Aus dem Seniorenkonvent des Reichstages. 5 Im Seniorenkovent des Reichstages wurde am Samstag über die Verhandlungen der Geschäftsordnungskommission berichtet. Der Auftrag der Geschäftsordnungskommission, wegen der strengen Ein⸗ haltung der Vertraulichkeit in der Budgetkommission, wurde von der Kommission so erfüllt: Im Augenblick sei eine Beschlußfassung nicht zu vollziehen, wegen der Schwierigkeiten, die sich in der Frage bieten. Bei der allgemeinen Revision der Geschäftsordnung, die im Herbst wieder beginnen wird, wird die Frage einer gründlichen Prüfung unterworfen werden. Dagegen soll künftig in den Kom⸗ missionssitzungen durch stärkeres Hervorheben der vertraulichen Mitteilungen eine größere Gewähr für Innehaltung der Vertrau⸗ lichkeit zu bieten versucht werden, Es wurde ferner über die künftigen Dispositionen der Geschäfte des Plenums mitgeteilt, daß am Montag nachmittag 2 Uhr Plenarsitzung sein wird und daß man hofft, mit den Budgetkommissionssitzungen Dienstag zu Ende zu
kommen und eventl. am Donnerstag den Reichstag zu schließen.
Die Eroberung von Kowno.
Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: 5
Seit dem 17. August ist das Hauptbollwerk der Niemenlinie, eine Festung ersten Ranges, Kowno, in unserer Hand. Im Juli bereits wurden die der Festung westlich vorgelagerten ausgedehnten Forsten vom Feinde gesäubert, und hierdurch die Möglichkeit für die Her⸗ stellung brauchbarer Annäherungswege und der notwendigen Erkun⸗ dungen geschaffen. 5
Mit dem 6. August begann der Angriff gegen die Festung. Nachdem durch kühnes Zugreifen der Infanterie Beobachtungsstellen für Artillerie gewonnen und in dem wegelosen Waldgelände das äußerst schwierige Instellungbringen der Geschütze gelungen war, konnte am 8. August das Feuer der Artillerie eröffnet werden. Während sie die vorgeschobenen Stellungen und gleichzeitig die ständigen Werke der Festung unter ein überwältigendes Feuer nahm, arbeiteten sich Infanterie und Pioniere unaufhaltsam in Tag und Nacht andauernden heftigen Kämpfen vorwärts. Nicht weniger als 8 Vorstellungen wurden bis zum 15. August im Sturm genommen, jede eine Festung für sich, in monatelanger Arbeit mit allen Mitteln der Ingenieurkunst unter sichtlich ungeheurem Aufwand an Geld und Menschenkräften ausgebaut, mehrfache, sehr starke Gegenangriffe der Russen gegen die Front und die Südflanke der Angriffstruppen wurden unter schweren Verlusten für den Gegner abgewiesen.
