verwiesen. Manche der Unseren knüpfen daran große Er— wartungen für die Zukunft, wir vermögen diese Erwartungen nicht zu teilen und bezweifeln, daß viel von dem während der Kriegszeit auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens geschaffenen Guten und Zweckmäßigen in die Friedenszeit hinübergerettet werden wird. Ob man der Arbeiterschaft nach dem Kriege die politische Gleichberechtigung zugestehen wird, ist auch noch sehr die Frage. Sie wird nachher darum kämpfen müssen, wie es vorher der Fall war. Woraus sich ergibt, daß wir unsere Organisation aufrecht erhalten müssen, damit wir nachdrücklich für politische und wirtschaftliche Aufklärung des Volkes arbeiten können. Wir haben nicht die geringste Ver— anlassung, ein Titelchen unseres Programms und der von uns früher vertretenen Grundsätze aufzugeben, trotzdem manche unserer in den vordersten Reihen stehenden Genossen in dem Kriegsjahre einen ganz merkwürdigen Wandel der Gesinnung gezeigt haben.— Jetzt hat sich eine Stimme für den Frieden vernehmen lassen. Unsere Partei hat lange vor dem Kriege energisch gegen den Kriegswahnsinn protestiert und alles getan, den Krieg zu verhüten. Es ist ihr nicht ge⸗ lungen; auch ihr Aufruf für den Frieden hatte vorläufig keinen Erfolg. Nun hat der Pa pst aufgefordert, endlich dem Völkermorden Einhalt zu tun. Möge er damit mehr Erfolg haben, als diejenigen, welche lange vorher für den Frieden arbeiteten.
— Die Kriegskosten der Stadt. Mit der langen Dauer des Krieges haben die Aufwendungen, welche die Stadt für Einquartierungen, Familienunterstützung usw. zu machen hat, eine ganz gewaltige Höhe erreicht. Jeden Tag schwillt die Summe mehr an und sie beginnt Bedenken zu erregen. Wie die Schuld einmal getilgt werden soll, weiß heute noch kein Mensch. Man hofft zwar auf Ersatz durch das Reich, aber es wird trotzdem noch viel für die Stadt zu bezahlen übrig bleiben. Diese mußte bekanntlich zur Deckung ihrer eigenen
Bedürfnisse bereits zu einer Steuererhöhung greifen, sie wird aus den normalen Einnahmen die Kriegsausgaben kaum zu bestreiten in der Lage sein. Dafür wird man jedenfalls neue Quellen suchen müssen, aber wo und wie? Eine Erörterung darüber dürfte heute noch verfrüht sein; hätten wir aber einen Vorschlag zu machen, so ginge dieser dahin: die großen Vermögen zu einer Extrasteuer heranzuziehen. Schöner aber pürde es aussehen und patriotisch wäre es, wenn sich diese freiwillig dazu bereit erklären würden. Daran glauben wir aber vorläufig nicht.— Wie verlautet, soll das Einquartierungsgeld anders geregelt und von 2 Mark auf 1,50 Mark herabgesetzt werden. Bei den teuren Preisen wird das den Quartiergebern nicht besonders angenehm sein; denn für diesen Betrag kann ein Mann heute nicht verpflegt werden.
Die Landwirte sind durchaus zufrieden. Große Mengen von Stroh werden gegenwärtig durch das Mainzer Proviant⸗ amt angekauft und in mächtige Haufen zu vielen Tausenden von Zentnern aufgeschichtet. Der Ankauf erfolgt meistens direkt bei den Landwirten. Der Preis stellt sich auf 2 Mark für den Zentner Maschinenstroh. Die Landwirte find ange— sichts der reichen Kornernte mit diesem Preis durchaus zu⸗ frieden.— Sie können auch zufrieden sein. Für sie ist der Tisch stets reich gedeckt. Um so weniger haben sie Ursache, noch mehr zu wollen.
