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8 —
Arme Kriegersfrau, d. Mann schon
Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung.
Gegen den Zuckerwucher.
Auf die Eingabe der Zentrale des Kriegsausschusses für Kon—
n in Sachen einer ausreichenden und billigen
ersorgung der Bevölkerung mit Zucker hat der Staatssekretär des Innern unter dem 19. August folgendes geantwortet:
-Um zu verhindern, daß die für den Handel mit Verbrauchs⸗ zucker festgesetzten Höchstpreise für die Verbraucher erst verspätet fühlbar werden, beabsichtige ich, Händlern, die bei Lieferungen nach dem 15. August 1915 auf den vor dem 22. Juli 1915 ver⸗ einbarten höheren Preisen bestehen und die Preise nicht auf die gesetzliche Höhe ermäßigen, die Bestände an Verbrauchszucker durch die Zentral⸗Einkaufsgesellschaft m. b. H. fortnehmen zu lassen. Vor dem 22. Juli 1915 geschlossene Verkäufe an die Schokoladen⸗ und Zuckerwarenindustrie, an Likörfabrikanten, an Fabrikanten alkoholfreier Getränke und an Marmelade- und Kunsthonigfabrikanten sollen durch diese Maßnahmen nicht be— rührt werden.
Ich habe die Zuckerhändlervereine benachrichtigt und stelle ergebenst anheim, den Verbraucherkreisen von dem Inhalt meines Schreibens Kenntnis zu geben.
f Im Auftrage gez. Kautz.“
Diese Maßnahme kann, wie der Kriegsausschuß schreibt, mit Genugtuung begrüßt werden. Auf seine Anzeigen hin, die er auf Wünsche aus Handelskreisen veranlaßt hatte, sind auch Zuckervor⸗ räte, für die unverhältnismäßig hohe Preise verlangt wurden, schon vor dem 22. Jult durch die Zentral⸗Einkaufsgesellschaft bei Groß⸗ händlern beschlagnahmt worden, obwohl bis dahin Höchstpreise für den Großhandel nicht bestanden. Jetzt sind die erforderlichen Grundlagen für ein geregeltes Vorgehen gegen den Zuckerwucher geschaffen worden. Der Kriegsausschuß hat dem Wunsche des Staatssekretärs gemäß natürlich sofort seinen Bezirks- und Orts⸗ ausschüssen, sowie seinen angeschlossenen Verbänden und Konsum⸗ genossenschaften die nötigen Weisungen zur scharfen Ueberwachung der Vorgänge auf dem Zuckermarkte gegeben. Er bittet auch die Kleinhändler, die ja in erster Linie von Uebervorteilungen durch Großhändler betroffen werden, ihn in seinen Bemühungen zur Ausrottung der Wuchererscheinungen zu unterstützen. Dazu gehört auch die Meldung über versuchte Umgehungen der neuen Bestimmung durch besondere Provisionsforder⸗ ungen usw.— Die für Handel und Verbraucher gerechteste und sicherste Regelung erblickt der Kriegsausschuß allerdings trotz der dankenswerten Schritte des Staatssekretärs in der Festsetzung von Höchstpreisen für den Kleinhandel, denn die von ihm im ganzen Reiche angestellten Erhebungen über die Zuckerpreise im Kleinverkauf hätten eine ständige Aufwärtsbewegung erkennen lassen. Es sei fraglich, ob die Großhandelspreise dieser Ten⸗ denz Einhalt gebieten könnten.
Aus großer Zeit.
In den Inseratenspalten der bürgerlichen Blätter findet man fetzt täglich Hilferufe dieser Art: Arme Kriegersfr. m.7 kl. Kind., Mann seit d. J. Aug. 1914 einber bittet um ein gebr. Bett, resp. kl. Vergütung.
Angeb. u. M. U. 589 a. d. Exp. Arme kränkl. Kriegersfr. 4 Kind., in gr. Not, Mann 1 J. im ffelde, bittet edeld. Herrsch. u. kl. Unterst. a. Lebsm. Ang. u. C. G. 2287 Fil.-Exp. Ehrenfeld
Welch. Edeldenkende scheukt Krieas⸗ Invaliden Kleider? Ang. O. 28 Ag. Karolingerring 5.