Am 16. August war der Angriff bis nahe an die permanente Fortlinie vorgetragen. Durch äußerste Steigerung und mit Hilfe eines von Ballon⸗ und Flugbeobachtung glänzend geleiteten Ar⸗ tilleriefeuers wurden die Besatzungen der Forts, Anschlußlinien und Zwischenbatterien derartig erschüttert, und die Werke selbst derartig beschädigt, daß auch auf diese der Sturm angesetzt werden konnte. In unwiderstehlichem Vorwärtsdrängen durchbrach die Infanterie zu⸗ nächst Fort 2 und erstürmte dann durch Einschwenken gegen dessen Kehle und Aufrollen der Front beiderseits die gesamte Fortlinie zwischen Jezia und Niemen. Schleunigst nachgezogene eigene Ar⸗ tillerie nahm sogleich die Bekämpfung der Kernwallung der West⸗ front und nach deren Fall am 17. August die Bekämpfung der auf das Ostufer des Njemen zurückweichenden feindlichen Kräfte auf. Unter dem Schutze der unmittelbar an den Niemen herangeführten Artillerie wurde im feindlichen Feuer der Strom zunächst durch einzelne kleinere Abteilungen, dann mit stärkeren Kräften über⸗ wunden. Schnell gelang danach als Ersatz für die durch den Feind zerstörten Brücken ein zweifacher Brückenschlag. Im Laufe des 17. August fielen auch die von Norden bereits angegriffenen Forts der Nordfront sowie die Ost⸗ und zuletzt die gesamte Südfront. Neben über 20 000 Gefangenen gewannen wir eine unermeßliche Beute, über 600 Geschütze, darunter zahllose schwersten Kalibers und modernster Konstruktion, gewaltige Munitionsmassen. zahllose Ma⸗ ene Scheinwerfer, Heeresgerät aller Art, Automobile, Gummibereifungen und Millionenwerte an Proviant. Bei der großen Ausdehnung dieser modernen Festung ist die restliche zahlenmäßige Feststellung der Beute naturgemäß die Arbeit vieler Tage;: sie erhöht sich von Stunde zu Stunde. Hunderte von Rekruten wurden in der vom Feinde verlassenen Stadt aufgegriffen. Nach deren Angaben waren erst im letzten Augenblick 15 000 unbewaffnete Ersatzmann⸗ schaften fluchtartig aus der Stadt entfernt worden.
i ben den verzweifelten Gegenangriffen der Russen, die auch nach dem Falle der Festung erfolglos wie die früheren von Süden her noch einmal einsetzten, ist dies ein augenscheinlicher Beweis dafür, daß die russische Heeresleitung den schnellen Fall der stärksten Festung außer dem Bereich der Möglichkeit liegend erachtete. Wie hohen Wert sie auf den Besitz dieser Festung legte, beweist neben dem starken Ausbau der Festung und ihrer außergewöhnlich starken Aus⸗ stattung mit Artillerie die Tatsache, daß der Widerstand der nicht eingeschlossenen Besatzung bis zum letzten Augenblick fortgesetzt wurde, sowie daß unter diesen Umständen eine verhältnismäßig große Anzahl von Gefangenen in unsere Hand fiel.
Der türkisch⸗bulgarische Vertrag.
Die Vossische Zeitung meldet vom 21. August aus Sofia, daß der türkisch⸗bulgarische Vertrag, über den so lange ver—
handelt worden ist, nunmehr durch Unterzeichnung vollzogen worden sei. Wir haben Grund anzunehmen, daß diese Mel⸗ dung der zu erwartenden Tatsache doch noch etwas vorauseilt. Unseres Wissens ist auf Grund der bisherigen Verhandlungen neuerdings ein Bevollmächtigter von Sofia nach Konstanti⸗ nopel gesandt worden, der voraussichtlich den Abschluß voll⸗ ziehen wird.
Amerika wieder in Aufregung.
Reuters Bureau berichtet aus Washington 21. August: 5
Die Spannung wuchs gestern abend, als die Konsular⸗ berichte mit den eidlichen Aussagen der überlebenden amert— kanischen Fahrgäste der„Arabic“ eintrafen und den endgül⸗ tigen Bewis(?) erbrachten, daß die„Arabic“ nicht gewarnt worden war und daß das Leben einiger Amerikaner verloren gegangen sei. Nur ein Punkt bleibt offenbar ungelöst, ob nämlich die„Arabic“ versucht hat, das Unterseeboot zu rammen, oder, nachdem sie ihren Kurs verändert hatte, der „Dunslee“ beizustehen, und infolgedessen vom Kommandan— ten des Unterseeboots irrtümlich für ein feindliches Schiff gehalten wurde. Die Regierung erwartet weitere Einzel⸗ heiten und hält unterdessen mit ihrem Urteil zurück.— Präsi⸗ dent Wilson hatte gestern eine lange Besprechung mit Staats⸗ sekretär Lansing. Ueber das Ergebnis der Besprechung wurde keine Erklärung abgegeben.— Die allgemeine Ueberzeugung geht dahin, daß die Regierung den Punkt erreicht habe, wo sie sich entscheiden müsse, ob sie die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abbrechen müsse.
