und Nachbargebiete.
9 Hessen ö Gießen und umgebung.
Voraussichtliche Erhöhung der Familienunterstützungen. Die Reichsregierung ist, wie die Neue politische Korrespondenz mitteilt, gegenwärtig mit Erwägungen über die Erhöhung der Mindestsätze der Familienunterstützungen der im Kriegs⸗ dienst stehenden Wehrpflichtigen beschäftigt. Bei diesen Unterstützungen handelt es sich um recht beträchtliche Sum⸗ men. Im ersten Kriegsjahre sind 796 Millionen Mark für die Familien aufgewendet worden. Soweit sich übersehen läßt, wird die Summe der Familienunterstützungen eine weitere Steigerung erfahren und nunmehr monatlich etwa 100 Millionen Mark erreichen. Das Gesetz unterscheidet zwischen Sommer- und Wintersätzen. Die Reichsregierung hat inzwischen bereits die Lieferungsverbände verpflichtet, in diesem Sommer die erhöhten Wintersätze zu zahlen. Vor⸗ aussichtlich dürfte jetzt eine weitere Erhöhung um 20 bis 25 Prozent des gegenwärtigen Satzes erfolgen.— Angesichts der unerhörten Teuerung ist eine solche Erhöhung mehr als gerechtfertigt und mehr als dringlich. Gewisse Erfahrungen nötigen uns aber den Wunsch auszusprechen, es möge Vor⸗ sorge getroffen werden, daß die erhöhten Sätze der Reichs⸗ unterstützungen nicht etwa an den Zuschüssen, die von den Gemeinden und Gemeindeverbänden geleistet werden, abge⸗ zogen werden.
— Auf dem gestrigen Wochenmarkte war Gemüse und Obst in verhältnismäßig reichlicher Menge angefahren, be⸗ sonders waren Aepfel in ziemlicher Menge am Platze. Der Preis für diese— in der Hauptsache Frühäpfel— bewegte sich zwischen 10 und 15 Pfg. Für Kartoffeln wurden im einzelnen noch imer 5 Pfg. für das Pfund verlangt, ob- wohl die Ernte wirklich nichts zu wünschen übrig läßt. Bei der Stadt kosten die Kartofeln 4 Pfg., der angeschaffte Vor⸗ rat dürfte aber morgen vormittag zu Ende gehen, wer noch
davon haben will, muß sich beeilen.— Die Butter hielt noch
immer den ungerechtfertigt hohen Preis von 1,70 Mk. Wieder konnte man beobachten, daß Käuferinnen zum Teil sehr stürmisch die Ware begehrten.
— Versammlung für die Kriegsanleihe. Für nächsten Dienstag, 14. September, ist eine öffentliche Versammlung in
die neue Aula einberufen, in welcher Herr Prof. Dr. Skalweit über das Thema sprechen wird: Warum zeichnen wir die neue Reichsanleihe? Dem Vortrage wird
ein Schlußwort von Oberbürgermeister Keller folgen. Die Versammlung beginnt abends ½9 Uhr.
Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Gefreiter Heinrich Zehner aus Aßlar, Res.⸗Dragoner⸗Regt. Nr. 4.— Ersatz⸗Res. Karl Bernhardt aus Waldgirmes, Res.⸗Inf.⸗Regt. 83.— Ersatz⸗Reservist Wilhelm Kreuder aus Gontershausen, Kr. Alsfeld, Inf.⸗Regt. 176.— Ersatz⸗ Reservist Karl Schmiermund aus, Liederbach, Infant. Regiment Nr. 42.
f Die Nachmusterung der D⸗U⸗-Leute. Amtlich wird durch das Wolffsche Telegraphenbureau über die Abänderung des§ 27 des Gesetzes vom 11. Februar 1888 bekannt gegeben: Durch einen vom Reichstag bereits angenommenen Gesetzentwurf wird eine noch⸗ malige Musterung der früher dauernd untauglich befundenen Wehrpflichtigen im Kriege möglich. Dies entspricht in erster Linie dem allgemeinen Rechtsempfinden des Volkes. Zahllose Eingaben forderten die Einbringung eines solchen Gesetzes aus Gerechtig⸗ keitsgründen. Durch den freiwilligen Eintritt einer großen An⸗ zahl früher als dauernd unbrauchbar bezeichneter Wehrpflichtiger ist erwiesen, daß sich eine Menge jetzt Tauglicher unter diesen be⸗ finden. Zeit und Arzt beseitigten häufig die Mängel, die die frühere Entscheidung begründeten. Es wäre ebenso unbillig wie ungerecht und entspräche nicht dem Grundgedanken der allgemeinen Wehrpflicht, ältere Leute ins Feld zu schicken, so lange noch taug⸗ liche abkömmliche jüngere Leute vorhanden sind. Von einer Ver⸗ längerung der Wehrpflicht über das vollendete 45. Lebensjahr hin⸗ aus, wie oft behauptet wurde, ist keine Rede.