Wer würde—
einer armen Rriegersfrau
eine gebr. Kinderbettstelle schenken
oder für billigen Preis überlassen. Frau Steinbeck, Blaubach 15.
Arme Kriegersfrau mit 7 kl. Kindern bittet edeldenk. Leute um ein gebr. Bett, event. kl. Vergütung. Mann seit dem 4. August 1915 einberufen. Ang. u. B. E. 747 an die Exp.
Wer überl. einarmig. 3 Anzug
billig? Ang. u. G. B. 2714 an die Haupt⸗Agentur Köln⸗Mühlheim.
Arme Kriegersfran bite, Herrschaft um Kinderwagen für Zwillinge. Lungengasse 27. Welcher Edeld. überl arm. Kriegs⸗ frau Kinderwagen für Zwillinge, event, gegen kleine i Besch. Marzellenstr. 62/64, Laden.
Welche edeld. Herrschaft
würde arm. Kriegersfr. m. 5Kinder 4 Knab. v. 7—12 J. etw. getr. Kleid.
7 Monate im Felde, bittet edeldenk. Herrsch. um gut erh. Kinder⸗ oder Klappwagen, ev. e An⸗ gebote M. 2248 Fil.⸗E. Ehrenfeld
Welch. Edeld. würde j. bess. Kriegers au m. 3 K., lungenl., Mann vor arschau, d. durch Kr. ganze Existenz verl., Schrank, Wascht. Stühle usw. überl.? Angeb. Lindenth., Dürener Straße 172, 1., geradeaus.
Welche edeldenk Herrschaft hilft einer armen Kriegersfr. für Möbelwagen. und Schuhe überlassen?? Ang. u. Z. 1 Ag. Hansaring 100. Ang. u. A. W. 1567 an die Exp.
Diese Anzeigen wirken durch sich. Man braucht sie nicht durch 8 über die Zustände zu ergänzen, aus denen sie hervor⸗ gehen.
— Die Gründung des Kriegsausschusses für Konsu⸗ menteninteressen ist in fast allen Schichten der Gießener Be⸗ völkerung freudig begrüßt worden. Zwar weiß man, daß dieser Ausschuß den Lebensmittelwucher mit all seinen üblen Begleiterscheinungen nicht im Handumdrehen beseitigen kann, und man gibt sich deshalb in den Kreisen der Konsumenten auch gar keiner Täuschung hin über die äußerst schwierige Aufgabe, der sich der Ausschuß zu unterziehen gewillt ist, man hofft aber, daß es ihm trotzdem gelingen wird, die Aus— wüchse, die sich seither auf dem Lebensmittelmarkt gezeigt haben, in andere Bahnen zu lenken und unserer Stadtver⸗ waltung mit mancherlei praktischen Vorschlägen für die Ver— sorgung ihrer Einwohner mit Lebensmitteln an die Hand zu gehen. Und dadurch wäre für die Konsumenten ganz zweifel⸗ los schon viel gewonnen. Da ist es denn bedauerlich zu hören, daß es auch in Gießen Leute gibt, die schon jetzt, noch ehe der Ausschuß an die Oeffentlichkeit getreten ist, denselben glauben bekämpfen zu müssen. Wie uns nämlich mitgeteilt wird, hat sich ein höherer Beamter(dessen Name wir vor⸗ läufig noch nicht nennen wollen) mächtig über diese„demo— kratische“ Gründung aufgeregt und einem der Ausschußmit⸗ glieder empfohlen, seine„Kenntnisse für den Ausschuß in einem Kuhstall zu sammeln“. Möglich, daß dieser Herr in— folge seines hohen Gehaltes die Teuerung nicht spürt und für die Bestrebungen eines Konsumentenausschusses wenig Verständnis hat, dann soll er sich aber auch nicht um Sachen bekümmern, die ihn absolut nichts angehen. Uns sind zahl⸗ reiche Fälle bekannt, wo Angehörige sogenannter besserer Kreise sich zwecks vorteilhafteren Einkaufs zusammenge— schlossen und unter Umgehung der Gießener Geschäfte ihre Waren von außerhalb bezogen haben. Das ist selbstverständ⸗ lich ihre Sache, wie sie das halten, und kein Mensch hat ihnen deshalb einen Vorwurf gemacht, dann sollen sich aber auch die Herrschaften darüber nicht aufhalten, wenn wirtschaftlich Schwächere etwas unternehmen, was ihre Lage zu bessern geeignet erscheint. Wir werden auf diese Angelegenheit noch zurückkommen.
