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Samstag, den 3. Olrtover 1914
7. Jahrgang
Di- „lictit Eacroiritung" fiitfjeint jeöen iL ( ctItog. Regelmäßige Beilagen „Der Sauer aus Hellen", „Sie Spiiinllut r fei ton Agenten monnllirf) 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr oder Tiägeilohn. Anzeigen: Grund,zelle 20 Pfg., lokale 15 P,g.. tSn-.n Ersullungsart Zriedberg. Schriftleitung und Verlag Friedberg lHesien), Hanauerstcaße 12. Fern piech.-r G. Post, ,,e
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Der Stand der
Wieder zwei französische Vorstöße zurttckgewiefeu. — Zwei Forts vor Antwerpen gestürmt.
— Kommende Kämpfe im Ostcre.
Rillßtil i»l Weßtn unD ?ffü.
Ter heutige Kriegsbericht läßt erkennen, dah die Franzosen innner noch die mächtigsten Aitstrcttgttngcn auf ihrem Iiitfcu und rechten Flügel machen, tun der verzweifelten Lage, in die sie geraten find, zu eutkoinmen. Tagtäglich machen sie kraftvolle Vorstöße int Nordwcsteu und ebenso regelmäßig erfolgen ihre Ausfälle aus Verdun und Toul. Aber noch nicht ein einziger dieser Versuche ist bis fetzt von Erfolg gekrönt worden, alle endigen sie mit der Zurückweisung ihrer Kräfte unter den jchwcrstcn Verlusten für ihr Heer. Imitier iuchr gewinnt man den Eindruck, daß das französische Heer wie mit eisernen Klamincrn, von denen cs keine Lösung gibt, eiugcschlossen sei.
Liese Einsicht gewinnt auch bei unseren Gegnern an Boden, so schreibt der deutschfeindliche „Corriere della Sera":. „In Paris schlvindet die Hoffnung auf einen entscheidenden Sieg über die Deutschen immer mehr. Wer in der vorigen Woche die Umgehung des rechte» deutschen Flügels für sicher hält, ist nunmehr von der Unmöglichkeit einer schnellen Lösung der Lage durch einen Hauptschlag aus die Deutschen überzeugt und sieht jetzt nur noch eine sehr lange Dauer der Kämpfe bis zur gänzlichen Erschöpfung der Gegner voraus." Diese Hoffnung steht allerdings giif sehr schwacheil Füßen, denn was die Ausdauer anbelangt, so werden es die Tcntscheu mit den Franzose» allemal aus- nchmeit.
Auch der t» Bern erscheinende „Bund", dessen Kriegsberichte im allgemeinen unparteiisch, aber ganz gewiß nicht zugiinsteii der Deutschen, gehalten sind, nennt die Stcl- litng der Deutschen u»erschüttert, wogegen er zn gibt, daß auch der Ofsensivflügel der Franzosen wieder in die Verteidigung gedrängt sei. Er kleidet seine Gc- santtaufsassung der Lage im Westen in folgende Sätze: „Wir glauben mit Sicherheit aus dieser für den Augenblick fest- oeslellten Kampslinie schließen zu können, daß die Umfass- nng des deutschen rechten Flügels nicht geglückt ist und die Franzosen in die Defensive gedrängt sind. Ob sie noch einmal offensiv ansetztcn, bleibt abzuwartcn. Die deutthe Offensive an der Maas ist hingegen noch nicht zum Still- siattd gckoniutcn, schiebt sich aber angesichts der Forts und der mobilen Verteidigung nur sehr langsam weiter. Die Lage wird sür die Franzosen kritisch, wenn die Deutschen die Höhen von Apremont samt den Forts ganz besetzen und zlvischcn St. Mihicl und Commercy die Maas überschreiten können.
Noch vor wenigen Tagen behaupteten die Belgier, die Forts vor Antwerpen könnten von den Deutschen nttr mit einem Verlust von 100.000 an Toten genommen werden. Jetzt müssen sie den Schmerz erleben, daß auch diese Hoss- nuvg zerrinnt und eines nach dem anderen von den starken Außcnforts in die Hände der Deutschen fällt. Der Zugang von Süden her ist nach Antwerpen gebahnt. Ta der zweite Gürtel von Befestigungen wohl gleichfalls nicht lange mehr standhalten wird, so dürste der Fall von Antwerpen bevorstehen und das Wespennest der belgischen Regierung aus- geräuchert werden.