— Der„Wunderdoktor“ und das künstliche Auge. Vor einigen Tagen hatte sich bei einer Schöffengerichtsverhandlung in Hamburg der„Augendoktor“ Alois Hermann Meyer als Sachverständiger eingefunden, um einen Kurpfuscher aus der Patsche zu reißen. In allen Tonarten lobte er seine und des Angeklagten Methode zur Entdeckung von Krankheiten. Als man den muntern Lobgesang teils mit Erstaunen, teils mit Skpesis angehört hatte, fragte der Richter, ob der Schöffe zur Rechten ihm, Meyer, bekannt sei, was Herr Meyer in Abrede stellte. Der Richter erklärte ihm darauf, daß dieser Herr ihn auch einmal in Anspruch genommen habe. Und nun gab es eine Sensation, die Herrn Meyer ziemlich verblüffte. Der Schöffe, der ein künstliches Auge besitzt, ist auch einmal zum Kräuter⸗Meyer gegangen, um seinen Rat zu hören. Er mußte sich auf einen Stuhl setzen, und Meyer, mit einem Vergrößerungs⸗ glas bewaffnet, setzte sich ihm gegenüber. Er schaute dem
Manne dann in sein künstliches Auge und las alle möglichen Krankheiten, wie Herz⸗ und Nierenleiden, heraus. Man versteht es, wenn der Schöffe von der Kunst Lräuter⸗Meyers nicht sehr erbaut ist. Er sagte rund heraus, daß er den Leuten von der Inanspruchnahme dieses Herrn unter Schil⸗ derung seiner Erfahrungen stets abgeraten und ihnen erklärt habe, es set alles Schwindel. Er wundere sich nur, daß ein solcher Mann die Kühnheit besitze, vor Gericht als Sachverständiger aufzutreten. Herr Meyer, zunächst tödlich verlegen, protestierte schließlich und meinte, es könne doch jeder Laie sehen, daß der Schöffe ein künstliches Auge habe. Dieser aber ließ sich nicht be⸗ irren und erklärte sich bereit, seine Behauptungen jederzeit unter Eid zu wiederholen. So blieb nichts weiter übrig, als die Sache zu vertagen und flir die nächste Verhandlung die Zeugenverneh⸗ mung des Schöffen anzuordnen.— Man muß sich nur darüber wun⸗ dern, daß sich immer noch Dumme genug finden, welche ihr gutes Geld zu solchen Schwindlern tragen, deren doch schon so viele ent⸗ larvt wurden..
— Stadttheater. Die diesjährige Spielzeit beginnt Frei⸗ tag, den 15. Oktober: über das Abonnement wird in nächster Zeit Näheres bekannt gegeben: es sinden 2 Abonnementsvorstellungen (Dienstag und Freitag) in der Woche statt. Im übrigen kann heute schon mitgeteilt werden, daß es Direktor Steingötter lrotz der zur Zeit bestehenden Schwierigkeiten gelungen ist, wie⸗ derum ein gutes Personal zusammenzustellen, daß auch Herr Steinhofer infolge besonderer Umstände diesen Winter noch unserer Biihne erhalten bleibt.
Kreis Friedberg⸗Büdingen⸗
— Lebensmittelkontrolle für den ganzen Kreis. Für den Bereich
des Kreises Friedberg hat sich auf Anordnung des. Die
Kommission hat mit sofortiger Wirkung für die gangbarsten Lebens⸗ annehmbar
eine Kontrollkommission für den Lebensmittelmarkt gebildet.
mittel bereits Preise sestgesetzt, die im allgemeinen als an bezeichnet werden können. Es dürfen z. B. im Höchstpreise kosten: das Pfund Landbutter 1.70 Mk., Süßrahmbutter 2.05 Mk., Hand⸗ läse 8 Pfg, das Stück, frische Eler 15 Pfg. das Stück.
5 .
ö
Weißkraut das
Pfund 7 Pfg., das Pfund Bohnen 20 Pfg., gelbe Alben 15 Pag, rote Rüben 10 Pfg., Sellerie 5 bis 10 Pfg. das Stück usw. Die Lebens⸗ mittelpreise gelten auch für den Kleinhandel auf dem Lande. Westerwald und Unterlahn.