London, 22. Aug. Aus Washington wird von Reuter gemeldet: Das Ministerium des Aeußern teilt mit, daß der amerikanische Ge⸗ sandte Gerard in Berlin angewiesen sei, die deutsche Regierung auf das Versenken der Arabic aufmerksam zu machen, und sie um Auf⸗ klärung ersuchen soll.
Paris, 22. Aug.(W. B. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die Zahl der Opfer der„Arabic“ beträgt 59, darunter 3 Amerikaner.
Eine neue französische Anleihe.
T. U. Haag, 22. August. In holländischen Bankkreisen hört man aus London, daß sich die Meldung bestätigt, wonach eine französische Finanzkommission nach den Vereinigten Staaten abge⸗ gangen ist. Es soll sich um eine neue französische Anleihe in Höhe von 2 bis 4 Milliarden Fr. handeln. Der Zinsfuß soll nicht unter 5 Proz. betragen.
Gärung in Südpersien.
Konstantinopel, 22. Aug. Der englische Konsul von Buschir wurde zum General-Gouverneur von Südpersien er— nannt. Ueberall in Südpersien, wo es möglich war, wurde die englische Flagge gehißt. Die Zahl der gelandeten indischen Truppen soll dreitausend Mann nicht übersteigen. Die Er⸗ regung in Südpersien ist groß. Man bereitet einen umfang⸗ reichen Widerstand vor, falls die Engländer vom Küstengebiet vorstoßen sollten. Die südpersischen Hauptstämme kamen überein, den heiligen Krieg zu proklamieren.
Die neue deutsche Kriegsanleihe.
Die Aufforderung zur Zeichnung auf die neue Kriegs⸗ anleihe wird in den allernächsten Tagen erscheinen. Die Einzahlungsfrist dürfte für die ersten 30 Prozent bei Zeichnungen jeder Größe vom 30. September bis 18. Okto⸗ ber laufen.
Die Schlacht um Brest⸗Litowsk.
Wien, K. K. Kriegspressequartier, 23. Aug. Die seit Tagen anhaltenden scharfen und großen Kämpfe bei Brest⸗ Litowsk nehmen die Umrisse einer heftigen Schlacht auf der ganzen Linie an. Der Feind hat sich mit beträchtlichen Kräf⸗ ten gestellt, wobei die Fortschritte der Verbündeten zwar nicht aufgehalten, aber verzögert werden könnten. An ihren An⸗ strengungen ist zu ermessen, daß die Russen die Einschließung von Brest⸗Litowsk so lange wie möglich verzögern wollen.— Die Verbündeten dringen noch immer stetig vor, so beider— seits des Bug, im Süden der Festung und im Westen. Gegen Norden haben die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand,
unterm
die Gruppe Köveß und deutsche Truppen die Eisenba Wiseke—Litowsk bis zum Narew nördlich bei Bielsk üb
schritten. 0 Zur Räumung Wilnas. T. U. Petersburg, 23. Aug. Der Oberbefehlshaber des
wilnaischen Militärbezirks, General Tumanow, teilte der Be⸗ völkerung durch Maueranschläge mit, daß die Besetzung
Wilnas durch die feindliche Armee wahrscheinlich sei. Alle 9 1
privaten Kostbarkeiten, ferner alle noch vorhandenen Metalle, Fette und Häute sind sofort ostwärts abzuführen und alle Glocken sofort abzunehmen. Die Bevölkerung wird zur Ruhe
ermahnt, da weitere Flüchtlinge vorerst mit der Eisensahs
nicht mehr befördert werden können.
Massenverhaftungen in Finnland.
