Ausgabe 
18.1.1915
 
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Drgan für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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* Nr. 14 Gieß 8 J 5 2 Gießen, Montag, den 18. Jaunar 1915 10. Jahrgang

5 leltkri

5 eltkrieg.

Kriegsgrenel.

Während des ersten Balkankriegs entstand das Gerü 1 nd des e a 98 i s Gerücht, da er in Prizrend festgehaltene österreichische Konsul Prochaska 995

Noch: bischen Soldaten überfallen und i f is überfa in grauenhafter Weise ver⸗ g fümmelt worden sei. Welcher Art die Verletzungen des Konsuls f 5085 sollten, erzählte man sich nur flüsternd von Mann zu Mann. iste. die Zeitungen begnügten sich mit Andeutungen und Umschreib

ungen, sie durften eben glücklicherweise bald das scheußliche Theme Erlassen, da sich herausstellte, daß die ganze bene Ke chmutzige Geschichte von Anfang bis zu Ende erfunden war.

Andere Zeiten, andere Sitten! Man ist heutzutage nicht mehr 12 zimperlich, und wessen man die Serben vor drei Jahren an⸗ ö eutungsweise beschuldigte, das werfen die Deutschen und Franzo n einander ganz offen vor. Die Worteabgeschnittene Geschlechts⸗ bile sind jetzt auch in offiziösen Kundgebungen zu lesen, in denen 1 00 99 ed a den ausgestochenen Augen, f hnittenen Ohren und auf dem Bod f spieß Ver⸗ tundeten die Rebe ist.. R . Wieviel oder wie wenig aktenmäßig Feststellbares der neuesten Liskussion zwischen der deutschen und der französischen Regierung n grunde liegen mag, jedenfalls stehen wir vor der Tatsache, daß

* 9 f. 1 8 2 der 0 Armeeleitungen der beiden Zivilisierten Völker Europas ein⸗ 17 an Duldung der unsäglichsten Greuel so gut phie alles zutrauen. Es gibt sicher große Massen in Frank⸗

wich, die dem französischen Bericht über die Schandtaten, die von kutschen Soldaten auf belgischem und französischem Boden angeb⸗ Ich verübt worden sein sollen, ohne weiteres Glauben schenken nerden. Auf der anderen Seite sind wir in Deutschland natürlich nicht in der Lage, im einzelnen nachprüfen zu können, was bei den

auns Echrecken erregenden deutschen Gegenbehauptungen 1 0 Irrtümern mitunterlaufen sein mag. Daß zwischen den beiden grmeen Dinge vorgekommen sind, die zu solchen Erörterungen Au⸗

Ii gaben, ja das solche Erörterungen überhaupt möglich ge⸗ 5 norden ist, zeigt uns, wie wenig Grund sie haben, auf die Kultur

Curopas zu A fang des zwanzigsten Jahrhunderts stolz zu sein. Gegenüber den Greuelbeschuldigungen, die in jedem Krieg un⸗ bermeidlich sind, gilt der Grundsatz, alles und nichts zu glauben. Nan kann alles glauben in der Annahme, daß im Laufe eines srieges keine Greueltat als Einzelfall undenkbar ist, man

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mn aber nicht genug vorsichtig sein in der Beurteilung von Be⸗

guochen Kuptungen, Berichten, selbst von Aussagen vermeintlicher na, Zinl, gugenzen gen, da das Beobachtungsvermögen in vielen en krankhaft verändert ist. In jedem Krieg werden Greuel

rübt, während jedes Krieges w tal mehr Greuel erzählt, als sich wirklich ereignet haben. Wenn die deutschen Soldaten im allgemeinen als Mörder, dordbrenner, Räuber schlimmster Art dargestellt werden, so wird c nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland, selbst im findlichen, keinen ruhig denkenden Menschen geben, der chen Wahnwitz nicht die Achseln zuckte. Wenn jedoch nur die Jöglichkeit erwogen wird, daß auch in der deutschen Armee ein⸗ ne verbrecherisch oder krankhaft veranlagte