Jrn Osten stehen neue Kämpfe bevor. Tie russii.he Armee» scheinen sich gesammelt und neue Kräfte erhalten zu haben. Auch sie, deren Kampfcsinut bereits gebrochen ist, werden ihren Meister finden. Auch ans dem südlichen Kampfplätze ini Osten bereiten sich große Tinge vor. Immer klarer stellt sich heraus, wie verkehrt die Anschauung war, das Zurückweichcn der Oestcrrcichec als einen russischen Sieg zn betrachten. Es war ein österreichischer Sieg, der nicht ausgcnutzt werden konnte, weil die Russen ihre lieberzahl anhaltend verstärken konnten, llmgckehrt könnt:» aber die Russen, deren Verluste sich zn denen der Oesterreicher wie l zu 1 beziffern, nicht den mindesten Vorteil ans dem Rückmarsch der österreichisch-ungarischen Armee ziehen. Sie nuißten znsehen, wie deutsche Hcercskräfte nahten, um den Waffenbrüdern Luft zu machen. Tie Russen nutzten die Gunst der Stunde nicht, weil sic nicht konnten. Mit Recht sagt der Kriegsberichterstatter v. Reden: Der große Fehler in der strategischen Rechnung Rußlands zeigt 'sich jetzt: Man batte gehasst, die österreichisch-ungarische Armee mit der bekannten „Dampfwalze" in wenigen Wochen zn er- drucken und dann gegen Deutschland marschieren zu können; nun kommt es umgekehrt: die „Tarnpi'wnlze" ist steckenge- blicben und Deutschlands Truppen niarschieren heran: sie filtien die unbesiegten, wieder voll ergänzten wobl ausae-
ruhtcn und kampflustigen Armeen der Tonainuoaarchie. Leider kann über die augenblickliche Lage noch nicht mehr gesagt werden; sie ist sehr interessant.
So sind die Aussichten die allerbesten, hoffen wir. daß Gott auch auf den Schlachtscldern im Südoste» der gerecht:» Sache zum Siege verhelfen werde.
Die Kriegslage.
Großes Hauptquartier, 2. Ott., abends (SHmtliifj). Von dem westlichen Arniccjlügel wurden erneute Umsassungs- versuche der Franzosen abgcwicscn. Südlich Roqe sind die Franzosen aus ihren Stellungen gcworjcn. Zn der Mitte der Schlachtfront blieb die Lage unverändert. Die in den Argon- ne» »ordringenden Truppen erkämpften im Borschreiten «ach Süden wesentliche Vorteile. Oesilich »er Maas unternahmen die Franzosen aus Toul energische nächtliche Vorstöße, die unter schweren Verlusten sür sie zurückgeworsen wurden.
Vor Antwerpen sind die Forts Waorc, St. Catharinc und die Redoute Doupwcldt mit Zwischcnwerken gestern nachmittag 5 Uhr erstürmt, das Fort Waelhem eingeschlossen. Der westlich hcrausgeschobenc wichtige Schulterpunlt Tcrmondc bc- sindet sich in unserem Besitz.
Auf dem östlichen Kriegsschauplatz scheint der Vormarsch russischer Kruste über den Rjcmcn gegen das Gouvernement Suwalti beuorzustlhen.
Prch'vollc Ltii»i»i»lg bei «chm Verbülidttkik.
Wie», 2. Ott. Aus dem Kricgsprcsiequariiei wird amtlich gemeldet: Der Armce-Obeikommandant Erzherzog Friedrich hat den aus dem galizischen Kriegsschauplatz eingelrcienen längeren Operationsstillstand dazu benutzt, um in Begleitung des Erzherzogs Karl Franz Josef täglich das eine oder andere Korps zu besichtigen. Gelegentlich der Besichtigungen, die ihn nahezu mit allen Truppen der Rordarmcen in Berührung gebracht haben, gereichte cs dem Erzherzog zur besonderen Freude, durchweg eine» von Kampscslust beseelten Geist und trotz aller Wetterunbilden die prächtige Haltung der Truppen scststellen zu tonnen. Die Bcrpslegung, welcher der Armee-Obertomman- ldant sein besonderes Augenmerk zuwandte, hat sich überall als reichlich und tadellos erwiesen. Kriegsmaterial aller Art, insbesondere Munition, ist in vollem Ausmaße vorhanden.