T. U. Wien, 23. Aug. 8 Krakau gemeldet wird, berichten Warschauer land aus politischen Gründen Massenverhaftungen vorgenommen
werden. Ein dänischer Protest.
Kopenhagen, 23. Aug. Das Auswärtige Amt teilt mit, 1
daß der dänische Gesandte in Berlin beauftragt worden sei, der deutschen Regierung einen entschiedenen Protest anläß. lich der vor der Insel Sakthelmen stattgefundenen Neu tralitätsverletzung zu unterbreiten.
Parteinachrichten. Reichstagsfraktion und Parteiausschuß
haben sich in gemeinsamer Sitzung am 14., 15. und 16. August mit der Frage der Kriegsziele beschäftigt. Die Be. sprechung ist mit Referaten der Genossen David und Bern ⸗ stein eingeleitet worden. Beide Referenten legten Leitsätze vor, die der Verhandlung zugrunde gelegt wurden. In ge⸗ trennter Abstimmung wurden von beiden Körperschaften nach ⸗ folgende Leitsätze zur Friedensfrage beschlossen:
„In Wahrnehmung der nationalen Interessen und Rechte des eigenen Volkes und in Beachtung der Lebensinteressen aller Völker erstrebt die deutsche Sozialdemokratie einen Frieden, der die Ge⸗ währ der Dauer in sich trägt und die europäischen Staaten auf den Weg zu einer engeren Rechts⸗, Wirtschafts⸗ und Kultur gemeinschaft führt. Demgemäß stellen wir folgende Richtpunkte für die Friedens gestaltung auf: 2
1. Die Sicherung der politischen Unabhängigkeit und Unver⸗ sehrtheit des Deutschen Reiches heischt die Abweisung aller gegen seinen territorialen Machtbereich gerichteten Eroberungsziele der Gegner. Das trifft auch zu für die Forderung der Wiederangliebe⸗ rung Elsaß⸗Lothringens an Frankreich, einerlei, in welcher Form sie erstrebt wird. 5 5
2. Zwecks Sicherung der wirtschaftlichen Entwicklungsfreiheit des deutschen Volkes fordern wir:
„Offene Tür“, d. h. gleiches in allen kolonialen Gebieten;
träge mit allen kriegführenden Mächten;
Förderung der wirtschaftlichen Annäherung durch möglichste 9
Beseitigung von Zoll⸗ und Verkehrsschranken;
Ausgleichung und Verbesserung der sozialpolitischen Ein⸗ 3 im Sinne der von der Arbeiterinternationale erstrebten Ziele.
Die Freiheit der Meere ist durch internationalen Vertrag sicherzustellen. Zu diesem Zweck ist das Seebeuterecht zu beseitigen und die Internationalisierung der für den Weltverkehr wichtigen Meerengen durchzuführen.
3. Im Interesse der Sicherheit Deutschlands und seiner wirt⸗ g
schaftlichen Betätigungsfreiheit im Südosten weisen wir alle au Schwächung und Zertrümmerung Oesterreich⸗ungarns und der Türkei gerichteten Kriegsziele des Vierverbandes zurück.
4. In Erwägung, daß Annexionen volksfremder Gebiete gegen
das Selbstbestimmungsrecht der Völker verstoßen und daß überdies
durch sie die innere Einheit und Kraft des deutschen Nationalstaates nur geschwächt und seine politischen Beziehungen nach außen dauernd aufs schwerste geschäbigt werden, bekämpfen wir die darauf ab⸗ zielenden Pläne kurzsichtiger Eroberungs politiker.
5. Die furchtbaren Leiden und Zerstörungen, die dieser Krieg über die Menschheit gebracht hat, haben dem Ideal eines durch internationale Rechtseinrichtungen dauernd gesicherten Weltfriedens die Herzen von neuen Millionen gewonnen. Die Erstrebung dieses Zieles muß als höchstes sittliches Pflichtgebot für alle gelten, die an der Gestaltung des Friedens mitzuarbeiten berufen sind. Wir fordern darum, daß ein ständiger internationaler Schiedsgerichts⸗ hof geschaffen werde, dem alle zukünftigen Konflikte zwischen den Völkern zu unterbreiten find.“
Diethelm von Buchenberg
* Erzählung von Bertold Auerbach. 57
„Ich gratuliere,“ sagte der Nebenbuhler, schnell die Hand loslassend, und Munde erwiderte:„Dank' schön. Komm mit, Fränz, in die Stube.“ Er faßte sie nicht eben zart am Arme, und Fränz machte große Augen, als er ihr allein sagte, daß das Scharmutzieren ein Ende habe, und ob sie mit den Eltern ins Wildbad gehe, darein habe er auch noch ein Wort zu reden. Fränz widersprach heftig, und Munde erklärte, daß er von dieser Stunde zu regieren anfange über alles, was ihm gehört, und das sei vor allem seine Frau, es müsse ja Fränz recht sein, daß er sich als Mann zeige.
„Zeig's zuerst beim Vater. Bei mir brauchst nicht an⸗ fangen,“ stachelte Fränz, der diese Wendung gar nicht lieb war. f Munde sprach wiederholt und in verstärkter Weise seinen Herrscherplan aus, und der Abend dieses unruhvollen, ver— hetzten Tages schien doch noch erwünscht auszuklingen.
Schon am frühen Morgen jedoch hatte Munde einen ge— waltigen Zank mit seinem Schwäher, er wollte die Geldgurte umschnallen, Diethelm aber lachte ihm ins Gesicht.
„Dann reiß' ich sie Euch auf öffentlichem Markt vom Leib herunter, wenn Ihr mich so gehen lasset und ich Euch da— mit seh'““, drohte Munde und ging hinab in die Wirtsstube.
Diethelm schaute doch verwundert dem so plötzlich Ver— änderten nach, und Fränz sah mit Schrecken die böse Saat aufgehen, die sie gesät; sie wußte aber den Vater doch dahin zu beschwichtigen, kein Geld mit auf den Markt zu nehmen, die Leute könnten es für Prahlerei ansehen, und das müsse man vermeiden nach so einem Unglück. In der Wirtsstube übergab hierauf Diethelm der Rautenwirtin die Geldgurte zum Aufbewahren, und Munde lächelte vergnügt zu seinem Siege. Diethelm traf hier viele Bekannte, unter denselben auch den Reppenberger und den Steinbauer. Reppenberger Par ebenso zutunlich und redselig, als der Steinbauer unacht⸗ sam und maulfaul; er erzählte, daß er einen umfangreichen Branntweinhandel betreibe, er habe den Vertrieb sibernom⸗
men und fahre mit seinem Einspänner im Lande umher, 25 5 ö„55 5 5
während sein Geschäftsgenosse das Brennen aus dem Grunde verstehe.
Munde trat auf Diethelm zu und wiederholte in ent— schiedener Weise einen früher gemachten Vorschlag, daß man die Rappen gegen gute Ackerpferde vertausche, sie brauchten ja keine Kutschpferde mehr.
Diethelm widersprach heftig, und der Steinbauer, der sich sonst nicht in fremder Leute Sachen mischte, ließ sich doch zu den Worten herbei:„Dein Tochtermann hat recht, Gäule, die gewohnt sind, in der Kutsch' zu laufen, gehen zugrund, wenn sie wieder Zackerfahren(zu Acker fahren) müssen.“
Der Steinbauer sagte das mit so schelmisch zwinkernden Augen, daß eine Bezüglichkeit seiner Worte auf die Lebens⸗ weise Diethelrrs kaum zu verkennen war. Diethelm merkte das auch, aber er tat, als ob er's nicht verstände; ihm war das versessene Wesen des Steinbauern in der Seele zuwider, aber er vermied doch jede offene Feindschaft mit ihm. Er schüttelte lächelnd den Kopf und gab lange keine Antwort, bis er endlich zu Munde gewendet sagte:„Das ist mein' Sach', Punktum.“
Der große Umzug der Marktpferde, der eben an dem Rautenkranz vorüberkam und alles an die Fenster und auf die Straße lockte, unterbrach den Streit, Munde folgte seinem Schwäher auf den Markt. Mitten mi Gewühl wurde er von seinem Feldwebel und mehreren Kameraden angehalten, die. wie versprochen, gekommen waren und nun aufs neue ihr Verlangen aussprachen, den Pfifferling einkaufen zu sehen.
„Ist der bärenmäßige Bauer dein Schwäher?“ fragte der Feldwebel.
„Ja, der ist's.“
Aber Diethelm war verschwunden. Munde suchte ihn mit seinem Geleit hin und her, ohne ihn finden zu können, und mußte manchen Spott darüber hören, daß er sich nicht getraue, einen Pferdeschwanz allein einzukaufen.
Munde ließ sich diese Neckereien gefallen und schwieg, er wollte nicht weiter gehen, als ihm eigentlich zustand: etwas von der alten Zaghaftigkeit seines Wesens kam wieder
über ihn. Er verwünschte es, daß er sich im Uebermut Wächter
einer Ehrenstellung zugesellt hatte, und hoffte, sie in guter f
Weise wieder los zu werden. Der Feldwebel war ein Pferde⸗ 9
verständiger und tat sich was darauf zugute, er suchte ein Viergespann gleichgezeichneter Braunen aus, Munde ließ sie sich hin und her vorführen, holte die Rappen adus dem Rauten⸗ kranz zum Vertauschen und war eben daran, unter Bedrängen des Feldwebels und der Kameraden in die dargebotene Hand einzuschlagen, als Diethelm herzutrat.
Munde hielt ein und rief ihm zu:„Schwäher, ich hab“
„Wie kommen die Rappen 1
einen Handel gemacht.“ „Du? Hast ein' Geiß gekauft?“ Munde schoß alles Blut zu Kopfe. Diethelm fragte wieder: dahet?“ N
zu sagen?“ „Schwäher, was macht Ihr? Jeder Knecht sagt zu seines Herrn Sach„unser“, und ich bin kein Knecht. Seht nur das Viergespann an. Ich bin soviel als handelseins.“ 1 „Du? Was nimmst denn du dir'raus? Wann man dich auf den Kopf stellt, und es fällt dir ein Guldenstückle raus, soll man mir die Augen mit ausstechen. Und du willst vier Ross' kaufen?“ 3 „Schwäher, das geht über den Spaß, redet nicht so. Ich hol' gleich unsere Geldgurt aus dem Rautenkranz. Beseht Euch nur die vier Ross'.“„ 1 „Daß ich ein Narr wär'. Wenn du allein Meister bist, so bezahl's auch.“ 5. 34 „Schwäher, ich weiß nimmer was ich tu, wenn Ihr so fort macht.“ 7 „Das glaub' ich. Du hast keinen Groschen zum Einkaufen. Ich will dir zeigen, wer die Geißel in der Hand hat.“ 753 „Schwäher,“ kreischte Munde heiser vor Wut und ballte beide Fäuste,„Schwäher, redet anders, oder ich.“ „Weg da, führ' die Rappen in den Stall und red' kei Wort mehr.“(Fortsetzung fol
Wie dem Neuen Wiener Journal aus a Blätter, daß in Finn⸗
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Mecht für wirtschaftliche Betätigunmn Aufnahme der Meistbegünstigungsklausel in die Friedensver⸗ 1
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„Ich hab' unsere Rappen vertauscht,“ berichtete Munde. „Unsere?“ lachte Diethelm.„Vorderhand sind sie noch mein und ist keine Red' von unseren, was hast du von unseren
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