Warum gehören alle Goldstücke in die Reichsbauk? Der Bedarf an Zahlmitteln ist, wie jedermann weiß, häufig größer als unser Vorrat an Geld und Geldzeichen. Dann muß die Reichsbank helfen. Sie tut das, indem sie Banknoten hergibt. Diese aber müssen, so verlangt es jeder Nehmer im In⸗ und Ausland, vollwertig, sie müssen gedeckt sein, eine Unterlage haben. Diese Unterlage muß so beschaffen sein, daß die bare Einlösung der vorkommenden Noten unbedingt sichersteht. Die Unterlage besteht neben sicheren Ausständen (guten Wechseln), die nach kurzer Frist in Geld eingehen müssen, zu einem großen Teil in Gold. Wenn dieser Goldbestand der Reichsbank unter den dritten Teil der Banknoten herabzusinken droht, dann muß die Weiterausgabe von Banknoten aufhören. Vorher wird der Zinsfuß ge⸗ steigert, um die Nachfrage nach Geld einzudämmen oder abzu⸗ wehren. Also: Je mehr Gold der Reichsbank zugeführt wird, desto mehr Geldzeichen kann sie der Bevölkerung zur Ver fügung stellen, desto niedriger kann sie den Zinsfuß für Leih⸗ geld halten. Muß die Reichsbank mit ihrem Zinsfuß herauf⸗ gehen, dann folgen die anderen Banken nach, dann geht der Zinsfuß überhaupt in die Höhe. Wer demnach sein Gold zur Reichsbank fließen läßt(etwa dadurch, daß er bei der Post Gold gegen Scheine umwechselt), der leistet der Allgemeinheit im deutschen Vaterland wertvolle Dienste, ohne daß er Opfer bringen muß, denn: Er hilft vorsorgen für die Zeiten stärkeren Bedarfs an Geldzeichen. Er hilft Handel und Industrie in Gang halten. Er hilft mit, daß die Zinssätze nicht übermäßig in die Höhe gehen, daß auch im Ausland unsere Banknote und damit unsere Währung als unerschütter⸗ lich anerkannt bleibt. Denn es ist klar: Je höher unser Geld— wesen im Ausland bewertet wird, desto mehr gilt die deutsche Mark. Je mehr sie gilt, desto billiger ist die Wareneinfuhr (andere Einflüsse auf die Währung können hier unerwähnt bleiben). Späterhin wird man Gold nicht gut ausgeben können, ohne auf Blicke des Erstaunens zu treffen und zwar des Erstaunens darüber, daß dieses Gold im Versteck gehalten worden war. Das Gold zurückzuhalten ist nicht nur eine Tor⸗ heit. Es ist auch eine Versündigung am Vaterland, ein. Un⸗
recht all' den Volksgenossen gegenüber, die Gut und Blut der
Allgemeinheit opfern, ein um so ärgeres Unrecht, als nicht einmal ein Opfer verlangt wird. Denn verlangt wird nur die Einsicht, daß der Einzelne nichts aufgibt, wenn er seine Goldmünzen der Reichsbank zuführt. Dort leistete sie aber, wie sich jeder klar machen kann, der deutschen Volkswirtschaft die wichtigsten Dienste, Dem wird kein verständiger Mensch im Weg sein wollen. Es gibt keine Rechtfertigung für das Beiseitelegen von Gold. Darum: Das Gold zur Reichsbank!
Die Preistafel für Lebensmittel. Mit dem gestrigen Tage ist für Berlin und die Mark Brandenburg die Verord⸗ nung des Oberkommandos über den öffentlichen Aushang
Aushänge müssen an sichtbarer Stelle angebracht sein, höher⸗ Preise als die angezeigten dürfen unter keinen Umständen gefordert werden. Dagegen steht nichts im Wege, niedrigere Preise als die angekündigten zu verlangen. Hoffentlich führt der Umstand, daß die Preistafeln polizeilich abgestempelt werden müssen, nicht dazu, bei höheren Preisen stehen zu bleiben, obwohl eine Preisherabsetzung angebracht wäre. Das dürfte insbesondere auf Waren zutreffen, deren Preise fast tagläglich wechseln, wie bei Gemüse und frischem Obst.
