Ausgabe 
15.7.1915
 
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m Ausland, namentlich bei den Nentralen, klar machen, daß zwischen Rußland und Deutschland nach diesem Krieg nicht eine weitere Entfremdung, sondern eine Annäherung erfolgen werde. Politisch und auch handelspolitisch würden sich beide Staaten viel enger als vorher verbinden müssen. Den Russen sei mehr als je daran gelegen, mit der deutschen Industrie zu⸗ sammenzuarbeiten. Wenn man in den neutralen(und der Sprecher meinte offenbar auch, in den gegenwärtig Rußland verbündeten) Ländern glaube, daß die deutsche Industrie künftig vom russischen Markt ausgeschlossen sei, so gebe man sich einer heil⸗ losen Täuschung hin. 5 Auf die Frage nach der Waffenzufuhr erklärte der Russe: Von Archangelsk kommt sehr wenig. Japan habe dagegen einige schwere Geschütze und mit jedem Geschütz zwei Mann zur Bedienung gesandt. Aber, das Erhaltene sei gänzlich unzureichend. Der Munitionsmangel sei ja kein Geheimnis. Alles in allem dürfe man bald au Ueberraschungen friedlicher Natur gefaßt sein. Die Angst vor der Duma.

Petersburg, 14. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Minister⸗ dräsident Goremykin empfing eine ausgewählte Abordnung des Seniorenkonvents der Duma und erklärte, die Wünsche des Kon⸗ vents dem Ministerrat vorlegen zu wollen. Er wisse nicht, was die Duma in dem jetzigen Zeitpunkte über hau pthelfen könne. Die Lage sei viel besser, als viele Uneingeweihte sich vorstellen würden. Ein Mitglied der Abordnung bat um die Ausgabe von Verlustlisten, da ganz phantastische Schätzungen in der Bevölkerung herrschen würden. Goremykin erklärte, daß die russischen Verluste nicht so groß seien, wie die deutschen Zeitungen sie angeben.

Ein polnischer Nationaltag.

In Petrikau in Russisch⸗Polen fand, wie der Fraukf. Ztg. aus Bern gemeldet wird, unlängst ein polnischer Nationaltag statt. Es war das erste Mal, daß Ga⸗ lizien mit Kongreßpolen zusammentraf. Vertreten waren das oberste polnische Nationalkomitee, die polnischen Legionen, die von den Zentralmächten okkupierten Gouvernements, die Unabhängigkeitsparteien aus Warschau, Polen aus Amerika, auch polnische Duma⸗Abgeordnete, und Polen aller Parteien. Wie man dem Bund schreibt, führte der Warschauer Delegierte aus, daß Warschau auf ein Mani fest der Zentralmächte warte.Unser Massen⸗ nufstand, so führte er aus,ist wesentlich durch die Ga rantie der eigenen Staatssouveränität der polnischen Nation bedingt. Wir scheuen aber keineswegs vor einem Zusammen⸗ schluß mit Oesterreich⸗-Ungarn unter der Habsburger Dy⸗ nastie zurück. Der Versammlung wurde die der öster⸗ reichisch⸗ungarischen Regierung neulich eingereichte Denk⸗ schrift mit folgendem Minimalprogramm für Polen vorgelegt: Garantie der politischen Unteilbarkeit der polnischen Gebiete, Ausgestaltung der Legionen zu einer polnischen Armee an der Seite Oesterreichs, Gewährung der 5 Rahmen der strategischen Rücksichten möglichen Selbstver⸗

Itung der okkupierten Gebiete Polens.

Der Petrikauer Nationaltag, so heißt es in der Zuschrift an den Bund, war ein Vorzeichen des sicheren Um schwunges des gesamten polnischen Volkes zugunsten Oesterreichs. Indem er Festigkeit und Uebereinstimmung aller Polen in ihrem politischen Programm enthüllte, öffnet er der e e Regierung die Möglichkeit eines enormen re igezuwachses durch den freiwilligen Uebertr itt einer slawischen

ation von zwanzig Millionen in das Lager der Zentral⸗

pnüchte. Deutsch⸗Südwestafrika. Das englische unterhaus an Botha.

