Hessen

nicht zufrieden gegeben

über die hohen Getreidepreise.

zu beseitigen,

Preis dauernd bis zur Höchstgrenze steigen.

ö. Beilage zur Ober

Gießen, Samstag, den 2. Oktober 1915.

hessschen Voltszeitung Nr. 23

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und Nachbargebiete. 6 Gießen und Umgebung. 1 Die Tage leuchten.

Wie sind die Tage sonnenglanzdurchsponnen, Voll warmer Reife, kühlem Duft,

So still, als sei das Leben ausgeronnen Und hauche seinen letzten Atem in die Luft!

Die Aepfel leuchten aus dem dunklen Grün,

Der Bäume Wipfel sacht sich färben: Ich seh den Bauern seine Furchen ziehn, etrost weil Leben größer ist als Sterben.

5 Und dennoch stöhnt der Krieg an allen Grenzen, Als hab der Mensch nie Besseres gekannt Die Tage leuchten, und die reifen Früchte glänzen; Granaten wühlen sich in Menschenfleisch und Ackerland. Edwin Hoernle.

Die Höchstpreise.

Den berechtigten Klagen über die hohen Preise aller Gebrauchsartikel, nicht zum mindesten unserer Nahrungs mittel, können durch keine noch so geschickt geführten Nach⸗ weise über höhere Produktionskosten und Handelsspesen zum Schweigen gebracht werden. Diese Erklärung genügt näm⸗ lich nicht, weil die Preise über die tatsächlich höheren Auf⸗ wendungen hinausgegangen sind und die Beschränkung nur durch Zwangsmaßnahmen gegen Produzenten und Händler möglich ist. Als solche Zwangsmaßnahmen ist sofort bei Ausbruch des Krieges die Festsetzung von Höchstpreisen wirksam geworden. 7

Im Handel hat man sich mit dieser Neuordnung bisher und die Produzenten haben ihren Widerstand nur aufgegeben, wenn die Preise recht hoch fest⸗ gesetzt wurden. Ueber die Wirkung der Höchstpreise versucht

man fortgesetzt die Bevölkerung irre zu führen, und es fehlt

nicht an Stimmen, die dafür eintreten, die Freiheit des Handels wieder einzuführen, mit der Begründung, die Preis⸗ lage werde dadurch günstiger für den Konsumenten.

Es ist klar, daß gewisse Kreise ein Interesse daran haben, die Marktlage voll auszunützen, und daß sie jede Behinde rung unangenehm empfinden. Ohne Höchstpreise, ganz unter der Führung der freien Konkurrenz, hätten wir für die Nahrungsmittel, die heute unter Höchstpreisen stehen, die wildeste Preistreiberei. Wir klagen mit Recht Wenn wir aber be rücksichtigen, daß in Rumänien im freien Verkehr Gerste und Mais einschließlich der Spesen die Tonne mit 600 Mk. nach Deutschland gehandelt wird, während wir Weizenhöchstpreise von 250 Mk. haben, so können wir uns ein Bild machen, was uns bevorstände, wenn uns der freie Handel, im Verein mit den Produzenten, ganz nach Belieben die Preise diktieren könnte. Wie schwer es empfunden wird in den Kreisen der Interessenten, daß sie sich diesem Zwang fsigen mußten, ist daraus ersichtlich, daß seinerzeit Graf Mirbach in einer Ver sammlung der Steuer- und Wirtschaftsreformer es als eines der großen Opfer, die die Landwirtschaft bringe, bezeichnete, daß sie auf die Ausnützung der freien Marktlage perzichte. Einige Interessenten des freien Handels haben höhnend darauf hingewiesen, daß die Höchstpreise umgangen werden, d. h. zu höheren Preisen Waren vermittelt wurden. Das it kein Versagen der Höchstpreispolitik; denn diese Treibereien genügt ein festes Zugreifen der Behörden. Daran hat es vielfach gemangelt, weil unserm ganzen be hördlichen Verwaltungsapparat, der auf dem Lande mit agrarischen Interessen eng in Berührung kommt, diese An ordnung sehr zuwider ist. Indes, ein Beweis für das Fehl schlagen der Höchstpreispolitik ist das nicht; sondern nur ein Widerstreben gegen eine bisher in der preußischen Verwal tung unbekannte Tendenz.