— Banditen auf dem Lebensmittelmarkt. Eine scharfe, aber berechtigte Sprache führt der Gemeindevorstand von e in Thüringen gegen jene Sorte Menschen, die die Not
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ihrer Mitbürger ausnutzen, um sich zu bereichern. in seiner Bekanntmachung:
„Die an sich schon hohen Lebensmittelpreise rechtfertigen nicht nur eine scharfe Einhaltung der festgesetzten Höchst⸗ preise, sondern auch ein rücksichtsloses Vorgehen gegen die Banditen auf dem Lebensmittel- markt. Ich ersuche die Einwohnerschaft, mich in meinem Bestreben zu unterstützen und insbesondere mir oder meinen Polizeipersonen Mitteilung zu machen, wenn sich wider Erwarten auch hier Menschen mit kaltem Herzen und gierigen Händen finden sollten, die gegen die Preisfest⸗ setzung verstoßen.“
An Deutlichkeit läßt wohl diese Bekanntmachung nichts zu wünschen übrig.
— Zur Frage der Beschaffung von Wollsachen für unsere
Truppen durch Spendung freiwilliger Liebesgaben erfahren wir, daß für die kommende rauhe Jahreszeit Bedarf an Kopfschützern, Pulswärmern, Fingerhandschuhen und Leib⸗ binden zunächst nicht besteht, sondern daß an diesen Gegen⸗ ständen noch genügende Vorräte vorhanden sind. Dagegen werden Strümpfe und wollene Unterkleider verlangt. Die in der alten Klinik eingerichtete Sammelstelle nimmt diese Gegenstände gerne entgegen. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Heinrich Eckstein aus Alsfeld, Res.⸗Inf.⸗Regt. Nr. 254.— Wehrmann Heinrich Schäfer aus Gießen, Res.⸗ Pionier⸗Bat. 32.— Wehrmann Konrad Moos aus Staufen⸗ berg, Res.⸗Inf.-Regt. 116.
55 Ueber Futterbeschaffung im Herbst macht der Landeskultur⸗ rat in Sachsen folgende beachtenswerte Mitteilungen, die auch für die oberhessischen Landwirte nicht uninteressant sein dürften:„Die frühzeitige Ernte dieses Sommers läßt die Ansaat von Stoppel⸗ früchten zu Futterzwecken besonders aussichtsreich erscheinen. Es sollte deshalb jeder Landwirt soviel als möglich derartige Pflanzen noch anbauen. Leider ist die Zahl der Pflanzen, die hierfür zur Verfügung steht, in diesem Jahre nicht sehr groß. Für alle humosen leichteren Böden ist der Anbau von Buchweizen zu empfehlen. Man benötigt als Aussaatmenge etwa 80 Kilogramm für ein Hektar. Anstatt der Reinsaat kann auch ein Gemenge von 40 Kilogramm Buchweizen mit 15 Kilogramm Senf oder aber 70 Kilogramm Buch— weizen mit 15 Kilogramm Spörgel verwendet werden. Für leichtere Böden kommt insbesondere auch der Riesenspörgel in Reinsaat in
Er sagt
Frage. Eine beachtliche Futterpflanze ist fernerhin der weiße Senf. Als Saatmenge braucht man für ein Hektor etwa 25 bis
30 Kilogramm; er ist jedoch stets vor der Blüte zu mähen. Für die Gewinnung von Herbstfutter ist endlich noch die Stoppelrübe zu nennen. Auf ein Hektar sind von dieser Pflanze etwa 3 Kilogramm Samen auszustreuen. Das Saatgut erhält man bei einer land⸗ wirtschaftlichen Bezugs- und Absatz-Genossenschaft oder von einer Samenhandlung bezw. Getreidehandlung.“— Diese Erinnerung erscheint uns sehr angebracht. Denn man kann bei Wanderungen über das Land beobachten, daß weite Stoppelfelder noch gänzlich brach liegen, obwohl gerade jetzt die Witterung zum Säen äußerst günstig ist.
