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Zur Beratung der Kriegsbeschädigtenfürsorge 1
b die Generalkommission einen kurzen Bericht über ihre bisherigen
8 hungen um eine reichszentralistische Organisation, die leider bei dem Bedenken der Reichsregierung, in die Hoheitsrechte der Bundesstaaten einzugreifen, erfolglos blieben. Immerhin wurden infolge ihrer Mitwirkung in der Organisation für die Provinz Brandenburg einige allgemeine Grundsätze aufgestellt und den Ge⸗ werkschaften und Kartellen empfohlen, nach diesen zu verfahren. Es müsse verhütet werden, daß die Kriegsbeschädigten bei ihrer Rückkehr zur Erwerbsarbeit unbilliger Behandlung ausgesetzt und zur Lohn⸗ drückerei verwendet, und daß die gewerkschaftlich geregelten Lohn⸗ und Arbeitsverhältnisse durch ihre Ausnützung untergraben würden. Die ausgiebige Diskussion führte zur Annahme der folgenden Lei⸗
sãtze:
„Die Konferenz der Vertreter der Verbandsvorstände hält es aus ethischen und volkswirtschaftlichen Gründen für dringend er⸗ forderlich, daß den Kriegsbeschädigten, soweit dies irgend an⸗ gängig ist, Arbeitsgelegenheit in Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft sowie in den Reichs⸗, Staats⸗ und Gemeinde⸗ Staats⸗ und Gemeindebetrieben geboten wird.
Sie bedauert, daß die Bemühungen der Generalkommission zwecks Errichtung einer Reichszentralstelle der Organisation zur Fürsorge für die Kriegsbeschädigten bisher ohne Erfolg geblieben und infolgedessen die erforderlichen Maßnahmen nicht einheit⸗
lich sind.
Sie fordert, um den Gewerkschaften die Mitarbeit in den Fürsorgeorganisationen zu ermöglichen, daß in dieser Bestim⸗ mung getroffen wird, daß 1. zur Berufsberatung der Kriegsbeschädigten Vertreter der Ge⸗
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2. der Rentenbezug für die Unternehmer nicht ein Mittel zum Lohndruck sein darf, d. h., daß die Kriegsbeschädigten voll⸗ wertig nach ihrer Arbeitsleistung entlohnt werden:
3. die Tarifverträge auch für die Kriegsbeschädigten gelten und eine Aenderung oder Außerkraftsetzung der Tarife nur unter ausdrücklicher Zustimmung der in Betracht kommenden Ge⸗ werkschaft erfolgen darf.
Die Konferenz hält es für dringend notwendig, daß pari⸗
tätische Kommissionen von Unternehmer⸗, Angestellten⸗ und Ar⸗
beiterorganisationen auch über die Kriegsdauer hinaus eingesetzt werden, durch die Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis der
Kriegsbeschädigten zu entscheiden sind.“
Nicht minder eingehend wurde die Frage der
Organisation der Arbeitsvermittelung
erörtert. Der von der Generalkommission gegebene Bericht be⸗ dauert, daß die Reichsregierung nicht den vom Reichstag beschlosse⸗ nen Vorschlägen der Gewerkschaftsgruppen gefolgt und eine durch⸗ greifende Organisation der Arbeitsvermittlung angeordnet habe. Immerhin versprechen die vom Bundesrat am 2. Juni d J. verfüg⸗ ten Maßnahmen zur Durchführung einer einheitlichen Statistik der Arbeitsvermittlung(Anmeldung der Arbeitsnachweise bis zum 1. Jun d. J. und Mitteilung der Arbeitsgesuche und offenen Stel⸗ len wöchentlich zweimal von 1. August d. J. ab) sowie die Errichtung von Zentralauskunftsstellen in den einzelnen Städten und Bezirken einige Besserung, und die Gewerkschaftsnachweise sollten nicht ver⸗ sfäumen, sich an den letzteren zu beteiligen. Zu warnen sei aber vor dem von Dr. R. Freund⸗Berlin, dem Vorsitzenden des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise, propagierten System von Auskunfts⸗ zentralen, denn dieser versuche bei jeder Gelegenheit, seinen Ver⸗ band zum hauptsächlichsten Träger der Organisation der Arbeitsver⸗ mittlung zu machen und er maße sich sogar selbst die Auswahl der Vertreter gewerkschaftlicher Arbeitsnachweise an. Die Gewerk⸗ schaften mögen daher auf der Hut sein und bei der Errichtung von Zentralauskunftsstellen überall verlangen, daß auch ihre Nachweise vertreten sind. Die Debatte ergab im Allgemeinen Uebereinstim⸗ mung über die Mitwirkung der Geßerkschoften an der Organisation der Arbeitsvermittelung.
