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Hessen und Nachbargebiete. ö Gießen und Umgebung.
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— Was geht's ihn an? In der Mittwochs⸗-Nummer Anseres Blattes brachten wir unter der Ueberschrift:„Uner— freuliches aus städtischen Betrieben“ einen Artikel, der sich mit den in städtischen Werken zutage getretenen Mißständen befaßte. Daß der in Form und Inhalt durchaus sachlich ge⸗ haltene Artikel berechtigt war und die Mißstände im Gas— werk und Klärbecken richtig schilderte, ist uns von einer ganzen Reihe in städtischen Betrieben beschäftigter Arbeiter bestätigt worden. Wir waren daher nicht wenig erstaunt, als uns am Freitag morgen Herr Wohlmuth seine Miß— billigung über den Artikel aussprach und uns nahelegte, vor der Veröffentlichung solcher Notizen genaue Informationen einzuholen. Daß das geschehen ist, und zwar gründlicher, wie das oft Herr Wohlmuth zu tun pflegt, halten wir für überflüssig zu sagen. Uns wundert nur, wie ausgerechnet Herr Wohlmuth dazu kommt, sich mit solchem Eifer für die städtischen Beamten ins Zeug zu legen. Hatten die Herren Ursache, gegen unseren Artikel etwas zu sagen, dann war es ihre Sache, das zu tun, und wir versichern, daß sie in unserem Blatt in ganz ausgiebiger Weise zu Wort gekommen wären. Aber gerade weil sie das nicht taten, werden wir in der Auffassung bestärkt, daß die Angaben in unserem Artikel richtig sind. Damit fehlt aber auch für Herrn Wohlmuth jeder Grund, sich zum Adlatus des städti⸗ schen Gaswerksdirektors zu machen, wie er das schon früher, und manchmal in etwas widerlicher Weise, bei dem verflosse— nen Oberbürgermeister getan. Uebrigens wird sich wohl unser Gewährsmann noch zu der Sache äußern.
— Aushang der Fleischpreise. Auf Grund einer Be—
kanntmachung des Gießener Polizeiamts vom 26. August müssen von diesem Tage ab in allen öffentlichen Verkaufs- stellen, in denen Fleisch oder Wurst feilgehalten wird, die Preise auf einem vom Polizeiamt gestempelten Aushang kenntlich gemacht werden. Die Preise können jeweilig ge— ändert, müssen aber stets vor dem Aushang der Polizeibe⸗ hörde zum Abstempeln vorgelegt werden. Außerdem ist in jedem Lokal an einem leicht zugänglichen Platz eine Wage aufzustellen, wo dem Publikum Gelegenheit gegeben ist, die gekauften Waren nachwiegen zu können. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Alfred Lerch aus Bieber bei Rodheim, Inf. Regt. 99.— Leutnant Theodor Trautig aus Reiskirchen bei Wetzlar, Inf.⸗Regt. 116.— Musketier Fritz Heck aus Vießen, Inf.⸗Regt. 168.
— Zum Einkauf von Speisekartoffeln schreibt uns ein genauer Kenner der Verhältnisse: Nach den von mir angestellten verläß⸗ lichen Erhebungen erscheint es ratsam, mit der Deckung des Bedarfs in Speisekartoffeln zurückzuhalten und vorerst nur kleinere Mengen anzuschaffen. Die Ernte ist durchschnittlich gut. Wenn auch frühe Sorten nicht überall reich tragen, gleichen späte Sorten diesen Minderertrag aus. Dann stehen die Kartoffeln in der Wetterau und im Vogelsberg prachtvoll, sodaß die Bewohner jener Gebiete von vornherein als Käufer ausscheiden. Wir haben mit wesentlich billigeren Preisen zu rechnen.— Diese Ansicht deckt sich uch mit Nachrichten, die aus anderen Gegenden kommen. ö
— Gegen die Preistreibereien. Die Bekanntmachung des Bundesrats vom 23. Juli 1915 gewährt die Möglichkeit, gewinn⸗ süchtige Preistreibereien gerichtlich zu bestrafen. Einen fühlbaren Einfluß auf die Marktlage wird diese Bestimmung aber nur ge⸗ winnen, wenn daraufhin gerichtliche Bestrafungen in größerem Um⸗ fange wirklich erfolgen. Hier bietet sich für die Bevölkerung eine Möglichkeit, ihrerseits zur Bekämpfung zu hoher Preise mitzu⸗ wirken. Ja, sie hat die Pflicht, in dieser Hinsicht das Ihre zu tun; sie darf sich nicht auf Klagen beschränken und alles übrige den Be⸗ hörden überlassen. Die Fälle, in denen zwecks übermäßigen Ge⸗ winnes unangemessen hohe Preise gefordert oder Bedarfsgegen⸗ stände aus Gründen der Preistreiberei zurückgehalten werden, müssen den zur Entgegennahme von Strafanzeigen zuständigen Be⸗ hörden(Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht) auch wirklich zur An⸗ zeige gebracht werden, damit Untersuchung und gegebenenfalls Be⸗ strafung eintreten kann. Dazu ist nötig die genaue Angabe des Tat⸗ bestandes, der Person des Verkäufers, der geforderten Preise und der Zeugen. Durch dergestalt begründete Anzeigen ihrerseits zur Bekämpfung von Preistreibereien mitzuwirken, ist, wie gesagt, Pflicht der Bevölkerung; wer diese Pflicht versäumt, hat kein Recht zu klagen.