— Wieder erwischt. Drei im Gießener Gefangenenlager unter- gebrachte Franzosen, Leon Moel, James Beniat und Michel Weber, die sich bei einem Arbeitskommando des Landesbauamts in Dietz an der Lahn befanden, waren entflohen. Alle oͤrei waren nur der französischen Sprache mächtig, ein Umstand, der ihrer Flucht Schwierigkeiten bereitete, denn am Sonntag wurden sie in Oden— heim(Amt Bruchsal in Baden) ergriffen und wieder zurück nach Gießen transportiert, wo sie am Mittwoch vom Militärgericht abge⸗ urteilt wurden.
— Belohnung für Ermittelung von Brandstiftern. Wegen einer bedenklichen Zunahme verdächtiger Brände hat die Hessische Brandversicherungsanstalt allgemein eine Belohnung von 300 Mark demjenigen zugesichert, durch dessen Tätigkeit ein Brandstifter ent⸗ deckt und so überführt wird, daß seine rechtskräftige Verurteilung durch das Schwurgericht erfolgt.„
— Feldpostsendungen für die Marine. Ueber die Feldpost⸗ sendungen für Marineangehörige bestehen noch Zweifel. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Bestimmungen über die Feld- post für die Kaiserliche Marine in den bei allen Postämtern aus⸗ hängenden Merkblättern für Feldpostsendungen enthalten sind; sie können dort eingesehen werden; auch wird an den Postschaltern Auskunft erteilt. Feldpostpakete für die in Belgien befindlichen Marinemannschaften sind nach wie vor an die Paketsammelstelle des 1. Ersatz⸗Seebataillons in Kiel oder die Paketsammelstelle der 2. Torpedodivision in Wilhelmshaven zu senden; je nachdem der Empfänger aus dem Ostsee- oder Nordseestationsbereich ins Feld gerückt ist. Ist den Absendern nicht bekannt, aus welchem Bereich ihre Angehörigen ins Feld gerückt sind, dann können die Pakete nach Wahl des Absenders an eine der beiden Paketsammelstellen gesandt werden. Näheres geht ebenfalls aus den Merkblättern hervor.
— Fahrraddiebstahl. Am Dienstag nachmittag gegen 3 Uhr wurde aus dem Hofe eines Hauses in der Westanlage dahzer ein Fahrrad, Marke„Cito“, mit der Polizeinummer schwarzes 5095 entwendet. Als Dieb kommt ein unbekannter Mensch im Alter von 34—35 Jahren in Frage, der hellen Anzug und weißen Strohhut mit schwarzem Band trug. Sachdienliche Mitteilungen über die Person des Täters, nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.
— Auf eigentümliche Weise ist am Mittwoch Nachmittag eine Kuh eines hiesigen Oekonomen eingegangen. Der Mann war mit seinem Gespann auf dem Acker, wo die Kuh über einen Kartoffelkorb geriet. Eine größere Kartoffel blieb ihr im Halse stecken und konnte nicht entfernt werden, sodaß das Tier erstickte.
Gegen die„gute Stube“. Die Königlich preußische Eisenbahn⸗ Direktion Posen hat eine recht beachtenswerte Verfügung an ihre Aemter und Dienststellen erlassen, die sich gegen die sogenannte „gute Stube“ richtet. Die Verfügung, die auch für manche unserer Leser gilt, lautet:„Wiederholt hat es sich als notwendig erwiesen, erkrankte Kassenmitglieder„wegen schlechter Wohnungsverhältnisse“ einem Krankenhause zu überweisen. In einer ganzen Reihe von Fällen beruhten diese schlechten Wohnungsverhältnisse darauf, daß in der schon an sich kleinen Wöhnung das größte und beste Zimmer als sogenannte gute Stube eingerichtet und daher für den Wohn⸗ ungsinhaber und seine Familie fast ganz unbenutzbar geworden
war. Hierdurch war der übrige für Wohn- und Schlafzwecke zur Verfügung stehende Raum derart beengt, daß die Wohnung nach
