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Nr. 223
Gießen, Donnerstag, den 23. September 1915
10. Jahrgang
e mi inden.
Von Heinrich Cunow.
„Zum Kriegführen sind drei Dinge nötig: Geld, Geld
— und n. tochmals Geld!“ In Erinnerung an diesen dem einstigen öster⸗ eichischen Feldmarschall Grafen Raimund von Montecuccolli zu— eschriebenen Ausspruch hat der frühere Schatzkanzler, jetziger
Nunitionsminister des englischen gemischten Geschäftsministeriums
10 berr Lloyd George bekanntlich zu Anfang des Weltkrieges ver⸗ le findet, daß schließlich die Macht den Sieg im blutigen Kampf da⸗ hae, on tragen werde, die die beste Munition, die meisten„silber⸗
len Kugeln“ zur Verfügung hätte— und das seinatür⸗ lich das kapitalkräftige Großbrtannien. Der lusspruch des österreichischen Granden hat sicherlich seine Be— icchtigung; aber es gibt noch einige andere Faktoren, die neben der
e, A Lapitalskraft über die Ersolge im Kriege entscheiden: vor allem elne, ie militärische und innere wirtschaftliche Organisation, und wir
fürfen hoffen, daß Herr Lloyd George sich betreffs des schließlichen briegsausganges ebenso irren wird, wie er sich in seiner früheren Sigenschaft als Schatzkanzler über die Finanzstärke Englands und sessen Kriegskosten geirrt hat. Noch Anfang Mai berechneten Herr (loyd George in seinem naiven Optimismus die englischen Kriegs Osten für die ersten acht Kriegsmonate(von Ausang August 1914 is Ende März 1915) auf nur 307 Millionen Pfd. Sterling, also ungefähr 38¼ Millionen Pfd. Sterling pro Monat oder 26 Mill.
— Hark pro Tag. Die weiteren Ausgaben für die nächsten fünf Mo ate, von April bis Ende August, veranschlagte er auf Grund einer Einsicht in die englischen Staatsfinanzverhältnisse und die
4. agufenden Rechnungen auf rund 480 Millionen Pfd. Sterl. oder
9 Nillionen Pfd. pro Monat.
1 Selten hat sich ein Finanzminister gründlicher geirrt, als dieses suglische Finanzgense. Nach den vor einigen Tagen vom eng⸗ ischen Ministerpräsidenten Asquith im Unterhaus gemachten An⸗
13 uben betragen zurzeit die täglichen Kriegskosten Englands an
al. Willionen Pfd. Sterling oder 100 Millionen Mark lin Deutsch⸗
gerad stellen sie sich jetzt auf henahe 70 Millionen Mark pro Tag) in hne die Rückzahlungen an die Bank von England, die Kriegs⸗
n unterstützungen an die englischen Kolonien und die an die Alliier⸗
1E en, vornehmlich Rußland und Italien, gezahlten Vorschüsse und
ei Lubsidien, deren Höhe Herr Asquith insgesamt auf ungefähr 250 Nilltonen Pfd. Sterl.(über 5 Milliarden Mark) bezifferte.
Auch diese Angaben des Herrn Ministerpräsidenten sind brigens noch schön geschminkt. Nach einem Finanzartikel der Simes vom 11. September, der sich auf frühere Angaben des ktzigen englischen Schatzkanzlers Mac Kenna und den letzten Bochenausweis des Schatzamtes bezieht, stellt sich die Finanzlage
N soch weit ungünstiger dar. Danach hat die Ausgabe des Schatz⸗
— mtes vom 1. April bis zum 19. Juni, also in 80 Tagen, ungefähr 80 Millionen Afd. Sterl., d. h. Millionen Pfd. per Tag be⸗ ragen. Vom 20. Juni bis 4. September betrug dagegen die Aus⸗ abe ungefähr 520 Millionen Pfd. Sterl., oder 6% Millionen fd.
