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Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung. „Leder⸗Ersatz.
Neben der Preissteigerung aller Nahrungsmittel und anderer wichtiger Gebrauchsartikel hat der Krieg auch eine ungeheure Ver— teuerung des Leders gebracht. Für ein paar Stiefelsohlen muß man schon mindestens das Doppelte des vor dem Kriege üblichen * anlegen. Dieser Umstand hat ganz naturgemäß zur Empfehlung von Ersatzstoffen geführt, wodurch die Gefahr der Uebervorteflung für den Konsumenten noch bedeutend gesteigert
d.
Von den verschiedenen als„Leder-Ersatz“ angebotenen Fabri— katen verdient eins eine ganz besondere Beachtung, da es geradezu auf einen Betrug der leichtgläubigen Käufer hinausläuft. In auffälligen Inseraten in der Tagespresse wird dieses famose Er— satzmittel folgendermaßen angepriesen: 8
Stiefel⸗Sohlen 50 Pfg. Leder⸗Ersatz! Zum Aufnageln, wasserdicht, biegsam.
Die Anpreisung des Schunds als„Leder⸗Ersatz“ setzt eine bei⸗
spiellose Dreistigkeit voraus. denn das Fabrikat ist weder in seinem Aussehen noch in seinen Eigenschaften dem Leder ähnlich. Richtiger wäre die Bezeichnung Dachpappe, denn das Produkt be— steht tatsächlich aus drei Lagen Teerfilz, wie er in den Schuh⸗ jabriken zum Einballen(Ausfüllen unter der Sohle) verwendet wird. Die Lagen sind so liederlich zusammengepreßt, daß man die „Sohlen“ ohne die geringste Anstrengung mit den Fingern zer⸗ legen kann. Von Fachleuten wird uns versichert, daß sich bei einem Versuch herausgestellt habe, daß die Lebensdauer dieser „Leder⸗Ersatz“⸗Sohlen höchstens einige Tage beträgt, daß sich die Sohlen dann vollständig abgelöst haben, wenn man berücksichtigt, daß das Besohlen von ein Paar Stiefel mit diesem minderwertigen Material einschließlich des Arbeitslohns für den Schuhmacher mindestens 2 Mk. kostet, kommt man zu dem Schlusse, daß es sich ter um eine geradezu gewissenlose Uebervorteilung des Käufers sandelt, gegen die ein Einschreiten dringend geboten erscheint.
— Herabsetzung der Einquartierungsgelder. Wie wir in der Montagsnummer unseres Blattes berichteten, soll die Stadt Gießen beabsichtigen, die Einquartierungsgelder für die in Bürgerquartieren untergebrachten Mannschaften des Landsturm⸗Bataillons herabzusetzen. Wie uns nun heute mitgeteilt wird, sollen die Bürgerquartiere über- haupt aufgehoben und die Mannschaften in den zum Teil leerstehenden Baracken des Gefangenenlagers unter— gebracht und im Lager auch verköstigt werden. Die Um⸗ quartierung dürfte schon am 1. September, spätestens aber am 1. Oktober erfolgen. Die Stadt würde bei einer der— arligen Maßnahme zweifellos große Summen sparen, weil es auf diese Art eher möglich ist, die Mannschaften für den vom Staat bewilligten Satz von 1,20 Mark zu verköstigen und Zuschüsse seitens der Kommune nicht mehr erforderlich wären.— Unsere Landstürmer werden von dieser Nachricht allerdings nicht freudig überrascht sein. Gar viele von ihnen liegen schon monatelang in Bürgerquartieren und es hat sich mit der Zeit zwischen ihnen und den Quartiergebern, die auf alle Bequemlichkeiten unserer Landstürmer bedacht waren, ein richtiges Freundschaftsverhältnis herausgebildet, weshalb auch Beschwerden wegen ungenügender Verpflegung nur sehr selten vorgebracht wurden. Der Abschied von den alten Quartierwirten dürfte deshalb den Angehörigen des Gießener Landsturm⸗Bataillons nicht ganz leicht werden.
