daß Höchsipreise mit Anpassung an die Preise der letzten Jahre vor dem Krieg an die Produktionskosten aber auch an die Zählungsfähigkeit der minderbemittelten Bevölkerung, mindestens für Fleisch. Milch, Fette, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst festgesetzt und mit Hilfe der Gemeinden eine Hilfs⸗ „ zum Verkauf dieser Gegenstände geschaffen wird. erner: Zur Versorgung der Bevölkerung Deutschlands mit Nahr⸗ ungsmitteln usw. schleunigst vom Bundesrat eine Zentralstelle für Lebensmittelversorgung zu schaffen, unter Hinzuziehung eines Beirats, der aus vom Reichstage ernannten Mitgliedern besteht. Die Zentralstelle erhält das Recht, Lebensmittel zu beschlagnahmen und zu enteignen, um sie den Kommunalver⸗ bänden zu überlassen. Die mit der Preisfeststellung der Lebensmittel betrauten Kom⸗ munalverbände erhalten die Befugnis, von den bei der Bild⸗ ung der Preise beteiligten Produzenten, Groß⸗ und Klein⸗ händlern über die der Preisbildung zugrunde liegenden Tat⸗ fachen, sowie von den Verbrauchern über ihre Vorräte Aus⸗ kunft zu fordern. Verweigerung der Auskunft oder un⸗ richtige Angaben sind unter Strafe zu stellen. 1 Für das in 8 1 der Verordnung des Bundesrats gegen über⸗ mäßige Preissteigerung vom 23. Juli 1915 vorgesehene Ver⸗ fahren der Uebertragung des Eigentums von Gegenständen des täglichen Bedarfs sind neben den von der Landeszentral⸗ behörde bezeichneten anderen Organen die Kommunalbehör⸗ den befugt.
Gegenwärtig schiebt man sich gegenseitig die Schuld an der Teuerung zu. Damit kommt man nicht weiter. Man hat ledig⸗ lich halbe Maßnahmen ergriffen, die es den Schmarotzern möglich machen, sich zum Schaden des Volkes zu betätigen, Die not⸗ wendige Beschlagnahme durch eine Zentralstelle solle nicht darin bestehen, daß die Waren an einer Zentrale angesammelt werden; sie sollen nur unter Aufsicht und nach bestimmten Vorschriften ab⸗ gegeben werden. Die Mitwirkung des Reichstags ist dringend er⸗ forderlich. Bei Festsetzung der Höchstpreise hat man die Waren zu⸗ rückbehalten, um eine Steigerung der Höchstpreise zu erzielen. Die Zusatzportionen an Brot müssen erheblich ausge⸗ dehnt werden. Die Bevölkerung auf dem Land ist schon jetzt besser versorgt. Zusatzkarten müssen gegeben werden an kinder⸗ reiche Familien, Schwangere und Jugendliche. Den Gemeinden muß das Beschlagnahmerecht einge⸗ räumt werden. Die Gemeinde muß ferner das Recht haben, zwangsweise Auskünfte über die Preisbildung zu for⸗
dern. Mit den Preistafeln hat man nur erzielt, daß die Preise gleichmäßig noch höher geworden sind. Mit der Verordnung über den Wucher hat man einen Schlag ins Wasser getan, weil keine Richtpreise bestehen, die dem Gericht als Unterlage dienen können bei der Beurteilung der Frage, ob Wucher vorliegt. Die Gemeinden müssen auch das Recht bekommen, zur üsckge⸗ haltene Waren zu beschlagnahmen. In Berlin liegen enorme Vorräte an Butter, die mit voller Absicht vom Markte ferngehalten werden. Die Gemeinde ist diesem Treiben gegenüber machtlos. Was zu geschehen hat, muß aber so⸗
fort geschehen, um eine weitere Bewucherung zu verhüten.