l ro Tag. Darunter befinden sich jedoch 160 Millionen Pfd. Sterl., ie an die Bank von England gezahlt sind, teils zur Deckung von unbezahlt gebliebenen Wechseln und zur Lombardierung(Inpfand⸗ ahme) englischer Kriegsanleihepapiere, teils zur Gewährung von
f Zorsch nen an die Kolonien und Verblindeten, sowie sonstigen„ge⸗ ole. Lissen“ Kriegszwecken. Zieht man diese 160 Millionen fo Sterk. jn sbgleich noch sehr fraglich ist, was und wieviel England von seinen
5 Zorschüssen nach Friedensschluß zurückerhalten wird, von den
zue bigen 520 Millionen Pfd. Sterl. ab, so ergibt sich, daß England in len letzten auderthalb Monaten nicht weniger als 360 ee Bid. Sterl. für Kriegszwecke verausgabt hat— zirka 45 Mill.
Ifund pro Tag. Und diese tägliche Ausgabe wird sich voraus ichtlich demnächst noch beträchtlich steigern, so daß die Asquithsche Schätzung von 100 Millionen Mark pro Tag sich bald als reichlich
,(ptimistisch erweisen wird.
die England erst vor zwei auch nach der eigenen Rech⸗ Bis zum 4. September waren ereits ausgegeben 452 Mill.
Von der großen Kriegsanleihe, Monaten aufgenommen hat, ist denn nung der Times nichts mehr übrig. uuf diese Anleihe eingezahlt und auch b fd. Sterl. Einzuzahlen blieben noch zu welchen als Guthaben des Staates noch 93,0 Millionen Pfd. Sterl. hinzukommen,
bei der Bank von England sodaß am 4. Sep⸗
tember, vorausges alles klappt, dem 101 korps d Shef f rie⸗ noch 226,0 1 975 Gerl 017 Verfügung standen. Dieser Der Stab es 12. Armeekorps an den Chef der Infanterie⸗ 2 Aten ee deren schwebenden division 12: 12. Juni 1915. Nr. 181. Summe steht aber, ganz abgesehen von allen af Aus dab 1 Der Höchftke andierende befiehlt, aus der eintreffenden Schuld⸗ und Zahlungsverpflichtungen allein eine Ausgabe vo Der enen, e Briefe aus. 11 75 en 235 Millionen Pfd. an kurzfristigen Schatzwechseln gegenüber, oe] Koxrrespondenz al le geschlossenen Briefe zur 7 50 5 i de Laß schon seit Anfang September Eugland wieder auf Pump wirt⸗] namentlich die aus dem Au 5lan d eintreffenden, da sie Nach⸗ schaftet. Wenn dennoch Herr Asquith vor einigen Tagen im eng⸗ richten darüber enthalten, daß es den Soldaten in der Kriegs⸗ ischen Unterhaus erklärte, man hoffe bis zur dritten aden gefangenschaft e; 1 bee e e e ee woche mit den Einnahmen aus der letzten Kriegsanleihe auszu⸗ Solche Nachrichten wirken auf unsere Kold aden. führe⸗ Jbommen, so beweist das nur, daß für ihn nur die voraussichtlichen visch. Es wind daher, befohlen, alle derartigen Briefe unter dem 9 e in Betracht kommen, nicht die Schulden und. 1 nis e 0 e Zahlungsverpflichtungen. a 5 Aal eee 0 3 Selbst 1 11 110 e ben sich auf der e 115 0 Diese Geheimerlasse sind wic e e e galten und nicht wesentlich zunehmen, wird also bis Ende die essowohl flir die„Barbarei der Deutschen wie für Rußlands Mission es 1 3 0 1 ie 2 11858 0 0 lei Jahres England noch an 11 bis 12 Milliarden Mark für Kriegs an dar Seite Frankreichs und Englands„für Freiheft und Kultur Ausgaben gebrauchen, nicht mitgerechnet die Summe, die 55 Baer der Völker Europas. hin noch dem halbbankerotten Rußland und Italien wird l 5 Russisches müssen, wenn diese nicht wirtschaftlich zusammenbracge g 1 0 5 g Aber es ist gang sicher, daß in den nächsten Monaten ne nid. Die Die Sitzung des Moskauer Magzistrats und Kkbenso weiter steigen werden, wie sie bisher gestiegen 15 0 hen Semsiwos. sschönen Hoffnungen des Herrn Asquith werden sich als 0 5 1 5 zu go T 1 krügerisch erweisen, wie die der Finanzgrößen Llond ee T. U. Kopenhagen, 21. Sept. Berlinske Tidende meldet 45 1 e 1 weil auf e ind und in aus Petersburg: Magistrat und Semstwos von Moskau kräge, die im Sommer nach Amerila verge e 12 insti f seschluß, d s im gegenwärtigen nen nächsten Monaten zur Ablieferung gelangen, bisher meist 112 1 einstimmig 9 e 1 4 s 1 5 4 eerst 20.30 Prozent des Betrages angezahlt worden sind, der 168 Augenblick hauptsächlich auf die Ue ereinstinmung. zwischen 4 9 er teils noch vor der Verschiffung, teils sofort nach der Regierung und dem 8 ankommt. Die Regierung ider; ieserung entrichtet werden muß. 2 1 1 1 imisse das Vertrauen des Volkes genießen(das heißt, das Um sich zur Bezahlung dseser großen Kriegs materialien! misse de ve l 0 3
