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Organ für die Interessen des werktäti
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87 e Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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Gießen, Freitag, den 15. Januar 1915
10. Jahrgang
m— Pia. eimschl. Bringerlohn Durch die Vost bezogen vierteljäbrl. 180 MI Nr. 12 e, . 00. d der N dier em a g 2 en don * Zwischenakt. 3 Von Richard Gäd ke.) 1 In großen betrachtet, hat die kriegerische Handlung in der en Seen ine Weiterentwicklung gezeigt: die Lage der feind⸗ ach a. N. ichen 79 5 ist auf allen Kriegsschauplätzen unverändert ge⸗ — ben. Natürlich ist das nur zutreffend, wenn man auf die suseren Ergebnisse blickt. Welche iuneren Veränderungen sich in Zustande, in der Stärke, in der kriegerischen Kraft der Heere, in der Verteilung der Streitkräfte vollzogen haben, entzieht sich Seger, erer Kenntnis. Aber es ist wahrscheinlich, daß sie ein⸗ Vicki eketen sind, und sich später geltend machen werden. Aus den Lahrichten, die wir amtlich und gelegentlich auch nicht amtlich er⸗ — aalen, lassen sich aber Schlüsse auf die wahrscheinlichen oder selbst 1 U f auf die möglichen Absichten der seindlichen Heeresleistungen — mit größter Vorsicht und in sehr vager Weise ziehen. Selbst in man annehmen wollte, daß alle diese Mitteilungen der gießen 8. klichkeit der Dinge entsprächen. Das ist aber— man möchte af sagen meist— nicht der all, da sie sich in schroffster Weise zu NN 5 dersprechen pflegen. Schon dem einzelnen Feldherrn wird 0 fg. chwer, in diesem Nebel des Irrtums seinen Weg zu finden, wie 4 8 mehr uns, die wir nicht im Geheimnis sind, weder der eigenen 06„ och der fremden Heereslejitung. Und wenn wir es einml zu sein Siehe lalbten, dieses glücklich gefundene Korn für uns behalten müßten! eden in bleibt nur die rückblickende Betrachtung über das, was bereits beds Pg e ehen ist, und auch sie nur, wenn die neue Lage unabänderlich 1 e steht und bereits der Ausgangspunkt neuer Ereignisse ge⸗ — den ist. Die Tatenlosigkeit der letzten Woche— trotzdem Blut genug in hegeflossen ist— hat ihren Grund zum Teil gewiß in der unge⸗ etrehntt Phe lich schlechten Witterung, hie und da, besonders g neten. Osten, auch in der zeitweisen Erschöpfung der Truppen. Die küpt aber mag doch wohl sein, daß die Kräfte der ener sich gegenwärtig überall die Wage halten. Die — Altärischen Akkumulatoren müssen erst neu geladen werden, um! um in mächtigen Gewitterschlägen da oder dort die Vernichtung es Gegners zu versuchen.
Auf dem westlichen Kriegsschauplatze ist allerdings an den würdige, leschießensten Stellen, teilweise recht hitzig, gekämpft worden; sichelheim. et alle Gefechte sind bisher von rein örtlicher Bedeutung ge⸗
ben. Die allgemeine Offensive, der Versuch, mit einer gen unbe- epaltigen Anspannung, die deutsche Front zurückzuwerfen oder zu ger Bil, uihbrechen, hat sich noch an keiner Stelle deutlicher markiert. in bevor e sind denn auch auf der einen wie auf der anderen ung Ver, ele nur kleine wesenlose Erfolge erzielt worden. Hier ein 0 zclitzengraben, manchmal nur von 50 Meter Länge, dort ein ojgeriche⸗ Hizel, einmal ein Gehöft, im günstigsten Falle ein ganzes Dorf: u ind d a5 waren die Ergebnisse, die man uns mitgeteilt hat. Und sie den, wie gesagt, vom Gegner oft genug bestritten. Oder wenn Itiedtit eine westlich einer Stadt Fortschritte