erden aber hundert⸗ und tausend⸗

erger

sführung hinausgetrieben wür⸗ che Möglichkeit in Abrede

7 regelten Krieg hn wer von uns könnte eine sol killen? In der f glenmäßig geringeren

de Grenzer

aterials weniger sorgfältig ist, dur Prozentsatz der Psychopathen, der Dekadenten und Perversen helleicht größer sein. Zum Nachteil der Franzosen spricht auch hr Umstand, daß in ihren Reihen nicht nur Europäer, sondern auch ingehörige kulturell tiefer stehende Volksstämme mit⸗ senpfen. Namentlich Greuel à la Prochaska könnten nach mensch⸗ chem Ermessen nur entweder von Wahnsinnigen, oder aber un Wilden verübt worden sein, die mit bestimmten aber⸗ gläubischen Vorstellungen behaftet sind.

Wenn sich einer oder der anderen Einzelfälle, die iizibsen Meldung von der deutschen Heeresleitung

jetzt nach der untersucht

. burden, als wahr herausstellen sollte, wenn wirklich einzelne In⸗ Il shbeiduen tscher Nationalität Taten verübt haben sollten. wie sie Hucde n französischen Regierungsbericht behauptet in ihrer Mehrzahl stder leichtfertiger Weise hehauptet werden dann könnte über die ul flihle, mit denen die Masse des deutschen Volkes und ganz beson⸗ fleinee ers auch der deutschen Armee solche Tatsachen aufnehmen würde, ano en Zweifel sein. Ebenso dürfte die Masse des franzüsischen irtibel, blkes und der französischen Armee alles, was den Franzosen 1

heueltaten nachgewiesen wird, als tiefe Schande empfinden.

heute ausgesprochen werden auch drüben nicht! B. glauben, daß die deutschen und die französischen Soldaten, die niden Schleßparsen freundschaftlich miteinander verkehrten, Briefe,

ente heitungen, Tabak und Schokolade miteinander austauschten, bis 1 10 5 en dieser Verkehr von den beiderseitigen Heeresleitungen unter⸗ 1 t wurde wer wollte glauben, daß diese Leute geneigt seien, N abel! einander über die Kriegsnotwendigkeit hinaus unsagbare Greuel * u verliben? Die Erzählungen von diesen Schützengrabenfreund⸗ 1 ltaften sind aber noch unendlich zahlreicher, als die Greuelgeschich⸗ II en, die zu einem Teil auf scheußlicher Wahrheit, zum großen Teil 10 ben ber auf Klatsch und Gerede beruhen mögen. 1 * Hört man die Beschuldigungen, die heute die beiden größten . külturvölter Europas gegeneinander erheben, so möchte man schier 90 eder Menschheit verzweifeln. Wir, die wir den Glauben an die 1 lenschen nicht verlieren wollen, wenden uns gern von diesen Nacht⸗

eßenstern der Urzeit jenen lichteren Bildern zu, die uns im Krieg i vielfach entgegengetreten sind. Sie weisen den Weg zu einer sesseren Zukunft.

10 u terseeboote gegen Handelsschiffe? nac gu Eine Bewegung ist im Gauge, um dem Gedanken, die feindlichen 1 dundelsflotten mit Untersecboten zu bekämpfen, zur Verwirklichen . helsen. In der Köln. Z1g., der Deutschen Tagesgztg., der Tägl.