133 Millionen Pfd. Sterl.
englischen Schatzam!
lieferungen die nötigen Geldmittel zu verschaffen un günstigere Gestaltung der Zahlungsbilanz den S Newyork zu heben, bemüht sich seit mehreren Wo Regierung im Verein mit der französischen eine auf dem amerikanischen Geldmarkt zustande zu brin Sher stand dem Abschluß solcher Anleihe die Abneigung der amerikani⸗ schen Regierung entgegen, durch ihre Zustimmung zu einer der⸗ artigen finanziellen Unterstützung Englands und seiner Stipen⸗ diaten sich der offenen Parteinahme für den Vierverband schuldig zu machen. Nach ben letzten Meldungen haben aber die Herren Wilson und Lausing ihren Einspruch aufgegeben, und auf die widersprechenden Interessen verschiedener Teile der amerilanischen Geschäftswelt, besonders der Landwirtschaft in den Süddstgaten, wird die Morgan⸗Bankgruppe kaum Rücksicht nehmen, wenn Eng⸗ land nicht nur durch Hinterlegung von amerikanischen Eisenbahn⸗ und anderen guten amerikanischen Wertpapieren die Sicherheit der Anleihe garantiert, sondern auch Bedingungen übernimmt, die der betreffenden Bankwelt außergewöhnliche Profite versprechen, leiden doch zurzeit die amerikanischen Banlen an einem Gold⸗ überfluß, der sie zwingt, ihr Geld zu sehr niedrigen Sätzen auszu⸗ leihen.
Doch selbst oder gar 1000 N
zugle rlings die englische zere Anleihe en. Bisher
wenn es Eugland gelingt, eine Ank von 500 illionen Dollar in Amerika aufzuneh vermag es dadurch nur für kurze Zeit seine finanzielle Lage etwas zu ver⸗ bessern. Der größte Teil der Summe bleibt sicherlich in Amerika zur Bezahlung der von England und seinen Verbündeten bestellten Kriegslieferungen zurück, und der Wechselkurs wird, da die Warenausfuhr der Vereinigten Staaten nach Großbritannien die der amerikanischen Einfuhr aus Großbritannien um mehr als das Dreifache übersteigt, bald aufs Neue hinabsinken, tiefer und tiefer. — Und wo bleiben Rußland und Italien, denen die Munition der „silbernen Kugeln“ sehr knapp geworden ist, und die wenn Eng⸗ land nicht hilft, bald ihren Kampf aufgeben müssen? Auch für sie gilt der Ausspruch des Grafen von Montecuccoli.