Im Unterhaus brachte Asquith, nachdem er die einzelnen Phasen des Feldzuges in Südwestafrika skizziert hatte, folgend Resolution ein:Das Parla⸗ ment spricht im Namen des ganzen Reiches seine Bewun⸗ derung und Dankbarkeit aus, zunächst gegenüber dem berühmten General und Premierminister der Union, Botha, der dem Reiche unschätzbare Dienste geleistet hat, zu dessen geliebtesten und geachtetsten Söhnen er gehört, sodann gegenüber den unerschrockenen So[daten, seien sie Buren 185 Engländer von Geburt, die Seite an Seite wie Brüder für die allen gleich teure Sache, für die Verbreitung der Frei⸗ heit und der Menschlichkeit gekämpft haben. Die Resolution wurde mit begeisterten Rufen angenommen.

Bekanntlich hat Botha denSieg über die Deutschen Durch eine zehnfache Uebermacht errungen.

Eine eilige Taufe. Der Petit Parisien erfährt aus London, die englische Regierung abe beschlossen, dem unter dem Namen Deutsch⸗Südwest⸗Afrika be⸗ annten Gebiete künftighin den Namen Bothaland zu geben, zu Ehren des glorreichen Siegers General Botha. Der englische Bergarbeiterkonflikt.

London, 14. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Die Mor⸗ ingpost meldet: In Cardiff fand eine Versammlung der Ab⸗ rdneten der Bergleute von Südwales statt. Sie war von 04 Abgeordneten besucht, die 136 493 Bergarbeiter, etwa 65 Prozent der gesamten Arbeiterschaft, vertraten. Die über- wältigende Mehrheit lehnte den Vorschlag des ausführenden enen ab, daß die Arbeit während der weiteren Ver⸗ handlungen mit der Regierung fortgesetzt werden solle. Eine noch größere Mehrheit verwarf den Antrag, eine namentliche Abstimmung aller Arbeiter zu veranstalten. Angenommen wurde allein der Antrag, wonach die Versammlung an den ursprünglichen Beschlüssen festhält. Die Konferenz ging aus⸗ einander, ohne eine neue Versammlung vorzusehen. Heute läuft die 14tägige Periode der täglichen Arbeitskontrakte ab, die am 30. Juni für die Dauer der Verhandlung bewilligt wurden. Die Nachricht von dem Beschlusse der Bergarbeiter in Südwales schlug, dem Daily Telegraph zufolge, wie eine Bombe ein. Die Blätter führen übereinstimmend aus, daß die Führer die Macht über die Arbeiter verloren hätten. Man erachtet Lloyd George des Versprechens entbunden, daß kr die Bergleute nicht unter das Munitionsgesetz stelle. Wenn

Gesetz auf die Bergleute ausgedehnt wird, tritt das obli⸗ torische Schiedsgericht in Kraft. Man glaubt, daß die 2 des Munitionsgesetzes genüge, um den Ausstand zu

f teresse, mehr zu sagen, als daß ich gegenwärtig keine öffent⸗

Vom englischen Unterhaus.

London, 14. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Simon sagte im Unterhause auf eine Anfrage, daß in der letzten Woche 1140 Fremde interniert und 573 heimgeschickt wurden. Asquith sagte auf eine Frage, er hoffe, daß die Parlamentssession Ende Juli schließe. Addison sagte in einer Antwort, daß sich bisher 89 266 Munitionsarbeiter gemeldet haben. Es sei noch unsicher, wieviele ihrer gegenwärtigen Beschäftigung entzogen werden könn⸗ ten. Die Abgeordneten Markham, Lynck und Dalziel stellten sechs Fragen verschiedenen Inhalts. Markham fragte, ob der Premier⸗ minister zusichern wolle, daß unfähige Beamte aus dem Kriegs⸗ amt entlassen würden, Lynck wünschte eine Debatte über die Kriegführung und Gründe für die Einsetzung eines G e⸗ schoßministeriums. Dalziel wünschte eine Debatte über die Rede Haldanes. Asquith erklärte, alle Fragen zusammen zu be⸗ antworten, und sagte dann: Es ist nicht im öffentlichen In⸗