Parlamentarisches. Der Zweiten Kammer der Stände gingen folgende Drucksachen zu: Antrag der Abgg. v. Brentano, Dr. Schmitt u. Gen., betr. 1. freie Eisenbahnfart für beurlaubte Offi⸗ ziere und Maunschaften, 2. Beurlaubung von Landsturmmännern, 3. Selbstverköstigung von Mannschaften in der Festung Mainz.— Anfrage der Abgg. Dr. Osann und Bach, betr.: Reife- und Ab⸗ gangsprüfung der Kriegsprimaner und Lehrer-Seminaristen. g Antrag der Abgg. Soherr u. Gen., betr.: Schuldentilgung bei Grundschulden während der Dauer des Krieges. Antrag der Abgg. Molthan, Dr. Zuckmayer u. Gen., betr.: Besteuerung der Kriegsgewinne.— Antrag der Abgg. Dr. Schmitt, v. Brentano u. Gen., betr.: Steuernachlaß während des Krieges.
Amtliche Warnung vor Zusendung alkoholhaltiger Genußmittel an die Truppen im Felde. Das preußische Ministerium des Innern, Medizinalabteilung, erließ kürzlich im Ministerialblatt für Medizinalangelegenheiten folgende Bekanntmachung:„Mit Rück⸗ sicht auf den Beginn der warmen Jahreszeit wird dringend davor gewarnt, Angehörigen im Felde alkoholhaltige Genußmittel als Liebesgaben zu senden. Ganz abgesehen davon, daß warmer Trink⸗ branntwein nicht schmeckt, wirkt Branntwein im Sommer nicht einmal vorübergehend anregend, sondern nur erschlaffend, also nachteilig auf die Gesundheit, Widerstands⸗ und Leistungsfähigkeit der Soldaten, insbesondere bei großen Anstrengungen. Wer Trink⸗ branntwein in der warmen Jahreszeit ins Feld schickt, erweist den Truppen keinen Liebesdienst, er gefährdet sie vielmehr!“ Auch verschiedene stellvertretende Generalkommandos warnen in ähn⸗ licher Weise.
Verhütung von Hitzschlag bei den Truppen. Der Hitzschlag ist nach Generalarzt Dr. Leitenstorfer(Das militärische Training) der größte Feind der Marschtüchtigkeit und Ausdauer einer Truppe, selbst einer gut trainierten. Für seine Verhütung ist neben richtiger Ernährung, zureichender Schlaf, Vermeidung von Ausschweifungen vor dem Marsch oder den sonstigen Anstrengungen insbesondere größte Mäßigkeit und Nüchternheit eine unumgängliche Vorsichts⸗ maßregel. Generalarzt Leitenstorfer erklärt daher:„Der Inhalt der Feldflaschen muß überwacht werden. Am besten ist es, die Feldflaschen mit Tee⸗(auch Kaffee- zaufguß zu füllen. Alkoholische Getränke müssen absolut verboten werden.... Die Versorgung der Mannschaften mit Teeportionen und einem zweiten Frühstück zählt mit zu den besten Vorkehrungen gegen den Hitzschlag.“
Die Ernährung unserer Soldaten. Von verschiedenen Seiten sind wir angefragt worden, welche Nahrungsmittelmengen ein Sol⸗ dat gesetzlich beanspruchen darf. Gesetzlich ist darüber nichts fest⸗ gelegt. Der Wert der Verpflegung wird von Zeit zu Zeit je nach den Standorten neu festgesetzt. Im allgemeinen liegt der Kriegs⸗ ernährung des deutschen Soldaten eine Tagesration von 31415 Wärmeeinheiten zugrunde. Und diese wird erreicht durch eine täg⸗ liche Abgabe von etwa 750 Gramm Brot, 375 Gramm Fleisch, 60 Gramm Ochsenfett, 17 Gramm Zucker, 3 Gramm Tee, 15 Gramm gerösteten Kaffee und 250 Gramm Zurker, 3 Gramm Tee, 15 Gramm Stelle auch 125 Gramm andere Nahrungsmittel oder Dörrobst treten können. Bei außerordentlichen Anstrengungen erhöhen sich die Tagesrationen bis auf etwa 4111 Wärmeeinheiten, die durch eine Beigabe von über 100 Gramm an Milch und frischem Gemüse er⸗ reicht werden. Auf ähnlicher Höhe bewegen sich mit kleinen in den andersgearteten Ernährungsgewohnheiten begründeten Abweichun⸗ gen die Rationen der Franzosen, während z. B. die der Schweitzer Soldaten etwas geringer find. Letztere erhalten nach der Mobili⸗ sationsordre 650 Gramm Brot, 300 Gr. Fleisch. 25 Gr. Fett, 100 Gr. Fettkäse, 150 Gr. Gemüsekonserven, 20 Gr. Zucker, 20 Gr. Milch und 50 Gr. Schokolade. Der frauzösische Feldsoldat aber soll normal eine tägliche Verpflegung von 720 Gr. Brot, 250 Gr. Suppenmehl, 400 Gr. Fleisch, 30 Gr. Fett, 21 Gr. Zucker, 16—24 Gr. gerösteten Kaffee, 60 Gr. Reis und 750 Gr. Kartoffeln(oder für die beiden letzteren 1000 Gr. Rüben oder 100 Gr. Makkaroni oder 110 Gr. Weißkäse) erhalten. Werden von den Mannschaften besondere An⸗ strengungen verlangt, dann erhalten sie 10 Gr. Zucker und 100 Gr. frisches Fleisch täglich mehr, so daß dann ein Gesamtnährwert von 4023 Wärmeeinheiten also ein wenig weniger als beim deutschen Feldoͤheere, erreicht wird.
— Nochmals Erhöhung der Bierpreise. Die Brauereien geben bekannt, daß vom 1.August ab wieder eine Erhöhungdes Bier⸗ preises eintritt. Der Hektoliter soll um 2 Mark aufschlagen. Be gründet wird der Aufschlag mit Verteuerung des Rohmaterials und der„angekündigten“ Beschlagnahme der Biervorräte durch die Heeresverwaltung sowie mit der Einschränkung der Produktion. Ob diese Gründe zutreffend sind, entzieht sich unserer Beurteilung Wie aber die angekündigte Beschlagnahme von Bier preissteigernd wirken soll, will uns nicht recht einleuchten, auch nicht, daß sich seit dem letzten Aufschlag die Herstellungskosten soviel erhöht hab sollen, daß schon wieder eine neue Preiserhöhung notwendig se soll. Uebrigens waren die Gewinne der Brauereien bisher doch
nicht so knapp, sie dürften sich in gegenwärtiger Zeit schon einmal Nebenbei wird soeben bekannt ge⸗
mit etwas weniger begnügen. geben, daß die Freigabe der Vorräte an Vorjahrsbraugerste, in den Brauereien und Mälzereien noch lagern, erfolgen soll. mit— bemerkt dazu das Brauerei⸗Fachblatt— wird den dringlichen Wünschen des Brauereigewerbes Folge gegeben. Durch die Frei⸗ gabe der noch vorhandenen Braugerstevorräte, die hiernach ebenso wie die Aufhebung des noch bestehenden Vermalzungsverbotes in Kürze erfolgen dürfte, werden jedenfalls diejenigen Betriebe, die noch alte Gerste lagern haben oder auch Abschlüsse mit noch im Besitze von Vorräten befindlichen Malzfabriken laufen haben, in ihrer Sorge um die Beschaffung des laufenden Malsbedarfs er⸗ leichtert.— Also eine Erleichterung für die Brauereien und trotzdem Bierpreiserhöhung! In letzter Zeit hat der Verkehr in vielen Wirtschaften ganz bedeutend nachgelassen, was durch die Ab⸗ wesenheit vieler Männer ja ganz erklärlich ist. Eine weitere Er⸗ höhung des Bierpreises wird natürlich zur Folge haben, daß sie noch leerer werden und die Wirte erhebliche Einbuße erleiden. Für den Biertrinker bleibt auch weiter nichts übrig, als den Konsum nach Möglichkeit einzuschränken!