Billiges Rind⸗ und Kuhfleisch ist zur Zeit in Mainz zu
haben. Während erstklassiges Rind⸗ und Ochsenfleisch durch- weg zu 120 Mark per Pfund zu haben ist, verkaufen zahlreiche Metzger ersteres schon zu 90 Pfennig. Jetzt preisen mehrere Metzger Rindfleisch sogar schon zu 66 Pfennig an. Die Nach- frage in diesen Geschäften ist angesichts der sonstigen sehr hohen Fleisch⸗ und Wurstpreisen begreiflicher Weise außer⸗ ordentlich stark. Auch aus den Ortschaften der Provinz Rhein⸗ hessen wird ein allgemeiner Preisrückgang für Ochsen- und dtindfleisch gemeldet.
— Fleischpreise! In unserem Solinger Parteiblatt bietet eine dortige Metzgerei Ia Ochsen- und Rindfleisch per Pfund von 90 Pfg. an. Die feinsten Bratenstücke zum Aus⸗ suchen, wie Lingerbein, Binnenspalt, Schtpanzstücke, ohne Ausnahme per Pfund 1.— Mark. Filet per Pfund 1,40 Mk., Zungen per Pfund 1,20 Mark, Roastbeef per Pfund 1,10 Mk., Kalbfleisch von 90 Pfg. an.— Man vergleiche damit die bei uns geforderten hohen Fleischpreise. Mancher wird wohl darüber nachsinnen, warum man in Solingen das Fleisch wesentlich billiger verkaufen kann, als in Gießen.
Gänzliche Abschaffung der Nachtarbeit in Bäckereien. Ein in Vorbereitung befindlicher Gesetzentwurf betr. die Ar⸗ beitszeit in Bäckereien, der dem Reichstag später, nicht in der bevorstehenden Kriegstagung zugehen soll, enthält ein ziem— lich weitgehendes Verbot der Nachtarbeit. Dadurch wird das jetzt für die Kriegszeit erlassene Verbot, das sich von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens erstreckt, etwas verschoben.
— Die diesjährige Kartoffelernte verspricht im allge⸗ meinen sehr gut, in manchen Gegenden sogar ganz vorzüglich auszufallen. Ob man trotzdem auf eine preiswerte Ver- sorgung der Bevölkerung mit der unentbehrlichen Frucht rechnen kann, bleibt nach allem, was wir bis jetzt auf diesem Gebiete kennen gelernt haben, abzuwarten.
— Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Friedrich Reibling aus Reuters, Inf.⸗Regt. Nr. 168.— Füsilier Robert Volk aus Gießen, Füs. Regt. Nr. 35.— Landsturmmann Karl Häuser aus Atzenhain, Res.⸗Inf.⸗Regt. 118.
Die Ueberredun en zum ist. Ja„ werden sehr häufig die Soldaten bei ihrer Entlassung vom Militär veranlaßt, eine Bescheinigung e wonach sie auf alle Ansprüche an
Verzicht der Militärrente
den Militärfiskus
zichten. Auch solchen, bei denen sich später Beschädigungen der
sundheit herausstellen, die nur Folgen des Dienstes sein können, wird ein solcher Verzicht zugemutet und bei der Geltendmachung von nachträglichen Ansprüchen natürlich gegen sie ausgespielt. Diese Uebung ist anscheinend auch während des jetzigen Krieges hier und da beibehalten worden. Das sächsische Kriegsministerlum erklärt in einer Zuschrift an den in Sachsen⸗-Weimar gewählten Reichs- tagsabgeorbneten Felix Marquardt, daß es unstatthaft sei, eine Verzichtleistung auf Militärversorgung zu fordern. Die Zuschrift lautet:„Euer Hochwohlgeboren teilt das Kriegsministerium auf
die Eingabe vom 21. 7, 1915 ergebenst mit, daß es unstatthaft ist, eine Verzichtleistung auf Militärversorgung zu fordern. Truppenteile sind durch 8 22 Abs. 1 der
Die Penstonterungsvorschrift
angewiesen, für alle Mannschaften, die infolge einer Dienstbe⸗ schädigung dienstunfähig geworden sind und deren Erwerbsfähig⸗ keit um wenigstens zehn vom Hundert gemindert ist, die gesetz— liche Versorgung zu beantragen. Außerdem haben die königlichen stellvertretenden Generalkommandos des 12. und 19. Armeekorps die beteiligten Stellen Anfang August d. J. auf das Unstatthafte, Mannschaften zum Verzicht auf Versorgungsgebüührnisse zu be— wegen, noch besonders hingewiesen.“— Ferner ist auch vom würt⸗ tembergischen Kriegsministerium eine entsprechende Anweisung er— gangen.