IJm i Ittliillhkii KrikgsichlinM.
Wien, 2. Okt. Amtlich wird bckanntgegeben: Das Armee-Oberkommando keilt mii: Trotz der entschiedenen Ersolgc
in Serbien versuchte die serbische Presse neuerdings durch Ver- brcliung von Nachrichten über crjundenc Siege und Ucbcrtrei- bung von Bandencinsüllen Stimmung zu machen, um den sicher elntrctenden und bereits selbst erlannten Zusammenbruch des Widerstandes der serbischen Armee zu verschleiern. Aus alle unwahren Darstellungen scr ausländische» Preise über die Lage aus dem Balkan-Kriegsichauplatz sei kurz und bündig erwidert, daß wir nicht nur alle eroberten Stellungen östlich der Drina in ücherem Besitz haben, sondern auch mnnilcibrochcn weiter Raum gewinnen.
lind) dm |)evi,ili)f brr (Fnrtrii.
Nach einer in Amsterdam vorliegenden Nachricht Hai der Ileine Kreuzer „Karlsruh:" in Atlantischen Ozean sieben englische Dampser versenk!.,
liii'ttgllNtz fiüfo knjll Ili'tn iiohIklliXiiuMs.
Der Dampfer „Selby" mit mehr als .1000 Tonnen Kohlen von Shields nach Antwerpen unterwegs, ist am 1. Oltober nachts in der Rordsee auf eine Mine geraten und gesunken. Die 20 Mann starke Besatzung rettete sich i» Booten, wurde von einem Lowegoster Küstenschiss ausgenommen und in Lowestost gelandet.
Zeppelin vor? Antwerpen.
Amsterdam, 2. Okt. Zn der vorvergaugeiton Nacht um 2 Ahr näherte sich ein Zeppelin kreuzcr van Moll aus Anlwerpcn, warf Bomben bei!» Fort Brocchcm ab und flog unbeschädigt wieder davon.
Kämpfe in SMwcstasrika.
P r c t or i a , 2. Olt. Das Reutersche Bureau meldet amtlich. Südafrikanische Truppenabtcilungcn überraschten zwei deutsche Posten, den einen bei Grasplatz in der Nähe vouLll- dcritzbucht, den zweiten bei Anichab, 2.', Meilen nördlich von Lüdcritzbucht. Fünf Deutsche sind gelangen genommen worden, davon ist einer tätlich verwundet.
Aiilii (ijfiiBi’sliw hin-tiiblirg'g.
Geste-", sclcrlc General I>. Hindeirbur g seinen 67. Ge» buristag. Tic Wunsche Alldculschlands gelten dem wackeren Hecrsihrcr, dem Achilleus des deutschen Heeres. Möge Gott ihi» noch lange seine oußcrordciitliche geistige Frische, seine Gesundheit und seine Tallrast erhalten zum Heile unseres deutschen Barcrlaudes. — Das „Neue Wiener Tageblatt" widmet dem siegreiche» Heerjührer einen Festartikel, in welchem cs jag!: Heule leiert General o. Hindcnburg sein Wicgensest lm Zubel seines Vaterlandes. Auch wir, mit ihm und seinen, tapferen Heere Schulter an Schulter lämpscnd, vereint in Not Gefahr und Sieg, senden dem Feldherr» unfern treuen Gruß ihm, dem Blücher des modernen Weltkrieges.
fine mditlüc AlisMilllliig.
i c n, 2. Ott. Der Kaiser hat laut Handschreiben vom 26. September dem Kapitänleutnant Weddigen, Konimandan- len des „r 0“, das Ritterkreuz des Leopoldordens mit der .Kriegsdekoration verliehen.
3nr Wahrung des lionfflfionrUfn Jtif&rnö.