— Städtischer Verkauf von Lebensmitteln. 2. August ab, eröffnet die Stadt den Verkauf im alten Schulhause in der Neustadt. Wie aus der Bekannt⸗ machung des Oberbürgermeisters hervorgeht, die im heutigen Blatte veröffentlicht wird, kommen Zucker in Mengen von 1—5 Pfund und Graupen, Erbsen, Reis, Nudeln, Malzkaffee und andere Waren zum Verkauf. Es wird aber nur an Gießener Einwohner abgegeben, die weniger als 2600 Mk. Einkommen haben und sich durch den Steuerzettel darüber ausweisen. Bis auf weiteres findet der Verkauf jeden Montag, Mittwoch und Freitag nach⸗ mittag von 2—6 Uhr statt.— Das Vorgehen der Stadt ist nur zu begrüßen, auch in anderen Städten hat man damit gute Er⸗— fahrungen gemacht.
— Feldpost. Von der Post werden wir zur Aufnahme des Folgenden ersucht: Neuerdings werden Zigarren zur Ver⸗ sendung ins Feld in den Handel gebracht, die an ihrem vorderen Ende mit einer durch Reibung entzündbaren Masse versehen sind. Diese sogenannten Selbstzünder-(Eszet⸗) Zigarren gehören zu den
Von Montag, den von Lebensmitteln
srisches Obst, Gemüse und Kartoffeln, in Kraft getreten. Die
— Bestandserhebung. Das Generalkommando des 18. e korps hat 7 1 5 9 7 Juli zwei Verordnungen über Bestands⸗ erhebung für Baumwolle und Baumwollerzeug⸗ nässe(halbwollene und wollene Männerunterkleidung einge⸗ schlossen) und Bestandserhobung von Bastfasernroh stoffen, und Erzeugnifsen aus Bastfasern(Jute, Flachs, e europäfscher Hanf und übersceischer Hauf) erlassen, die am 2. August 1915, nachts 12 Uhr in Kraft treten. Die Verordnungen behandeln im§ 2 alle von ihr betroffenen Gegenstände, als Roh baumwolle 7 Baumwollabfälle, Garne Baumwoll⸗Web⸗ und ⸗Wirkstoffe sowie Bastfaserrohstoffe aus Bastsasern hergestellte Garne und Zwirne: Seilerwaren wie Bindfäden, Bindegarne, Kordel, Schnütre. Stricke, Leinen. Seile, Taue, Transportbänder, Bandseile, Gurte u. a. die näher bezeichnet sind, und benennt in§ 3 alle von ihr betroffenen Personen und Gesellschaften. Die Meldepflicht aller ge Gegenstände beginnt mit dem 2. August 1915. Im Unterlassungs⸗ — sind erhebliche Strafen zu 8 e der Militär⸗ besehlshaber die Schließung des Betriebes dnen. 5
We 9 ist am Stadthaus(Bürgermeisterei⸗ gebäude) hier ausgehängt und auch auf unserem Bureau einzusehen, worauf wir besonders hinweisen. 5