Abg. Dr. Böhme(natl.) bespricht eingehend die Frage der Futtermittelversorgung. Auch dieser Redner bringt zum Ausdruck, daß das Volk schwer unter der Verteuerung des Lebensunterhalts zu leiden hat. Für dringend nötig hält er Höchstpreise für Saat: auch hier sind Wucherpreise gefordert worden. Die Ver⸗ minderung des Wildbestandes muß unbedingt veranlaßt werden. Abg. v. Gamp(freikons.) bezeichnet die sozialdemokratische Kritik als nicht berechtigt. Die Brotpreise bewegen sich völlig in mäßigen Grenzen; den Nachteil hat die Landwirt⸗ schaft, die durch den Krieg in vielfacher Hinsicht geschädigt worden ist. Es fehlte ihr an Arbeitskräften, Pferden und Düngemitteln. kein anderer Stand hat solch große Opfer gebracht. Die Höchstpreise haben eine Preistreiberei verhütet; aber die Mehlpreise sind zu
hoch, und zwar infolge der falschen Kalkulation der Kriegsge⸗ treidegesellschaft. Die Kommissionärgebühren sind dreimal so hoch wie im Frieden.
Staatssekretär Dr. Helfferich äußert sich zu der Finanz⸗ lage des Reiches. Das verflossene Jahr schloß mit einem Ueber⸗ schuß von 219 Millionen Mark. Die Minderausgaben von 620 Millionen Mark stammen daher, daß die Militärausgaben auf den Kriegsetat übernommen wurden. Im laufenden Rechnungsjahr macht sich der Krieg sehr bemerkbar. Die Einnahmen aus den Zöllen sind im ersten Quartal auf 64 Millionen Mk. gesunken. Die
Arbeiten der Reichspost sind enorm gestiegen, die Einnahmen da⸗ pabne sind gesunken. Das gleiche Resultat liefern die Reichseisen⸗ ahnen. Man muß also im laufenden Jahr mit einem Defizit rechnen. Der Staatssekretär macht dann vertrau⸗ liche Mitteilungen über die Kriegskosten. Die neue Vorlage fordert wieder 10 Milliarden Mark. Es barf bei dem günstigen Stand des Geldmarktes angenommen werden, daß auch diese neue Anleihe einen günstigen Erfolg haben wird. Der Gold⸗ bestand der Reichsbank ist trotz wichtiger Aufgaben, die zu lösen waren, nicht erschüttert worden.
Diethelm von Buchenberg.
Erzählung von Bertold Auerbach.
Wenn Diethelm über Land fuhr, spannte ihm Munde ein, hielt ihm oft stundenlang die Pferde vor dem Hause und benahm sich überhaupt wie ein Knecht, nicht aber wie der Sohn des Hauses. Darüber hatte er viel bei Fränz aus⸗ zustehen, die jetzt die ganze Schärfe ihres Wesens offenbarte; sie verlangte, daß er sich gegen den Vater ganz anders stelle, der müsse unterducken und dürfe nicht mehr den Herrn spielen, das Sach gehöre jetzt den jungen Leuten und nicht mehr den alten; wenn Munde nicht den Mut und das Geschick habe, solch ein großes Anwesen in die Hand zu bekommen, hätte er davon bleiben sollen. Es gab oft die ärgerlichsten Auftritte zwischen Munde und Fränz, und wenn dann Munde das Wasser in den Augen stand, lachte ihn Fränz schelmisch aus, faßte ihn am Kopf, küßte ihn wacker ab und sagte: „Munde, du hättest sollen ein Klosterfräulein werden, du bist so windelweich, fluch einmal recht wetterlich, ich glaub's gar nicht, daß du's kannst. Sei froh, daß du nicht in Krieg kommen bist, du hättest keinen erschossen. Mach', flug' ein⸗ mal so recht mörderisch. Ich hab' dich nachher noch einmal so lieb.“ In solcher Weise zerrte Fränz ihren Munde hin und her und machte aus ihm, was sie wollte. Diethelm war oft jähzornig gegen ihn, weil er die Arbeitsleute beim Bau nicht scharf genug anhielt; nur die Mutter war stets liebreich und mild gegen ihn und erfreute ihn oft durch Vorzeigung der schönen Aussteuer, die sie für ihn und Fränz bereiten ließ.
Fränz hatte nicht nachgelassen, bis Munde einmal das Fuhrwerk für sich nahm und mit ihr eine Lustfahrt nach der Stadt machte.
Munde hatte sich nie dazu verstehen wollen. Jetzt aber gab sich eine besondere Veranlassung: nicht Diethelm, sondern das junge Brautpaar stand Gevatter bei dem Erstgeborenen des Zeugmachers Kübler in G.