gemacht haben wollte, 5 te uns der andere verkünden, daß östlich dieser Stadt die 31. Jen ublichen Angriffe zusammengebrochen seien. Am wenigsten Wert * natürlich die französischen Mitteilungen, wonach die deutsche llerie bald hier, bald da durch die überlegene Wirkung der en Batterien schwer gelitten haben oder zum Schweigen ge⸗ —— t worden sei. Sie hat offenbar geschwiegen, weil sie nicht noch rechner in Munition unnütz verknallen, sondern nur dort scharf ein⸗ cb Heuset r sen wollte, wo feindliches Fußvolk zum Sturm vorging. Mau 5 eshießt eben einige Schüsse, um zu zeigen, daß man noch da ist — Maufpaßt; dann geht man zufrieden zum Frühstück oder Abend⸗ hen in die Unterstände zurück.. 1
Immerhin haben sich einige Punkte in der langen. Front päter 18gestellt, wo die Franzosen hartnäckig und Tag für Tag an⸗
griffen haben, und man mag dem vielleicht eine sumptomatische
4 Miutung beimessen. Das ist zunächst natürlich am Meeres⸗ wache en d und in seiner Nähe unnötig, auseinanderzusetzen, daß die her Auhündeten ein besonderes Interesse an Fortschritten in jener ö Mind haben. 25 1 5
Hosser Den Engländern fiele mehr als ein Stein von der Seele, uf die Deutschen nicht mehr in Ostende und Zeebrügge wären. cles henn sind die Franzosen ziemlich scharf in der Umgebung von 1 sons vorgegangen, bisher ohne jeden Erfolg. Am heftigsten nne i zähesten aber versuchten sie zwischen Reims und dem Argonnen⸗ iger e mit wechselndem Erfolg vorzudringen. Neutrale Beurteiler el u daraus den Schluß gezogen, daß Joffre hier den her wachen Druck der deutschen Linie suche und mit neu⸗ a kamelten Kräften in der Richtung auf Bethel(35 Kilometer 1 Adsstlich Reims), weiterhin etwa gegen die Linie Mezisres 10 ien durchstoßen solle. Die Zukunft wird zeigen, ob die Annahme 1(tg war. Schließlich sind die Franzosen nach wie vor im Ober⸗ 41 aß fehr rührig. Sie suchen die Stellung, die sie im Ge⸗ ne! i um Thann behauptet haben, nach der Ebene hin auf Mül⸗ * a 1 3 V lände der
44 asen auszudehnen. Ob sie damit nur das Vorgelände d ng Belfort erweitern wollen, oder tatsächlich noch weiter⸗ . eien de Pläne verfolgen, läßt sich gleichfalls noch nicht übersehen. 1 2bHeutsche Heeresleitung aber 1 beiden Gebieten sicher schon
Ihe Aufmerksamkeit zugewendet haben. 3 a 5
Beli blefel Gelegenheit mag es interessant sein, einen Blick auf
Husammensetzung des feindlichen. zu werfen, wie sie von eee eit alen Zeitungen angegeben wird.„ 275
u Der linke Flügel 1 verbündeten Streitkräfte soll hiernach ae. de dem gemeinsamen Vefehl des Generals Foch stehen. Er 1 Ig wei französische Armeen, Castelnau und Maudhun, sowie 65 nent. der unter sich, dann folgen die Engländer unter French, 110
115 ind zurzeit anscheinend bereits in zwei Armeen geteilt un N n en einschließlich der Inder sechs Armeekorps. Demnächst 1 0 leihe nach die Armeen von Maunury, Cars de Langle, e.) Der Verfasser ist der frühere Oberst Gädke, ein 5 Ur. lamer und angesehener Militärschriftsteller. Wir werden 1 10 e Feder regelmäßig zusammenfassende Berichte über den
(bod des Weltkriegs bringen.
Franchet d'Esperey, Dubail, Sarwail, Pütey(dieser im Elsaß). Nimmt man die französischen Armeen nach der Normalgliederung zu je vier Armeekorps, so kämen wir nach jenen Quellen auf eine Gesamtstärke des französischen Feldheeres von höchstens 39 Armee⸗ korps oder rund 1800 000 Mann. Nachprüfen lassen sich jene An⸗ gaben natürlich nicht.