Erwischter Schwindler. In Diez a. L. erwischte die Polizei am Montag einen von verschiedenen Gerichten gesuchten Schwindler, nämlich den„Gutsvorsteher“ Grünnewig aus dem Kreise Soest. Dessen Spezialität war es, Stellen als Gutsverwalter anzunehmen: nach einigen Tagen verschwand er in der Regel mit den Pferden und Wagen, um diese zu verkaufen. Natürlich steckte er den Erlös in seine Tasche. Einen derartigen Streich führte er von längerer Zeit in einem Dorfe bei Marburg aus(wie in unserem Blatte be⸗ richtet wurde) weshalb auch die Marburger Staatsanwaltschaft Sehnsucht nach ihm hat. In Diez ist er nicht unbekannt, denn erst vor einem Jahre wurde er nach Verbüßung einer mehrjährigen Zuchthausstrafe aus dem dortigen Zuchthause entlassen. Bei seiner Einlieferung ins Gefängnis meinte er, daß er sich wohl auf 10 Jahre Zuchthaus gefaßt machen müsse.
Telegramme.
Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht Neue Niederlagen der Russen. ueber 3000 Gefangene.
Blutig abgewiesene Angriffe der Italiener. Wien, 7. Sept.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 7. Sep⸗
tember 1915. RNRussischer Kriegsschauplatz. N
Die Armee des Generals der Kavallerie v. Böhm⸗Ermolli hat gestern den Feind bei Podkamien und Radziwilow ge⸗ schlagen. Sie griff ihn in ganzer, 40 Kilometer breiter und stark verschanzter Front an und entriß ihm in heftigen, bis zum Handgemenge führenden Kämpfen das Schloß Podkamien, die stockwerkförmig befestigte Höhe Makutra südwe lich von Brody, die Stellungen bei Radziwilow und zahlreiche andere zäh verteidigte Stützpunkte. Die Schlacht dauerte an einzelnen Punkten bis in die heutigen Morgenstunden. Der Feind wurde überall geworfen und räumte stellenweise fluchtartig die Walstatt. Unsere Truppen verfolgen. Die Zahl der bis gestern abend eingebrachten Gefangenen überstieg 3000.
In Ostgalizien hatte die Armee des Generals Grafen Bothmer starke Vorstöße des Feindes abzuwehren, hingegen ließen die russischen Angriffe auf die Front des Generals Baron Pflanzer⸗Baltin nach. An der bessarabischen Grenze zog sich der Gegner in seine ziemlich weit abgelegenen Stellungen zurück. Bei Nowosielica beschoß eine russische Batterie ein auf rumä⸗ nischem Boden stehendes Bauerngehöft. rr——ʃñ?!?
Zeichnet die dritte Kriegsanleihe!
FEFFFPFPCPCCCCbCbCCbCbCbPFPPCGTPTPGTGTCTGTGTGTGTCTGTGTTbTTCTPTPTPTCCGCCTGTCTCTVTVTPTVTVTVTVTPTVTVVTVTPVPVTVVVVVTVVVVVVVV—V—V—V—V—V—V————————j—j——
In Wolhynien verlief der Tag verhältnismäßig ruhig. An der Jasiolda errangen unsere Truppen abermals örtliche Erfolge.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die von uns erwartete Unternehmung des Feindes in der Gegend des Kreuzbergsattels blieb nicht aus. Gestern früh setzten etwa fünf Bataillone von verschiedenen italienischen Brigaden zum Angriff auf unsere Bergstellungen zwischen dem Burgstall und der Pannspitze an. Dieser Angriff wurde überall blutig abgewiesen. Der Feind verlor mindestens 1000 Mann. Im übrigen fanden im Tiroler Grenzgebiet, namentlich an der Dolomitenfront und im Abschnitte von Lavo⸗ rone⸗Folgaria die üblichen Geschützkämpfe statt. Vielfach sind die Alpenvereinshütten beliebte Ziele der feindlichen Artillerie. Dieser Tätigkeit fiel gestern auch die Mandronhütte im Adamello⸗ gebiete zum Opfer. An der Kärntner und küstenländi⸗ schen Front hat sich nichts Bemerkenswertes ereignet.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8
Der Zar stellt sich an die Spitze seiner Armeen!