kumöschau und vielen andern Blättern kinden sic ihre Spuren. Eine

über

mdividuen k existieren könnten, die von ihrer Wesensart über

hen Armee, in der die Auslese wegen des dürfte

kechtschaffen und menschlich denkenden Elementen fehlt es das Wer wollte

besonders eingehende Untersuchung der Frage versucht Hans Weh⸗ berg in der ZeitschriftDas neue Deutschland, er kommt dabei zu dem Resultat, daß durch das Auftreten der Unterseebotegeradezu neues Recht geschaffen wird, eint, auf Grund dieses neuen Rechts sei Deut nge, über die ganze englische Küste die Blockade zu verhängen und Schisfe, die diese Blockade brechen, mitsamt der Mannschaft in Grund zu schießen. Diese Art der U suchung geht freilich am Kernpunkt der ganzen Frage voll⸗ ständig vorbei, denn nicht darum handelt es sich, welches neue Rocht geschaffen werden soll, sondern darum, welches Recht hinsichtlich der Soekriogsführung auf Grumd abgeschlossener Verträge besteht. Und da kann nun freflich kein Zweisel darüber sein, daß das, was Herr Wehberg befürchtet, mit don bestehenden Verträgen und Rechts⸗ grundsätzen nicht vereinbar ist. Sind diese Grundsätze für Deutschland ein Nachteil, so kann man vielleicht der Regierung einen Vorwurf daraus machen, daß sie sich zu ihrer Anerkennung ver⸗ standen hat, und das heikle Problem besteht nun darin, ob sich Deutschland über diese von ihm selbst anerkannten Grundfätze hin⸗ wegsetzen soll oder nicht. 5 Wenn ein unbewaffnetes Handelsschiff des Blockadebruchs über⸗ führt ist und die Unmöglichkeit vorliegt, es in einen deutschen Hafen einzubringen, dann darf es zerstört werden, aber nur unter einer Bedingung: die an Bord befindlichen Personen müssen zuerst in Sicherheit gebracht werden! Ein Untersecbot kann wegen seines engen Raumes die Besatzung des Blokade brechenden Schiffes nicht aufnehmen, es kann also die Bedingung nicht erfüllen, unter der die Zerstörung des Schiffes gestattet ist. Herr Wehberg aber schließt umgekehrt; weil das Unterscebot so wenig Raum hat, darf es die friedliche Besatzung eines unbewaffneten Hanbelsschiffes samt Frauen und Kindern ertränken.

England hat dankt seiner günstigen strategischen Lage, die deutsche Schiffahrt unterbipden können, ohne zu solchen Maßregeln seine Zuflucht nehmen zu müssen. Die Notwehrstellung

waltige moralische Nachteil, in den sich Deutschland ver⸗ setzen würde, wenn es die Ratschläge der Wehberg und Genossen be⸗ folgte. Dieser Nachteil wird noch verschärft, wenn man die geplanten äußersten Notwehrmaßregeln, wie Wehberg es tut, durch eine ge⸗ quälte Rabulistik als irgendwierechtlich begründet hingustellen versucht. Man gebe lieber zu, daß der Weltkrieg alles das, was man in früheren Zeiten als Recht und Moral bezeichnete, in Stücke geschlagen hat, daß nur noch der nackte Kampf ums

Vereinbarung kennt, und daß alles erlaubt ist, was hilft. Auf diesem Wege käme man vielleicht dazu, ruhig zu überlegen, ob es wirklich möglich ist, mit Unterseeboten den englischen Handel zu unterbinden und wenn man zu dem Resultat gelangte, daß dies nicht möglich ist, würde auch der entschiedenste Verfechter jenes Ge⸗ dankens zur Einsicht kommen, daß er nur geholfen hat, die Leiden⸗ schaften aufzureizen und das neutrale Ausland aufzubringen, ohne sonst etwas Praktisches zu bewirken.

Deutiche vor dem Krieasgericht in Casablauca.

Genf, 15. Jan.(Ctr. Frkft.) Vor dem Kriegsgericht in Casa⸗ blanca begaum unter dem Vorsitz des Obersten Augistron, wie von dort dem Temps gemeldet wird, ein Prozeß gegen die Deutschen Karl Ficke, Nehrkorn und Grundler, die geheimer Vebbindungen mit dem Feinde, der Spionage sowie der Teilnahme an Aufstands⸗ bewegungen beschuldigt werden, mit denen sie angeblich die Pazi⸗ sierung Marokkos zu hindern suchten. Ficke ist außerdem wegen Beihilfe zur Desertion aus der Fremdenlegion angeklagt.

Kohlennot in Frankreich.