Vollständiger als im Westen ist die Waffenruhe im Osten. Nachdem wir den Unterlauf der Bsura an einzelnen Stellen über⸗ schritten und weiterhin von der Raska bis an und über die Sucha
vorgedrungen waren, ist unsere Offensive dort vorläufig zum Still⸗ Die Russen ihrerseits sollen sogar zum Angriff
stand gekommen. übergegangen sein. Nach anderen Quellen haben sie allerdings die Garde aus der Gefechtslinie zurückziehen und durch vier Reservedivisionen ersetzen müssen. An der Pillza und Nida fanden in den letzten Tagen fast ausschließlich Geschützkämpfe statt. Die Gegner stehen sich hier, wie auf dem westlichen Kriegsschauplatze, stark verschanzt gegenüber. In West⸗Galizien aber ist es der sehr entschlossenen und stark überlegenen russischen Offensive nicht geglückt, über den Abschnitt des unteren Dunajee und der stark verschneiten Karpathenkämme vorzudringen. Der Still⸗ stand scheint hier vorläufig ein vollständiger zu sein, nur über den Uteck⸗Paß im Quellgebiet der Ungflusses und weiter östlich fanden noch einige Angriffsversuche statt. Wie stark die hier vorgehenden russischen Kräfte sind, ist nicht bekannt. Dagegen scheint die Be⸗ lagerungsarmee gegen das tapfer verteidigte Przemysl zugunsten des Feldbeeres so geschwächt zu sein, daß die Festung nur noch ein⸗ geschlossen ist. Es besteht also begründete Hoffnung, daß sie sich noch lange wird halten können. 8
Sobald das Wetter günstiger wird, darf man wohl erwarten, daß der bisher so glückliche deutsche Angriff auf den russischen rechten Flügel mit aller Kraft von neuem einsetzen wird.
Im Süden der verbündeten Donaumonarchie wird nach neutralen Zeitungen ein neuer Angriff auf Serbien vor⸗ bereitet. Auf alle Fälle haben sich die serbischen Streitkräfte als nicht stark oder wagemutig genug erwiesen, um ihrerseits in Oester⸗ reich einzufallen. Es scheint, als ob sie sich auf die Verteidigung des Heimatlandes beschränken wollten oder müßten.
Ueber den Kaukasus lauten die Nachrichten derart wider⸗ sprechend, daß man sich ein klares Bild über die dortige Lage nicht machen kann. In jedem Fall handelt es sich um einen Neben⸗ kriegsschauplatz. In Aegypten sollen 125 000 Mann englischer indischer und australischer Truppen festgehalten sein, eine immer⸗ hin für uns erfreuliche Folge der türkischen Kriegserklärung.
Zum Schluß mag es interessant sein, aus französischen Quellen die bisherigen Gesamtverluste der Franzosen und Russen zu hören. Danach sollen die letzteren an Toten Verwundeten und Gefangenen einen Abgang von 1650 000 Mann erlitten haben, die Franzosen aber von 1200000 Mann. Rechnet man hinzu den englischen und den belgischen Verlust mit je 125000 Mann, so ergibt das die hohe Zahl von 3 100 000 Köpfen. Natürlich darf man nicht etwa an⸗ nehmen, daß die feindlichen Heere um ebensoviel bereits dauernd geschwächt seien. Ein erheblicher Teil der Verwundeten ist zweifel— los schon wieder in die Reihen zurückgetreten. Bei den Franzosen wird letztere Zahl auf 250000 Mann angegeben, andererseits sollen bei ihnen 498 000 Kranke und Verwundete die Spitäler gefüllt haben. Kaum nötig hinzuzufügen, daß wir keine Mittel haben, die Richtigkeit dieser Angaben zu erhärten. Aber die Quellen selbst, aus denen sie stammen, sprechen dafür, daß sie eher zu niedrig als zu hoch bemessen sind.
Frankreichs zweites Heer.