— Die neue Reichsanleihe. Es wird mitgeteilt, daß die eben be⸗ willigten 10 Milliarden Kriegsanleihe diesmal nur in Form von Reichsanleihen aufgelegt werden, d. h., daß kurzfristige Schatzan⸗ weisungen diesmal ausfallen. Zu welchem Kurs die Reichsanleihe aufgelegt wird, steht noch nicht fest. Das Reichsbankdirektorium gibt bekannt, daß an die Zeichner der zweiten Kriegsanleihe wieder ein Teil der Reichsanleihescheine ausgegeben worden ist. Der Rest soll bis Ende Oktober zur Verteilung kommen. Die Zeichner werden gebeten, Geduld zu haben, da die Herstellung und Ausfertigung von annähernd sieben Millionen Schuldverschreibungen und Schatz⸗ unweisungen außergewöhnlich große Arbeit erfordere.
— Zusammenstoß. In den Neuen Bäue rannte am Freitag nachmittag ein Radfahrer mit einem Schreinerlehrling, der einen großen Spiegel trug, derart zusammen, daß beide zu Fall kamen und der Spiegel in Trümmer ging.
— Promenadenkonzert. Für das am Sonntag den 29. August,
bormittags 11½ Uhr, in der Südanlage stattfindende Promenaden⸗
konzert, ausgeführt von der Kapelle des Landsturm⸗Infanterie⸗ Ersatz⸗Bataillons Gießen, ist folgendes Programm vorgesehen: 1. Choral„Wie schön leuchtet der Morgenstern“. 2. Ouverture zur Oper„Die Entführung“ von W. A. Mozart. 3.„Das Bild der Rose“, Lied für Posaune, von G. Reichhardt. 4. Liebeswalzer von C. M. Ziehrer. 5.„Musikalisches Allerlei“, Potpourri, von B. Wil⸗ helm. 6.„Unter der Friedensflagge“, Marsch, von J. Novowieski.
Tagesbericht hes Großen Hauptguartierz.
Abgewiesener Vorstoß in den Vogesen.
Die Festung Olita besetzt. W. B. Großes Hauptquartier, 27. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. In der Champagne und auf den Maashöhen wurden französische Schanzanlagen durch Sprengung zerstört. In den Vogesen wurde ein schwacher französischer Vorstoß leicht
abgewiesen. ö
Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls „ 5 v. Hindenburg. Die Gefechte bei Bausk, Schönberg(füdwestlich von
Mitau) und in der Gegend östlich von Kowno dauern an. 2450 Russen sind gefangen, 4 Geschütze und 3 Maschinen⸗ gewehre erbeutet.
Südöstlich von Kowno wurde der Feind geworfen.
Die Festung Olita ist von den Russen geräumt und von uns besetzt.
Weiter südlich sind die deutschen Truppen gegen den Njemen im Vorgehen.
Der Uebergang über den Berezowka-Abschnitt(östlich von Ossowiec) ist erkämpft. Die Verfolgung ist auf der ganzen Front zwischen Suchowola(an der Berezotka) und in dem Bealo-Wieska-Forst im Gange. Am 25. und 26. August brachte die Armee des Generals von Gallwitz 3500 Gefangene und 5 Maschinengewehre ein.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Die Heeresgruppe verfolgt; ihr rechter Flügel kämpft um den Uebergang über den Abschnitt der Lesna-Prawa (nordöstlich von Kamieniec⸗Litowsk). 9 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls
v. Mackensen.
Nordöstlich von Brest⸗Litowsk nähern sich unsere Truppen der Straße Kamienic⸗Litowsk⸗Muyszezyce.