Weiter wurde von derselben Seite mit Nachdruck her tiorgehoben, daß die Höchstpreise zu Normalpreisen geworden sind für die betreffenden Artikel, ein Tangieren unter diese Höchstpreise gar nicht in die Erscheinung getreten ist. Von

diesem Argument haben sich leider auch einige unserer Par

teifreunde irre führen lassen. Es ist ganz selbstverständlich, daß, wenn für einen Bedarfsartikel, der nicht im Ueberfluß auf dem Markt vorhanden ist, Höchstpreise festgesetzt werden, diese Höchstpreise Normalpreise werden. 5

Da nun bei einer großen Anzahl unserer Nahrungs mittel ein mangelndes Angebot vorhanden ist, muß der Es handelt sich mithin darum, eine den Konsumenten schützende Maßnahme herbeizuführen; die Höchstpreise dürfen nicht übermäßig hoch

gestellt werden, sondern müssen unter Berücksichtigung der

Produktionskosten unter Zuschlag eines mäßigen Betriebs gewinnes ermittelt werden. Das ist leider nicht geschehen. Die große politische Interessengruppe, die den agrarischen Bestrebungen ohne Rücksicht auf irgend welche andern Inter essen nachgeht, hat es verstanden, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Preise weit über das Maß berechtigter Ansprüche festgestellt wurden. Hier haben wir mit einem Fehler in der Höchstpreispolitik zu rechnen, der aus den gegenseitigen wirtschaftlichen Interessen entspringt, aber immer noch milder ist, als in der gegenwärtigen Zeit das wüste Treiben der freien Konkurrenz.

Ein anderer Grundsatz, der bei der Höchstpreispolitik vielfach eine Rolle spielt, muß entschieden als unrichtig zurückgewiesen werden. Man hat bei der Festsetzung der Preise für Futtermittel sich darauf berufen, welchen Wert diese Futtermittel haben gegenüber dem Preisstand, den im Ausland die Futtermittel erreichen, oder man hat auch, wie zum Beispiel bei Festsetzung der Kartoffelpreise, Vergleiche angestellt, welchen Wert die Kartoffel als Futter mittel hat, wenn Gerste und Hafer auch im Inland hoch im Preise stehen. Das bedeutet leider, daß die Spekulation des

7 5 Auslandes, die aus unserer Notlage Vorteil zieht, wenn auch mit geschwächten Kräften, im Inland fortgesetzt wird.

Der Landwirt hat nur einen Anspruch, daß der Preis so ge⸗

setzt wird, daß ihm die Produktionskosten, plus Betriebs⸗

gewinn gesichert werden, nicht aber einen besonderen Kriegs⸗

gewinn als Aufschlag genommen wird. Wenn von diesem Gesichtspunkt geleitet, der Höchstpreis festgesetzt wird, so wird er dem Landwirt kein Unrecht zufügen.

Mit dem Höchstpreis muß in enger Verbindung stehen das Recht der Beschlagnahme für diejenigen Ge⸗ brauchsartikel, die der Volksernährung gesichert werden müssen. In jedem Fall erscheint mit dem Söchstpreis die Beschlagnahme der gesamten Bestände nicht notwendig. Die Beschlagnahme von Roggen und Weizen mußte gefordert wer⸗ den, weil sonst die Gefahr bestand, daß ein Teil zu Futter⸗ mitteln benützt und damit die Verwendung für die mensch⸗ liche Nahrung beengt würde. Anders gestaltet sich schon bei der Kartoffel die Beschlagnahme. Wenn wir die Gewißheit haben, daß eine große Kartoffelernte den Anteil für die menschliche Nahrung vollständig befriedigt, so ist die Be⸗ schlagnahme unnötig, ohne daß es sich empfiehlt, den Höchst⸗ preis deshalb aufzuheben. Denn wir müssen immer mit schwankenden Marktverhältnissen rechnen, die durch die Kriegslage hervorgerufen werden. Es braucht nur daran erinnert zu werden, wie durch den Eindruck, unsere Kartoffel- bestände langen nicht aus, ein plötzlicher Ansturm auf dem Kartoffelmarkt die größte Kalamität hervorgerufen hat. Die Höchstpreisfestsetzung für Kartoffeln im Frühjahr gibt auch ein Beispiel dafür, wie es nicht gemacht werden soll. Die Höchstpreise waren erst in mäßiger Höhe, wurden dann aber fortgeseßt heraufgeschraubt. Die Folge war eine sehr un⸗ sichere Marktlage und künstliche Zurückhaltung vom Markt, um auch die letzte Steigerung zu erlangen. Zum Glück ist diese Höchstpreispolitik, die dem Produzenten Preise bis zu 12 Mark den Zentner in Aussicht stellte, dadurch durchkreuzt worden, daß man mehr Kartoffeln zur Verfügung hatte, als wir nach statistischen Berechnungen annehmen mußten. Das plötzliche große Angebot der zurückgehaltenen Bestände hat dann den Preis unter den Höchstpreis sinken lassen. Uebrigens ein Beweis dafür, daß bei einem Ueberfluß an Gebrau. artikeln auf dem Markt der Höchstpreis nicht mehr in Wirk samkeit tritt, sondern nur die Grenze bildet, über die eine wlste Spekulation nicht hinausgehen darf.