— Heimaturlaub und freie Fahrt für Militärpersonen. Dem Reichstag ist es gelungen, durchzusetzen, daß alle Feldzugs⸗ teilnehmer bei Urlaubsfahrten freie Fahrt erhalten. Das Reichsschatzamt war allerdings mit diesem Beschluß erst nicht ganz einverstanden, weil es die betreffenden Reisekosten an die preußische Eisenbahnverwaltung abführen muß. Aber dem allgemeinen Wunsche hat es doch nachgegeben. Nun wird sich der Reichstag mit einem weiteren Kriegswunsche befassen. Es handelt sich diesmal um die höheren Jahrgänge des un ausgebildeten Landsturms, die zum Teil in Garnisonen ausgebildet werden, die vom Heimatsorte der betreffenden Landstürmer weit entfernt liegen. Hier besteht nun der Wunsch, daß diesen Landsturmleuten in der Ausbildungszeit möglichst eimmal Heimaturlaub bei freier Fahrt gegeben wird. Einige Eingaben in diesem Sinne liegen dem Reichstag bereits vor. Die Angelegenheit wird zunächst im Reichshaushaltsauschuß behandelt werden.
— Keine deutsche Zeitungen nach Rußland! Da die Empfänger ausländischer Waren, falls zu deren Verpackung Zeitungen ge— braucht sind, in Rußland hierfür bestraft werden, empfiehlt der „Ausschuß für deutsche Kriegsgefangene“(Rotes Kreuz) wiederholt dringend, zur Verpackung von Sendungen an Kriegsgefangene keine deutschen Zeitungen zu verwenden.
— Fünfundzwanzig⸗Pfennigstücke. Wie bereits gemeldet, wird das unbeliebte Geldstück demnächst aus dem Verkehr verschwinden. Nunmehr haben auch sämtliche Eisenbahnhauptkassen, Stations⸗ und Güterkassen Auftrag erhalten, die genannten Geldstücke nicht wieder auszugeben, sondern der Reichsbank abzuliefern.
Genossen! Besucht euer Gewerkschaftshaus!
Bei der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen sind, wie der Darmst. Ztg. mitgeteilt wird, im Monat Juli 755 Anträge eingegangen, und zwar 263 Anträge auf Invaliden- und Kranken⸗ rente, 19 Anträge auf Altersrente, 32 Anträge auf Witwen- und Witwerrente, 208 Anträge auf Waisenrente, 154 Anträge auf An⸗
wartschaftsbescheide, 79 Anträge auf Witwengeld. Unerledigt wurden in diesen Monat übernommen 561 Anträge, sodaß 1316 Rentengesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung:
521 Anträge durch Bewilligung, 151 Anträge durch Anwartschafts⸗ bescheid(SS 1258 und 1743 R. V. O.), 20 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet. 47 Anträge durch andere Weise— Zurücknahme usw.— 47 Anträge wurden durch Umwandlung erledigt, sodaß 624 Anträge als unerledigt auf den Monat August d. Js. über⸗ nommen werden mußten.— Ende Juli 1915 waren in den nach⸗ bezeichneten Anstalten versicherte Personen untergebracht: Ernst⸗ Ludwig⸗Heilstätte bei Sandbach 39, Eleonoren-Heilstätte bei Winterkasten 54, Göttmannsche Anstalt in Reichelsheim 23, Bad Nauheim 25, Bad Orb 21, Dr. Lossensche Anstalt in Darmstadt 1, Heilstätte Burgwald 1, verschiedene Anstalten, wie Krankenhäuser, Kliniken u. dergl. m. 70. Summa 234.
