre seinem Andenken!
Eine mutige Rettung vollbrachte in Aßlar die Frau des Gärtners Wieber. Es war das dreijährige Söhnchen des Zim⸗ mermeisters Schmidt am Freitag beim Spielen in den Mühlgraben gefallen; die Frau war durch das Hilfegeschrei der Kinder aufmerk⸗ sam geworden und sofort sprang sie herbei und gelang ihr, das Kind vor dem Tode des Ertrinkens zu retten. 5
n. Gegen die Kartoffel⸗Preistreiberei. Der Konsumverein Wetzlar-Braunfels gibt bekannt, daß er zu den heute ge⸗ forderten Preisen keine Kartoffeln einkaufen werde. Er fordert von der Regierung Beschlagnahme und geregelte Verteilung an die Konsumenten, er macht ferner sehr mit Recht auf die Dringlichkeit der Versorgung aufmerksam, da später durch Frostgefahr große Verluste entstehen können. J 1
Tagesberichtedes Großen Hauptauartiers.
Ein verfehlter Landungsversuch der Russen. Weitere Erfolge östlich Pinsk und am Styr. Unaufhaltsames Weichen der Serben.
W. B. Großes Hauptquartier, 23. Okt., vorm.(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz, 8
Nichts Neues. 5
Oestlicher Kriegsschauplatz, 2 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
An der Nordspitze von Kurland erschienen russische Schiffe, beschossen Petraggen, Domesnees und Gipken und landeten schwache Kräfte bei Domesnees. Wiederholte, mit starken Kräften unterxnommene russische Angriffe in Gegend südlich von Sade we hatten auch gestern keinen Erfolg. Sie führten bei Duki zu heftigen Nah⸗ kämpfen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Südlich des Wygonowskoje-Sees wurden in Verbindung mit der Heeresgruppe des Generals v. Linsingen feindliche Angriffe gegen unsere Stellungen am Ogin sky ⸗ Kanal abgewiesen.—
Westlich von Czartorysk ist unser Angriff im weiteren Fortschreiten, Kukli ist genommen, über sechs⸗ hundert Mann sind eingebracht.
Balkan.
Bei Vaisegrad wurde der Uebergang über die Dina erzwungen und der Feind von der Höhe südlich des Ortes vertrieben.
Die Armee des Generals v. Köveßß hat die feindlichen Stellungen zwischen der Lukavica und dem Kos ma 1. Berg gestürmt. Die Armee des Generals v. Gallwitz hat den Gegner östlich von Palanka über die Jasenie 0 und östlich der Morawa aus feinen Stellungen in der Linie Aleksandrovac-Orljevo geworfen. Ueber sechshundert Serben sind gefangen genommen.