Sehr bemerkenswert war, daß in der letzten Tagung des Reichstages der Staatssekretär Dr. Delbrück andeutete, es müsse versucht werden, Interessentenkreise des Handels und der Produktion zu einer Organisation zusammen zu bringen, um mit dieser über die Preisbildungen Vereinbarungen zutreffen. Es scheint uns, daß dem Staatssekretär das Beispiel der großen Kartelle vor⸗ schwebt, die in ihrer Organisation eine Preisregelung viel leichter durchsetzen können, als der freie Handel. st

Dem ist nur entgegen zu halten, daß sofort sehr große Schwierig⸗ keiten eintreten, wenn es sich um eine große Zahl kleiner Gewerbetreibender handelt. Kartelle sind nur wirksam ge worden mit ihrer Preispolitik, wenn sie sich im wesentlichen auf große Unternehmungen erstreckten, und so Preise und Produktion beherrschten. Diese Kartelle haben die Preis⸗ politik der Regierung überflüssig gemacht. Wo ihnen aber die Verlockuügen Reiz boten, es jetzt mit dem freien Wett⸗ bewerb zu versuchen, um sich der lästigen Kontrolle und der Aufsicht des Kartells zu entziehen, hat die Regierung, wie beim Kohlensyndikat, die Androhung erlassen, daß sie den Zwang dann durch die Gesetzgebung ersetzen würde. Das Mittel hat vorläufig geholfen.

Sehr interessant ist auch, wie sich die Verhältnisse auf dem Petroleummarkt gestalteten. Solange die deutsch⸗ amerikanische Petroleumgesellschaft die Führung hatte, d. h. noch genügende Bestände, um sie auf den Markt zu bringen, blieb der Preis in mäßigen Grenzen. Das änderte sich sofort, als die Konkurrenz aus Rumänien und Galizien sich breit machte und uns Preise mit 100 Prozent Aufschlag bescherte. Unter der Herrschaft der deutsch-amerikanischen Petroleum⸗ Gesellschaft wäre die Preisfestsetzung der Regierung für Petroleum unnötig gewesen. Aber mit dem Auftreten der freien Konkurrenz hat die Rogierung, wie man anerkennen muß, wenn auch, wie immer reichlich spät, eine erhebliche Herabsetzung der Preise vorgenommen. Wenn sie mit der selben Entschiedenheit die Preise für die landpirtschaftlichen Produkte herabgesetzt hätte, stände manches besser für unsere Volksernährung als wie gegenwärtig.

Es ist sehr unsicher, ob es gelingt, durch eine Zwangs organisation des Großhandels Ordnung und Regelung des Marktes und der Preisbildung herbeizuführen. Das wird besonders auch da schwierig sein, wo es sich um Produkte handelt, die fortgesetzt Preisschwankungen unterworfen sind. Wir weisen nur auf den Markt für Gemüse und Obst hin. Die Organisation müßte dann auch mit sehr weit⸗ gehenden Zwangsvollmachten ausgestattet sein, um ihren Zweck zu erreichen. Diese Zwangsvollmachten könnten aber wohl kaum so begrenzt werden, daß sie nur der Preisbildung dienen, die im Interesse einer billigen Nahrungsmittel⸗ versorgung liegt. In den Händen einer geschickten Leitung kann sie das Gegenteil erreichen. Eine gewisse Sicherung würde nur damit erreicht, daß die Preispolitik unter staat⸗ liche Kontrolle gestellt wird. Es muß deshalb gegenüber einem solchen Versuche, durch andere Mittel die Höchstpreis⸗ festsetzung auszuschalten, zur größten Vorsicht gemahnt wer⸗ den. Eine richtig angewandte Höchstpreispolitik bietet gegenwärtig den besten Schutz gegen eine Uebervorteilung, nicht nur des Konsumenten, sondern auch des Produzenten und des Handels. Eine feste Grundlage der Preise beseitigt die Spekulation. Das mag manchen zweifelhaften