Die hessischen Hausbesitzer im Staatsministerium. Uns wird geschrieben: Im Ministerium des Innern in Darmstadt fand ver⸗ gangenen Samstag den 14. August 1915 eine Konferenz über die Notlage des städtischen Hausbesitzes und die zu treffenden Abhilfe⸗ maßnahmen statt. Den Vorsitz führte Ministerialrat Hölzinger vom Ministertum des Innern. Das Finanzministerium vertrat Staats⸗ rat Dr. Becker und das Ministerium der Justiz Staatsrat Lorbacher. Ferner nahmen die Regierungsassessoren Dr. Mathias und von Köppke teil. Die hessischen Hausbesitzer waren vertreten durch den Vorsitzenden des Landesverbandes, Grünewald⸗Mainz, ferner durch die Herren Wirth⸗Mainz, von Hessert⸗Darmstadt, Nothies⸗Darm⸗ stabt, Keiser⸗Offenbach, A. Beck⸗Offenbach, Dr. Neubronner⸗Offen⸗ bach, Silbereisen-Gießen, Hoch⸗Kostheim und Lauzi⸗Mombach. Nach eingehender Durchsprache der gegenwärtigen Notlage des städtischen Hausbesitzes erkannten die Regierungsvertreter das Bestehen der Notlage an, nahmen von ihr offiziell Kenntnis und erklärten, die Regierung werde geneigtest erwägen, sie zu beheben.
Druckfehler. Ueber Druckfehler enthält die Thüringer Wald⸗ post eine gutgelaunte Plauderei, aus welcher folgende beherzigens⸗ werte Ausführungen hervorgehoben sein mögen:„Druckfehler sind Irrtümer, die weder der Setzer, noch der Korrektor entdeckt, son— dern nur der Leser. Während manche Völker für die Fehler der Regierung büßen müssen, muß für den Druckfehler seines Blattes, den er nicht gemacht hat, der Redakteur büßen, und zwar doppelt: erstens ärgert er sich selbst, und zwar oft grün und blau, und dann ärgern ihn sieben gescheite Leser. Druckfehler gehören zu den un⸗ vermeidlichen Eigenschaften sedes Druckerzeugnisses, das in fliegen⸗ der Eile und Hast hergestellt werden muß: sie verhalten sich wie Rost und Eisen, wie die Hefe zum Wein, nur mit dem Unterschied, daß vor dem Druck noch niemand weiß, ob sie fehlen oder ob sie da sein werden. Der Redakteur freilich muß davon sagen:„Nur wer die Praxis kennt, weiß, was ich leide!“ Solange musiziert und ge⸗ sungen wird, wird es falsche Töne, solange geschrieben und gedruckt wird, wird es Schreib- und Druckfehler geben; es scheint ein alter Kalenderreim am besten darauf zu passen:
Gib, Leser, nicht so scharf auf alle Fehler acht: Denn niemals ist ein Blatt und der, der es gemacht, Und der, der es gelesen— von Fehlern frei gewesen.“
— Das Gewerkschaftskartell hält am Donnerstag abend im Gewerkschaftshaus eine außerordentliche Sitzung ab, die sich mit sehr wichtigen Fragen zu beschäftigen haben wird. Da in dieser Sitzung auch Maßnahmen gegen die Teuerung beschlossen werden sollen, ist das Erscheinen aller Delegierten unbedingt er⸗ forderlich.