Einige Beschwerden aus Gewerkschaftskreisen, die sich auf
Differenzen innerhalb der Arbeiterbewegung während des Krieges, insbesondere in der letzten Zeit, beziehen, gaben Anlaß zu einer längeren Aussprache über diese Angelegenheit. Es handelte sich neben lokalen Vorkommnissen vor allem um die Be⸗ strebungen gewisser, mit der Haltung der Parteimehrheit und der Reichstagsfraktion seit dem Kriegsausbruch unzufriedenen Gruppen und Grüppchen, diesen Parteistreit auch in die Gewerkschaftskreise bineinzutragen und durch eine von gewissen Zentren aus geleitete Desorganisationskampagne die Parteieinheit zu sprengen
und die Einigkeit in der Arbeiterbewegung zu zerstören. Vor allem offenbare sich diese Unterminierungsarbeit in dem Flugblatt an den Parteivorstand. Gewerkschaftler wurden aufgefordert, mit voller Angabe ihrer Organisationsstellung und ihrer Funktionen das Schriftstück zu unterzeichnen.
Gegen diese Desorganisationsabsichten hat die Generalkom⸗ mission in einer in Nr. 26 des Corr.⸗Blattes publizierten Erklärung Protest erhoben. Die Vertreter der Verbandsvorstände stellten sich in eingehender Debatte, in der es nicht an scharfen Verurteilungen der gemeinschädlichen Treibereien der Mißvergnügten fehlte ein⸗ mütig auf den Standpunkt der Generalkommission, indem folgende Resolution einstimmig zum Beschluß gelangte:
„Die Konferenz schließt sich der von der Genexalkommission im Cor.⸗Blatt veröffentlichten Erklärung, die sich gegen die Son⸗
Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 23
Fränz bestürmte den Vater, sie, wie er versprochen, nach der Stadt zu bringen; die Mutter aber widersetzte sich un⸗ nachgiebig diesem Vorhaben. Fränz schwieg und tat, als ob sie nicht mehr daran dächte; je mehr es aber Herbst wurde, im Dorfe die Dreschzeit begann und die Wege so grundlos wurden, daß man oft ganze Wochen nicht ins Dorf hinab⸗ kam, um so mächtiger wurde die Sehnsucht der Fränz nach dem Stadtleben; sie war wie ein Wandervogel, der gewalt⸗ sam zurückgehalten wird vom Zuge. Trotz des Widerspruchs der Mutter Wußte sie es dahin zu bringen, daß sie den Vater auf einer Fahrt nach der Amtsstadt begleiten durfte, und als Diethelm hier nicht, wie er gehofft hatte, Kauflustige für seine Vorräte fand, ward es ihr nicht schwer, ihn zu bestim⸗ men, mit ihr nach der Hauptstadt zu fahren. Wie ein Vogel, der angstvoll von Zweig zu Zweig hüpft, bald ausschaut, bald ruft: so wanderte hier Diethelm hin und her und verstand sich endlich zu dem schweren Entschluß, selber Anerbietungen zu machen und durch Zwischenhändler verbreiten zu lassen. Der Erfolg war aber ein geringer. Diethelm brachte nichts mit nach Hause als gute Aussichten auf den Verkauf der Staatspapiere, die er zu einem sehr niedrigen Tagespreise abgeben sollte; Fränz aber brachte er nicht wieder, denn sie blieb im Rautenkranz, in dem Wirthaus, wo Diethelm stets seine Einkehr hatte, um hier die Koch- und größere Wirt⸗ schaftskunst zu erlernen.