Eristenzen, die dem Handel nicht gerade zur Zierde gereichen,

das nötige Betätigungsfeld entziehen, aber

volkswirtschaft⸗ lich werden wir keinen Schaden durch die Ausschalkung solcher Eristenzen erleiden. Notwendig ist nur bei einer wirklich guten Durchführung der Söchstpreispolitik, daß man nicht davor zurückschreckt, voll die Bestimmungen der Bundesrats verordnung in Anwendung zu bringen, die Waren zu beschlagnahmen, wenn sie der Produzent oder Händler zurückhält. Die Preisfest · setzung muß ferner jeden Anreiz zur Spekulation für einen späteren Verkauf der Ware ausschalten und sich nicht durch das Geschrei der Interessentenkreise über den berechtigten Anspruch solcher Zuschläge irre führen lassen. Eine solche Höchstpreispolitik geleitet von dem Gesichtspunkt, dem Ge⸗ samtwohl zu dienen, würde für die Nahrungsmittelver⸗ sorgung unserer Bevölkerung von unschätzbarem Wert sein und nicht zum geringsten für die Sicherung und Stärkung der inneren Festigung unseres Volkes beitragen.

Der Weltkrieg im Spiegel der Heiratsaunouce.

Es ist wohl keine müßige Spielerej nur, wenn Justizrat Rosenthal- Breslau einmal auch die Frage untersucht hat, in welcher Weise der Krieg den sonst so stark benutzten Heiratsmarkt der bürgerlichen Blätter beeinflußt hat. Die Heiratsannonce hat ja längst aufgehört, denungewöhnlichen Weg zur Ehe zu bilden; sie bietet heute Manchem und Mancher, die, sei es am kleinen Orte, sei es selbst in der Großstadt, einsam leben, die einzige Möglichkeit, einen passenden Ehepartner zu finden.

Daß der Krieg die Zahl der Ehesuchenden, besonders des männ. lichen Geschlechtes, stark herabdrücken würde, war als selbstverständ⸗ lich vorauszusetzen. Dennoch muß die Frage interessieren, wie stark diese Einschränkung eigentlich war, wie sie auf das Alter der Heiratssuchenden einwirkte und inwieweit von ihr auch etwa das weibliche Geschlecht betroffen wurde. Rosenthal hat seinen Unter⸗ suchungey, deren Ergebnis er in der Neuen Generation veröffent⸗ licht, je drei Sonntagsnummern aus tiefster Friedenszeit(No⸗ vember 1913) und aus Kriegszeit(Januar März 1915) einer be⸗ kannten Tageszeitung zugrunde gelegt. In den drei Friedens⸗ nummern befanden sich 467 Heiratsannoncen, in den drei Kriegs⸗ nummern 131, also nur 28 Prozent derFriedenspräsenzstärke. Merkwürdigerweise ist dabei die Zahl der männlichen Gesuchsteller von 271 auf 79, oder auf 30 Prozent, die der weiblichen dagegen von 196 auf 52 oder auf nur 261 Prozent zurückgegangen. Die Heiratsaussichten sind also von weiblicher Seite schlechter eintaxiert worden, als sie wirklich sind.

Das Alter der männlichen Heiratssuchenden zeigt sich in folgender Weise verschoben. Im Frieden standen 19 Prozent der Ehesuchenden im Alter von 2030 Jahren, im Kriege nur 9 Proz.; 49 Prozent waren im Frieden, 30 Prozent im Kriege 3040 Jahre alt. Dagegen war der Anteil der 4050jährigen in Friedenszeiten nur 13½, in der Kriegszeit aber 25 Prozent und der Anteil der iber 50jährigen stieg sogar von auf 13 Prozent, wobei sich auch die absoluten Zahlen von 7 auf 10 erhöhten, während der Anteil der Annoncen ohne Altersangabe von 16 auf 23 Prozent stieg. Demnach hat der Krieg in den älteren Herren sogar eine verstärkte Ehesehnsucht erwetkt!