Das stellvertretende Generallommando des 10. Armeekorps ersucht um Berosfcntlichung solgendcr Mitteilung:
Zn der letzte» Zeit sind wiederholt von unglaiibwitrdiger Seite Gerüchte über Ercucltaten belgischer Geistlichen in Umlauf gefetzt und auf die gesamte katholische Gcistlichleik in ge- hässiger Wesse verallgemeinert worden. Hierdurch wird die Ehre der kalholischen Gcisllichcn und das religiöse Empfinden der kalholischen Bevölkerung verletzt. Die Uebcrtragung einzelner. ost schwer nachweisbarer verbrecherischer Handlungen, wie sic von Geistlichen in Belgien begangen sein sollen, aus die katholische Geistlichkeit in ihrer Gesainlheit, namentlich des Inlandes, ist geeignet, den kanfcssionellen Frieden des deutschen Volkes in dieser schweren Zeit zu gefährden, in der die Mitglieder aller Konfessionen Seile an Seite zum Schutze des Va- lcilandes zusammcnsteheii. Gegen die Urheber und Bcrbrciter solcher Verdächtigungen, mögen sic schristlich oder mündlich oder auch durch bildliche Darstellung«» Verbreitung finden, werde ich in,nachsichtlich Vorgehen, ebenso gegen die Presse, falls >!c bch daran beteiligt.
Der kommandiereiidc General, gcz. von Linde-Sude n.
Zlhgeordnete im Heer.
Berlin, 2. Okt. Das Bureau des Abgeorduclenhauses vcrösic,illicht eine Zusammenstellung, aus der hcrvorgeht, dag von 442 Mitgliedern dieses Parlaments 8ö im Heeresdienst Verwendung gefunden habe». Sie verteilen sich aus folgende Parteien: 45 Konservalioc, 10 Freikonscroative, lL National- iibcrale, 1 Däne, 12 Mitglieder des Zentrums und 1 Mitglied der Forifchriltlichc» Volkrpartci. Die Herren bekleiden jol- gcndc Chargen: l Obcrstleulnant. 2 Majore, 28 Rittmeister, 20 Hauplleute, 20 Oberlcutnanls und Leutnants, 2 Osiizicrstcll- verlreter, .5 Vizefeldwebel, Unlervssizierc und Gefreite, ein Kriegsgcrichlsrat und l Ober-Deckoffizier. Ein Teil der Ab- gcordneien steht im akliven Heere, e>» Teil hat in den sicllvcr- lrctendcn Generaltommandos, in der Adjutnniur Stellung ge- jnnden, vier Herren tralen als Delegierte des Zohanniler- ordcns und der Linien-Etappenlommandos ei».
Schtttierle» Wetterle n.
Wie inan heute ans Basel berichtet, ist der 53 Jahre alle Agent Aö.-il Reisser ans Sennheiin im Obcrelj.itz iii «er Leiiisnnt ilanz vorn schweizerischen Gericht loied::- i'in zu drei Jetzien Zuchthaus verurteilt worden, weil man in jii:»i;i Besitz eine Bonibc gefunden halte. Er wollte damit i n Jnieresjc Frankreichs die Waldshutcr Eisenbahn- brücke ui die Luft sprengen. In der Verhandlung wurde auch b. nnnt. daß ein noch nicht ermittelter Täter anfangs Seplein'. er einen Anschlag ans die'Schwarzwaldbahn bei det Station L.lenke,g verübt hat.
(finidjrünkHitg tion Sdjnjfinrlifjlfldjiiingfii.
Eine auch sür unsere Landwirte beachtenswerte Vorschrift hat die baiierische Staatsregieruno erlassen. Sie hat von der in § 4 Abs. 2 der Bundesratsverordnung vom 11. September 1914 den Landeszentralbehörden erteilten Ermächtigung (.Gebrauch gemacht und mit sofortiger Wirkung verfügt, daß auf die Tauer von drei Monaten, d. i. bis 19. Dezember 1914, in Bayern Schweine, die weniger als 00 Kilogramm Lebendgewicht haben, nicht geschlachtet werden dürfen. Der Berechnung des Lebendgewichts wird das (vewicht zugrunde gelegt, welibes das ein-elne Tier bei der Einlicreruna in den Schlac''-