Es war ein linder Morgen des ersten Frühlings, als Munde mit seiner Braut dahinfuhr. Er hatte an die schwanke Spitze der Peitsche und die Messingrosen der Pferde. zäume rote Bänder geheftet als bescheidene und doch kennt⸗
5⁴
Unsere Feinde stehen auf keinen
1
Zu den Kriegsausgaben des Reiches kom⸗ men noch die durch den Krieg verursachten Ausgaben der Bundes⸗ staaten und der Gemeinden. Hier hat das Reich zum Teil mit Zu⸗ schüssen eingegriffen. Größere Aufwendungen für Unterstützungen kann das Reich nicht machen. Das müssen die Bundesstaaten aus eigenen Kräften leisten. Die öffentlichen Kassen sind aber bereit und in der Lage, den Gemeinden für diese Zwecke Darlehen zu geben. Der einzelne muß eben alle seine, Kräfte mit anspannen, um diese schwere Zeit zu überwinden. Wer hätte geglaubt, daß Deutschland in einem Krieg mit der halben Welt so glänzend durchhalten würde? Für die ordnungsgemäße Regelung der Verpflegung war maßgebend, recht genau zu kalkulieren. Die zu diesem Zweck geschaffenen Organisationen sind entstanden unter finanzieller Beihilfe des Reiches, das ihnen auch fortlaufend eine finanzielle Stütze bietet. Das Reich war natürlich auch genötigt, bestimmte Risiken zu übernehmen, namentlich trifft das zu auf die Kartoffelversorgung, die dem Reich 50 Millionen Mark gekostet hat. Darauf könne sich das Reich nicht einlassen, Futtermittel aus dem Ausland zu jedem Preis zu kaufen und sie im Inland billig ab⸗ zugeben. Un lautere Elemente drängen sich in den Handel ein, um sich in unerhörter Weise zu bereichern. Auch die' Einfuhr aus dem Ausland muß zweckmäßig einer besonderen Gesellschaft übertragen werden, die auf die finanzielle Hilfe des Reiches rechnen kann. Man müsse bei Berücksichtigung der Ge⸗ samtlage des Reiches Wünsche auf höhere Ausgaben gzurückstellen. Dem Reich dürsen keine Lasten aufge⸗ bürdet werden, die von den Einzelstaaten zu tragen sind. Der Staatssekretär befaßt sich dann mit dem sozialdemokratischen An⸗ trag auf Unterstützung der arbeitslos werdenden Textilarbeiter. Es soll alles getan werden, diese Arbeitskräfte unterzubringen, und schließlich auch finanziell einzugreifen. Der Fonds für Unterstütz⸗ ungen, der mit 200 Millionen Mark dotiert war, soll um weitere 200 Millionen Mark erhöht werden.
Auf eine Anfrage des Abg. Hoch bemerkt der Staatssekretär, daß er auch mit der geforderten finanzieslen Unterstützung der Textilarbeiter einverstanden sei. Damit sei der sozialdemokratische Antrag erledigt. 5
Gleichfalls erledigt ist durch die Erklärungen des Staats⸗ sekretärs der Zentrumsantrag, der Erhöhung der Unterstützungen fordert.
Abg. Erzberger regt an, bald einen Entwurf über eine Kriegsgewinnsteuer vorzulegen, denn es müssen neue Ein⸗ nahmequellen geschafsen werden. N
Staatssekretär v. Jagow macht sodann ver trauliche Mitteilungen über unser Verhältnis zu den Balkanstaaten.— An diese Darstellungen knüpfte sich eine kurze Diskussion, die sich natürlich auch der Wiedergabe entzieht. 5
Abg. Hoch bittet den Schatzsekretär um Auskunft darüber, wie er sich zur Erhöhung der Unterstützung der Familien der Kriegsteilnehmer stelle.
Abg. Fischbeck stellt die gleiche Anfrage.
Staatssekretär Dr. Helfferich erklärt, daß er sich momentan dazu noch nicht äußern könne. Dagegen bestehe wenig Aus- sicht, daß den Beamten und Arbeitern des Reiches Teuerung zulagen gewährt werden können.