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* 2 2 3 83 3— Zwei russische Geheim⸗Erlasse. Russkija Iswjestia veröffentlicht in Nr. 52 folgende Geheim⸗ befehle russischer Militärbehörden: 1 üteriedivision 41. 24. Dezember 1914. Nr. 995. Abschrift eines Geheimerlasses des General⸗ quartiermeisters beim Obersten Kon mando vom 8. Dezenr⸗ ber 1914(Nr. 1033) an den Chef des Stabes der Südwestarmee: In der letzten Zeit beginnen Briefe von unseren in seind⸗ lichen Ländern gefangenen Kriegsgefangenen einzutreffen. In einigen dieser Briefe wird außer den Angaben über den Aufenthaltsort und das Befinden ihrer Absender auch das Leben in der Gefangenschaft in sehr günstiger Beleu chtung ge⸗ schildert, weshalb die Verbveitung solcher Nachrichten unter den Truppen und den Militärpflichtigen une r w ünscht erscheint. Im Anschluß an diese Ausführungen bitte ich auf Befehl des Chefs des Stabes des Höchstkommandierenden die Ihnen unter⸗ stellten Militärzensurbehörden anzuweisen, daß solche Briese un⸗ serer Kriegsgefangenen, deren Inhalt auf andere Leute ver⸗ führerisch wirken könnte, be schlagnahmt und nicht den Adressaten ausgehändigt werden;: die Namen der Absender mit den zur Feststellung der Identität dienlichen Angaben(Vor⸗ und Vatersname, Truppenteil) sollten der Besonderen Abteilung des Hauptstabes zur Feststellung der Verluste der Operations⸗ armee überwiesen werden, um die Verwandten benachrichtigen zu können. 3 Für getreue Abschrift: Der Regimentsadsutant des Sakatalski⸗ Infanterie⸗Regiments Nr. 164. Stabs⸗Kapitän (Unterschrift unleserlich). Dazu erging folgende Entschließung des Kommandeurs des Re⸗ giments 164:. Die Kompagnieführer haben alle aus dem Ausland ein⸗ treffenden Briefe zu öffnen und dur chzulesen, Briefe von Juden und Tataren sind zu vernichten.
II.
—
„An den Chef der Infar
Oberst Kolog.“
„Vertraulich. Abschrift.
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Mnisterium Goremykin müsse durch eine Regierung des Polksvertrauens ersetzt werden). Die Unterbrechung der; Dumasitzungen müsse so kurz wie nur möglich sein. Das Volk dürfe nicht nationale Arbeiten verlassen, die jetzt wichtig für sie seien. Diese vom ersten Bürgermeister unterzeichnete Magistratsresolution wurde an allen Straßenecken ange⸗ schlagen. Briefe für Analphabeten.
Der Briefwechsel der schen Schreidenkundigen müßte, so sollte man meinen, recht schwierig vonstatten gehen und eigentlich nur durch die Hilse von Schreibkundtgen zöglich sein. Dem ist aber keineswegs so: vielmehr setzt eine Jahr sinnige Einrichtung der russischen! derwaltung selbst den dos Schreibens Unkundigsten in die Lage, mit allen seinen Bekannten und Verwandten in un⸗ unterbrochenem persönlichen Briefverkehr zu stehen. Wie das möglich ist? Ganz einfach dadurch, daß den Soldaten gedruckte Briefe eingehändigt werden, in denen alles steht, was ein Brief⸗ empfänger gern lesen möchte.
Dem Schreiber dieser Zeilen liegt ein solcher Brief vor, der links in ber Ecke den Vermerk Serie 6 Nr. 5 trägt: es scheint alsi dafür geforgt zu fein, daß den verschiedensten Ansprüchen an den Briefinhalt genügt wir Die erste Seite des Briefes zeigt ein grobes, buntes Schlachtenbild, das den„siegreichen“ Kampf bei Wladimir⸗Wolynftif darstellt: die Russen dringen vor, die Oester⸗ reicher sind in voller Flucht. Eine entsprechende Beschreibung zu dem Bilde ist daneben gedruckt. Der eigentliche Brief beginnt auf der zweiten Seite mit der Anrede:„Meine teuern Verwandten und Bekannten!“ Seinen Inhalt, der zum großen Teile sogar gereimt ist, lassen wir am besten für sich selbst sprechen:
„Ich sende Euch eine kleine Nachricht von der Front und schreibe Euch über mein Ergehen: Wir hatten mit den Deutschen einen heißen Kampf, aber Gott der Herr hat uns einen großen Sieg geschenkt. Die Deutschen haben wir besiegt, und nur ihre Fersen zu sehen gekriegt. Sie wollten gern nach Warschau kommen, da haben wir sie nicht schlecht vorgenommen: die wissen nun, mit wem sie es haben zu tun. Wir sitzen hier in den Schützengräben und bewachen die Deutschen, und wenn auch der Hundedeutsche scharf späht, beim Anblick unsrer Soldaten er vor Zittern vergeht. Ich denke an Euch alle, meine Freunde, und möchte Euch wieder⸗ sehen. Vergeßt mich nicht und gebt mir von Euch Nachricht. Betet zu unserm Herrgott, daß ich gesund nach Hause kehre, daß aber der Deutsche krumm und lahm geschlagen werde. Glaubt, meine Teuern und Verwandten, daß der Tag unsers Wiedersehens nahe ist, und dann werde ich Euch viel erzählen, wie unsre Jungen siegen, die Deutschen aber unterliegen. Wir stehen kühn auf Wache, für unsre gerechte Sache, für unser Mütterchen Ruß! Meinetwegen macht Euch keine Sorgen, bald lacht uns ein froher Morgen. Langweilt Euch nicht, mich aber erwartet mit dem Georgs-Kreuz! Run auf Wiedersehen! Innig grüße ich Euch alle teuern Verwandten und Bekannten, und wer sich über meinen Brief freut, ist auch zu einer Antwort bereit. Ich verbleibe Euer Euch liebender.“
Unter dieses gedruckte Machwerk setzt der„Briefschreiber“ nun seine drei Kreuze, und hat dann das Bewußtsein, seine Ver⸗ wandten und Bekannten mit einer sehr inhaltschweren Nachricht be⸗ glückt zu haben. Und die Verwandten und Bekannten werden auch tatsächlich beglückt und beruhigt sein, denn sie können sa auch nicht lesen, also nicht kontrollieren. Wer aber schreibt die Adressen?—
„Geplünderte“ belgische Apotheken.
Der Niederländische Pharmaceuten⸗Verein veranstaltet eine Sammlung für die durch den Krieg geschädigten belgischen Apotheker. Ein englisches Fachblatt, das den Aufruf zur Beteiligung an dieser Sammlung abdruckte, hat daran die Behauptung geknüpft, daß eine Anzahl Apotheken von den deutschen Truppen geplündert worden seien. Der deutsche Generalgonverneur sür Belgien, Freiherr von Bissing, hat darauf Erhebungen angeordnet und nun dem nieder⸗ ländischen Verein geschrieben: 10
„Die Erhebungen über die Richtigkeit der Angaben, die in dem Aufruf des niederländischen Apothekervereins zugunsten der durch den Krieg betroffenen belgischen Apotheker enthalten sind, haben ergeben, daß allerdings eine größere Anzahl von Apotheken in Belgien den Kriegshandlungen, insbesondere den Bombarde⸗ ments von Antwerpen, Mecheln usw., zum Opfer gefallen sind, daß mit anderen Zivilpersonen auch einige Apotheker in den Straßen⸗ kämpfen den Tod fanden oder zwei oder drei gefangen genommen wurden. Auch mußten in vielen Fällen, wie dies im Kriege un⸗ vermeidlich ist, die durchmarschierenden Truppen Material und Instrumente für ihre Bedürfnisse in Anspruch nehmen. Plün⸗ derungen durch deutsche Soldaten sind dagegen nirgends festgestellt
worden.“ Die englisch⸗französische Anleihe.
Newyork, 21. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die leitenden Bankleute, die an den Beratungen mit der englisch⸗französischen Kommission teilgenommen haben, teilen mit, es sei beschlossen worden, ein Syndikat amerikanischer Banken zu bilden, das die ganze Union umfassen und die Anleihe übernehmen soll. Es solle jedoch in der nächsten Woche noch keine amtliche Mitteilung über die Art der Emission gemacht werden. An dem Syndi⸗ kate nähmen schätzungsweise 80 000 Bankleute teil. In dem Anleihevertrag würden keine einschränkenden Bestimmungen über die Verwendung des Geldes enthalten sein.
Persien. Auch Persien rührt sich— wenn auch in landesüblicher Weise
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Wenigstens wissen die anglo⸗russischen Depeschen nichts von kriegeri⸗
schen Angriffen persischer Truppen und Stämme auf die Soldaten