In Buchenberg ging es nun gar still her, wenn nicht dann und wann Fuhren mit Heu ankamen, von dem immer neue Vorräte zur Ueberwinterung der Schafe gekauft werden mußten. Diethelm hatte eine wahre Kaufwut; wo nur
berbündelei richtet, an. Sie weist mit aller Entschiedenheit die Versuche zurück, die Arbeiterschaft in dieser kritischen Zeit zu Handlungen zu veranlassen, die den Interessen der Arbeiterklasse zuwiderlaufen, Uneinigkeit und Zersplitterung in die Gewerk⸗ schaften tragen und die Einheit der sozialdemokratischen Partei zerstören können. l 2
Nur eine einige und geschlossene Partei kann die Interessen der gewerkschaftlichen Organisationen erfolgreich vertreten.
Die Konferenz hält die Stellung, die von der übergroßen Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktion und des Parteiaus⸗ schusses sowie von dem Parteivorstande eingenommen ist, für die⸗ jenige, die allein in dieser schweren Zeit den Interessen der Ar⸗ beiterschaft im allgemeinen und den Gewerkschaften im besonderen dient.
Die von den Sonderbündlern in der Partei vertretenen An⸗ sichten widersprechen dem Wesen und Wirken der Gewerkschaften, ihre Durchsetzung wäre die Preisgabe alles dessen, was die Ge⸗ werkschaften geschaffen haben und erstreben.“
Damit ist die Stellung der deutschen Gewerkschaften zu den An⸗ griffen auf die Einheit der Partei gekennzeichnet. Die Gewerkschaf⸗ ten müssen im gleichen Sinne allen Versuchen der Zersplitterung der Arbeiterbewegung mit allem Nachdruck entgegentreten.
Hinsichtlich der Aufnahme weiterer Statistiken wurde als Termin für die nächste Kriegsstatistik der Gewerkschaften der 31. Juli angenommen und ferner beschlossen, von der Aufnahme größerer Lohnstatistiken so lange abzusehen, bis die Statistische Kommission zwecks Aufstellung einheitlicher Grundsätze darüber beraten hat. Die Generalkommisston wurde ermächtigt, zur Förderung der Kriegs⸗ beschädigtenfürsorge eine Zeutralstelle zu schaffen und nach Bedarf
einen Beamten für diese Tätigkeit anzustellen.
Die Entscheidung des Reichsversicherungsamts wo⸗ nach die Krankenkassen berechtigt seien, auf das zu zahlende
Krankengeld auch die von Gewerkschaften gewährte Krankenunterstützung
anzurechnen, auch wenn den Mitgliedern ein Rechtsanspruch auf letztere nicht zusteht, hatte bereits eine frühere Konferenz beschäftigt. Die Bemühungen der Generalkommission, eine Aenderung der Rechtslage im Reichstag oder bei der Regierung herbeizuführen. sind erfolglos geblieben. Es sollen nunmehr für die nächste Konferenz der Vorstände geeignete Vorschläge für eine Aenderung der Gewerk⸗ schaftssatzungen vorbereitet werden. 5
Am Schlusse wurde über den vom jüngsten Verbandstag der Metallarbefter beschlossenen Antrag beraten:„Der Haupt⸗ vorstand wird ersucht, bei der Generalkommission die Gründung einer wöchentlich erscheinenden
gewerkschaftlichen Frauenzeitung
zu erwirken“. Der Antrag fand fast allseitige Zustimmung in der Diskussion. Es wurde hervorgehoben, daß die von der Genossin Zetkin redigierte Gleichheit für gewerkschaftliche Zwecke völlig un⸗ geeignet sei und sich auch trotz wiederholten Aufforderungen keine Miihe gab, diesen Ansprüchen zu genügen. Ein Frauenblatt, das für einfache Arbeiterinnen verständlich sei und sich nicht in ver⸗ stiegenen Theorien und hochtrabenden Stilübungen ergehe, sei not⸗ wendig und nicht länger aufzuschieben. Von einem Redner wurde eine vorherige Aussprache mit dem Parteivorstand über eine zweck⸗ entsprechende Umgestaltung der Gleichheit, von einem anderen die Herausgabe einer gewerkschaftlichen Frauenkorrespondenz gewünscht. Für das erstere wurde weder ein Bedürfnis noch ein voraus sicht⸗ licher Erfolg anerkannt, doch brauche man einer solchen Aussprache nicht aus dem Wege zu gehen. Eine Korrespondenz gebe die Ge⸗ nofsin Hanna bereits heraus und sie könne fortgesetzt werden, wenn sich für die Herausgabe eines Frauenblattes Schwierigkeiten er⸗ geben sollten.