Südöstlich von Brest⸗Litowsk wurde der Feind über den Ryta⸗Abschnitt zurückgeworfen. Oberste Heeresleitung.
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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht
Die Russen in vollem Rückzug.
Wien, 27. Aug.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 27. August 1915:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die bei Brest⸗Litowsk geschlagenen russischen Armeen sind in vollem Rückzuge beiderseits der nach Minsk führenden Bahn. Die Truppen des Erzherzogs Josef Ferdinand rückten gestern zu Mittag durch die brennende Stadt Kamieniec⸗Litowsk an der Lesna. Deutsche Streitkräfte verfolgen von West und Süd in der Richtung auf Kobrin..
Bei Kowel, bei Wladimir⸗Wolynskij und in Ostgalizien nichts
Neues. Italienischer Kriegsschauplatz.
Auf dem italienischen Kriegsschauplatze fanden gestern nur bei Flitsch Kämpfe von einiger Bedeutung statt. Hier wiesen unsere Truppen einen feindlichen Angriff auf ihre Talstellungen zurück.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8
Was werden die Russen tun?
T. U. Rotterdam, 27. Aug. Daily Mail erhielt aus Petersburg eine salbamtliche Meldung, in der sich einige Andeutungen über die nächsten Pläne der Russen befinden. Diese sollen darin bestehen, eine geeignete Stellung auszu⸗ wählen, in der sie sich behaupten können, bis genügender Nachschub von Mannschaften und Munition eingetroffen sein würde. Es dürfe sich als notwendig erweisen, eine befestigte Defensivfront, ähnlich der französisch-englischen im Westen, zu schaffen. Zu diesem Zwecke werde die russische Regierung zahlreiche Arbeitskräfte aufbieten. Man hofft mit Hilfe von Hebel und Schlamm die Wege unbrauchbar zu machen und den Gegner aufzuhalten, bis die Verteidigungsfront fertig⸗ gestellt ist. Es scheint, daß zu diesem Zwecke der russischen Heeresleitung französische Offiziere beigegeben werden sollen.
Minsk von den russischen Zivilbehörden bereits geräumt?
T. U. Wien, 27. Aug. Die dem polnischen National⸗Komitee nahestehende Petrikaner Zeitung Dziennik Narodowy meldet, daß die russischen Zivilbehörden Minsk bereits geräumt haben.
Große Vorbereitungen der Russen in Bessarabien.
T. U. Bukarest, 27. Aug. Seit drei Tagen werden auf den russischen Eisenbahnlinien außerordentliche Maßnahmen getroffen. Die aus dem Innern des Reiches nach Bessa⸗ rabien abgehenden Züge werden bis Kischinew von Truppen begleitet. Die Reisenden dürfen die Waggons nicht ver⸗ lassen. Die Eisenbahnwagen sind verschlossen und die Fenster durch Vorhänge verdeckt. Diese Maßnahmen werden damit in Verbindung gebracht, daß die Russen in Bessarabien große Vorbereitungen treffen.
Das Urteil von Neutralen.
Ein Schweizer Urteil:
Zu dem Fall der russischen Festungen bemerkt die Neue Zürcher Zeitung: Dieser Elan und dieses Draufgänger⸗ tum im guten Sinne des Wortes, die Stellung auf Stellung, Festung um Festung im Sturme greifen, sind das Resultat einer großzügigen und deutlich ineinandergreifenden Führung und gegenseitigen Vertrauens. Dadurch entsteht der feste Glaube an die eigene Unbesiegbarkeit und den endlichen Sieg, der einst das Heer des alten Fritz von oben bis unten beseelt hat. Er ist aber auch das Ergebnis einer langjährigen zielbewußten militärischen Ausbildung und Erziehung des ganzen Volkes, die den kategorischen Imperativ der Pflicht weit über alle Exerzier⸗ künste gestellt haben. Darum ist es dann wieder möglich, unter anderen Umständen, wie z. B. an der Westfront, todesmutig auf den anvertrauten Posten auszuharren, durchglüht von dem einzigen Gedanken, den Prinz Friedrich Karl in die Worte gekleidet:„Herr, wo befiehlst Du, daß ich sterben soll?“ Dieser moralische Schwung, diese sittliche Begeisterung, dieses unbegrenzte Vertrauen sind dort nicht zu schaffen, wo planmäßiges Zurückweichen zur obersten Regel der Führerkunst wird.