— Warnung. Unter Umgehung der Bestimmungen über Be⸗ schlagnahme von Kupfer, Nickel usw. versuchen in Landorten Händler den Aufkauf von Kupfer usw. zu billigen Preisen, um dadurch einen Gewinn zu erzielen. Die von den Behörden festgesetzten Preise sind in jedem Orte an den öffentlichen Anschlagtafeln bekannt ge⸗ geben.
— Es gibt nur noch weibliche Vogelscheuchen. Um geflüchteten Militärgefangenen keine Gelegenheit zur Erlangung von Zivil⸗ kleidern zu geben, dürfen fernerhin die Vogelscheuchen in den Feldern nur mit Lumpen oder Frauensachen bekleidet werden.
— Eine ungemein reiche Brombeerernte steht in ganz Mittel- deutschland in diesem Jahre in sicherer Aussicht. Die da und dort schon schwarz gefärbten Beeren sind durchweg vorzüglich entwickelt, voll ausgewachsen und sehr saftreich. Um die sehr wertvolle, im Kriege doppelt erwünschte Beerenernte voll einheimsen zu können, empffehlt die Großh. Kreisschulkommission Gießen, die Schulkinder durch geeignete Belehrung zum Sammeln der Beeren anzuregen.
Kreis Marburg⸗Kirchhain.
Gegen den Lebensmittelwucher. Ein Kriegskonsumenten⸗ ausschuß hat sich am Montag abend in Marburg gebildet. Vertreter sast sämtlicher Vereine, auch der Arbeiter, sowie des Nationalen Frauendienstes usw. waren erschienen und stimmten nach eingehender Besprechung der Bildung eines solchen Ausschusses zu. Auch ein Hausfrauenverein ist in der Bildung begriffen, der ebenfalls sich in exster Linie gegen die Teuerung wenden will.
G 7 uhr⸗Labenschluß. Die Marburger Geschäftsleute, mst Ausnahme der Lebensmittelindustrie, haben seit Montag, vorläufig bis Anfang Oktober, den 7 Uhr⸗Ladenschluß eingeführt. Es wäre zu wünschen, daß diese Neuerung auch für spätere Zeiten beibehalten
wird. f Westerwald und Unterlahn.
Die Eröffnung der Neubaustrecke Weidenau⸗Dillenburg findet bestimmt am 1. Oktober statt, jedoch werden die Personenzüge bis zur viergleisigen Gestaltung der Strecke Haiger⸗Dillenburg vorerst von Weidenau nur bis Haiger durchgeführt werden. Durch die neue Bahnlinie wird die Verbindung von Frankfurt und Süddeutsch⸗ land mit dem westfälischen Industriegebiet um 23 Kilometer ver⸗ kürzt werden.
Vermischtes. ö
Vier Geschwister vom Blitz getroffen.
Am Mittwoch standen vier Geschwister vom Bauernhofe Oberangern der Gemeinde Halsbach nahe der Distriktsstraße Kirchweidach-Burghausen in Feldarbeit, als ein Gewitter sie über⸗ raschte. Plötzlich fuhr ein Blitz nieder und traf die Tochter Johanna an den Füßen, auch ihre Schwester Anna wurde durch einen abgeschlagenen Ast und den Blitzstrahl schwer verletzt. Die beiden anderen Geschwister wurden zur Seite geschleudert und betäubt.
Drei Kinder von einer Handgranate zerrissen.
In Ilfurt fanden Kinder eine Handgranate und spielten damit. Das gefährliche Spielzeug explodierte und zerriß die beiden Knaben des Schleusenwärters Gutmann sowie einen dritten Spielgenossen.
Bestrafter Münzenhändler.
Das Kriegsgericht in Trier verurteilte einen Ga st⸗ wirt, der eine größere Summe deutscher Goldmünzen einem holländischen Käsehändler verkauft hatte, zu fünf Monaten Gefängnis und 500 Mark Geldbuße.
Ein sibirischer Urwald in Flammen.