Ministerialdirektor Lewald daß die vom Reich zu ersetzenden lionen Mark monatlich erreicht haben. deute eine gewaltige Belastung.
Abg. Dr. Stresemann bezeichnet es als absolut unmöglich, die arbeitslos werdenden Textilarbeiter nach anderen Gegenden zu versetzen.
Abg. S
Fall günstiger als wir.
stellt an Hand einer Tabelle fest, Unterstützungen bereits 100 Mil⸗ Jede geringe Erhöhung be⸗
chmidt⸗Berlin verlangt ausreichende Unterstützung der Textilarbeiter. Sie auch nur zu erheblichem Teil in andere Industrien zu versetzen, ist kaum möglich.(Abg. Schmidt mußte hier seine Rede abbrechen, damit einige Angelegenheiten des Auswärtigen
Amtes erledigt werden konnten.)
Abg. Prinz Schönaich⸗Carolath bespricht die Behand⸗ lung der deutschen Gefangenen in den feindlichen Staaten, nament⸗ lich in Rußland.
Staatssekretär v. Jagow erklärt, daß das Auswärtige Amt fortgesetzt bestrebt sei, das Schicksal dieser Gefangenen zu erleichtern. Repressalien führen zu keinem Resultat.
Darüber entspann sich schließlich noch eine längere Debatte.
Zu längeren Auseinanderfetzungen vertraulicher Art führte auch die Baumwollfrage.
Nächste Sitzung Donnerstag.,
Erhöhung der Bezüge.
Bei den Beratungen der Budgekommission ist mit besonderem Nachdruck darauf hingewiesen worden, daß es den weitesten Kreisen nicht mehr möglich ist, mit den heutigen Löhnen und Gehältern aus⸗ zukommen. Die Sozialdemokraten haben deshalb in einer Reso⸗ lution die Regierung aufgefordert:.
a) im Hinblick auf die hohen Preise für Lebensmittel den Be⸗ amten und Pensionären des Reichs mit Jahresbezügen unter 3000 Mark, sowie den Arbeitern der Reichsbetriebe eine Teuerungszulage zu gewähren, deren Steigerung ins⸗ liche Fahnen ihres bräutlichen Glücks. An seinem väterlichen Hause wollte ihm der Paßauf folgen, aber der alte Schäferle pfiff ihm zornig, und er kehrte zu ihm zurück. Munde wußte, daß sein Vater niemand mehr um sich haben wollte als den Hund des verstorbenen Medard, mit dem er oft stundenlang sprach. Munde kümmerte sich des nicht mehr und fuhr wohl⸗ gemut hinaus in den frühlingsjungen Tag. Die Sonne stand nicht am Himmel, nebelhaft verschwommene Wolken umzogen ihn, und ein leiser Duft wob über den kaum er⸗ grünenden Feldern, daraus sich einige Lerchen noch zaghaft zwitschernd emporhoben, um bald wieder niederzusinken.
„Fränz, ich freu' mich doch, aber lach' mich nicht aus,“ sagte Munde.
„Warum?“
„Guck, ich kann mir's nicht denken, daß das Fuhr⸗ werk mein eigen sein soll und daheim noch so viel, ich mein' immer, es sei nur geliehen, ich bin bei euch zu Gast, und ihr könnt mich morgen fortschicken.“ 1
„Du bist ein schrecklich guter, aber auch zum Verzweifeln weichmütiger Mensch. Du bist ein gutes Schaf, aber du mußt anders werden. Wir zwei haben unseren Alten am Bändel, er merkt wohl, was wir zwei von ihm wissen.“
„Meinst du, er hab's wirklich'tan?“
„Es ist brav von dir, daß du mir's jetzt ausreden willst“ sagte Fränz;„aber ich weiß es nicht von dir allein. Ich könnt' auftreten, wenn ich wollt'. Das weiß er. Und so wirst du doch nicht auf den Kopf gefallen sein, daß du nicht merkst, er hätt' uns nicht zusammengegeben, wenn ihm nicht das Gewissen schlagen tät? Wir zwei sind unschuldig. Uns geht's nichts an. Drum mußt du dabei bleiben, daß er vor der Hochzeit alles Vermögen an uns abtreten muß. Es soll ihm nichts abgehen, er ist ja der Vater, aber wir sind die Meisterleut, so muß es sein. Kinder haben nichts danach zu fragen, woher die Eltern das Sach haben, in zweiter Hand ist es redlich Gut, und es muß ihm auch recht sein, daß er nichts mehr damit zu tun hat.“
d Die Raben, die im ersten Frühling immer so laut krächzen, flogen über den Weg hin und her, und Munde war's plötzlich, als schrien sie Rache und wäre die ganze Welt um
fördern;
c) die auf Grund des Gesetzes, nd die von Familien in den Militärdienst eingetretener n schaften zu gewährenden Unterstützungen zu erhöhen, sowie den Kommunen und Kommunalverbänden die Pflicht aufzu⸗ erlegen, ausreichende Zuschläge zu diesen Unterstützungssätzen zu gewähren und daß den nichtleistungsfähigen Gemeinden die erforderlichen Mittel aus Reichsmitteln zur Verfügung gestellt werden.