Norwegische Stimmen:
Tidens⸗Tegn schreibt u. a.: Täglich meldet der Telegraph neue deutsche Siege und neue russische Niederlagen. Nichts über- rascht bald mehr. Daß diese Festung aber so schnell fallen würde, hatten nur die allerwenigsten erwartet. Vielleicht wird der Name Beresina nochmals auf blutroten Blättern in die Kriegs⸗ eschichte eingeritzt, es ist nur die Frage, ob auf eine für die Russen fo befriedigende Weise wie 1812 ftenposten schreibt: In dieser Zeit der Massenniederschlachtung russischer Festungen ist man leicht geneigt, eine Kapitulation zu unterschätzen. Es bleibt nur noch die Festung Grodno, deren Tage gezählt sind, übrig, dann haben die Deutschen reinen Tisch gemacht. Verdens Gang schreibt: Der Fall dieser Riesenfestung muß die meisten über⸗ raschen, da man erwartete, daß sie für längere Zeit der Mittel⸗ unkt heißer Kämpfe hätte werden müssen. Der Fall hat nicht ent⸗ cheidende Bedeutung, sofern nicht in Betracht gezogen wird, daß die Deutschen bald als sekundäres Ziel ihrer Offensive eine starke Verteidigungslinie mit schwachen Kräften halten und so die Haupt⸗ kräfte zur Anwendung auf andern Kriegstheatern frei⸗ bekommen.
Aus der holländischen Presse:
Der Nieuwe Rotterdamsche Courant führt aus: Die Russen haben ihre„Große Linie“ und„Hauptentsaltungslinie“ nach ganz kurzem Widerstande, der nur eine Episode des allgemeinen Rlickzuges gewesen ist, fahren lassen, und von einer„französtsch⸗eng⸗ lischen Aktion, die den Druck auf die russische Front vermindern soll“, hat niemand etwas gemerkt. Nur die Italtener haben gewaltige Angriffe gemacht, ohne daß dieses Werk für sie selbst, ge⸗ schweige denn für die Verbündeten, irgend einen Erfolg von Be⸗ deutung gehabt hätte. Dieses Ausbleiben der Hilfe der Verbündeten ist übrigens eine der düstersten Tatsachen in der Entwick⸗ lung der Kriegsoperationen der letzten Monate, wenn man die Vor⸗ gänge vom Standpunkt der Entente aus betrachtet.
Nieuws van den Dag schreibt in einem Leitartikel über den Fall von Brest⸗Litowsk: Das Staunenerregende an dem Fall der Festung ist, daß es so unerwartet gekommen ist. Brest⸗Litowsk ist nicht belagert und kaum bestürmt worden. Der Platz fiel wie Warschau den Angreifern als eine reife Frucht in den Schoß. Die vortreffliche Strategie der deutschen An⸗ führer hat diesen Erfolg zustande gebracht. Sieht man von Grodno ab, einer Festung zweiten Ranges und Rowno im Sliden, dann liegt
nunmehr das westliche Rußland den Deutschen und Oesterreichern
offen. Das dänische Urteil:
Politiken schreibt in einem Leitartikel: Durch den Fall von, Brest⸗Litowsk verlor Großfürst Nikolaf das Zentrum seiner zweiten Verteidigungs linie. Brest⸗Litowsk war der wichtigste russische Eisenbahnknotenpunkt. Nach dem Fall der Weichsel⸗ linie ist zwar die Bedeutung Brest⸗Litowsk al Eisenbahnzentrum in letzter Zeit gesunken, indem die Deutschen mit festem Griff sowohl die nach Norden gehende Bahn bei Bjelsk als die nach Süden gehende bei Kowel bekommen haben, aber nach hinten gingen noch Bahnen. Brest⸗Litowsk ist schwer mit großen Truppenmassen zu räumen. Hinter der Stadt sind die gewaltigen Rokitnosümpfe, doppelt so groß wie ganz Dänemark, ohne Wege und mit einer ein gleisigen Bahn, zie nur einen geringen Verkehr ermöglicht. Der Rückzug ist nur nordöstlich längs der Bahn über Minsk nach Moskau möglich. Außer der Bahn sind noch zwei Hauptlandstraßen vorhanden, aber auch auf ihnen ist der Rückzug überaus schwierig. Das russische Heer leidet jetzt nicht nur an Munitionsmangel, sondern auch die moralisch⸗ Kampfkraft ist stark erschüttert. 6
Der Erfolg eines deutschen U-Bootes.
Eine mißlungene„glänzende Tat“.