Paris, 7. Sept. Der Zar richtete, wie die Agence Havas meldet, am 6. September an den Präsidenten Poincaré fol⸗ gendes Telegramm:„Indem ich mich heute an di e Spitze meiner tapferen Armeen ste lle, liegt es mir besonders am Herzen, an Sie die aufrichtigsten Wünsche zu richten, die ich für die Größe Frankreichs und den Sieg seiner ruhmreichen Armeen hege.“
Der Präsident der Republik antwortete am 7. September mit folgendem Telegramm:„Ich weiß, daß Eure Majestät, indem Sie selbst den Befehl über Ihre heldenmütigen Armeen übernehmen, den den verbündeten Nationen aufge⸗ zwungenen Krieg energisch bis zum schließlichen Siege fort⸗ setzen wollen, und richte an Sie im Namen Frankreichs meine innigsten Wünsche.“
Nun kann's nicht fehlen. Natürlich befindet sich die Spitze, an die sich der Zar stellt, möglichst weit hinten!
Die Verlegung der russischen Residenz.
T. U. Stockholm, 7. Sept. Die Frontreise des Zaren hat in Petersburg die allgemeine Erregung noch gesteigert. Es sickerte bald durch, daß eine Verlegung der Resideng beabsichtigt sei und die Frontreise das Ergebnis wichtigster, militärischer Erwägungen bilde. Vor seiner Abreise berief der Zar den Kriegsminister und den General Rußki nach Zarskoje Selo. Besonders General Rußki trat für eine Verlegung der Residenz ein, weil die Riga⸗Stellung unhaltbar geworden sei.
Verschwörung in Finnland.
Die Krakauer Nowa Reforma meldet aus Stockholm: Alle finnischen Regimenter wurden durch Kosaken ersetzt, da eine Verschwörung ausgebrochen sein soll. Im Zusammen⸗ hang damit wurden in Hangb und in Helsingfors vier Ver⸗ haftungen vorgenommen.
Der Stand an der Westfront.
Der Berner Bund schätzt die Stärke der in Flandern stehenden Engländer auf mehr als 800 000 Mann. Dabei sei allerdings zu beachten, daß die englischen Truppen einen sehr großen Troß beanspruchen und die Zahl der Gewehre in der Feuerlinie dadurch verringert werde. Immerhin, so ver⸗ sichert der strategische Mitarbeiter des Bund, haben diese Ver⸗ stärkungen die Franzosen in den Stand gesetzt, eigene Kräfte vom linken auf den rechten Flügel ihrer Gesamtfront zu verschieben und die Abschnitte der Argonnen, der Maas⸗ und Moselfront und der Vogesen dichter zu belegen. Besonders sei das um Toul, Epinal und Belfort der Fall, wo jetzt wieder stärkere Reservew versammelt seien.
Den Besuch des Generals Joffre in Italien sieht der
Bund als ein Zeichen dafur an, vaß eine rtaltentsch.
französische Kooperation erwogen werde, daß anderseits
aber auch eine englisch⸗französische Offensive großen Stils
noch nicht gereift sei. 2 Die englischen Verlustlisten.
T. U. Amsterdam, 7. Sept. Die Ende der Vorwoche erschienene englische Verlustliste zählt 165 Offiziere und über 4000 Mann auf, von denen 43 resp. 835 gefallen sind. Unter den Verwundeten be⸗ findet sich der Brigadegeneral Longford, der an den Dardanellen kämpfte. Von den Namen der Verlustliste der Vorwoche entfallen auf Flandern 1543, auf die Dardanellenkämpfe 1584. 852 Mann werden vermißt, sie sind wahrscheinlich mit dem Transportschiff Rohal Edward untergegangen; dazu kommen noch 29 Mann Verluste bei der Marine. 1
Italiens Kriegspläne.
Nach dem häufig wohlunterrichteten römischen Kor⸗ respondenten der Stampa beabsichtigen die Italiener, beim bevorstehenden Eintritt des Winters die Operationen an der Tiroler Grenze einzuschränken, weil dort ihre strategische Stellung günstig sei, dagegen die Offensive am Isonzo und am Karst fortzuführen, wo milderes Klima herrscht.
Zum Untergang des„Hesperian“.
Die Vermißten.
T. U. Rotterdam, 7. Sept. Reuter meldet aus London: Es werden 13 Fahrgäste und sieben Mitglieder der Besatzung des Dampfers„Hesperian“ vermißt. An Bord des Schiffes befanden sich 3545 Postpakete, für die Vereinigten Staaten bestimmt, einige davon von neutralen Ländern.
Die Allan⸗Linie gibt wegen der Möglichkeit von Irrtümern die Namen der Vermißten noch nicht bekannt. Außerdem ist die Leiche einer Frau, einer Kabinenreisenden in Queenstown geländet worden. Die Anzahl der Opfer würde demnach 26 betragen. 5 N ö
Die Auffassung in Amerika.