ihrer Einteilung nicht nur als den allergeringsten Ansprüchen an Zweckmäßigkeit und Gemütlichkeit nicht entsprechend angesehen wer⸗ den konnte, sondern als direkt gesundheitsschädlich bezeichnet werden mußte, insbesondere auch, weil bei dieser Einteilung namentlich der ansteckenden Krankheiten und ihrer weiteren Uebertragung Vor⸗ schub geleistet wurde. Auch unsere Hexren Aerzte haben sich schon mehrfach an uns gewendet mit der dringenden Bitte, aus gesund⸗ heitlichen Gründen sowie zur Hebung der Freude am häuslichen Leben einem derartigen Zustande, den sie als„groben Unfug“ bezeichnen, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln ent⸗ gegenzuwirken. Die Kassenmitglieder, sowie alle übrigen Be— diensteten sind eindringlich und wiederholt auf diesen Mißstand hin⸗ zuweisen und immer wieder darauf aufmerksam zu machen, daß an Wohnungsmiete— einem der größten Ausgabeposten im Haus⸗ halte— nicht, wie es leider noch in großem Umfange geschieht, da— durch gespart werden kann und darf, daß eine weder den Interessen der Gesundheit und der häuslichen Gemitlichkeit noch dem Stande der Bediensteten entsprechende unzureichende Wohnung bezogen wird, sondern dadurch, daß bei Verwendung eines dem Einkommen des Bediensteten angemessenen Geldbetrages für die Wohnung deren Räume als gute Stube Verwendung finden. Eine derart
zweckmäßig eingerichtete Wohnung kommt nicht nur den Famtlien⸗ angehörigen, die sich in ihr— namentlich im Winter— den größten Teil des Tages über aufzuhalten haben, zugute, sondern wird auch die Freude der Bediensteten selbst an der Pflege eines häuslichen Lebens erhöhen. Die„gute Stube“ stellt sich als nichts anderes dar, als ein Luxus, den man sich zum Besten Dritter, meist ganz gleichgiltiger Personen unter Einschränkung der eigenen und der Gemsttlichkeit seiner nächsten Angehörigen auferlegt.“ 0
Parteinachrichten.
Zur Abstimmung über die Kriegskredite. Der Vorwärts schreibt: Eine Reihe Zuschriften aus dem Leserkreise wünscht eine ge⸗ nauere Mitteilung über die Kreditabstimmungen der sozialbemo⸗ kratischen Reichstagsfraktion. Wir kommen diesem Ersuchen nach
Möglichkeit nach: Es stimmten in der Fraktion gegen die erste Kreditvorlage 14. gegen die zweite 17, gegen die dritte 23 und gegen die vierte Kriegskrebitvorlage 36 Abgeordnete. Von diesen
36 stimmten am 20. August im Plenum 3 für die Vorlage, Lieb⸗ knecht dagegen, 32 von ihnen befanden sich bei der Abstimmung außerhalb des Saales. Von diesen können wir folgende 29 Abge⸗ ordnete namhaft machen, die aus grundsätzlichen Bedenken sich aus dem Sitzungssaal vor der Abstimmung entfernt hatten: Albrecht, Antrick, Bernstein, Bock, Büchner, Dr. Cohn(Nordhausen), Ditt⸗ mann, Emmel, Erdmann, Fuchs, Geyer, Haase, Henke, Dr. Herz⸗ feld, Hoch, Hofrichter, Horn, Kunert, Ledebour Peirotes, Raute, Rühle, Schwartz(Lübeck), Simon, Stadthagen, Stolle, Vogtherr,
Wurm, Zubeil. Vermischtes.
Ein französischer Gefangener als Lebensretter.
Als am Samstag Abend das Postkommando des Gefangenen⸗ lagers in Ohrdruf auf dem Wege nach dem Lager am Marktplatz⸗ Brunnen vorbeischritt, gewahrte ein französischer Gefangener, daß ein etwa vierjähriger Knabe, der beim Spielen in den tiefen Brun⸗ nen gefallen war, mit dem Tode rang. Der Franzose sprang ku e in den Brunnen, tauchte und brachte das Kind glückl eraus.
Zwei Personen getötet, sieben verletzt.