Die französische Regierung hat mitgeteilt, daß sie ein zweites Heer in Bereitschaft setzen werde. Ein militärischer Mitarbeiter der Süddeutschen Zeitung untersucht nun die Frage, wie groß und welcher Art dieses neue Heer sein werde. Er schreibt:„Schon bisher ist in Frankreich von hundert Männern im militärischen Alter der größte Teil eingezogen worden. Der Prozentsatz betrug im allgemeinen 78—82 vom Hundert. Es gab sogar Jahre, in denen er höher war, während andere Jahre wieder dahinter zurück— blieben. Kimmt man noch an, daß von den Nichtausge— hobenen, die sicherlich nicht gesund waren, ein Teil verstorben ist und ein anderer Teil selbst den geringsten Anforderungen nicht genügt, dann bleiben auf 100 Mann nur noch sehe wenig übrig.... Dann sind die beiden Jahrgänge 1916 und 1917 zu erwähnen. Der Jahrgang 1916 ist 220 000 Mann stark. Der Jahrgang 1917 ist, wie auf Grund einer statisti⸗ schen Geburtenübersicht des Jahres 1897 festgestellt werden kann, geringer. Während das Jahr 1896 rund 834 000 Ge⸗ burten aufzuweisen hatte, hat das Jahr 1897 nur 821000 Geburten gehabt. Zieht man davon die Anzahl der Mäd- chen und die Verstorbenen ab, so ergibt sich, daß der Jahr⸗ gang rund 300 000 junge Leute umfaßt. Davon müssen als bereits im Heeresdienst befindliche Freiwillige, als Feld— dienstuntaugliche und als zu Schwache 90 000 abgezogen werden. Es bleiben demgemäß 210000 Mann übrig, die bei ihrer Jugend kein erfreuliches Soldatenmaterial sind. Man wird hoch rechnen, wenn man die gesamte zweite Armee auf 400450 000 Mann veranschlagt.“
Kälte und Sturm.
Die Tagesberichte aller Kriegsparteien lassen in den wenfgen Worten, die sie gelegentlich über die Unbilden des rauhen und nassen Wetters aussprechen, nur schwer erkennen, welchen furchtbaren Strapazen die Soldaten durch Frost und Wind ausgesetzt sind. Folgende Tatsachen, die wir der Kraug⸗Ztg. entnehmen, lassen er⸗
lositionskrieg.
raten, wie groß die Ausfälle sein mögen, die allein die Eng⸗ länder bisher schon dadurch erlitten haben. Es heißt dort: Die Kälte und der Frost an der Front fordern beinahe ebensoviele Opfer wie die deutschen Geschosse. Offiziere, die krank von der Front zurückgekehrt sind, erzählten, daß augenblicklich über 1500 englische Soldaten in Boulogne und Umgegend liegen, die alle an erfrorenen Füßen leiden. Ueber tausend von ihnen mußten ein oder beide Beine amputiert werden, und besonders er⸗ schwerend fällt es ins Gewicht, weil bei den vielen verwundeten Sol⸗ daten ein vollständiger Nervenzusammenbruch jeden Versuch zur Heilung zunichte macht. Die großen Verluste, die die englische Armee durch diese vielen Amputationen gehabt hat, haben die englische Front mehr verdünnt als alle Kugeln und Schrapnelle. Hauptmann Ballyntyne vom Territorial⸗Bataillon der Royal⸗Scots, der jetzt im Lady Islingston Hospital in Mayfair liegt, erzählte folgendes:„Von dem Augenblick an, wo ich vor drei Wochen an der Front ankam, bis gestern Abend, wo ich im Hospital eingeliefert wurde, bin ich nicht ein einziges Mal warm geworden, so fürchterlich hat uns die Kälte zugesetzt.“ 8 g Eine Mahnung zur Menschlichkeit.
Die sozialistische Humanits erhebt nach einem Tele⸗ gramm der Frankf. Ztg. Widerspruch dagegen, daß die französische Regierung Repressalien gegen die deutschen Kriegsgefangenen anwende. Eine der⸗ artige Folterpraxis sei Frankreichs unwürdig.
Die Seeschlacht bei„Mühlhausen“. 5
Amsterdam, 13. Jan.(Ctr. Frkft.) Das Vaterland veröffent⸗ licht folgende Mitteilung ihres Korrespondenten aus Buenos Aires: Dieser Tage brachte das portugiesische Blatt der brastlia⸗ nischen Stadt Corumba folgendes Telegramm: Eine große Seeschlacht zwischen der deutschen und englischen Flotte fand bei Mülhausen() statt. Die Deutschen wurden total ge⸗ schlagen; sie verloren 36000 Mann und die Engländer nahmen ihnen 96 Kriegsschiffe ab. 5
Russische Jude verfolgung in Polen.