Eine Verschiebung hat auch die Tonfessionszugehörig⸗ keit der Ehesuchenden beiderlei Geschelchtes erfahren. Den stärksten Anteil stellen sowohl in Friedens⸗ als auch in Kriegszeiten die jüdischen Inserenten. In den Friedensnummern kamen auf 203 jüdische Reflektanten 126 christliche und 138 freireligiöse oder keine Angabe machende. Dabei waren von den christlichen Inserenten 11 0 5 und 29 weiblich, von den jüdischen dagegen 95 mänm⸗ ich un, 59 weiblich. In den Kriegsnummern war die Zahl der jüdischen Heiratssucher auf 43(19 männliche, 24 weibliche) oder auf 21 Prozent ihrer Friedensstärke herabgegangen, die der christlichen auf 38(30 männliche und 8 weibliche) oder auf 30 Prozent, die der

noch auffälliger. Irgendwelche Schlüsse ziehen, ist wohl kaum erlaubt.

Städtische Siedelungspolitik nach dem Kriege. Die deutsche Gartenbaugesellschaft hielt am 25. und 20 September in Köln ihre Hauptversammlung ab und be⸗ faßte sich im wesentlichen mit den besonderen Problemen, die durch den Krieg aufgeworfen wurden, vor allem mit der Wohnungsfrage. Dr. Hus zgzynski, der Direktor des Statistischen Amts der Stadt Schöneberg, sprach über Städtisché Siedlungspolitik nach d Kriege. Er beklagte sich über diegeistige Benommen⸗ heit vieler Gebildeten, die trotz den Kriegslehren noch immer nicht die Dringlichkeit bestimmter notwendiger Reformen er⸗ kennen wollten. Das preußische Abgeordnetenhaus habe in 14 Monaten ganze 42 Stunden getagt und komme erst im Januar wieder zusammen, obwohl wichtige Aufgaben in 1 Hülle und Fülle vorlägen. Wir müßten gleich nach den Kriege mit großer Wohnungsnot rechnen; seit einem Jahre 5 sei die Bautätigkeit fast völlig eingestellt, beim Friedens⸗ schluß aber erschienen auf dem Wohnungsmarkt die vielen Kriegsgetrauten, die Familien, die jetzt mit anderen zu⸗ 1 sammenwohnen usw. Ferner sei mit einem beträchtlichen Zustrom vom Lande nach der Stadt zu rechnen. Zu dem Wohnungsmangel, der bei den Kleinwohnungen besonders groß sein werde, komme infolge des höheren Hypotheken? zin 8 und der Verteuerung der Wohnungsherstellung noch eine Steigerung der Mietpreise. Der Redner erinnert daran, daß im Jahre 1871 drei Monate nach dem Friedensschluß in Berlin über 10000 Familien obdachlos geworden und infolge- dessen Tumulte entstanden seien; er fordert eine rechtzeitige künstliche Belebung der Bautätigkeit zur Herstellung vieler guter und billiger Kleinwohnungen. 5 5 In der ausgedehnten Aussprache urteilte man über dil Finanzierungsmöglichkeiten des künftigen Kleinwohnungs baues teilweise recht pessimistisch. Ein Oberregierungsrat meinte, er wisse nicht, woher wir das Geld hierfür nehmen

aus dieser Tatsache zu

sollten, wenn wir nicht eine hohe Kriegsentschädigung er⸗ 1

e Gegen die viel gehörte Behauptung, daß der deutsche Arbeiter für minderwertige Bedürfnisse zu viel, aber für seine Wohnung zu wenig ausgebe, wandte sich Kuszynski in seinem Schlußwort mit großer Entschiedenheit. Es sei ausgeschlossen, daß in Deutschland noch ein größerer Teil des Einkommens als bisher für Wohnungszwecke aufgewendet dar den könn

offenbar noch f

108 weiblich, von den freireligiöbsen usw, 79 männlich und 1

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