In Frankreich herrscht großer Kohlenmangel. In normalen Zeiten werden im Lande selbst rund 40 Millionen Tonnen innerhalb eines Jahres gewonnen. Der Bedarf aber beziffert sich auf über 60 Millionen Tonnen. Da die Eigenproduktion zudem zu drei Vier⸗ teln aus den jetzt von den Deutschen besetzten Gebieten des Nordens flammt, werden in diesem Jahre rund 50 Millionen Tonnen eier⸗ geführt werden müssen, soweit der Bedarf nicht infolge des Krieges zurückgeht Dies hat eine ungeheuve Spekulation zur Folge gehabt. Der Preis für englische Anthrazitkohle, die stark eingeführt ist, stieg in Paris von September bis Dezember von 41.65 auf 64,15 Fr. pro Tonne, also um über 50 Prozent! Im Kleinhandel wurden schon Preise verlangt, die 127,50 Fr. pro Tonne ausmachen. Dabei wird es immer schwieriger, überhaupt die erforderlichen Kohlenmengen borbeizuschaffen. Früher kann die Hälfte der fehlenden Kohlen aus England, die andere Hälfte aus Belgien und Deutschland. Diese Hälfte fehlt ebenfalls ganz, während die englischen Kohlenlieferanten auch aus jenen Ländern mit Bestellungen überhäuft werden, die früher ihren Bedarf mehr oder weniger aus Deutschland deckten.

Inzwischen steigen die Kohlenpreise in gang Frankreich immer mehr. Die Arbeiterorganisationen und ihre Presse fordern daher energische Maßnahmen der Regierung zur Behebung dieser Kala⸗ mität, unter der die ärmere Bevölkerung schon sehr stark leidet.

Eine russische Unwahrheit.

Die russische Regierung veröffentlicht eine lange Dar⸗ stellung von angeblichen Mißhandlungen, denen rusiische Diplomaten und angesehene Privatpersonen nach Ausbruch des Krieges in Deutschland ausgesetzt gewesen seien während die Deutschen in Rußland ihren Verhältnissen ent⸗ prechend korrekt behandelt worden seien.

Ein Kampf in Südafrika.

Pretoria, 15. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Nach einer amtlichen Meldung besetzte der Kommandant van Vanzyl im 12. Januar Romansdrift, den Hauptübergang über den Oranjefluß nach dem deutschen Gebiet, rückte nach dem Nordufer vor, wo ein Kampf mit einer deutschen Patrouille stattfand. Die Deutschen zogen sich in nörd⸗

Deutschlands ist unverkennbar, ebenso unverkennbar aber ist der ge⸗

Dasein gilt, der keine Regeln der Menschlichkeit, der völkerrechtlichen

licher Richtung zurück, wurden aber am Nachmittag zwei Meilen von Drift überrascht. Ein Deutscher wurde ge- tötet, ein zweiter verwundet und gefangen genommen. Der Rest zog sich gegen Sandfontein zurück.

Die kranken Kanadier.

London, 15. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Der Dailß Telegraph meldet aus Montreal: Die hartnäckigen Meldungen, daß in dem kanadischen Kontingent Englands die Meningitis und andere Krankheiten ausgebrochen seien, haben in Kanada große Beunruhigung hervorge⸗ rufen. Man ist vielfach der Ansicht, daß es besser wäre, das Kontingent nach der Front zu schicken, als es während der Ausbildung unter schlechten Bedingungen in England ruhm⸗ loser Krankheit und dem Tode auszusetzen.

Amerikas Krieg lieserungen an die Feinde Deutschlands.

In der Voss. Ztg. wird folgende Liste von Aufträgen, welche die Regierungen der Verbündeten bisher in Amerika erteilt haben, veröffentlicht: 5

1. Bei der Remington Arms Co. 200 000 Gewehre, Kaliber 309. und 100 000 Gewehre Kal. 7 Millimeter, nebst 13 000 000

Patronen.