8 Schutz den Textilarbeitern.
betreffend die Unterstützung
m.
Durch die Beschlagnahme der Baumwolle und das Verbot der
Baumwolle droht den Textilarbeitern Um diesen Zustand einiger⸗ sozialdemokratische Fraktion Reichs⸗
weiteren Verarbeitung der Arbeitslosigleit in großem Maßstab. maßen erträglich zu gestalten, hat diz 1 folgende Resolution zunächst in der Budgetkommission des
tags eingebracht: 1. Es ist Pflicht des Reiches, die durch das für Baumwollstoffe, die damit zusammenhängenden Verord⸗ nungen und infolge Mangels geeigneter Rohstoffe arbeits⸗ los werdenden Textilarbeiter und arbeiterinnen, soweit
ihnen anderweite geeignete Arbeit nicht beschafft werden kann, 2
ausreichend zu unterstützen:
aus dem für Zwecke der Kriegswohlfahrtspflege bereitgestellten 200 Millionen Mark bereitzustellen. 2
Kriegsnotizen.
Wie das Petit Journal aus Lorient meldet hat eine aus mehreren Mitgliedern, darunter der Schwiegersohn Roosevelts, Tickmann, bestehende amerikanische Kommission mit Ge⸗ nehmigung der französischen Regierung das Lager der deut⸗ schen Zivilgefangenen in der Bretagne besucht. 5
Frau Zuckermann, die in dem Badeort le Mont⸗Dore ihre Sympathien für Deutschland zum Ausdruck brachte und erklärt hatte. die Deutschen würden bald in Paris und Petersburg sein, wurde verhaftet und in das Militärgefäugnis gebracht. Sie wird wahrscheinlich vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Frau Zuckermann ist eine geborene Oesterreicherin und mit einem Oesterreicher, der sich in Frankreich naturalisieren ließ, verheiratet.
Ein beurlaubter Soldat befand sich abends auf dem Bahnhofe von Troyes, als enie Rakete, die er auf dem Schlachtfelde aufgelesen und in seinen Tornister gesteckt hatte, exp lodierte. 14 Personen wurden verwundet, darunter vier schwer, die in das Spital der Stadt gebracht werden mußten. 0
Wiederholt schon wurde berichtet, daß die Matrosen der holländischen Kriegsmarine sehr starkorganisiert sind in einem Verband, der auch zur sozialdemokratischen Ar⸗ beiterpartei im guten Verhältnis steht. Bis jetzt sind alle Versuche von Ministern, dem Verbande zu schaden oder ihn sogar zu ver⸗ nichten, gescheitert. Der jetzige Marineminister hat es aufs neue versucht und bestimmt, daß an Bord der Kriegsschiffe jede Aeußerung über Organisation verboten ist. In diesen Tagen ist daraufhin eine Eingabe an ihn gesandt worden, worin die Mehr⸗ heit der Matrosen betont, daß sich während des letzten Jahres ge⸗ nügend erwiesen habe, wie gewissenhaft die organisierten Matrosem ihre Pflicht erfüllen, sodaß für ein Verbot der Organisation keine Grund bestehe. Sie bitten deshalb, das Verbot zurückzunehmen.
Soziales.
