Ji U tig Ah a 7
gtr, eri
und Nachbargebiete
Gießen und Umgebung. g
Eine deutsche Kartoffelverteilungsstelle.
Am Dienstag fand auf Veranlassung des Reichskanzlers en Düsseldorf unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Innern, Dr. Delbrück, eine Konferenz von Vertretern der Regierung und der Kommunalverbände usw. statt, um über die Frage der Versorgung der westlichen Großstädte und Industriereviere mit Kartoffeln und Milch zu beraten. An den Verhandlungen beteiligten sich u. a. auch der preußische Landwirtschaftsminister, der Handelsminister und der preußische Minister des Innern. Bei der Erörterung der Kartoffelfrage wurde von der Regierung darauf hingewiesen, daß sehr reichliche Kartoffelvorräte im Lande vorhanden und
daß alle Befürchtungen über geringe Vorräte vollständig
unbegründet seien. Die diesjährige Kartoffelernte werde einen Rekord des letzten Jahrzehnts darstellen. Man rechne mit mindestens 52 Millionen Tonnen Kar⸗ toffeln; vielleicht werde man auch auf eine Summe von 60 Millionen Tonnen kommen und es müsse deshalb dringend vor sogenannten Angstkäufen gewarnt werden. Jeder könne beruhigt darüber sein, daß genügend Kartoffeln zu ange— messenen Preisen auf den Markt kommen. Die Regierung habe in Aussicht genommen, aus den Reihen der Kommunal⸗ verbände insbesondere der Städte, ferner aus den landwirt— schaftlichen Genossenschaften und den Händlern eine gemein— nützige Gesellschaft m. b. Haftung zu bilden, die dafür sorgen soll, daß den Städten und sonstigen Bedarfsverbänden auf ihr besonderes Verlangen hin Kartoffelvorräte als Reserve für die kalte Periode und für eine gewisse Uebergangszeit im Frühjahr zu angemessenen Preisen zugeführt werden. Die Beschaffung dieser Reserven soll durch Vermittlung des Handels erfolgen, dessen freie Betätigung im übrigen in Feiner Weise gehemmt wird.
Die Gründung ist denn auch bereits unter dem Namen „Deutsche Kartoffelverteilungsstelle“ erfolgt. Sie hat ihren Sitz in Düsseldorf. Die Verteilungsstelle ar⸗ beitet in Verbindung mit dem deutschen Kartoffelgroß⸗ händlerverband in Düsseldorf. Sie ist unter behördliche Auf⸗ sicht gestellt und will erreichen, daß die Kreise und Städte, die hauptsächlich als Abnehmer in Frage kommen, die Preise sich nicht gegenseitig in die Höhe treiben, indem sie alle mög⸗ lichen Händler und Agenten veranlassen, Kartoffeln aufzu⸗ kaufen oder Angebote einzusenden. Vielmehr sollen die Städte die von ihnen gewünschten Angebote durch die Ver— teilungsstelle einfordern und ihr so Gelegenheit geben, Ware zu billigen Preisen zu beschaffen.
Der Schmutz des Geldes.
So weit ist wohl heute jeder denkende Mensch in dem Be⸗ wußtsein, was er seiner Gesundheit schuldig ist, gekommen, daß er einen wahren Ekel schon bei dem bloßen Gedanken empfinden würde, ein Geldstück in den Mund zu nehmen. Man stelle sich vor, durch wie viele und was für Hände ein Pfennig oder ein Nickel ge⸗ gangen sein muß, ehe er in den Zustand der Abgegriffenheit und Verfärbung gelangt ist, wie ihn ältere Jahrgänge gewöhnlich auf⸗ weisen. Wieviel Schmutz an einem solchen Geldͤstück klebt, davon erhält man erst einen Begriff, wenn man einen Reinigungsversuch vornimmt. Man kann selbst bei eifriger Arbeit eine lange Weile damit zubringen, ehe es gelingt, die Kruste von schwarzem fettigem Schmutz an einer solchen Münze insoweit zu beseitigen, daß der ursprüngliche Glanz wieder zum Vorschein kommt.