Im Joraelit veröffentlicht der zur Zeit im Felde stehende Rabbiner Dr. Arthur Levy aus Lodz einen offenen Brief an The American Hebrew in Newyork, das eine— wohl von Zangwill und Genossen stammende— die russischen„Kulturtaten“ in Radom ab⸗ schwächende Mitteilung gebracht hatte. Er gibt darin eine Zusam⸗ menstellung russischer Greuel, aus der wir folgendes ent⸗ nehmen: Die Russen haben in Radom drei unschuldige Juden ohne Gericht und ohne Urteil aufgehängt. Die Pogrome früherer Zeiten sind ein Nichts gegen die rasende Vernichtung jüdischer Häuser und jüdischen Lebens, die mit dem russischen Heere sich durch ganz Polen wälzt, mit ihm vorwärts, utit ihm rückwärts geht und es begleitet wie ein drohender Schatten. In mehr als 215 Ortschaften wurde bisher progromiert, und es ist kein Ende dieses Schreckens abzusehen. 5
In Staschew wurden am Jaum Kippur 11 Juden in der Synagoge aufgehängt. In Klodowa wurden zwei der ange⸗ sahensten Juden an einem Freitag Abend am Balkon des eigenen Hauses aufgeknüpft, nachdem die Frau des einen selber die Stricke hatte herbeiholen müssen. 24 Stunden mußten die Leichen hängen bleiben, und die Juden der Nachbarschaft durften die
Fensterläden nicht schließen, damit sie sich nicht dem entsetzlichen An⸗
blick entzögen. Auf die Brust hatte man den Getöteten einen Zettel mit der Aufschrift geheftet: Gehängt, weil sie ein Dreirubel⸗ st ück nicht wechseln wollten.
In Schidlowice haben sich füdische Mädchen in den Pilizer Teich geworfen, weil sie geschändet worden waren und diese Schmach nicht durchs Leben tragen wollten.
Aus Zyrardow, Pruschkow, Bialobrzeg, Iwan⸗ gorod, Grodzisk, Skiernewice und vielen anderen Orten wurden sämtliche Juden fortgejagt. In Skiernewice traf sie der Ausweisungsbefehl am Freitag Abend, als sie gerade die Sabbatlichter angezündet hatten. Und so gingen die tausend Skierne⸗ wicer Juden aus ihren Häusern und zogem der Rabbiner an ihrer Spitze, hinaus ins Dunkle der Nacht. Die Grodzisker Juden woll⸗ ten sich nach Warschau wenden und baten durch eine Deputation um Erlaubnis. Der General hieß sie nach dem linken Weichselufer gehen, und da sie ihm antworteten, das wäre dasselbe wie in die Weichsel gehen, meinte er zynisch: das wäre das allerbeste.
In Lowyz wurden zwei junge Juden wegen angeb⸗ licher Spionage, nach vorheriger Verstümmelung des einen, auf⸗ gehängt; dasselbe Los wurde einem angesehenen Getreidehänd⸗ ler zuteil, weil er— vor dem Kriege— nach Deutschland Geschäfte gemacht hatte. 5
In Bechawa(ubliner Gouv.) wurden im Oktober 78 Juden an einem Tag wegen„Spionage“ aufgehängt. In Kramostaw(Lubliner Gouv.) wurden viele Häuser eingeäschert, die Juden(200 Familien) zum großen Teil mit Frauen und Kindern vernichtet. In Lodz sind 15000 Kleinhändler ihrer Habe beraubt und zu Bettlern gemacht worden. In Zdunska Wola wurden sämtliche Frauen und Mädchen geschändet;
selbst eine Wöchnerin am dritten Tage ihrer Niederkunft, und Kinder von sechs und fünf Jahren blieben nicht ver⸗
schont. Eine Frau, deren Mann im Krieg war, starb an den Folgen einer Vergewaltigung. Die Verge altigung der Neutralen. Kristiania, 13. Jan.(Ctr. Frkft.) Zum zweiten Male ist der der staatlich subventionierten norwegischen Amerika⸗ Linie gehörende Dampfer„Bergensfjord“, wie bestimmt angenom⸗ men wird, von den Engländern aufgebracht worden. Der Dampfer wurde gestern in Bergen erwartet, kam aber nicht und sett Montag Morgen 9 Uhr liegt keine Meldung von ihm vor. Leiter der Linie erklärt offiziell, er nehme an, daß der Dampfer zur Untersuchung nach Kirkwall gebracht worden sei. Der Dampfer hat