lichen Mitteilungen machen kann, und daß eine Debatte unter den obwaltenden Umständen keinem guten Zwecke dienen und den besten Interessen der Nation schaden würde.(Beifall.) Der Nationalist Healy fragte, ob Asquith dem Hause mitteilen könne, woher Dal⸗ ziel Informationen besitze, die sich anderen entzögen. Afguith sagte, er könne die Frage nicht beantworten. Markham fragte: Sollen wir also annehmen, daß Beamte, die in ihrer amt⸗ lichen Tätigkeit versagten, im Amt bleiben sollen? Asquith er⸗ widerte mit Schärfe, man solle nichts Derartiges annehmen. Der ehrenwerte Abgeordnete solle annehmen, was er, Asquith, sage, das sei der überlegte Entschluß der Regierung und entspreche dem Ge⸗ fühle der großen Mehrheit des Hauses und der Nation. Dalziel fragte, ob Asquith mit Lloyd George übereinstimme, daß Haldanes Aeußerungen ungenau und unvollständig gewesen seien. Asquith erwiderte, er habe nichts hinzuzufügen. Lynck fragte: Läßt nicht der Stand der Dinge eine große Unfähigkeit und kolossale Fehler der leitenden Stellen erkennen? Der Sprecher bemerkte: Das führt zur Debatte! Pringle fragte: Hält Asqufth es für richtig, daß diese Debatte in der Presse fortdauern soll, während sie im Parlament verboten bleibt? Asquith lehnte die Antwort ab, da die Frage sich nicht aus den früheren Fragen ergebe. Thorne(Arbeiterpartei) rief dazwischen: Welch eine glückliche Familie! *

Die Daily Chronicle klagt in einemGiftpresse und Verleumdungen, Made in England, Ermutigung der Feinde des Königs überschriebenen Artikel über die luchs ä u gige Wachsamkeit, mit der die deutsche Presse die eng⸗ lischen Schwierigkeiten, die Arbeiterfrage, die Trunk⸗ sucht und die Rekrutierung, aber besonders alle An⸗ zeichen politischer Unstimmigkeit und Gärung verfolgt, die einen Teil der britischen Presse kennzeichnet. Die führen⸗ den deutschen Zeitungen bewiesen aus englischen Blättern, daß die englischen Zustände chaotisch, die Minister un⸗ einig und großenteils Pfuscher seien. Das Blatt sagt: Diese Aeußerungen eines gefährlichen unpatriotischen Teiles unserer Presse, die in den deutschen Zeitungen erscheinen, ermutigen unsere Gegner mehr als Siege und bauen in ihnen Vertrauen und Hoffnung auf, die ein so ge⸗ waltiges Aktivum in ihren nationalen Anstrengungen bilden.

Die Serben bringen Truppen an die

bulgarische Grenze.

Einer Meldung aus Nisch zufolge haben die Serben be⸗ deutende Truppenmengen von der österreichischen Grenze weggenommen, um sie an der bulgarischen Grenze zu kon⸗ zentrieren.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

Verlag von Krumm& Cie., Gießen.. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. .- 0

Vereinskalender. Samstag, 17. Juli. 5 Launsbach. Wahlverein und Freie Turnerschaft. Abends 9 Uhr Versammlung. Alles erscheinen! Montag, 19. Juli. Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Mitgliederversamm⸗

5 Bekauntmachung..

Die bei der Aus der Quartierentschädigungen für 8. bi 28. Februar 7018 nicht in der Liste verzeichneten Quartiergeber na auf Grund der abgegebenen Unterkunftsscheine ihre Ver⸗ gütung g i Freitag, den 16. Juli, vormittags von 81 uhr, im Stadthaus, Zimmer Nr. 4, in Empfang nehmen.

Gießen, den 13. Juli 1915. 5

Der Oberbürgermeister: Keller.

Verstorbene. Katharine Kreiling geb. Pausch in Wiesec, 82 Jahre art e hristine Weber geb. Rohrbach in Großen⸗Linden, 55 Jahre alt.

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