Ein schweres Unglück, das zwei Tote und sieben Verletzte for⸗ derte, ereignete sich am Montag in der neuen Fabrik Oppau der Badischen Anilin⸗ und Sodafabrik in Ludwigshafen. Die Ar⸗ beiter versammelten sich im Zugkanal des Kesselhauses und zwar unter einer mit Brettern überdeckten Oeffnung. Sei es nun, daß die Bretter schlecht oder überlastet waren, die Decke brach plötzlich ein und verschüttete die Arbeiter. Getötet wurden die Arbeiter Hrch. Besch und Valentin Ott, schwerverletzt der Taglöhner Hermann Grüner, an seinem Aufkommen wird gezweifelt. Die andern Ar⸗ beiter sind erheblich verletzt.
Fünffacher Mord.
In Deutsch⸗Eylau wurde die Frau, deren Schwester und drei Kinder des Abdeckers Schmelzer, der verwundet im Lazarett liegt, ermordet. Als Täter wurde ein junger Knecht verhaftet. 1
Heiteres aus einem hessischen Lazarett.
Ein verschmitzt dreinschauender Hanauer belehrt seine länd⸗ lichen Kameraden über den Unterschied zwischen Lampion, Cham⸗ pion und Champignon:„Die Babbierladerne, wo die Kinner trage, des sinn Lampinjong; die Schwämme, wo die reiche Leut esse, heißt mer Schwampinjong, und wer am beste rudern kann, is e Schampinjong.“— Ein oberhessischer Bauer spricht von fran⸗ zösischen Gefangenen, die er transportiert hat:„E bissi Deutsch konnte se schon: Kamerad konnte se ganz gut sage unn Ardillerie unn Kavallerie!“— Ein Verwundeter, der in ein anderes Lazarett übergeführt worden ist, schreibt in einem Dankbrief an die Schwester vom Roten Kreuz:„Hier geht es uns auch nicht schlecht, aber man wird doch härter angepackt, denn hier ist lauter Herrenpersonal und keine Damenbedien⸗ ung!
Tagesbericht des Stoßen Hauptgnartiers.
In der Champagne und den Vogesen Erfolge. Im Osten weiteres siegreiches Vordringen.
W. B. Großes Hauptquartier, 25. Aug., vorm.(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz. i
In der Champagne sprengten wir mit Erfolg mehrere Minen. In den Vogesen wurde am Schratzmännle ein feind⸗ licher Angriff mit Handgranaten abgeschlagen. Südwestlich von Sondernach ein Teil der am 17. August verloren ge⸗ gangenen Grabenstücke zurückgewonnen. Ein deutscher Kampf⸗ flieger schoß vorgestern bei New⸗Chateau einen französischen Doppeldecker ab. b
Oestlicher Kriegsschauplatz. g Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Nördlich des Niemen wurde bei erfolgreichen Gefechten in der Gegend von Birschi 750 Russen zu Gefangenen gemacht.
Die Armee des Generals von Eichhorn drang unter Kämpfen siegreich weiter nach Osten vor. 1850 Russen ge⸗ rieten in Gefangenschaft. Mehrere Maschinengewehre wurden erbeutet.
Die Armee des Generals von Scholz erreichte die Bere- zowka, nahm Kayszye und überschritt südlich von Tykocin den Narew.
Die Armee des Generals von Gallwitz erzwang an der Straße Sokoly⸗Bialostok den Narewübergang. Ihr rechter Flügel gelangte, nachdem der Feind geworfen war, bis au den Orlanka.
Die Armee machte über 4700 Gefangene(darunter 18 Offiziere) und erbeutete 9 Maschinengewehre.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Der Feind versuchte gestern vergeblich unsere Verfolgung zum Stehen zu bringen. Er wurde angegriffen und in den Bialo⸗Wieska⸗Forst geworfen. Südlich des Forstes erreichten unsere Truppen die Gegend von Wierchowiecze. Es wurden 1700 Gefangene eingebracht.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.
Die Heeresgruppe nähert sich, dem geschlagenen Feinde folgend, den Höhen auf dem Westufer der Lesna(nördlich von Brest⸗Litowsk). Auf der Südwestfront von Brest-Litowsk bei Dobrynka durchbrachen gestern österreichisch-ungarische und deutsche Truppen die vorgeschobenen Stellungen der Festung. Auf dem Ostufer des Buges nordöstlich von Wlodawa dringen Teile der Armee des Generals v. Linsingen im Kampfe nach Norden vor. Oberste Heeresleitung.
Notiz: Birschi 60 Kilometer nordöstlich von
liegt etwa
Poniewiez.