Der Jahrhunderte alte berühmte Urwald Taiga in Sibirien steht seit zwei Monaten in Flammen. Ueber 1000 Quadratwerst brennen. Ueber das Feuer wird noch gemeldet: Der Brand nahm solchen Umfang an, daß eine Bekämpfung desselben unmöglich ist. Die Einwohner des Gebietes und die Waldhüter hoffen, daß der Brand von alleine ausgehen wird, wenn er auf ein natürliches Hindernis, wie einen Strom, stößt. Der ganze Himmel ist von dickem Rauche überzogen, die Einwohner des Gebietes sehen die Sonne schon seit zwei Monaten nicht mehr.
Schweres Eisenbahnunglück in England.
Der irische Postzug ist am Samstag früh in der Nähe von Rugby verunglückt. Wie verlautet, wurden bei dem Unglück des irischen Postzugs 50 Personen getötet. Dagegen teilt die Eisenbahn⸗ gesellschaft mit, daß nur acht Personen getötet und dreißig verletzt worden sind. Das Unglück soll sich dadurch ereignet haben, daß der hintere Teil des Zuges im Stowetunnel zwischen Rugby und Bils⸗ worth entgleift ist. Nach einer andern Mitteilung brach die Kuppelung eines nach London fahrenden Zuges, wobei die Loko⸗ motive abstürzte. Die Lokomotive des gleich darauf herankommenden irischen Expreßzuges fuhr hinein und überschlug sich ebenfalls.
Telegramme.
Laeberigt des Großen Srupttutierz
Auf der ganzen russischen Front siegreich vorwärts. 5
Mehrere Forts von Kowno und Nowo⸗ Georgiewsk erstürmt.
Tagesbeute: 9325 Russen, 260 Geschütze, 13 Maschinengewehre.
W. B. Großes Hauptquartier, 17. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Vor Ostende vertrieb unsere Küstenartillerie zwei feindliche Zerstörer.
In den Ostargonnen wurde bei La Fille morte ein französischer Graben genommen.
Vei Bapaume fiel ein englisches Flugzeug in unsere Hand. Die Insassen— 2 Offiziere— sind gefangen ge⸗ nommen.
Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Weitere Kämpfe in der Gegend von Kupischky waren erfolgreich. 625 Gefangene, darunter 3 Offiziere, und 3 Ma⸗ schinengewehre fielen in unsere Hand. g
Gruppen der Armee des Generalobersten v. Eichhorn unter Führung des Generals Lietzmann erstürmten die zwischen Niemen und Jesia gelegenen Forts der südwest⸗ lichen Front von Ko wn o. Ueber 4500 Russen wurden zu! Gefangenen gemacht, 240 Geschütze und zahlreiches sonstiges Gerät erbeutet.
Die Armeen der Generäle v. Scholz und v Hallwitz warfen unter fortgesetzten Kämpfen den Gegner weiter in östlicher Richtung zurück. 1800 Russen, darunter 11 Offiziere, wurden gefangen genommen, 1 Geschütz und 10 Maschinen⸗ gewehre eingebracht.
Auf der Nordostfront von Nowo Georgiewsk wurden ein großes Fort und 2 Zwischenwerke im Sturm ge⸗ nommen.
Auf den übrigen Fronten gelang es fast überall, den Gegner weiter zurückzudrängen. Es wurden 2400 Gefangene gemacht, 19 Geschütze und sonstiges Material erobert.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. und Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen. sind in weiterem siegreichen Fortschreiten.
In ihrem amtlichen Bericht vom 16. August behauptet die russische Heeresleitung, daß russische Vorhuten am. 13. August bei Dunajow an der Zlota-Lipa zwei Reihen
deutscher Gräben erobert und deren Verteidiger niedergemacht
hätten. Unseren an dieser Stelle kämpfenden Truppen ist nur eine russische Patrouillenunternehmung in der Nacht
vom 12. zum 13. August bekannt, die völlig scheiterte und bei der der Gegner 4 Tote und 2 Verwundete vor unserer Stel; lung ließ und die uns keine Verluste brachte.
Oberste Heeresleitung.