Die Todesfälle in Hessen 1914 betrugen ohne Ein rechnung der verstorbenen deutschen Kriegsteilnehmer und Kriegsgefangenen und der Totgeborenen zusammen 17 117(16 848). Davon waren 8755 männlich und 8362 weiblich. Es starben an: angeborener Lebensschwäche und Bildungsfehler 805(789), Altersschwäche 2200(2079), Kindbettfieber 38(46), Folgen der Geburt oder des Kindbettes 60(75), Scharlach, Masern und Röteln, Diphtherie und Krupp, Keuchhusten, zusammen 533(581), Tuberkulose der Lungen 1581(1654), Tuberkulose anderer Organe 457(467), akute allge⸗ meine Miliartuberkulofe 59(54), Lungenentzündung 1274(1360), Krankheiten der Atmungsorgane 905(922), Krankheiten der Kreis⸗ lauforgane 1987(1948), Gehirnschlag 895(929), Magen⸗ und Darmkatarrh, Brechdurchfall 990(809), Krebs 1201(1193), Selbst⸗ mord 314(319), Mord, Totschlag, tödl. Körperverletzung 34(35), Verunglückung oder gewaltsame Einwirkung 398(399). Die Zahlen in Klammern gelten für das Jahr 1913. 75
Hessens Viehbestand im Kriegsjahre. Das endgültige Er⸗ gebnis der Viehzählung am 1. Dezember 1914 ergab für Hessen: 40 155 Pferde(ohne Militär), 339 079 Stück Rindvieh, 58 146 Schafe, 410 395 Schweine und 144 385 Ziegen.
Ein gemeinnütziger Reisverkauf ist in Mainz eingerichtet wor⸗ den. Der Verkauf, für den sich einige Herren als freiwillige Hilfs⸗ kräfte zur Verfügung gestellt haben, findet in der Zeit von 830 bis 11 Uhr vormittags statt. Bezugs berechtigt sind zunächst die Familien der Kriegsteilnehmer und dann diejenigen, die ein Einkommen unter 2000 Mark haben. Der Reis wird gegen Abgabe eines Bezugs⸗ scheines, der von der Ortsverwaltung ausgestellt wird, in 1⸗Kilo⸗ Paketen zum Preis von 80 Pfg. abgegeben.— Auch in Offenbach wäre ein Reisbezug durch die Stadt dringend zu empfehlen. In den Lebensmittelgeschäften ift Reis kaum noch zu haben.
Escheutrank(falscher Sekt). Feldrezept aus Belgien, von un⸗ seren Soldaten erprobt. Zutaten: 50 Gramm Eschenlaub(gewöhn⸗ liche Esche), 20 Gramm Weinsteinsäure, 3 Kilogramm Zucker, 30 bis 50 Gramm Weinhefe oder Bier- oder Trockenhefe, 60 Liter Wasser. Die Blätter in 5 Liter kochendem Wasser ziehen lassen, wie Tee. Dazu die Weinsteinsäure und dann den in warmem Wasser aufgelösten Zucker dazuschütten, das übrige Wasser, alles in ein reines Faß füllen und gut mischen. Zum Färben gebrannten Zucker. Die Hefe hinzutun und das Faß an einem kühlen Ort ruhig stehen und gären lassen. Täglich sauberes Wasser zu⸗ füllen, damit das Faß voll bleibt. Nach 4—5tägiger Gärung it das Faß zu schließen. Nach weiteren 4—5 Tagen, wenn der In⸗ halt sich geklärt hat, auf Flaschen füllen und diese gut verschließen. Je mehr Zucker hinzugefügt wird, desto mehr Alkohol bildet sich.