Berlin, 27. Aug.(W B. Amtlich.) Am 16. August vernichtete eines unserer Unterseebvote eine bei Harrington an der Irischen See liegende Benzolfabrik einschließlich des Benzollagers und der dazu gehörigen Koksöfen durch Geschützseuer. Die Werke flogen mit hoher Stichflamme in die Luft. Die seinerzeit in der englischen Presse aufge⸗ stellte Behauptung, daß das Unterseeboot die offenen Städte Harrington, Parton und Whitehaven beschossen habe, ist un⸗ zutreffend. Dasselbe Unterseeboot wurde am 15. August in der Irischen See von einem großen Passagier⸗ dampfer, anscheinend der Royal Mail Steam Packet Comp. angehörig, auf weite Entfernung beschossen, obwohl es ihn nicht angegriffen hatte. Es wird ausdrücklich festgestellt, daß der Angreifer von dem Geschütze also zum Angriff, nicht etwa zur Verteidigung Gebrauch machte.— Die englische Admiralität gab am 27. August bekannt, daß ein deutsches Unterseeboot vor Ostende durch ein englisches Marineflugzeug vollständig zerstört und zum Sinken gebracht worden sei. Diese Nachricht ist unzutref⸗ fend. Das Unterseeboot wurde von dem Flugzeuge zwar angegriffen, aber nicht getroffen. Es ist unversehrt in den Hafen zurückgekehrt. 4
Der stellvertretende Chef des Admiralstabs der Marine: (gez.) Behncke.*
Die zerstörte Benzolfabrik ist eine der größten Englands und für die englische Sprengstofferzeugung von umso höherem Wert, als es nur wenig derartige Werke in England gibt.
Die italienischen Sozialisten gegen den Krieg mit der Türkei.
Die Parteileitung der italienischen Sozialdemokratie hat zur Kriegserklärung Italiens an die Türkei in einem Aufruf Stellung genommen, dessen Veröffentlichung durch die Presse aber von der Zensur verboten wurde. Nicht einmal eine Mitteilung über das Publikationsverbot durfte erfolgen. Die Parteileitung erklärt, laut Berner Tagwacht, in einem Aufruf, der neue Krieg sei als Frucht des willkürlichen Gebrauchs der der Regierung aus Anlaß des Krieges gegen Oesterreich übertragenen Blankovollmachten und als Ausfluß einer absolutistischen Tendenz des gegen⸗ wärtigen Ministeriums anzusehen, dessen Verantwortlich⸗ keiten gegenüber der Geschichte und den tatsächlichen Bedürfnissen des italienischen Voltes immer größer und schwerer
würden. Der türkische Tagesbericht.
Konstantinopel, 27. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier meldet: An der Dardanellenfront er⸗ eignete sich am 26. August außer zeitweise aussetzendem Ge⸗ schütz⸗ und Gewehrfeuer bei Anaforta nichts. Bei Seddül⸗ Bahr zerstörte die Artillerie des linken Flügels einen Teil der feindlichen Schützengräben. Auf den übrigen Fronten hat sich nichts verändert.
Vom Balkan. Aus Bulgarien.
Paris, 26. Aug. Der Petit Parisien veröffentlicht ein Telegramm seines Korrespondenten, wonach innerhalb 10 bis 15 Tagen in Bulgarien bedeutende militä⸗ rische Bewegungen vorgehen dürften.
Griechenland und Serbien.
Nach einer Sofioter Meldung der Seara wird auch in amtlicher; Form bestätigt, daß der griechische Gesandte in Nisch den Minister⸗ präsidenten Paschitsch aufsuchte und ihn verständigte, daß, wenn Serbien die Forderungen der Entente erfülle, Griechenland den zwischen Serbien und Griechenland bestehenden Vertrag, wonach beide Staaten einander im Falle eines bulgarischen An⸗ griffes unterstützen, für ungültig erklären werde. Ferner wird bestätigt, daß der griechische Gesandte sich auch be⸗ mühte, Paschitsch davon zu überzeugen, daß es im Interesse Serbiens gelegen wäre, mit Oesterreich-Ungarn einen Sonderfrieden abzuschließen. Nach bulgarischen Blättern habe Paschitsch unter dem Eindruck der Aktion des griechischen Gesandten die Uebergabe der
Antwort auf die Entente-Note verschoben, weil er sich noch 5 0 Reichhaltiges Böger in Nöre,
D. Kuminka, Gießen Gießen u. Umg. und des Eien⸗
darüber orientieren wolle, ob auch Veniselos diese Auffassung Gold- und Sitbderwaren. Markiplatz ll. bahn ⸗Konsumvereins.
der früheren griechischen Regierung teilt. Lleferant des Konsum- Vereins — Nan