New⸗Pork, 7. Sept. In der Presse wird die Meinung ausgesprochen, die Torpedierung des„Hesperian“(daß es sich um eine solche handelt, wird allgemein angenommen! sei eine unangenehme Ueberraschung, da man mach den Washingtoner Nachrichten angenommen hatte, die Passagierschiffe würden in allen Fällen gewarnt werden, ehe der Angriff erfolge. Doch erklären die meisten Blätter, daß die amtliche Aufklärung abgewartet werden müsse, bevor weitere Schritte getan werden.(Frankf. Ztg.)
1 5
24
5
London, 7. Sept. Den Times wird aus Washington gemeldet es sei kaum möglich, daß die Friedensliebe Amerikas durch die Versenkung der„Hesperian“ beeeinträchtigt werde. Wenn Deutsch⸗ land die Haltung des Unterseeebootskommandanten desavouiere, werde die Angelegenheit in die Reihe der vor den deutschen Kon⸗ zesstonen erfolgten Zwischenfälle eingerechnet werden.
Eine italienische Demonstration gegen die Schweiz Bern, 7. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Infor- mationen aus guter Quelle versichern, daß seit etwa zwei Wochen bedeutendere Verschiebungen italieni⸗ scher Truppen von der österreichischen und der schweizeri⸗ schen Grenze stattfinden. Diese Umgruppierung, die jene starken Mittelreserven zu betreffen scheint, die Italien ur⸗ sprünglich für den Fall eines Durchbruchs nach Triest aufge⸗ spart hatte, zeigt zweifellos einen gegen die Schweiz ge⸗ richteten Charakter. Damit soll nicht gesagt sein, daß Italien aggressive Absichten gegen die Schweiz hegt. Dieser Aufmarsch italienischer Truppen an der schweizerischen Grenze soll dem mehr demonstrativen Zweck dienen, Teile der schweizerischen Armee dauernd an der schweizerischen Süd⸗ westgrenze zu fesseln. Diese stalienische Diversion, die also geeignet erscheint, von vornherein die Kräfte der schweizeri⸗ schen Verteidigung einseitig zu binden, soll ihre Wirkung besonders auf die Nordwestgrenze der Schweiz erstrecken, von welcher ebenfalls sehr starke Truppenverschiebungen zweifel⸗ los stattgefunden haben. Für diese Nordwestgrenze sollen alle Möglichkeiten der Operationen offen gehalten werden. Der Schweizer Verteidiger soll bm Falle einer Grenzver⸗ letzung in feinen Truppenverschiebungen beschränkt bleiben. 0 Zwischen den Zeilen heißt das, es bestehe die Möglich⸗ keit eines Durchmarsches französischer Truppen durch die Schweiz nach Deutschlaud. Das dürften die Franzosen sich doch noch sehr überlegen.. Die Schweizer Sozialdemokratie für teilweise Demobilisierung. 8 Der Vorstand der Schweizer sozialdemokratischen Partei hat in einer Resolution die Auffassung ausgesprochen, daß die Militärbehörden mehr Truppen aufbieten, als für den Schutz der Schweizer Neutralität nötig sei. Daher hat der Parteivorstand an den Bundesrat das dringende Ersuchen gestellt, die Aufgebote zu be⸗ schränken und hierbei die Erwerbsverhältnisse in den einzelnen Landesteilen zu berücksichtigen.*
Ein englischer Hilfskreuzer an der anatolischen Küste in Brand geschossen.
Konstantinopel, 7. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Erst jetzt wird bekannt, daß am 31. August ein englischer Hilfs⸗ kreuzer, der sich Dikili an der anatolischen Küste genäherl hatte und dem Feuer der türkischen Küstenartillerie ausgesetzt war, von einem Geschoß getroffen wurde und sich brennend entfernen mußte.
5 Die Marktpreise für Vieh und Frucht 5 und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 6. September 1910.
Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen Sog Schlachtgewicht 110140 Mk. ½ kg 116—120 Pfg. Kälber 5 119—143 Pf. ½„ 100—104 Schweine 11 5 5 170-192„%„ 170-000„
Brotpreise in Gießen
Weißbrot 2kg— Pfg. Schwarzbrot 2„ 71„
Getreidepreise in Mannheim.
Weizen 100 kg 27.00 Mk. Höchstpreis Roggen 5 23.00 Höchstpreis
Verantwortlicher Redakteur; F. Vetters, Gießen.
b Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 8 8 Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. W.
7 —