Der leichter entfernbare Schmutz der kleinen Münzen besteht zus mehr oder weniger feuchten oder klebrigen Stoffen. Ihr Ur⸗ sprung ist nicht schwer zu erraten. Abgesehen von den natürlichen Ausscheidungen der menschlichen Haut gibt es eine Unzahl von klebrigen Stoffen, die sich an den Fingern der Leute befinden und in vielen Fällen leider geradezu befinden müssen, die am meisten mit dem Kleingeld zu tun haben, also namentlich in den Läden. Die Hände eines Schlachters sind oft noch mit etwas anderem ver⸗ unreinigt als mit Fett, und was von dem Tisch eines Material⸗ warenladens alles auf die Geldstücke übergehen mag, entzieht sich zwar der Gewißheit, nicht aber der Vermutung. Die Gedanken daran sind den zur Reinlichkeit erzogenen Leuten so unangenehm, daß sie sich wohl nur höchst selten die schmutzige Beschaffenheit der Münzen in ihren Händen vergegenwärtigen, geschweige denn über die Möglichkeit grübeln, daß auch die Geldstücke Träger für Krank⸗ heitskeime sein können. Und doch sind sicherlich sehr oft viele krank⸗ heitserregende Bakterien in den Vertiefungen einer Miinze ver⸗ borgen. Auch der bakteriologische Zustand einer Hosen⸗ oder Rock⸗ tasche würde in dieser Hinsicht einer Untersuchung wert sein. 5
Auch ohne eingehende Forschungen dieser Art kann man, ein Bedauern dafür empfinden, daß keine Gelegenheit und vielleicht auch kein Mittel dazu besteht, die schmutzigen Münzen von Zeit zu Zeit einer Reinigung zu unterziehen. Wenigstens sollte dafür an den Stellen gesorgt sein, wo sie sich besonders ansammeln, also an Isentlichen Zahlstellen. Es würde gar nicht schwer sein, Jroße Mengen von Münzen gleichzeitig durch Waschen in heißem Wasser und Seife ziemlich gründlich zu reinigen. Nun sollte man außer⸗ dem glauben, daß ein einigermaßen geschickter Erfinder ohne viel Mühe eine billige und handliche Maschine zur schnellen Reinigung von Münzen herstellen könnte, die an gewissen Orten gute Dienste leisten würde. Vielleicht bedarf es nur einer starken Anxegung, um diese Frage einmal wirksam auf die Tagesordnung zu setzen. Alle Mittel des Geldverkehrs in einem Zustande zu erhalten, 5 den Forderungen der Gesundheitspflege nicht zuwiderlaufen, wir vielleicht niemals erreichbar sein, aber Versuche sollten diesbezüg⸗ lich doch gemacht werden. Ganz besonders wäre es auch angezeigt, das Papiergeld in dieser Hinsicht noch einer viel schärferen 1 5 sichtigung zu unterwerfen. Namentlich auf die kleinen Scheine, die der Krieg uns gebracht hat, die Ein⸗ und Zweimarkschelne, aber auch auf die Fünfmarkscheine und auch auf die Scheine von 1. Wert bis zu 100 Mark trifft der scherzhaft gebrauchte Ausdru
Lappen“ nur allzu häufig buchstäblich zu.
— Ein Jubiläum der Stadt Gießen. Aus Anlaß der 650jährigen Zugehörigkeit Gießens zu Hessen hielt die Stadtvertretung gestern eine Festsitzung ab. 5 5 Bürgermeistereigebäude wehten die Flaggen, woraus manche aus dem Publikum den Schluß zogen, daß vielleicht wieder ein großer Sieg ersochten, oder am Ende der Friede gesichert sei. Ein Anschlag am Brett klärte aber die Neugierigen über den Grund der festlichen Schmückung auf. Im Stadtverord. netensaale war das Podium mit grünen Pflanzen geschmückt; eine große Anzahl städtischer Beamter wohnte der Sitzung bei. Von den Stadtverordneten waren 15 Mann anwesend. Der Ober bür germ ehster ergriff das Wort und führte u. a. aus;
Mitten in dem gewaltigen Völkerringen ist für unsere Stabt ein Gedenktag herangekommen und wenn auch die ernste Zeit des Krieges, der all' unsere Gedanken erfüllt, größere Feierlichkeiten naturgemäß verbietet, so wollen doch die erwählten Vertreter der Stadt eine Stunde dankbarer Erinnerung dem denkwürdigen Er⸗ eignis weihen, daß heute die Stadt Gießen 650 Jahre mit Hessen vereinigt ist.
Im Jahre 1265— am 29. September wird es zum erstenmale urkundlich bezeugt— kam Gießen, schon damals mit dem Stadtrecht begabt, an Heinrich, den ersten Landgrafen von Hessen, den Be⸗ gründer des hessischen Fürstenhauses, aus dem Herzogsstamme von Brabant.
1265 und 1915, welche Fülle wechselvollen Geschehens in unserem Hessenlande, in unserem Fürstenhaus, im Staats⸗ und Verfassungsleben, im Städtewesen, nicht zum wenigsten im Werde⸗ gang unserer Stadt Gießen. Aber, so verschieden die Zustände des 13. von denen des 20. Jahrhunderts sind; gerade in der Entwicklung der Städte darf die vergleichende Be⸗ 9 0 2 655 cht ung manche Uebereinstimmung feststellen. 5
Die Glanzzeit im Aufstieg der Städte während des Mittelalters ist das 13. Jahrhundert. Wir sehen die Städte in der Blüte ihrer Kraft auf allen Gebieten, vor⸗ nehmlich in der Pflege eines ausgebreiteten Handels und voll⸗ endeten Gewerbefleißes. Vermöge ihrer stets bewährten Gesinnung ward den Städten bedeutsamer Einfluß auf die Landes⸗ regierung vergönnt und zuerst von allen Ständen sind die Städte zur Landstandschaft gelangt.
„Wenn so das Reich die Kräfte ausgelöst hat, welche das Städte⸗ bürgertum zu neuen herrlichen Taten wirtschaftlichen und kul⸗ turellen Schaffens entflammt hat, so wissen wir doch, daß die Wurzeln allen Aufstiegs im heimatlichen Boden, in hei⸗ matlicher Art und Sitte gelegen sind.
Als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Erneuerung des preußischen Staats zur Notwendigkeit wurde, gründete Freiherr vom Stein in beispielloser Kühnheit der Gedanken die Wieder⸗ geburt der Nation auf die freie Selbstverwaltung des Städtebürgertums. Es war der Leitgedanke der Stein- schen Reform, die Verfassung des Staates aus der kommunalen Selbstverwaltung heraus zu entwickeln. Zu allererst wurden die Bürger der Städte zur freiwilligen Teilnahme am Staatswesen aufgerufen. Freiheit und Selbständigkeit in der Verwaltung städtischer Angelegenheiten, daraus folgend Belebung des Gemein— geistes und Bürgersinnes, wie der Vaterlandsliebe und National-
1110— auf diesen Grundlagen sollte der Staat neu aufgebaut werden. Machtvoll sind die Städte durch die freie und ehrenamtliche
Arbeit ihrer Bürger emporgestrebt und in stetigem Fortschritt zu hoher Kultur und großem Wohlstand gelangt; immer neue wirt- schaftliche, soziale und kulturelle Aufgaben nahmen sie auf sich auf zahlreichen Gebieten eines mannigfaltigen kommunalen Lebens. Durch den Gemeingeist ihrer Bewohner, durch opferwillige Tat- kraft und Vaterlandsliebe wurden die Städte zu her vorragen⸗ den Gliedern des Staates und nie versagenden Helsern des Vaterlandes.