Schließlich wurde die Generalkommission beauftragt, ein solches gewerkschaftliches Frauenblatt baldmöglichst herauszu ⸗ geben. Das selbe wird den beteiligten Gewerkschaften zum Selbst⸗ kostenpreise für ihre weiblichen Mitglieder zugestellt.
Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung.
Eine Frauenaufgabe.
Wie wird es nach dem Kriege werden? Die Frage mag töricht erscheinen in einer Zeit, wo Europa noch etfüllt ist von Waffenlärm und Kriegsgeschrei, und doch gibt es Tau⸗ sende von Frauen, die mit banger Sorge an die Zukunft denken: die Kriegerwitwen, die nun für die Familien sorgen müssen, die heranwachsenden Töchter, die den Vater verloren haben und ihren Unterhalt selbst verdienen müssen. Viele von ihnen arbeiten bereits jetzt, aber es sind meist Notstands⸗ arbeiten, die sie verrichten, sie ergriffen irgend eine Tätigkeit, die sich ihnen bot und die nicht viele Kenntnisse voraussetzte. Wenn sie nur etwas zu der Kriegsunterstützung hinzuver— dienen konnten.
Schon vor der Beendigung des Krieges werden die neu⸗ geschaffenen Industrien für den Kriegsbedarf,
die so viele
Frauenhände brauchten, zum größten Teil den Betrieb 75 selen 565 1 5 nicht mehr Säcke und Wäsche für die Soldaten genäht, nicht mehr Strümpfe gestrickt zu werden, wenn der Friede in sicherer Aussicht ist, und auch die Mu⸗ nitionsfabriken werden nicht mehr mit Hochdruck arbeiten. Wir alle wären froh, wenn die Zeit nahe wäre, und bringt auch sie Sorgen mit sich, denn das Verschwinden der Kriegsindustrie bedeutet die Entlaffimg zahlloser Frauen. Aber werden sie neue Arbeit finden? Es mag sein, abe ö ob die Arbeit gut gelhnt wird, und ob nicht die Frauen die Arbeit um jeden Preis haben müssen, vielen Männeen die Plätze versperren, die nicht für billiges Geld arbeiten können, das ist eine ernste Frage, mit der sich die Organi⸗ sationen schon lange beschäftigen. Der Krieg bringt einen ungeheuren Frauenüberschuß mit sich, und leider kommt die Mehrzahl der alleinstehenden Frauen nicht aus den begüter⸗ ten Schichten, sondern aus der Arbeiterschaft und dem kleinen und mittleren Bürgertum. Sie können, nicht damit rechnen, von ihren Renten zu leben und die Hinterbliebenenunter⸗ stützung allein reicht nicht aus, um den vollen Unterhal zu bestreiten. Sie müssen verdienen und sie wollen auch arbeiten, aber was können sie leisten, sie, die bisher nicht zu erwerben brauchten? 1 ö 2
Es erscheint klar, daß die Heima beit einen unge ⸗ heuren Umfang annehmen wird. Zu dem schon jetzt zu großen Heer der Heimarbeiterinnen werden Tausende neu hinzu⸗ strömen, der Kampf um bessere Löhne wird erschwert, denn die Neuen wollen nur erst einmal Arbeit, nehmer und vertrösten sich auf später— dann werden st mehr verdienen, so hoffen sie. Die Armen wiffen noch nicht, daß Heimarbeit rasende, ununterbrochene Arbeit und stän⸗ digen Lohndruck bedeutet, Wenn nicht die Arbeitenden selbst sich durch den Zusammenschluß eine Machtstellung schaffen.