Die verächtliche Unsitte, Hunde zu küssen, hat schon manches Menschenopfer gekostet. Aus Zahna wird jetzt folgender Fall bevich⸗ tet:„Die Unart, Hunde zu küssen, hat einer jungen Dame eine schwere Erkrankung eingetragen, so daß ste operiert werden mußde. Bei der Operation fand sich, daß in der Leber massenhaft Blasen⸗ würmer vorhanden waren. Es gelang der ärztlichen Kunst jedoch, die Leber von den gefährlichen Parasiten zu befreien. Meistens ver⸗ laufen solche Fälle tödlich, und nicht genug mögen Hundebesitzer und noch mehr Hundebesitzerinnen gewarnt werden, die Hunde zu küssen.“
— Anlagemusik. Sonntag, den 1. Auguft, vormittags 11% Uhr, auf dem Landgraf Philippsplatz, spielt die Kapelle des Land⸗
sturm⸗Infanterie⸗Ersatz⸗Bataillons Gießen. Spiel⸗Folge: 1. Akt⸗ niederländisches Dankgebet, A. Valerius. 2. Ouverture„Leichte Capallerie“, Fr. v. Suppe. 3. A. W.„An der Weser“, Lied für
Posaune, G. Pressel. 4. Phantasie a. d. Oper„Das Glöckchen des Eremiten“, Majillart. 5. Estudiantina⸗Walzer, E. Waldteufel. 6. Mit Sang und Klang, Marsch⸗Potpourri, H. Necke. 5
Wuchererlogik.
Trockenheit. Des Feldes Frucht kriegt die Kränke. Au verflucht! Geht's so weiter, Konsument, ommt ein Aufschlag: fünf Prozent. Dieser kommt. Doch auch der Regen srömt herab mit mildem Segen. Jeldfrucht kriegt die Wassersucht, zufschlag: zehn Prozent gebucht. and der große Wettermacher schaut erschüttert diesen Schacher. Ob er's so macht oder so, wird er seiner Kunst nicht froh. Denn ob's sonnenscheint, ob's wettert, ob es Hagelschloßen schmettert, ob es trübe, ob es heiter— steigen doch die Preise weiter.
Etzel(Chemn. Volksstimme).
„ 5 Von Nah und Fern. . Bootsunglück auf dem Rhein.
Durch Kentern eines Segelbootes, mit dem ein 15jährigqer Schifferjunge 4 Soldaten über den Rhein setzen wollte,. 5 drei Kanonjere vom Ersatz⸗Bataillon des 3. Bramdenburgischen Fuß⸗ arti llerie-Negiments in den Wellen um. Die Ertrunkenen, von denen 555 1 sind, sind der Lehrer Weber in, aufmann Moritz aus Frankfurt und Landwirt Klinge öfer aus Dillenburg.— In Mannheim sank am Donners 8 Nähe des Hafens ein Schlepphoot, das ein beladenes Schiff in den Hafen 5 sollte und in die Strömung gekommen war. Der Kapitän Thristian Hofmann aus Boppard und der Mast inenführ Fosef Becker von Mannheim ertranken. 5 1
Vermischtes.
8. 1 Ein Opfer seines Leichtsinns.
. In Dürkheim d. d. H. glaubte der 19 Jahre alte Franz Wolf in der Ferne Feueralarm vernommen zu haben. Um zu erspähen, in welcher Gegend es brenne, erkletterte er einen Mast der elektri⸗ 0000 Wolf e der Ueberlandzentrale. Er kam mit der 2 Volt starken Leitung in Berührung und stürzte als
von dem Mast zur Erde nieder. 5 5 e 0 be 5 1 5 Zuge erfaßt.
3 s dieser Tage der Zug mit den französischen anitäts⸗ soldaten, die aus Deutschland über die 8 ae 8 Lager von Valbonne bei Luon durchfuhr, warfen die Ausassen ihren Kameraden Zigarren zu. Diese wollten sie holen, einige von ihnen wurden aber von dem auf einem dazwischenliegenden Geleise heranbrausenden Expreß Lyon⸗Genf erfaßt. Vier wurden er⸗ drückt; drei davon starben sogleich, am Aufkommen des vierten
der Preise für Lebensmittel, wie Fleisch, Fettwaren, Butter,
leicht entzündlichen Gegenständen, die wegen ihrer Feuergefähr— lichkeit von der Postbeförderung ausgeschlossen sind.
wird gezweifelt.