Redner schloß mit einem Hoch auf den Großherzog. — Hierauf verlas der Oberbürgermeister die Glückwunsch⸗ telegramme, die vom Ministerium des Innern, sowie vom Staatsminister v. Ewald eingegangen waren; ferner die Ant— wort, die er darauf abgesandt hat. Vom Großherzog wurde aus Anlaß des Tages dem Oberbürgermeister eine Amtskette gestiftet.— Stadtv. Dr. Ebel hielt hierauf einen längeren Vortrag über die wechselvolle Geschichte Gießens und die Lei⸗
den, welche die Stadt bei den vielen Kämpfen, Truppendurch⸗
dizüg, Belagerungen ꝛc. auszustehen hatte. Natürlich ist es nicht möglich, alle die Daten hier anzuführen, die in der Ge⸗ schichte der Stadt von Bedeutung sind und die zahlreichen Grafen, Landgrafen, Edlen, Ritter usw., die dabei eine Rolle spielten.— An die Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche an.
— Beutegeschütze in Gießen. Generalkommando hat den hessischen Städten erbeutete Geschütze zur öffentlichen Aufstellung zur Verfügung gestellt. Auch Gießen erhält solche, über deren Aufstellung die Stadtverordneten gestern zu beschließen hatten. Die Geschütze sollen vor der alten Klinik aufgestellt werden.
— Der Gießener Herbst-Pferdemarkt, der gestern abge⸗ halten wurde, hatte sehr unter dem ungünstigen Wetter zu leiden, er war vom Publikum so schlecht besucht, wie es kaum je vorher der Fall war. Die Beschickung des Marktes mit Tieren war auch erheblich geringer als früher, was auf den Kriegszustand zurückzuführen ist. Im ganzen waren 90 Pferde und Fohlen aufgetrieben, während bei früheren Märkten etwa 250 Stück gezählt wurden. Unter den zur Prämiierung vorgeführten Arbeitspferden waren recht statt liche Exemplare, doch sah mam auch recht geringes Material. An Prämien wurden insgesamt 1650 Mark zuerkannt; die einzelnen Preise bewegen sich zwischen 80 bis 10 Mark.
— Die Untauglichen. In den letzten Tagen wurden die als dauernd Untauglichen aufs neue gemustert. Man nimmt an, daß sich das Leiden, das sie damals untauglich machte, bei vielen inzwischen gehoben hat, und daß sie nun den verschiedenen Truppenteilen oder wenigstens dem Garnisondienste zugeführt wer⸗ den können. Andererseits werden täglich viele, die draußen im Felde gestanden haben, als untauglich erklärt, oder sie werden nummehr für den Garnisondienst bestimmt oder als Soldaten für Arbeit in ihrem Berufe. So nimmt der Staat eine systematische Einteilung des Menschenmaterials nach der Gesundheit und den Körperkräften und Fähigkeiten vor. Immer mehr wird gesiebt und organisiert. Draußen die Gesunden und Starken, in den Garnisonen die Schwä⸗ cheren und im Arbeitsleben, natürlich mit Ausnahmen, diejenigen, die für jene militärischen Dienste nicht zu gebrauchen oder über⸗ flüssig sind.„„ 0 0
Daß solche Einteilung nach körperlicher Kraft und Fähigkeit einem gesunden Grundgedanken entspricht, läßt sich nicht leugnen. Jeder auf dem Platze, für den ihn die Natur geschaffen, und da im Kriege die körperliche Kraft und Gesundheit der richtige leitende Maßstab ist, so soll mit Recht jeder auf dem Posten stehen, den seine körperliche Veranlagung erheischt. 5 8 925
Aber warum kennt man nur im Kriege solche planmäßige Or⸗ ganisierung von einem festen Grundgedanken aus? Müßte nicht auch dem Leben des Friedens solche systematische Einteilung zugute kommen? Müßte nicht auch da jeder zu finden sein, wohin ihn die Natur zwingt, die körperliche und geistige Veranlagung? Warum aber sitzt da oft der Schuster am Katheder, wie sich Bebel einmal aus⸗ drückte, und der Professor auf dem Schusterstuhle? Weil die Vor⸗ aussetzung zur Bildung heute noch eine private, peku niäre Unterlage ist, weil die Entwicklung der natürlichen Fähigkeiten heute noch vom Besitze des Geldes abhängig ist. Und darum sind all die Hunderttausende, die heute nicht mit Glücksgütern gesegnet sind, in unnatürlicher Weise die„Untauglichen“. 5
Würde man auch diese Untauglichen eimmal mustern: gar man⸗ cher hervorragende Ingenieur, der Veranlagung wach, gar mancher talentserte Philosoph, gar mancher hochbegabte organisatorische Kopf wäre darunter. Und wenn man anderseits die Menschen in Amt und Würden einmal mustern würde, dann würden gar viel„Untaug⸗ liche“ darunter zu finden sein. 5
Auch das friedliche Wirtschaftsleben wird darum auch einmal eine Musterung zu bestehen haben und darum haben sich diese„Un⸗ tauglichen“ im heutigen Zusammenleben zu Kampforganisationen zu⸗ sammengeschlossen, die ihnen allein die Tauglichkeit erringen können. Zwar ruß! jet“ dieser Kampf. aber es ist nur eine Kampf pause.
Das
Wenn die Zeit militärischer Tauglichkeit oder Untauglichlelt vorüber dann werden jene Untauglichen wieder auf ihrem Kampfplatze zu finden sein. 5
Ein Dank an die hessische Landwehr. Anläßlich des im Tages⸗ bericht vom 20. ds Mts. erwähnten tapferen Verhaltens der hess Landwehr entfandte der Großherzog folgendes Telegramm „Wieder vernahm unser Hessenland von Heldenmut und Todesver⸗ achtung der hessischen Landwehr, welche dem feindlichen 1 erfolgreich standgehalten hat. Ich weiß, daß in der Heimat alle Herzen stolz und bankbar der hessischen Helden gedenken und mit mir Gottes ferneren Beistand inbrünstig erflehen. Ernst Ludwig.“
— Stadttheater. Uns wird geschrieben: Wie schon bekannt geben, wird die diesjährige Spielgeit Freitag, den 15, Oktober, er⸗ öffnet. Als Eröffnungsvorstellung hat die Direktion Ludwig Uhlands Schauspiel„Herzog Ernst von Schwaben“ wählt, das mit seiner prächtigen Sprache und der Verherrlichn der deutschen Treue bis in den Tod wohl verdient, gerade in un seren Tagen wieder einmal aufgeführt zu werden.— Trotz der z Zeit vorliegenden Schwierigkeiten ist es Direktor Steingoetter lungen, als Ersatz für ausscheidende Mitglieder Kräfte zu gewinnen, die auch den Ansprüchen jeder Großstabtbühne genügen würden. Gastspicle und Engagements im Sommer in Nauheim rechtserti was Zusammenstellung des Personals betrifft, recht hohe tungen. Es wird in den nächsten Tagen noch Näheres bet gegeben.
— Vorsicht bei Vertragsabschlüssen mit Bilderreisendeu. gabe
Auf⸗
0
Reihe von Vorfällen und Klagen zeigen, daß sich auf dem Reisende den Familien gefallener Soldaten aufdrängen, um träge auf photographische Vergrößerungen von Bild und Lieferungen von Rahmen zu unreellen Preisen und 5 ungen zu erhalten. Die Frauen werden vor dieser gewissensos⸗ Ausbeutung gewarnt und gebeten, sich nicht betören zu lassen. V allen Dingen sei man mit dem Unter schreiben bei derarti Geschäften vorsichtig und wende sich lieber an bekannte schäste, die für gewissenhafte Arbeit und solide Preise ach leisten. Wer vor Schaden bewahrt bleiben will, sei solchen 5 reisenden gegenüber vorsichtig und lasse sich auf keinen Abschluß ein. — Die Maul- und Klauenseuche ist in Großen⸗Linden auf. treten; ferner auch in einer Anzahl Orte des Kreises Wetzlar, i Lützellinden, Leun, Katzenfurt, Oberlemp und Odenhausen. 1
Von Nah und Fern.
Mainz, 27. Sept. Von einem„deutsch⸗russischen; Bündnis“ in Mainz erzählt man sich folgendes allerliebstes Ge⸗ schichtchen: In Mombach waren bei einem Dreschmaschinenbe mehrere Russen beschäftigt, die von einem Landsturmmann bewa wurden. Zwischen letzterem und dem Dreschmaschinenbesitzer, eine nicht besonders zart besaitete Persönlichkeit sein soll, gab dieser Tage eine Auseinandersetzung, bei der der Dreschmaschinen mann gegen den Landsturmmann tätlich wurde. Dabei hatte aber die Rechnung ohne die Russen gemacht, denn ohne aufge⸗ fordert zu sein, nahmen sie Partet für den Landstürmer und ver⸗ bläuten den Dreschmaschinenmann nach Noten, sodaß er jede Lust weiteren Brutalisierens gegen den Landsturmmann verlor.
Aus Furcht vor Strase.
In Nürnberg stürzte sich in der Singerstraße eine 13jährige Werkmeistertochter in selbstmörderischer Absicht von einem Fenster ber im 4. Stock gelegenen elterlichen Wohnung aus auf den i herab, wobei sie gräßliche Verletzungen erlitt. Der Grund zur war Furcht vor Strafe.
Telegramme.
Lagebericht des Großen Haupthuurtierz.
Unsere eherne Mauer im Westen. Fortschritte vor Dünaburg. W. B. Großes Hauptquartier, 29. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die feindlichen Durchbruchsversuche wurden auf den bis⸗ herigen Angriffsabschnitten mit Erbitterung fortgesetzt. Ein Gegenangriff nach einem abermals gescheiterten eng
nördlich von Loos von uns aufgegebenen Geländes. Heftige englische Angriffe aus der Gegend Loos brachen unter star⸗ ken Verlusten zusammen.
Wiederholte erbitterte französische Angriffe in Gegend Souchez Neuville wurden teilweise durch zestige Gegenangriffe zurückgewiesen.
Auch in der Gegend Champagne blieben alle feind lichen Durchbruchsversuche erfolglos. Ihr einziges Ergebnis mar, daß der Feind nordwestlich Souain in einer Streck von 100 Metern noch nicht wieder aus unseren Gräben ver trieben werden konnte. An dem unbeugsamen Widerstand badischer Bataillone sowie des Rheinischen Reserveinfanterie⸗ regiments Nr. 65 und des Westfälischen Infanterieregiments 2 Nr. 158 brachen sich die unausgesetzt vordringenden französi⸗ schen Angriffswellen. a 5
Die schweren Verluste, die sich der Feind beim oft wieder holten Sturm gegen die Höhen bei Massiges zuzog, waren vergeblich. Die Höhen sind restlos von unseren Truppen ge⸗ halten. Die Versuche der Franzosen, bei Fille morte ver⸗ loren gegangene Gräben wieder zurückzuerobern, scheiterten. Die Gefangenenzahl erhöhte sich.
In Flandern wurden zwei englische Flugzeuge herun tergeschossen, die Insassen gefangen genommen. 5 1 Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Der Augriff südwestlich von Dünaburg ist bis in die Höhe des Swenten⸗Sees vorgedrungen. Südlich des Dryswjaty Sees und bei Postawy dauern die Ka⸗ valleriegefechte an.
Unsere Kavallerie hat, nachdem sie die Operationen der; Armee des Generalobersten v. Eichhorn durch Vorgehen gegen di e Flanke des Feindes wirksam unterstützt hatte, die Gegend östlich von Wilajka verlassen. Der Gegner blieb untätig.
Westlich von Wilajka wurden unvorsichtig vorgehende feindliche Kolonnen durch Artilleriefeuer zersprengt.
Zwischen Smorgon und Wischnew sind unsere Truppen in siegreichem Fortschreiten. ö
Bei den Heresgruppen des Generalfeld⸗ marschalls Prinz Leopold von Bayern und des Generalfeldmarschalls v. Mackensen hat sich) nichts Wesentliches ereignet.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.
Die Russen sind hinter den Kormin und die Pu tie lowka geworfen. Oberste Heeresleitung.