Bef der Bethlehem Steel Sorp. 4050 Geschütze, Kal. 9,2 Zoll, nebst Protzkasten.(Ein Teil dieses Auftrages, 35 Bahn wagen füllend, im Werte von 2 Millionen Dollar, wurde bereits im Dezember über Vancouver auf dem DampferNomgoro 35 Wladiwostock verschifst). 900 Geschütze, Kal. 6 Zoll(Haubitzen) nebst dazugehörigen Protzkästen. Ablieferung muß innerhalb

18 Monate erfolgen. 5 g Bei der Colt Patent Firearms Mfg. Co., Hartford(Conn.)

50 000 Revolver und 1500 Maschinengewehve. Wegen weiterer größerer Aufträge stand die Firma Mitte Dezember noch in Unterhandlungen. 5 Bei der Du Pont Powder Co. Schießpulver für 12 Millionen Dollar, teils für Englands, teils für Frankreichs Rechnung. Bei der Union Metallic Cartridge Co. in Bridgeport(Conn.) drei Millionen Patronen wöchentlich für die französische Re⸗ gierung, sowie zwanzig Millionen Patronen, für England, da⸗ runter angeblich solche mit Weichkugeln, also eine neue Sorte Dum⸗Dum⸗Geschosse. 6. Bei der Autocar Co. 200 Panzerautomobile mit Maschinen⸗ gewehren ausgerüstet. 5 15 Bei der Wright Co. in Detroit(Mich.) eine größere Anzahl Flugzeuge.(Von dieser Bestellung sind bereits über Vancouver mit dem DampferNowgorod zehn Wagenladungen nach Ruß⸗

land abgeliefert worden. 0 Bei der Crucible Steel Co. Artillerie-Munition im Werte von zwölf Millionen Dollar, sowie 4000 stählerne Pfeile zum Ab⸗ werfen von Flugzeugen.. Bei diesen Bestellungen handelt es sich, wie die Voss. Ztg. schreibt, nur um solche, deren Eingang und Annahme zweifels⸗ frei festgestellt werden konnte. In Wirklichkeit sind die ein⸗ gegangenen und teilweise bereits ausgeführten Bestellungen auf Kriegsmaterial viel größer, was sich schon aus der ameri⸗ kanischen Ausfuhrstatistik ersehen läßt. Zweifellos haben die für England, Frankreich und Rußland bestimmten Kriegs- lieferungen erheblich dazu beigetragen, daß die November ausfuhr über Newyork auf 86 Millionen anschwoll, gegen 194 Millionen im Oktober, 150 im September und 110 Mil⸗ lionen Dollar im August, besonders da die Baumwollausfuhr noch nicht 2 Millionen Ballen in dieser Saison erreicht hat gegen rund 5 Millionen Ballen im selben Zeitraum des vorigen Jahres. Personenwechdel im Reichsschatzamt. Helfferich für Kühn. a Berlin, 15. Jan.(W. B. Amtlich.) Wie die Norddeutsche Allgemeine Zeitung von unterrichteter Seite erfährt, steht binnen kurzem eine Aenderung in der Besetzung des Reichs schatzamtes bevor. Der Staatssekretär Kühn leidet schon seit längerer Zeit an einer fortschreitenden gichtischen Erkrankung, die ihn mehr und mehr, auch in der Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit hinderlich wird und den Gedanken an seinen Rücktritt nahelegt. Ee hat, wie selbstverständlich, nach Ausbruch des Krieges alle persönlichen Rücksichten zurücktreten lassen und weiter im Amte verharrt. Im weiteren Verlaufe der Dinge hat er sich jedoch davon überzeugt, daß er, wenn er die demnächst not. wendig werdende Neuordnung der Finanzen des Reiches nicht bloß vorbereiten, sondern auch abschließend durchführen wollte, noch eine Reihe von Jahren im Dienste verbleiben müßte, was sein Gesundheitszustand ausgeschlossen erscheinen läßt. Es müßte aber unter allen Umständen ver⸗ mieden werden, daß der Wechsel im Finanzressort im Laufe der zu erwartenden neuen Arbeit eintritt. Der Reichsschatz⸗ sekretär hat während der Anwesenheit des Reichs- kanzlers in Berlin im Dezember 1914 Gelegenheit ge

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