Kriegsinvaliden als Lohndrücker. Vor einiger Zeit wurde gemeldet, daß auf der Zeche
Herstellungsverbot 8
der Herr Reichskanzler wird ersucht, die erforderlichen Mittel 1
einem Kriegsinvaliden, der seine frühere Beschäftigung wieder auf⸗
genommen hat, die Militärrente am Lohn gekürzt wurde. Ausgabe vom 7. August bringt die Deutsche Techniker⸗Zei 6 Inserat, das der Nr. 24 der Anstellungsnachrichten(Amtliche Mit⸗ teilungen für versorgungsberechtigte Militärperfonen, herausgegeben vom Kriegsministerium) entnommen ist und folgenden Wortlaut hat:„Herr Baumeister Heinrich Todt, Paderborn, beabsichtigt, auf
feinem Bureau einen Kriegsbeschädigten als Techniker auszubilden. 5 1
Ausbildungszeit 4 Jahr. Nach dieser Zeit Gehalt 30 Mk. monat⸗ lich, steigend in etwa 17: Jahren auf 90 Mk. Sollte sich der Stellen⸗ inhaber bewähren, so bekäme er nach zwei Jahren 100 bis 120 Mk. monatlich. Während der Ausbildungszeit keine Vergütung. An⸗ stellung, wenn Bewerber geeignet, dauernd. Bevorzugt von Beruf Maurer oder Stukkateur.“ Gegen das Erscheinen solcher Anzeigen
werden. Solche Arbeitsangebote laufen auf die Ausnutzung von Kriegsinvaliden hinaus. ö
ihn verkehrt. er Fränz lange an sich hatte hinreden lassen:„Du willst mir die Zunge heben. Es kann nicht sein, daß du das glaubst.“ „Ich erkenn' deine Gutheit wohl,“ erwiderte Fränz,
„aber wir zwei brauchen uns nichts voreinander zu verhehlen. 5
Es hat schon mancher ärgeres getan als mein Vater, und daß dein Medard verunglückt ist, dafür kann er nichts. Aber dabei bleiben mußt, daß wir die Meisterleut' sind, er ist mit
seinem Großtun imstande und ladet den Wagen noch einmal
so hoch, daß er umschmeißen muß.“
Munde hieb gewaltig auf die Pferde ein, als müßten sie ihn schnell an dem Abgrund vorüberfahren, in den er plötzlich hineinsah. So hatte der alte Schäferle recht, und war vielleicht das Gräßlichste wahr? 1
Hätten sie nicht zu Gevatter stehen müssen, Munde vielleicht gleich umgekehrt. Aus allem dem nahm seine Ge⸗ mütsart eine unberechenbare Wendung. 5
Die Scheidekünstler wissen zu bestimmen, welche Wirkung ein Stoff auf den anderen hervorbringt; welche Wirkur aber ein Wort in fremdem Gemüt verursacht, ist nicht so dei in ein Gesetz zu fassen. 5
„Das freut mich, du bist nicht so stolz, wie ich glaubt hab',“ sagte Munde endlich. l
„Warum? Wie meinst?“ fragte Fränz endlich.*
„Wenn du stolz wärst, hättest du mir das nicht gesagt und hättest mich auf dem Glauben gelassen, daß mir eine be⸗ sondere Gnade damit geschieht, des Diethelms Tochtermann zu werden. Aber jetzt ist mir's fast lieb, daß du mir's gesagt
hast. Ich seh', ich geh' dir über Vater und Mutter, und d.
hast mich an mir selber gern und willst nichts vor mir voraus.“ Frönz rieb sich anfangs betroffen die Stirn. Sie
mit ihrem losen Herausplaudern, statt dem Vater einen Fall⸗ strick zu legen, sich selber gefesselt. Sie hatte nicht den Mut zu tun, als ob sie alles nur im Spaß geredet, und als sie zu⸗ letzt hörte, wie gut der Munde ihre Rede auslegte, bewältigt sie diese Macht der harmlosen Treuherzigkeit. Der M war doch so ohne Falsch und so seelengut, daß sie ihn in de Augenblick mehr liebte als je, und sie gab ihm von
einen Kuß. Fortsetzung folgte!
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Er faßte sich aber und sagte endlich, nachdem
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7 in einem amtlichen Organ muß ganz entschieden Front gemacht
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