In den Fabriken und allen anderen Betrieben könnte dann ein scharfer Konkurrenzkampf zwischen Mann und Frau entstehen. Die Arbeiterin, die für ihre Kinder jetzt allein sorgen muß, fürchtet sich mit Recht vor dem Verlust ihrer Stelle; sie fürchtet die Arbeitslosigkeit, weil sie den Hunger mit sich bringt. Sie sieht mit Angst, wie die aus dem Felde Zurückkehrenden an die alten Stellen wieder anklopfen; sie will nicht weichen, lieber billiger arbeiten, so billig, daß dem Unternehmer die Frauenarbeit profitlicher dünkt. Nicht allzu viele Arbeitgeber werden trotzdem ihre früheren Ar⸗ beiter an die alten Stellen setzen— sie sind ja in jedem Falle gegen Vorwürfe gesichert. Entlassen sie die Frauen, so sagen sie, daß der Vaterlandsverteidiger ein Recht auf seine Arbeit habe, verweigern sie dem Arbeiter die Stelle, so weisen sie darauf hin, daß sie es nicht übers Herz bringen, die Fr die sich für ihre Kinder plagt, zu entlassen.
Es ist kaum ein Ausweg zu finden und nur die Mög⸗ lichkeit besteht, den entsetzlichen Folgen des Konkurrenz⸗ kampfes zwischen Mann und Frau vorzubeugen durch um fassende Organisation und Aufklärung. An die Heimarbeiterinnen, die Sandsäcke, Militärwäsche u
Uniformen nähen, wird man nur sehr schwer herankommen;
und doch ist es nötig, sie jetzt schon heranzuziehen, weil es nach dem Krieg noch bedeutend schwieriger sein wird und weil es dann vielleicht zu spät ist. 5
Hier bietet sich ein Arbeitsfeld für die organisierten Frauen. Sie müssen jetztihre ganze Kraft zur Gewinnung dieser neuen Arbeiterinnen einsetzen, sie leisten dadurch nicht nur diesen, sondern auch sich selbst und schließlich der gesamten Arbeiterklasse er wertvollen Dienst.
In Mannheim hat der Stadtrat den Anträgen der städtischen Kommission für Lebensmittelversorgung auf An⸗ kauf von Eiern und Zucker zum Zwecke der Versorgung der Bevölkerung zugestimmt und außerdem zur Beschaffung von Obst und Gemüse, insbesondere Bohnen, die auf dem Markt zu möglichst billigem Preise zum Absatz kommen sollen, die erforderlichen Kredite zur Verfügung gestellt. 3 Durch Vermittlung der Zentraleinkaufsgesellschaft der Kon⸗ sumvereine bestellte der Stadtmagistrat Schweinfurt
fangs bar, geriet aber auch nach und nach ins Borgen und belastete sich mit einer Unzahl sogenannter kleiner Kletten⸗ schulden, so daß das einsame Haus von Drängern aller Art überlaufen wurde, die besonders die bekümmerte Frau peinig⸗ ten: denn Diethelm blieb jetzt mehr als je und ganz ohne Grund tagelang aus dem Hause, nur um der Anschauung des auf ihn hereinbrechenden großen Unglücks und den kleinen Bedrängnissen zu entgehen. Er ärgerte sich jetzt über viele Menschen und sah erst jetzt, wie er es hatte geschehen lassen. daß er von jedem ausgeraubt wurde, der etwas an ihn zu fordern hatte. Menschen, die ihm sonst brav und rechtschaffen erschienen waren, erkannte er nun in ihrer offenkundigen Schlechtigkeit und hatte vielerlei Streit und Gerichtsgänge.
