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85 Kundgebung der Balkan⸗Sozialisten.
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mischen Imperialismus werden mußten. — 1 1 die Türkei anzugreifen und dadurch den la
Organ für die
r die Interessen des werklätigen der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. S0 Mk.
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Nr. 226
Gießen, Montag, den 27. September 1915
10. Jahrgang
Das Exekutivkomitee des interbalkanischen sozialistischen
Bureaus erläßt ein von den Genossen C. Racopsky, Dr. Ma⸗
rinesko und D. Popp unterzeichnetes Manifest gegen die Uebertragung des Krieges auf die bisher neutralen Balkanstgaten. Die Kundgebung lautet:
0„Der letzte Schritt der Großmächte auf dem Balkan hat ein dcieues Mal die unheilvollen Ergebnisse der von den Balkanregier⸗
ungen befolgten Politik gezeigt. Vermittelst Drohungen ver—
sluchen die Vierverbandsmächte Griechenland und Serbien zu Ge— Sietsabtretungen zugunsten Bulgariens zu zwingen, das anderer—
its wieder durch die gleichen Großmächte, als Entgelt für die Ge— Hietserwerbungen, verpflichtet werden soll, in einen neuen Balkan— block einzutreten, indem es der Türkei den Krieg erklärt.
Zu gleicher Zeit wurde nach den Niederlagen der Russen von leiten Oesterreichs und Deutschlands in Bukarest ein immer cha sgeübt, um Rumänien in den Krieg zu hetzen s eine wohlwollende Neutralität zugunsten des Zweiverbandes aufzuzwingen.
4 4 5 bedroht der Feuerbrand, der Serbien ergriffen hat, auch 4 ie bi
sher neutral gebliebenen Balkanvölker.
Indem wir an der Seite der sozialdemokratischen Serbiens und Griechenlands gegen die Angriffe auf die Selbst— Händigkeit der Staaten und auf die Souveränität ihrer Völker vrotestieren, erheben wir zugleich Protest gegen die verbrecherische Politik der Balkanstaaten, die durch ihre Eroberungssucht, durch
Parteien
ren grausamen Egoismus, durch ihre von Haß und Chauvinis⸗ mus erfüllte Vergangenheit die Einmischung der Großmächte in die
Angelegenheiten der Balkanvölker nur erleichtert, ja sogar heraus⸗
gefordert haben.
Seit ihrer Konstituierung als selbständige Staaten, die selbst Ehr oft das Resultat diplomatischer Kombinationen der euxopäi⸗ hen Mächte war, haben die Balkanvölker sich der Vormundschaft er Großmächte nicht entziehen können. Wenn ab und zu einer ieser Staaten Anstrengungen zur Behauptung seiner Selbst⸗ ändigkeit machte, wenn er für kurze Zeit sein Haupt erhob, so var es, um nachher wie ein Betrunkener umzufallen und das Berkzeug einer anderen Großmacht oder einer anderen Mächte— fruppe zu werden. Die Spekulation der bourgeoisen Klassen des Falkans, die darin bestand, die Pläne der Großmächte zu unter- nützen, um als Dank deren Unterstützung bei der Verwirklichung er Eroberungspläne zu erlangen— diese Spekulation wurde
fffenbar durch den Kubhandel, dessen betrogene Opfer die Balkan— tölker stets aufs neue sind.
Indem die Vierverbandsmächte von Griechenland und Serbien hebietsabtretungen verlangen, wollen diese Mächte beweisen, daß se Unterstützung, die diese Staaten während des ersten und weiten Balkankrieges geleistet haben, nicht umsonst geschah. Hährend den Jahrzehnten, in denen die Balkanstaaten sich gegen⸗ hitig bekämpften, um einander zu berauben, haben sie sich an die tne oder andere Mächtegruppe angelehnt. Jetzt hat die Stunde er Abrechnung geschlagen. Rußland, Frankreich und England Urdern von ihren Schützlingen Serbien und Griechenland Gebiets⸗ Stretungen: Deutschland und Oesterreich fordern von ihrem bchützling Bulgarien, es solle eine jede Verständigung mit Serbien Slehnen und bedrohen ihren dreißigjährigen Bundesgenossen
zumänien mit Verfolgungen wegen seiner Sympathie für Ruß⸗ 14
n.
„ Die nationalistische und imperialistische Politik der kleinen Falkanstaaten hat als ebenso verhängnisvolles wie unvermeidliches
(ugebnis, daß diese Staaten zu Werkzeugen der Politik des euro⸗ Sie werden gezwungen Einzug nds in Konstantinopel vorzubereiten, was die Unterwerfung Ur ganzen Balkanhalbinsel— und zwar innerhalb kurzer Frist— deuten würde, oder aber durch ihre Neutralität, beziehungsweise ch die Ergreifung der Wassen die Politik der Zentralmächte, s heißt den Siegeszug des deutschen und österreichischen Impe⸗
taulismus zu unterstützen. Die Türkei, durch Deutschland gerettet,
fürde zu einer Kolonie werden mit allen Nachteilen der mit einem einparlamentarismus maskierten asiatischen Despotie, mit allen Jachteflen des feudalen Militarismus Deutschlands. 8 Die Balkanstaaten sind infolge der Raubgier ihrer herrschen⸗ bm Klassen dazu gezwungen, mit ihren eigenen Händen ihre Eelbständigkeit und ihre Zukunft zu zerstören.. Aus diesen Gründen haben wir Sozialdemokraten des ö Zulkans, unserer sozialistischen Vergangenheit getreu und in Üebereinstimmung mit unserer Bukarester Resolution, wir, die nen jeden Schritt, der zu einer tatsächlichen Verständigung führte, bchrüßt und zu allen Zugeständnissen, die einer Versöhnung der ö Lalkanstaaten im Interesse ihrer Selbständigkeit und ihrer Neu⸗ hnlität dienen konnten, ermutigt hätten, wir brandmarken als ver⸗ bengnisvoll für das Proletariat wie für die Balkanvölker„alle die berständigungen und Koalitionen, die für aggressive Zwecke, für Koberungen, für dynastische Pläne, bestimmt und weit davon ent⸗ kent sind, den Frieden, die wirkliche Verständigung herbeizu⸗ ihren, sondern nur neue Katastrophen hervorrufen.“ l Die internationale Föderation der Balkansozialisten macht
lunch ihr Bureau die Erklärung der sozialistischen Fraktion der
elbischen Skuptschina vom 102 Augst 1915 zu der e
i 1 üns zem Herzen
„Die sozialdemokratische Partei wünscht von Aae 195 de künst⸗ Interesse
listischen Mächte
de den Frieden
1957 würde die 55 ingegen ein m ee ge rständiauna
Balkanpölker würde ihnen die Garantie ihrer Existenz bieten, während das von den Großmächten inspfrierte militärische Bündnis ihre Existenz in Frage stellt. Die Verständigung würde die Balkanvölker vereinigen, ihr im Inkeresse der Großmächte geschlossenes Bündnis sie trennen.“
Indem wir Schritt für Schritt die imperialistische Politik der Großmächte und der Balkanregierungen bekämpfen, bereiten wir den Weg zum Siege der föderativen Republik der Balkanländer vor, die einzige Staatsform, die den Interessen des Proletariats und der Balkanvölker entspricht.
Es lebe der Friede!
Es lebe die Föderativ-Republik des Balkans!
Es lebe der internationale Sozialismus!“
—*
Panik in Kiew.
Ein Moskauer Blatt schildert die Panik, die in Kiew nach den Erfolgen der verbündeten Truppen im wolhynischen Festungs⸗ dreieck ausbrach und erst nach der Einleitung der rufsischen Gegen⸗ offensive nachgelassen hat. wiisten Schrecktraume. Viele Leute ruinierten sich vollständig, inde sie in der Hast alles verkauften, was irgendwie zu Geld zu m war. Flügel und Klaviere wurden für 30, sogar für 15 Rubel ver schleudert, Polstersessel und Divane für einen Rubel, Stühle für 20 Kopeken. Bilder und Bücher konnte man fast umsonst bekommen. Viele Leute taten sich mit Bekannten zusammen, mieteten eine kleine Wohnung, in die sie allen Hausrat hineinstopftest, stellten einen Wärter an, der die Sachen bewachen sollte und verreisten. Um aber eine Fahrkarte auf der Moskauer Linie zu erhalten, der einzigen, die für die Flucht sicher genug schien, mußte man vor dem Bahnhof bis zu 15 Stunden lang in der Reihe stehen. Die Fahrkarten waren schließlich auf vier Wochen zum voraus verkauft. Die schamloseste Spekulation bemächtigte sich schließlich der Eisenbahnfahrkarten; das Blatt läßt durchblicken, daß daran auch die Beamten beteiligt waren. Es kam im Bahnhof zu furchtbaren Auftritten. Man mag danach die Wirkung ermessen, die in den wirklich von den Deutschen be⸗ örohten Städten die Anordnung der Räumung haben muß
Bulgarien und Rumänien.
Rom, 24. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Das Giornale d'Italia meldet aus Bukarest: Der rumänische Gesandte in Sofia hatte eine lange und wichtige Unterredung mit dem bulgarischen Ministerpräsidenten Radoslawow. Dieser ersuchte den Ge⸗ sandten, die rumänische Regierung der friedlichen Gesinnung Bul⸗ gariens zu versichern. Trotzdem beurteile man in Bukarest das Ver⸗ halten Bulgariens als zweideutig.
Die Haltung Griechenlands.
London, 24. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Das Reu⸗ tersche Bureau meldet aus Athen von heute, daß der König den Ein berufungsbefehl für 20jährige Kriegsdienst⸗ pflichtige unterzeichnet habe; die Veröffentlichung solle am Abend erfolgen. Ministerpräsident Venizelos habe um 4 Uhr nachmittags eine Unterredung mit dem König gehabt und ihm erklärt, daß die einzig mögliche Antwort an Bulgarien die Mobilmachung sei. Gerüchtweise verlautet, daß der König der Mobilmachung als Verkei⸗ digungsmaßregel zugestimmt habe.
Rufsisches. Der Semstwoskongreß.
Aftenposten erfährt aus London: An dem Semstwoskongreß nehmen 150 Abgeordnete teil, die 52 Gouvernements ver⸗ treten. Gestern versuchten einige Arbeiter in den Saal ein⸗ zudringen, in dem der Kongreß versammelt war. Die Ar⸗ beiter forderten, an den Verhandlungen teilnehmen zu dürfen. Auf die Erklärung des Moskauer Oberbürgermeisters, daß dies nicht ginge, zogen sie sich zurück. Die Arbeiter haben
beschlossen, die beabsichtigten Ausstände so lange aufzu⸗ schieben, bis der Semstwoskongreß seine Versammlungen
abgeschlossen hat. „Nieder mit dem Zaren!“
T. U. Stockholm, 24. Sept. Eine aus Moskau eingetroffene Persönlichkeit berichtet, daß auch dort seit der Vertagung der Duma täglich ernste Krawalle festzustellen seien. Arbeiter, Studenten, Frauen auch unsere Militärs durchziehen die Straßen und rufen:„Nieder mit bem Zaren“. Vor der Stadtduma schrie eine tausendköpfige Menge:„Schlaget Goremykin, den Halsabschneider, tot“. Sie be⸗ ruhigte sich erst, als das Stadtoberhaupt Tschalnakom eine kurze An⸗ sprache hielt. Die Arbeit in den Fabriken ist fast allgemein ein⸗
gestellt. 4 Der Seekrieg. Englische Belästigung des dänischen Handels.
Kopenhagen, 24. Sept. Der Dampfer„Moscou“ der Forenede Dampfschiffgesellschaft wurde auf der Reise von Brasilien nach Kopenhagen mit einer großen Kaffoeladung nach der Ankunft in Falmouth von den Engländern nach Neweastle zwecks Löschung und Untersuchung des Kaffees beordert. Die Engländer wollten die Konnossemente nicht anerkennen und lassen Kaffeeladungen nach Dänemark über⸗ haupt nur passieren, wenn Garantfeerklärungen über das
London, 24. Sept. ö 1
Benehmen Schweden gegenüber
Das ganze Leben der Stadt glich einem!
künftige Verbleiben des Kaffees in Dänemark vorliegen.
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Lloyds berichtet, daß das englische Dampf⸗
schiff„Chancellor“ gesunken ist. Ein Teil der Befatzung
wurde gerettet, das Nachforschen nach den anderen wird sortgefetzt. Englische Schiffs verluste.
London, 24. Sept. Die Admiralität macht bekannt, daß in der am 22. ds. Mts. endigenden Woche aus den englischen Häfen 1322 Schiffe ausgelaufen sind. Zwei Dampffschiffe und ein Fischdampfer wurden in den Grund gebohrt.
England und Schweden.
Die stark englandfreundliche schwedische Zeitung Goete⸗ dorgs Posten warnt England davor, den Bogen in seinem nicht zu sehr zu spannen. England sollte Schweden nicht mit Kohlen mangel und Erfrieren drohen, denn dank dem Entgegenkom⸗ men Deutschlands bekomme Schweden das Allernot⸗ wendigste; es sei möglich, daß Schweden den industriellen Betrieb einschränken muß, aber von Kohlennot könne nicht die Rede sein. Goeteborgs Posten mahnt England, keine Mißstimmung in den breiten Schichten des schwedischen Volks zu wecken; England solle die Bedeutung der schwed een Volksstimmung nicht unterschätzen.
Gegen den Alkoholmißbrauch.
London, 24. Sept. Wie die Daily News berichtet, wird die Re⸗ gierung ein ausgedehntes neues Gesetz über die Getränke vorbereiten. Auch werden in London strengere Vorschristen über den Verbrauch alkoholischer Getränke erlassen werden, wie sie für die Distrikte der Munitionsfabriken gelten, wonach die Wirtschaften in London zu früher Tagesstunde geschlossen werben müssen.
Die englischen Arbeiter gegen die allgemeine Wehrpflicht.
T. U. Rotterdam, 24. Sept. Nach einer Londoner Mel⸗ dung hat der englische Hafenarbeiter⸗Verband, der 160 000 Mitglieder umfaßt, in einer Resolution der Regierung be⸗ kanntgegeben, daß er die Einführung der allgemeinen Wehr⸗ pflicht mit einer sofortigen Einstellung aller Schiffsverladungen beantworten werde. Gleiche Resolutionen gegen die allgemeine Wehrpflicht faßten der Allgemeine Industriearbeiter⸗ und der englische Textilarbei⸗ ter⸗Verband..
Ein neuer Streik in Südwales.
T. U. London, 24. Sept. In Cardiff haben wiederum 1000 Bergarbeiter der Navigation Colliery die Arbeit niedergelegt, weil sie nicht öͤulden wollen, daß einige Uebertagsarbeiter, die nicht der Bergarbeiterorganisation zugehören, zugelassen werden.
Bankrott des Völkerrechts.
Der Mitherausgeber der Zeitschrift für Völkerrecht, Prof. Dr. Hans Wehberg, ist aus dieser Stellung infolge starker Meinungsverschiedenheiten mit dem Berliner Uni⸗ versitätsprofessor Geheimrat Kohler ausgeschieden. Schon die erste knappe Darstellung dieser Differenzen, die von der belgischen Angelegenheit ihren Ausgang nahmen, gab der alldeutsch⸗Kkonservativen Presse den Anlaß zu Seiten⸗ hieben auf Dr. Wehberg, die nicht gerade von Hochachtung für die wissenschaftliche Meinungsfreiheit eingegeben waren. Es ist ein durchaus einwandfreies Verhalten, das Dr. Weh⸗
T Er veröffentlicht jetzt im B. T.
berg an den Tag gelegt hat. eine längere Erklärung, in der er feststellt, daß nach seiner Meinung die Rechtswissenschaft nicht im Streit des Tages Partei zu nehmen hat. Prof. Kohler aber habe in der Zeit⸗ schrift unter heftigen Ausfällen schimpfenden Tones unsere derzeitigen Gegner ja„unter offenkundiger Verhöhnung und Verletzung sogar neutraler Staaten“ Ansichten vertreten, die
schließlich zu einer Verneinung jedes Völkerrechts führen müßten. Konsequenterweise, so meint Dr. Wehberg, müßte
Prof. Kohler die Zeitschrift nicht weiter erscheinen lassen.
In der Tat hat ja dieser Krieg vom Völkerrecht nicht allzu viel übrig gelassen. England führt Krieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung, Rußland sogar gegen die eigene, alles wird als Kriegskonterbande erklärt. Sanitätsmann⸗ schaften und Aerzte werden in Gefangenenlager abgeführt, statt sogleich ausgetauscht zu werden, offene Städte wie Stuttgart werden angegriffen.... Ein Völkerrecht, das sich so bewährt, steht ja wirklich nur auf dem Papier. Aber sollen wir daran verzweifeln, daß doch einmal auch die Völker eine Rechtsgemeinschaft schließen werden, wie'' nur unter den Einzelmenschen besteht?
Vom Balkan.
Unterzeichnung des griechischen Mobilisations⸗ befehls?
Reuter meldet aus Athen: Venizelos hatte um 4 Uhr
eine Unterredung mit dem König und erklärte, daß die Mo⸗