Noch böser hatte es Martha daheim. Leute, die sie sonst nicht lange bei sich geduldet hätte, saßen oft tagelang auf der Ofenbank, denn sie ließen sich nicht damit abweisen, daß Diet⸗ helm nicht zu Hause sei; sie wollten seine Rückkunft abwarten, und Martha, die vor Zorn und Kummer fast vergehen wollte, mußte noch freundlich tun, mußte diesen Leuten zu essen und zu trinken geben und sich fast entschuldigen, wenn sie etwas für sich bereitete, denn sie sah nicht undeutlich die höhnisch⸗ frechen Blicke, als ob sie vom Eigentum fremder Menschen lebte. Sie fürchtete sich, die Stube zu verlassen, denn sie wußte, wie hinter ihrem Rücken über den Verfall dieses Hauses gesprochen wurde und wie bald hiervon die Kunde landauf und landab sich ausbreiten würde. Oft war es Martha, als sollte sie das ganze Haus mit allem, was darin ist, verlassen und davonrennen; es war ja himmelschreiend, wie ihr einziges Kind sie so heimtückisch verlassen hatte und wie ihr Mann sie dem Elend und der Schande preisgab, während er lustig lebte. Dennoch war sie wie festgebannt an das Haus, und endlich griff sie ihren letzten Hort an: es war dies eine nicht unbeträchtliche Summe, die sie verborgen
irgend etwas zu haben war, eignete er sichs an, bezahlte an.
hatte und die man erst nach ihre Tode hatte finden sollen.
Mit dieser entledigte sie sich nun der Klettenschulden, und Diethelm war bei seiner Heimkehr überaus wohlgemut, als er solches vernahm.
Als sie ihm den Rest übergab, sagte sie:„Nur um Gottes willen keine Schulden. Schau', wenn so Gläubiger über einen kommen, ist's grad wie beim Dreschen. Anfangs, wenn die Dreschflegel auf die volle Spreite fallen, da geht's lang⸗ sam und man hört's nur wenig, je leerer aber das Korn wird, da geht's immer lauter und schneller. Verstehst mich?“
„Wohl, du bist gescheit. Aber hast du nicht mehr so ge⸗ heime Bündel?“
Martha verneinte, Diethelm aber glaubte es ihr nicht und war wieder voll Liebe gegen sie, wie in der ersten Zeit ihrer Ehe, so daß sie gar nicht dazu kam, gegen ihn den Gram und Zorn gegen seine Fahrlässigkeit auszulassen. Er ver⸗ tröstete sie auf den großen Schick, der unfehlbar nächstens ein⸗ treffe, und half nun selber für die laufenden Ausgaben Lein⸗ wandballen verkaufen, von denen Martha aus Zorn gegen h schon mehrere n hatte.
Eines Tages kehrte Diethelm nach einer vergeblichen Umfahrt von mehreren Tagen wieder heimwdärts,. am Wege im Walde an einem ausgehauenen Baumstumpf eine große Schicht von Kienholz. Rasch, ohne sich klar zu machen, was er wollte, hielt er an, sprang ab, raffte einen Armwoll auf, riß den Sitz ab, öffnete das Kutschentruckle, e Kren in deze und fehr rec davon;
aber stieg er wieder ab und ich di igen Hände im Schnee. wach in a e
. nichts im Kutschentruckle?“ „Warum fragst?“ erwiderte Diethelm e „Ich weiß nicht, warum, ich mein' nur 1
„Es ist nichts darin,“ schloß Diethelm fest. Fortsetzung folgt i
Kommunaler Kampf gegen den Lebensmittelwucher.
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Seltsam! Als er heute heimkam, fragte ihn Martha:


